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Naturheilmittel gegen Erkältung
Alte Heilkräuter neu entdeckt
Wer im
Mittelalter krank wurde, brauchte eine gute Konstitution. Denn die Arzneien der
damaligen Bader und Ärzte waren nicht selten unappetitlich und bestenfalls
unwirksam. Doch nicht alles Wissen dieser Zeit war bloßer Hokuspokus.
Insbesondere die Klöster verfügten schon vor Jahrhunderten über enorme
Kenntnisse in der Kunst des Heilens. Eine wichtige Säule dieses Wissens waren
ihre Erfahrungen mit den Heilkräften der Natur. In zahlreichen Büchern
hinterließen die Mönche und Nonnen, was sie schon damals über Pflanzen und ihre
Heilwirkung wussten. Die klösterliche Heilkunde war auch der Ursprung so mancher
traditioneller Hausmittel, von denen noch unsere Großmütter wussten. Dass diese
pflanzlichen Arzneien wirklich helfen, belegte lange Zeit nur die Erfahrung.
Denn wissenschaftliche Studien gibt es nur wenige und vieles ist auch in
Vergessenheit geraten.
In den
letzten Jahren erfährt die Naturmedizin allerdings eine Renaissance.
Insbesondere bei Befindlichkeitsstörungen und leichteren Erkrankungen suchen
immer mehr Menschen Hilfe bei pflanzlichen Arzneien oder Hausmitteln. Die
positive Wirkung einiger Pflanzen konnte mittlerweile sogar wissenschaftlich
belegt werden. Es lohnt sich also durchaus, alte Heilkräuter neu für sich zu
entdecken – auch im Hinblick auf die Kosten.
Natürlich gegen die Erkältung
Gerade bei
einer harmlosen Erkältung stellen pflanzliche Arzneien eine sinnvolle
Alternative zu synthetischen Medikamenten dar. Denn für die Bekämpfung lästiger
Symptome wie Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Fieber hält die Natur gleich
eine ganze Bandbreite von Heilkräutern bereit. Der Grund für die Wirksamkeit
mancher Pflanzen liegt darin, dass sie selbst Abwehrstoffe produzieren, um sich
vor Bakterien, Viren und Pilzen zu schützen.
In den
kalten Jahreszeiten sind Erkältungen häufig, denn das Immunsystem ist durch die
Temperaturschwankungen stark gefordert. Und werden durch Niesen oder Husten
Viren freigesetzt und über feinste Tröpfchen durch die Luft getragen werden,
braucht es nicht lange, bis es einen selber erwischt. Erkältungsviren gelangen
über die Atemwege in den Körper und befallen die Schleimhäute von Nase, Rachen
und Bronchien. Dann setzt der Körper seine Abwehrmechanismen in Gang. Es
kribbelt im Hals: ein Zeichen dafür, dass es dort zu einer verstärkten
Durchblutung kommt. Auf diese Weise gelangen vermehrt Abwehrzellen in das
Gebiet, die die Erreger bekämpfen. Auch die Nasenschleimhaut reagiert. Beim
Schnupfen schwillt die Schleimhaut an und sondert vermehrt Sekret ab, um die
Keime wieder nach draußen zu befördern. Auch Husten ist ein wichtiger
Schutzreflex des Körpers. In Schleim verpackt werden die Keime mit Hilfe des
Hustenreizes entfernt. Erhöht sich schließlich die Körpertemperatur, ist das ein
Zeichen, dass das Immunsystem auf Hochtouren läuft. Pflanzliche Wirkstoffe
können helfen, diese Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen.
Oberster Wächter über die Heilkraft
der Pflanzen: Die Kommission E
Die
Kommission E ist eine wissenschaftliche Kommission des ehemaligen
Bundesgesundheitsamtes (BGA, heute Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte, BfArM). Zwischen 1980 und 1994 hat die Kommission E vorhandenes
wissenschaftliches und erfahrungsheilkundliches Material zu erwünschten und
unerwünschten Wirkungen von pflanzlichen Drogen zusammengetragen, aufgearbeitet
und bewertet. Daraus entstanden die Monographien der Kommission E, die bis heute
wichtige Grundlage für die Neuzulassung und die Nachzulassung pflanzlicher
Arzneimittel sind.
Im Jahr
1994 wurde die so genannte Aufbereitung des phythotherapeutischen Materials und
die Monographierung der Arzneipflanzen beim damaligen Bundesgesundheitsamt unter
Beratung und Anhörung der Kommission E abgeschlossen. Es waren zuletzt 363
Arzneipflanzen bearbeitet - teils positiv, teils negativ. 1995 konstituierte
sich die Kommission E (nach Umbildung des BGA in das BfArM) neu.
Empfehlenswert bei Husten und
Bronchitis: Thymian, Efeu oder Spitzwegerich
Bei einer
starken Erkältung kann es passieren, dass die Hustenattacken wirkungslos
bleiben, weil das Erkältungssekret so zäh ist, dass es fest an den Schleimhäuten
der Bronchien klebt. Darum sollte bei Husten mit zähem Auswurf alles getan
werden, um den Schleim zu verflüssigen, damit er besser abgehustet werden kann.
Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil der Schleim einen idealen Nährboden
für die Vermehrung der Krankheitserreger bietet und eine Lungenentzündung
verursachen kann.
Regel Nr.
1: Wer einen Husten hat, muss viel zu trinken, am besten zwei bis drei Liter am
Tag. Dadurch löst sich der Schleim schneller und der oft schmerzhaft trockene
Reizhusten lässt nach.
Bestimmte
pflanzliche Wirkstoffe können dabei helfen, das Bronchialsekret zu verflüssigen.
Die wichtigsten Arzneipflanzen sind Thymiankraut, Spitzwegerich und Efeu. Ihre
Inhaltstoffe sind schleimlösend und auswurffördernd und besitzen zudem teilweise
eine entkrampfende, entzündungshemmende und keimabtötende Wirkung.
Thymian
Das
mediterrane Thymiankraut ist demnach mehr als nur ein geschmacklicher Gewinn für
Speisen. Thymian enthält eine große Bandbreite wertvoller Substanzen, die ideal
zur Bekämpfung von Husten und Katarrhen der oberen Luftwege sind. Hierbei
handelt es sich an erster Stelle um ein ätherisches Öl, das als Hauptwirkstoffe
Thymol und Carvacrol enthält. Es regt die Tätigkeit der Flimmerhärchen in den
Atemwegen an, verflüssigt den Schleim und fördert das Abhusten. Thymol und
Carvacrol hemmen zudem das Wachstum von Krankheitskeimen und verhindern, dass
sie sich weiter ausbreiten können. Außerdem enthält Thymian noch wichtige
Gerbstoffe und Flavonoide, die antientzündliche und entkrampfende Wirkungen
besitzen. Bewährt hat sich die Heilkraft des Thymians bei krampfartigem Husten,
bei akuter oder chronischer Bronchitis und bei Entzündungen der oberen Atemwege.
In der
Apotheke gibt es Hustensäfte auf der Basis von Thymian, deren Wirksamkeit nur
selten in wissenschaftlichen Studien belegt ist. Darum fragen Sie Ihren
Apotheker, welches Produkt nachweislich geeignet ist. Thymiantee und ein
Erkältungsbad mit thymianhaltigem Badezusatz zählen hingegen zu den bewährten
Hausmitteln, die sich auch leicht selbst herstellen lassen:
Thymian-Tee: Einen gehäuften Teelöffel
Thymiankraut je Tasse mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und das Getränk
zehn Minuten ziehen lassen. Empfehlenswert sind drei bis vier Tassen täglich,
nicht zu heiß getrunken und bei Husten am besten mit Honig gesüßt. Thymian-Tee
sollte nicht in der Thermoskanne aufbewahrt werden, sondern möglichst immer
frisch zubereitet werden.
Thymian-Bad: Etwa 100 Gramm getrocknetes
Thymiankraut mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, den Aufguss 15 bis 20
Minuten ziehen lassen und durch ein Sieb ins Badewasser gießen.
Spitzwegerich
Auch der
heimische Spitzwegerich verfügt über eine günstige Kombination wertvoller
Wirkstoffe, die bei Bronchialleiden und Erkrankungen der oberen Atemwege genutzt
werden können. Er enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure und das
Glykosid Aucubin. Die Schleimstoffe fördern den Heilungsprozess von Infektionen
an den Rachenschleimhäuten, wirken reizmildernd auf die Bronchien und dämpfen
den Hustenreiz. Das Aucubin ist verantwortlich für die antimikrobielle
Eigenschaft der Pflanze, das heißt, es hemmt das Wachstum bestimmter Bakterien,
Viren und Pilze und tötet diese teilweise ab. Auch die Gerbstoffe wirken sich
günstig auf die angegriffenen Schleimhäute aus. Sie dämmen die Entzündung und
schützen vor krankheitserregenden Bakterien. Die enthaltene Kieselsäure im
Spitzwegerich kräftigt zudem das Bindegewebe und steigert die Abwehr gegen
Krankheitserreger. Verwendet werden hauptsächlich die Blätter der Pflanze. Als
Tee oder Sirup lindert der Spitzwegerich den Hustenreiz, erleichtert das
Abhusten und wirkt entzündungshemmend.
Spitzwegerich-Tee:
Zwei Teelöffel Spitzwegerichkraut mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und
zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Täglich sollten etwa drei Tassen
getrunken werden.
Zubereitung eines
Spitzwegerich-Hustensirups:
Ein wohlschmeckender Sirup aus Spitzwegerichblättern ist vor allem für Kinder
sehr gut geeignet. Dafür benötigt man 200 Gramm frische oder 100 Gramm
getrocknete Spitzwegerichblätter, einen gestrichenen Teelöffel Anis (gemahlen),
einen gestrichenen Teelöffel Fenchel (gemahlen), einen halben Liter Wasser und
250 g Zucker.
Alle
Zutaten in einen Topf geben (frische Blätter vorher waschen und klein
schneiden), aufkochen und eine halbe Stunde lang köcheln. Den noch heißen Sirup
anschließend in hygienisch saubere Flaschen abfüllen. Gut verschlossen und
dunkel stehend lässt sich der Sirup über einen längeren Zeitraum aufbewahren, da
der antibiotika-ähnliche Stoff im Spitzwegerich ein Schimmeln verhindert. Bei
Husten, Katarrhen und Verschleimungen dann mehrmals täglich einen Teelöffel voll
von diesem Sirup einnehmen.
Efeu: Nur als Fertigprodukt
verwenden
Efeu ist
als immergrüner Bodendecker oder wuchernder Fassadenläufer allseits bekannt und
gegenwärtig. Die wenigsten wissen jedoch um die Heilkraft dieser Pflanze. Dabei
zählt der Efeu zu den wirksamsten und am besten untersuchten Heilpflanzen im
Bereich der Atemwegserkrankungen. Wissenschaftlern der Universität Bonn ist es
sogar gelungen, den molekularen Wirkmechanismus eines
Efeublätter-Trockenextrakts zu entschlüsseln.
Die Wirkung
von Efeu ergibt sich aus seinen Hauptinhaltsstoffen, den Saponinen und
Flavonoiden. Zu Arznei verarbeitet, befreien sie die Atemwege gleich dreifach.
Insbesondere das Saponin Alpha-Hederin sorgt dafür, dass der zähe, festsitzende
Schleim auf den Bronchien verflüssigt wird. Dadurch können die Flimmerhärchen
den Schleim besser abtransportieren Das Abhusten wird erleichtert und der
Hustenreiz lässt nach. Durch die Dämpfung des Hustenreizes wird zudem die
Muskulatur der Bronchien entspannt und beruhigt. Efeuextrakte eignen sich daher
auch gut bei krampfartigem Husten, nicht nur bei Kindern sondern auch bei
Erwachsenen!
Da Efeu in
zu hoher Dosis giftig ist, sollte Efeu nicht als Tee, sondern nur in Form von
Fertigarzneimitteln aus der Apotheke eingenommen werden. Auch hier sollte der
Apotheker befragt werden, welches Präparat den Studien unterzogen wurde.
Heilung von „außen“: Nasendusche mit
Salzlösung
Einer
Erkältung lässt sich auch vorbeugen, zum Beispiel durch die regelmäßige
Anwendung einer Nasendusche auf Salzbasis. Sie befreit die Nasenschleimhäute von
eingeatmeten Staubpartikel und Krankheitserregern und hält sie schön feucht. Bei
täglichem Gebrauch der Nasendusche senkt sich nachweislich das Erkältungsrisiko.
Aber auch bei beginnenden Symptomen eines Schnupfens können so die körpereigenen
Abwehrmechanismen unterstützt und die Nase befreit werden.
Wichtig
ist, dass eine isontone Kochsalzspüllösung (0,9 Prozent) hergestellt wird, also
der Mineralstoffgehalt identisch ist mit dem des Blutes, weil sonst die
Schleimhäute austrocknen. So ein genaues Mischungsverhältnis aus Kochsalz und
Wasser ist allerdings selber schwer herstellbar. Auch reagieren viele Menschen
auf die Zusatzstoffe von normalem Kochsalz allergisch. Daher empfiehlt es sich,
Nasenduschen und vorportionierte Beutel aus der Apotheke zu verwenden. Wer mit
der Nasendusche nicht zurecht kommt, kann auf
Nasensprays mit Salzlösung oder auf Inhalationslösungen zurückgreifen.
Stand
Januar 2008
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