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Allergische Atemwegserkrankungen
Kleine Pollen mit großer Wirkung
In
Deutschland leiden über zwölf Millionen Menschen unter Heuschnupfen. Und die
Tendenz ist weiter steigend. Ausgelöst wird der Heuschnupfen - medizinisch als
Pollinosis bezeichnet - durch den Blütenstaub (Pollen) von Bäumen, Sträuchern,
Gräsern und Getreide. Kommen die Pollen in Kontakt mit den Schleimhäuten in Nase
und Augen, werden allergische Reaktionen wie Augentränen und –jucken, Niesreiz
und verstopfte Nase ausgelöst. Schon kleinste Mengen reichen aus, um eine
Reaktion hervorzurufen. Bei etwa einem Viertel aller Atemwegsallergiker erfolgt
nach 8-15 Jahren ein so genannter "Etagenwechsel", d. h. die Entzündung greift
von der Nase auf die Bronchien über und es kommt zu Asthma bronchiale, welches
dann zwar medikamentös gelindert, aber nicht mehr geheilt werden kann. Eine
frühzeitige Behandlung des Heuschnupfens ist deshalb unbedingt notwendig, um
diesen Etagenwechsel zu vermeiden.
Wie kommt es zur allergischen
Reaktion?
Mit der
eingeatmeten Luft gelangen die Pollen in den Körper. Normalerweise werden sie
sofort von Fresszellen aufgenommen und in Stücke zerlegt. Die TH2-Zellen
(Lymphozyten) sind die körpereigene Fabrik für unsere Antikörper und bilden über
B-Zellen das Immunglobulin G. Es bindet die Bruchstücke, so dass der
„Eindringling“ keine Gefahr mehr für den Körper ist. Bei Allergikern dagegen
bilden die B-Zellen eine andere Form von Antikörpern: die
Immunglobuline E (IgE).
Trifft das Allergen dann ein weiteres Mal auf das IgE, beginnen sie sofort mit
der Produktion von entzündungsfördernden Stoffen. Es entstehen Histamine,
Leukotriene und andere Vermittlerstoffe. Diese Stoffe sind Auslöser von
allergischen Reaktionen wie Fließschnupfen, tränende Augen, Hautausschlag und
Atembeschwerden bis hin zur Atemnot.
Den Allergenen auf der Spur
Wenn es im Frühjahr oder Sommer immer wieder zu einem Schnupfen kommt, ohne das
eine Erkältung vorliegt, und über längere Zeit bestehen bleibt, sollte ein
Allergologe aufgesucht werden. Mit Hilfe verschiedener Allergietests kann er
herausfinden, auf was der Patient allergisch reagiert. Beim Pricktest
werden die Allergene auf die Haut getropft und danach mit einer speziellen Nadel
durch die Tropfen die Haut leicht angestochen. Wenn eine Allergie gegen diese
Pollen besteht, entwickelt sich an der Stelle innerhalb von 20 Minuten eine
mückenstichähnliche Quaddel und Hautrötung. Ergänzend kann eine Blutuntersuchung
durchgeführt werden, der RAST-Test. Das Blut wird auf spezielle Antikörper
(spezifische IgE-Antikörper) hin untersucht. Die Menge der vorhandenen
Antikörper gibt Aufschluss über die Stärke der Allergie.
Zur weiteren Absicherung der Diagnose kann ein
Provokationstest
durchgeführt werden, bei dem die verdächtigen Pollen auf die Nasenschleimhaut
aufgesprüht wird, um die Heuschnupfensymptome zu "provozieren".
Was kann gegen Heuschnupfen getan werden?
Die
medikamentöse Therapie bei Heuschnupfen dient an erster Stelle der Linderung der
Symptome und zur Behandlung der Entzündungen der Schleimhäute. Eingesetzt werden
Antihistaminika in Form von Augentropfen und Nasensprays wirken innerhalb
weniger Minuten. Sie stoppen den Niesreiz und das Tränen der Augen. Kortikoide
gehören zu den stark wirksamen Medikamenten. Sie hemmen die Entzündungen der
Schleimhäute. Mastzellenstabilisatoren wie Dinatrium-Cromoglykat (kurz DNCG)
sollen die Ausschüttung von Histaminen aus den Mastzellen verhindern. Sie werden
örtlich angewandt und in der Regel gut vertragen.
Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, den Pollen in der Heuschnupfensaison so
gut es geht aus dem Weg zu gehen. Da in der Stadt die Pollen gerade in den
Abendstunden absinken, sollte eher morgens gelüftet werden. Regelmässiges
Staubsaugen hilft, die Pollen zu entfernen. Auch sollten Pollenallergiker auf
längere Aufenthalte und Sport im Freien verzichten. Auch kann es ratsam sein,
während der Blütezeit der Pollen in ein Gebiet zu fahren, in dem die Allergene
nicht vorkommen, weil die Blühzeit dort anders verläuft oder die Pflanze gar
nicht vorkommt.
Um das Immunsystem des Allergikers unempfindlich gegen die schädlichen Pollen zu
machen, wird eine Hyposensibilisierung durchgeführt. Hier werden dem Patienten
über einen längeren Zeitraum hinweg, mindestens sechs Monate, das entsprechende
Allergen gespritzt. Die Dosis wird dabei stetig erhöht. So soll erreicht werden,
dass das Immunsystem nicht mehr die Allergie auslösenden IgE-Antikörper
produziert. Die Hyposensibilisierung wird in der pollenfreien Zeit begonnen.
Die Entstehung von allergischem Asthma
Beim
allergischen Asthma reagieren die Bronchien und Lunge auf die verschiedenen
Allergene in der Atemluft. Zu den häufigsten Auslösern gehören neben Pollen u.
a. die Hausstaubmilbe (genauer ihr Kot), Blütenpollen, Tierhaare, Vogelfedern,
Schimmelpilze oder auch Parfüm. Bei einem entsprechenden Reiz ziehen sich
Muskelfasern, die ringförmig in den Bronchialwänden angeordnet sind, zusammen.
Durch die Verengung der Bronchien kommt es zu einer keuchenden Atmung, die in
plötzlichen Anfällen auftritt. Vor allem das Ausatmen ist gestört. Es kommt zu
Pfeifen (s.g. Giemen) und Brummen beim Ausatmen, welches insgesamt verlängert
ist. Charakteristisch sind auch Husten, ein Engegefühl in den Atemwegen,
Kurzatmigkeit und Atemnotanfälle.
Diagnose Asthma
Um die
Atemfunktion des Patienten zu untersuchen, wird ein Lungenfunktionstest
durchgeführt. Da bei Asthma vor allem ein Problem bei der Ausatmung vorliegt,
ist die Ausatemkapazität und die Menge der in der Lunge verbliebenen Luft von
diagnostischer Bedeutung. Dies führt der Arzt mit einem Spirometer
(Atemmesser) durch, welches mechanisch oder elektronisch die Messwerte anzeigt.
Die wichtigsten Werte sind die Vitalkapazität, d. h. die Luftmenge, die nach
maximaler Einatmung wieder ausgeatmet wird, und die Sekundenkapazität. Letzterer
Wert zeigt an, wie weit die Verengung der Atemwege fortgeschritten ist. Nachteil
der spirometrischen Messung besteht darin, dass eine genaue Messung davon
abhängt, wie der Patient bei der Untersuchung mitwirkt. Strengt er sich nicht
maximal an, erhält der Arzt falsche Werte.
Mit einem Platzhysmograph wird der Strömungswiderstand der
Atemluft gemessen. Je größer die Verengung der Atemwege, desto höher sich auch
die Widerstände. Der Vorteil dieser Untersuchung im Gegensatz zum Spirometer
ist, dass sie unabhängig von der Mitarbeit des Patienten objektive Messwerte
liefert. Ebenfalls wird der Luftgehalt im Brustkorb, d. s. intrathorokale
Gasvolumen, gemessen. Aus der Ermittlung des intrathorokalen Gasvolumens wird
auf zwei Lungeneigenschaften geschlossen: Zum einen, ob die Lunge des Patienten
überbläht ist, beispielsweise durch eine Atemwegsobstruktion, und zum zweiten,
ob ein Lungenemphysem vorliegt. Ist die Lunge des Patienten überbläht, ist der
Luftgehalt im Brustkorb erhöht. Liegt dagegen ein Lungenemphysem vor, erhöht
sich der Luftgehalt im Brustkorb ständig, da die Lungen durch die geschädigten
Lungenbläschen, die sog. Alveolen erweitert sind und auch bleiben.
Das größte Gerät ist der Ganzkörperplethysmograph, eine Art
Kabine, in die sich der Patient hineinsetzt. In der verschlossenen Kabine atmet
der Patient 2-3 Minuten lang in ein Mundstück. Während dieser Untersuchung hält
der Patient immer Sprechkontakt zum Betreuer, in der Regel ein Arzt oder
technischer Assistent. Die Kabine kann notfalls auch geöffnet werden.
Auch mit Hilfe eines Peak-Flow-Meters kann die Lungenfunktion
gemessen werden. Das Gerät misst die maximale mögliche Strömung der Atemluft
beim Ausatmen. Nach maximalem Einatmen atmet der Patient kräftig und schnell in
das Gerät. Auf einer Skala kann dann der Wert abgelesen werden. Das Gerät ist
einfach zu handhaben und hilft dem Patienten seine Krankheit auch selber zu
überwachen.
Individuell angepasste Medikamente erleichtern ein Leben mit Asthma
Eine
konsequente medikamentöse Therapie führt zu einem stabilen Zustand. Dafür ist
eine regelmäßige Einnahme notwendig, oft ein Leben lang. Oft hilft nicht nur ein
Medikament sondern eine Kombination aus mehreren. Da die meisten Medikamente
auch eine vorbeugende Wirkung haben, muss der Patient sie auch in der
beschwerdefreien Zeit einnehmen.
Die Deutsche Atemwegsliga hat einen vierstufigen Therapieplan für Erwachsene und
Kinder entwickelt, der sich dem jeweiligen Asthma-Schwergrad in seiner
Medikation anpasst. Ziel ist es, Asthmaanfälle zu vermeiden und eine normale
bzw. bestmögliche Lungenfunktion herzustellen und zu erhalten. Neben der
Häufigkeit, mit der die Asthmasymptome auftreten, dient die Überprüfung der
Lungenfunktionswerte der Einordnung in den Stufenplan. Besondere Bedeutung kommt
hier dem Peak-Flow-Wert zu, den jeder Asthmatiker täglich selbst überprüft.
Zwei verschiedene Wirkstoffgruppen werden bei der Therapie verabreicht:
bronchienerweiternde Medikamente und solche, die entzündungshemmend wirken. Zur
ersten Medikamentengruppe gehören die ß2-Sympathomimetika. Sie
bewirken eine Erweiterung der Bronchien, indem sie die Bronchial-muskulatur
erschlaffen lassen. Da diese Wirkung sehr schnell eintritt, sind sie als
Notfallmedikamente zur Abwendung eines akuten Asthmaanfalls geeignet. Auch
vorbeugend vor größeren körperlichen Belastungen werden ß2-Sympathomimetika
eingesetzt. Anticholinergika wirken ebenfalls
bronchialerweiternd, haben jedoch einen langsameren Wirkungseintritt.
Die Arzneistoffe Cromoglicinsäure (DNCG) und Nedocromil
hingegen wirken antientzündlich und bieten bei einer dauerhaften Anwendung
Schutz. In einem akuten Anfall haben sie keine Wirkung. Ihre Wirkung beruht auf
einer Stabilisierung der Mastzellen und einer Hemmung anderer, an den
Entzündungsprozessen beteiligten Zellen. Kortikosteroide
gehören ebenfalls zu den antientzündlichen Medikamenten und sorgen bei
dauerhafter Anwendung für ein Abschwellen der Bronchialschleimhaut und hemmen
allergische Reaktionen. Bis sie ihre volle Wirkung entfalten dauert es
allerdings mehrere Tage bis Wochen, dafür hält die Wirkung auch nach dem
Absetzen noch lange an. Koritkoide können inhaliert werden, was den Vorteil hat,
dass sie direkt in den Bronchien wirken können.
Die meisten Medikamente werden über Aerosole inhaliert. Das hat den Vorteil,
dass der Wirkstoff direkt in die Bronchien gelangt, wo er auch benötigt wird,
und somit schneller wirken kann.
Stand 2009
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