Zurück zur Themenübersicht

Wenn Fische heilen helfen - Neurodermitis

Quälende Symptome

Typisch für die Neurodermitis ist der quälende Juckreiz. Er steigert sich anfallsartig von einem beginnenden Kribbeln bis zum Schmerz. Betroffene streichen zunächst vorsichtig mit ihren Fingerspitzen über die kribbelnden Stellen. Statt der ersehnten Erleichterung steigert sich das Kribbeln in ein Jucken. Aus dem Streichen wird Kratzen, das den Juckreiz nur kurzfristig lindert. Hört der Betroffene auf zu Kratzen, beginnt der Juckreiz von vorn - meist schlimmer als zuvor. Der Juckreiz steigert sich zum Schmerz: Es wird gekratzt, bis die oberste Hautschicht (Hornschicht) aufgescheuert ist, kleine Blutgefäße werden dabei verletzt.

Ein Teufelskreis beginnt: Die zerstörten Zellen kurbeln die Produktion von Botenstoffen an, die wiederum einen Juckreiz auslösen. Schmutz und Keime gelangen in die Wunden, der Regenerationsprozess kommt gegen die Invasion der Erregern nicht mehr an: die Haut vereitert und entzündet sich. Zum physischen Leiden kommt bei vielen Neurodermitikern noch psychischer Stress hinzu: Schlaflose Nächte, schuppenübersäte Wohnungen und blutverschmierte Leib- und Bettwäsche machen ihnen und ihren Angehörigen das Leben schwer. Durch die Hautveränderungen kommen Reaktionen aus der Umwelt noch hinzu: Abwertende Blicke und die Vermeidung eines Hautkontakts wie beim Händedruck, treiben viele Betroffene oft aus Scham in die soziale Isolation.

"Doktor" - Fische sollen die Symptome lindern

Eine ungewöhnliche Hautbehandlung, der sich schon seit Jahrhunderten die Menschen im anatolischen Hochland in der Region um den Kurort Kangal unterziehen, versucht nun langsam auch in Deutschland Fuß zu fassen: Die Behandlung mit so genannten Kangal-Fischen. Die "schwimmenden Therapeuten" können bis zu 14 cm groß werden, fühlen sich bei ca. 36°C am wohlsten und gehören zu der Familie der Karpfenfische. Ihr botanischer Name: Garra Rufa, rötliche Saugbarbe. Aus Mangel an eiweißreichem Plankton in den warmen Thermalbächen waren die Tiere gezwungen, auf andere Eiweißquellen auszuweichen. Sie fanden sie in den Hautschuppen der Menschen. Über Jahrhunderte hinweg konnte beobachtet werden, dass es bei den Menschen, die unter Hautkrankheiten litten, zu Abheilungsprozessen kam, nachdem die Fischen sie von ihren Hautschuppen befreit hatten. Dieses Phänomen blieb auch Medizinern nicht verborgen. Untersuchungen ergaben, dass die Fische eine geringe Dosis dithranol- und enzymhaltige Sekrete in die Unterhaut einbringen, wenn sie an der Haut knabbern. Dithranol wird in der Schulmedizin zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt und verhindert die zu rasche Erneuerung der Haut. Seit einigen Jahren werden nun diese Fische auch in Deutschland gezüchtet. Einige Heilpraktiker und Privatkliniken bieten Kuren mit den „Kangalfischen“ an (auch Ichtoytherapie genannt, Ichtys = griech. Fisch)

Die Fisch-Therapie

Wer sich für eine Therapie entscheidet, muss viel Zeit investieren. Denn über mindestens drei Wochen wird 1 bis 2 mal täglich für zirka 1,5 Stunden mit bis zu 100 Fischen gebadet. Das Knabbern der Fische wird als angenehmes Kribbeln verspürt und ist vollkommen schmerzlos. Damit die Haut nicht austrocknet, muss sie nach dem Bad gut eingecremt werden, um die verlorene Feuchtigkeit auszugleichen. Wichtig ist allerdings, dass keine Zusatzstoffe, wie Cortison, in den Cremes enthalten sind, da sie den Fischen Schaden zufügen können. Neue Salben und Cremes sind ohne Duftstoffe, Öle, etc.

Beurteilung

Betroffene mit Neurodermitis oder Schuppenflechte beurteilen den Behandlungserfolg weitgehend positiv. Die Hautirritationen entwickelten sich größtenteils zurück und der Juckreiz ließ nach. Wie bei allen Behandlungsmethoden muss individuell entschieden werden, ob diese Therapie erfolgsversprechend sein kann, oder nicht. Sicher ist, dass die Fisch-Therapie nur als eine Ergänzung oder Kombination eines umfassenden Therapiespektrums gesehen werden darf. Die Fische allein heilen eine Schuppenflechte oder Neurodermitis nicht.

Studien

In der deutschen Schulmedizin ist der Einsatz der Fisch-Therapie zur Behandlung der Neurodermitis oder der Schuppenflechte noch nicht anerkannt, da aussagefähige Studien fehlen. Allerdings wurde die Wirksamkeit der Fisch-Therapie bei Schuppenflechte in einer Studie belegt.

Übernahme der Krankenkassen?

Der Erfolg der Behandlung ist bislang nicht medizinisch anerkannt und die meisten gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Fisch-Therapie deshalb nicht. Es empfiehlt sich jedoch bei der eigenen Kasse nachzufragen, da immer wieder neue alternative Heilmethoden zur teilweisen oder ganzen Erstattung in den Leistungskatalog aufgenommen werden.

Stand 200

Zurück zur Themenübersicht