|
|
Zurück zur Themenübersicht |
Pro und Contra
Chiropraktik
Jeder
Zweite hat sich schon einmal im Laufe seines Lebens verhoben, verrenkt oder
verlegen. Die Folgen sind oft akute starke Rückenschmerzen, die möglichst
schnell behandelt werden müssen. Rückenschmerzen sind zur teuersten
Volkskrankheit geworden und die Zahlen sprechen für sich: über 25 Prozent aller
Krankheitstage entstehen allein durch Rückenschmerzen. Arbeitsausfall,
Behandlungskosten, Rehabilitation verschlingen die unglaubliche Summe von 20 bis
25 Milliarden Euro im Jahr (direkte und indirekte Kosten). Über acht Millionen
Menschen leiden unter chronischen Rückenschmerzen.
Allgemein:
Rückenschmerzen bedeuten generell eine große Einschränkung für die Betroffenen.
Häufig wird die kleinste Bewegung zur Qual. Sind die Schmerzen akut, hoffen
immer mehr Menschen auf einen raschen Behandlungserfolg durch die manuelle
Therapie, auch Chiropraktik oder Chirotherapie genannt. Doch genauso alt wie die
Technik selbst, ist die Diskussion über ihre Wirksamkeit und ihre Risiken. Immer
wieder wird über Fälle von Lähmungen und Schlaganfällen nach einem
chiropraktischen Eingriff berichtet.
Definition und Geschichte der
Chiropraktik:
Schlägt man
in einem medizinischen Lexikon nach findet man folgende Erklärung: “Unter
Chiropraktik versteht man spezielle Handgriffstechniken zum Einrichten von,
durch Verschiebung der Wirbel gegeneinander entstandenen, Einklemmungen im
Zwischenwirbelbereich.“ Aber diese Definition alleine wird der Chiropraktik wohl
nicht gerecht. Denn die Chiropraktik blickt auf eine uralte Geschichte zurück.
Geschichte der Chiropraktik:
Das Wort
Chiropraktik stammt aus dem Griechischen und bedeutet “mit der Hand bearbeiten“.
In Schriften aus dem 5. Jh. v. Chr. notierte Hippokrates: “Erlanget Wissen über
das Rückrad, denn von diesem gehen viele Krankheiten aus.“ Im Mittelalter gab es
die sogenannten “Knochenbrecher“. Am englischen Hof waren „ bone setters“
(Knochensetzer) immer im Gefolge. Ende des 19 Jh. begründete der Amerikaner
David Daniel Palmer die Chiropraktik als Methode, die bis heute ihren
Stellenwert erhalten hat. In Deutschland wurde sie erst nach dem 2. Weltkrieg
bekannt und vorwiegend von Heilpraktikern ausgeübt. Anfänglich von der
Schulmedizin verachtet, fand die Chiropraktik erst sehr spät Anhänger unter den
Ärzten.
Dschungel der Begrifflichkeiten
1976 wurde auf dem deutschen Ärztetag die Bezeichnung „Chirotherapie“
für die Ausübung der Chiropraktik durch Ärzte festgelegt. Sie wollten sich von
anderen ausübenden Berufsgruppen sichtbar abgrenzen. Einen inhaltlichen
Unterschied zur Chiropraktik gibt es jedoch nicht. Fest steht:
Chiropraktik darf in Deutschland nur von Ärzten und Heilpraktikern ausgeübt
werden, die eine fundierte Weiterbildung haben. Im Gegensatz zu Deutschland wird
in anderen europäischen Ländern die Chiropraktik als "eigenständiger Heilberuf"
anerkannt (in England, Schweden, Finnland und Dänemark).
Was behandelt die Chiropraktik?
Allgemein:
Der Anwendungsbereich dieser Therapieform ist eine primäre Funktionsstörungen
des Bewegungsapparates. Bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, die auf
funktionellen Störungen der Gelenke im Zwischenwirbelbereich beruhen, kann eine
chiropraktische Therapie hilfreich sein. Berücksichtigt werden
Wirbelverdrehungen, -verkippungen, -blockierungen und -ver-renkungen. Oftmals
sind es minimale Abweichungen von der statisch korrekten Position, die zu
starken Schmerzen und Verspannungen führen.
Die Schwachstellen der starken
Wirbelsäule:
Die Wirbelsäule ermöglicht alle notwendigen Bewegungen wie Beugung, Streckung,
Seitenneigung und Drehung. Die einzelnen Wirbel sind durch die Bandscheibe, die
Wirbelgelenke, Bandstrukturen und Muskeln miteinander verbunden, welche die
Wirbelsäule stabilisieren. Auch zahlreiche und wichtige Nerven sowie Gefäße, die
für die Blutversorgung des Kopfes zuständig sind, laufen durch die kleinen
Wirbellöcher der Halswirbel. Seitlich betrachtet ist erkennbar, dass die
einzelnen Wirbelsäulenabschnitte unterschiedlich geformt sind. Die Wirbelsäule
weist die Form einer doppelten S-förmigen Krümmung auf. Diese Form dient dem
menschlichen Körper als Stoßdämpfer, sie fängt also Erschütterungen auf. Die
Halswirbelsäule ist nach vorne geschwungen (Lordose), die Brustwirbelsäule nach
hinten (Kyphose) und die Lendenwirbelsäule wiederum nach vorne (Lordose). Jede
Abweichung von der physiologischen Stellung der Wirbelsäule bringt eine
Mehrbelastung verschiedener Gelenkstrukturen und der Bandscheibe mit sich,
welche durch die Chiropraktik behandelt werden können.
Anwendungsbereiche der Chiropraktik
Gelenke
müssen nicht blockiert sein, um Beschwerden zu verursachen. Eine
muskuläre Fehlspannung reicht aus, um eine Verkantung oder eine
geringfügige Verschiebung der Gelenkflächen herbeizuführen. Folge davon ist,
dass die Muskulatur versucht das instabile Gelenk „festzuhalten“ und somit
zunehmend verkrampft. Dies bereitet Schmerzen. Um solche Verkrampfungsstellen
herum kommt es zu Stoffwechselübersäuerung und häufig auch zu lokalen
Flüssigkeitsansammlungen, dem sogenannten lokalen Ödem. Häufig drückt solch ein
Ödem auf Nervenbahnen und verursacht dort Störungen, die zu einer „ nervlichen
Unterversorgung“ bestimmter Körperteile oder Organe führen. Dies äußert sich
dann z.B. durch Symptome wie: Kribbeln und Pelzigkeit der Gliedmaßen, gestörte
Kälte oder Wärmeempfindungen in der Haut, Wasserstauungen in den Hände etc.
Geringe
Verschiebungen im Bereich der ersten beiden Halswirbel, Atlas
und Axis, können zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Da
die Durchblutung (Arteria vertebralis) sowohl des Kopfbereiches, wie auch der
Wirbelsäule durch die Öffnung dieser beiden Wirbel führt, können Symptome wie
Schwindel, andauernde Kopfschmerzen, chronische Migräne und andere Symptome
auftreten.
Nacken und Kreuzschmerzen, Ischialgien, also Schmerzen, die
über den Ischiasnerv in ein oder beide Beine ausstrahlen. Lumbago,
das ist die Bezeichnung für akut auftretende Kreuzschmerzen, im Volksmund auch
unter „ Hexenschuss“ bekannt.
Wann ist Vorsicht ist geboten?
Viele
Ursachen für Rückenschmerzen sollten und dürfen auf keinen Fall chiropraktisch
behandelt werden. Deshalb ist eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte
durch den Behandelnden Arzt oder Heilpraktiker (Anamnese) von enormer
Wichtigkeit. Von einer chiropraktischen Behandlung sollte abgesehen werden, wenn
folgende Erkrankungen vorliegen: Bandscheibenvorfälle, frische Verletzungen,
Tumore, Osteoporose. Bluter oder Menschen, die dauerhaft Cortison oder
blutverdünnende Mittel nehmen (Macumar), sowie Menschen mit Gefäßerkrankungen
sollten ebenfalls vorsichtig sein und vor einer chiroprkatischen Behandlung
ärztlichen Rat einholen.
Risiken einer Chiropraktischen
Behandlung
Über 12
Millionen chiropraktische Eingriffe werden jedes Jahr in Deutschland
durchgeführt. Die Dunkelziffer chiropraktischer Eingriffe bei "alternativen
Therapeuten" ist hoch, so dass mit etwa 40 Millionen Manipulationen gerechnet
wird. Die Komplikationen wie Schlaganfall, Lähmung oder gar Tod sind prozentual
kaum erfasst. Statistisch liegen die Komplikationsraten zwischen 1: 400.000
Eingriffen (unter 0,0003 Prozent), in manchen Fachblättern wird sogar nur von
zwischen 1:3.000.000 und 1:5.000.000 Komplikationen gesprochen. Ein
verschwindend geringer Risikoanteil, der mit anderen medizinischen Behandlungen
vergleichbar ist. Manipulationen der HWS gelten als besonders gefährlich, da
verschiedene Kräfte auf einmal einwirken. Grundsätzlich muss jeder Betroffene
für sich entscheiden, ob er die Vorteile und möglichen Risiken in Kaufnehmen
möchte. Chiropraktik heilt nicht, sondern sorgt dafür, dass Blockierungen und
daraus resultierende schmerzhafte Muskelverspannungen sich lösen. Die
Schwachstellen des Rückgrads kann aber nur der Betroffene selber langfristig
stabilisieren.
Was zahlt die Krankenkasse?
Einige
Krankenkassen bezahlen chiropraktische Eingriffe.
Vorsorge, aber wie?
Durch
Sport: Radfahren, Schwimmen, Muskelaufbautraining, Rückenschule
Krankengymnastik. Vorbeugend helfen auch: gesundes Schuhwerk, Massagen, Wärme
oder Kältebehandlungen. Ein wichtiger Faktor ist nicht zu unterschätzen: Stress.
Wer in der Lage ist, seinen Stress zu reduzieren, hat sein Risiko
Rückenschmerzen zu gekommen halbiert.
Stand 2009
|
|
Zurück zur Themenübersicht |