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Das Alterbedingte Makuladegeneration
Hintergründe: Das Zentrum des
schärfsten Sehens – Die Makula
Die Makula
ist ein nur zwei Quadratmillimeter großer Bereich im Zentrum der Netzhaut, der
für das scharfe Sehen zuständig ist. Sie wird auch "gelber Fleck" genannt und
ist die lateinische Bezeichnung für die Netzhautmitte. Lesen, Entfernungen
abschätzen, Punkte fixieren ist ohne eine intakte Makula nicht möglich. In der
Makula liegt die Mehrzahl der empfindlichsten Sinneszellen des Auges, so
genannten Zapfen, durch die es möglich ist, Farben und scharfe Bilder
wahrzunehmen. Durch Einwirkung des Lichts werden die lichtempfindlichen Teile
der Zapfen ständig verbraucht, abgestoßen, zerlegt und abtransportiert, während
neue Membranscheibchen nachwachsen. Dieser normale Stoff-wechselprozess ist mit
zunehmendem Alter gestört und kann zur Makuladegeneration führen. Die AMD ist
also eine Augenerkrankung, bei der es zum Verlust der zentralen Sehschärfe
kommt. Selten sind jüngere Menschen unter 40 Jahren betroffen. Bei ihnen sind es
häufig genetische Faktoren, die zu einem Verlust der Sehschärfe führen. In den
überwiegenden Fällen handelt es sich um eine
altersabhängige
Makuladegeneration, kurz AMD.
Die zwei Verlaufsformen
Die
wesentlich häufiger vorkommende trockene Verlaufsform (bis zu
90 aller Fälle) entwickelt sich schleichend und über Jahre hinweg. Manchmal
kommt es dabei zu einem zeitlich begrenzten Stillstand der Entwicklung. Die
Ursachen für trockene AMD sind noch nicht vollkommen geklärt. es wird vermutet,
dass der Stoffwechsel nicht mehr in der Lage ist, so genannte Abfallprodukte aus
dem Auge abzutransportieren. Stattdessen werden sie in die Makula eingelagert
und bilden dort „blinde Flecke“, von den Ärzten „Drusen“ genannt. Das sind
kleine gelbliche Ablagerungen unter der Netzhaut. Dabei ist das Sehen allenfalls
geringfügig eingeschränkt. Dieses Frühstadium der trockenen Makuladegeneration
erkennt der Augenarzt bei der Spiegelung des Augenhintergrundes. Die Entstehung
dieser Abfallstoffe wird beim Sehvorgang an sich vermutet, denn um den Lichtreiz
in einen Nervenreiz umzuwandeln findet ein chemischer Prozess statt, bei dem
Abfallstoffe entstehen. Offensichtlich ist der Organismus mit zunehmendem Alter
nicht mehr in der Lage, diese Stoffe abzutransportieren. Im Spätstadium der
trockenen Makuladegeneration gehen Sinneszellen und deren Ernährungszellen zu
Grunde und das zentrale Sehen verschlechtert sich erheblich.
Bei der
feuchten Makuladegeneration, die sich in seltenen Fällen aus
der trockenen Verlaufsform entwickelt, wachsen als Reaktion auf die
Drusenablagerungen kleine Gefäßknospen unter die Netzhaut. Diese Gefäße wachsen
in die Netzhaut ein und sind meist undicht. Dadurch kann es zu einer Schwellung
der Netzhautmitte kommen (Makulaödem). Durch diese Schwellung werden zunächst
die Randbereiche verzerrt wahrgenommen, eine Gerade erscheint plötzlich gebogen.
Zusätzlich sind die wuchernden Blutgefäße häufig porös und undicht, so dass es
zu Einblutungen in das Auge kommt. Das kann schließlich dazu führen, dass sich
die Netzhautmitte in eine bindegewebige Narbe umwandelt und die Sehzellen zu
Grunde gehen. Die feuchte Verlaufsform schreitet sehr viel schneller voran und
kann innerhalb kurzer Zeit zur völligen Erblindung führen. Andererseits kann sie
auch zum Stillstand kommen, ohne die ganze Netzhaut in Mitleidenschaft zu
ziehen.
Risikofaktor für die Entstehung einer altersbedingten Makuladegeneration ist
alles, was Herz und Kreislauf negativ beeinflusst, allem voran das Rauchen.
Erste Symptome
Gerade
Linien „schlängeln sich“
Farben
wirken blasser
Buchstaben verschwimmen
Zentrum
des Gesichtsfeldes erscheint leer oder als grauer Fleck
Diagnostik
Schon bevor
sich Symptome einstellen kann der Augenarzt mittels relativ einfachen
Untersuchungen Veränderungen an der Netzhaut diagnostizieren. Durch:
1. Selbst-Test mit dem Amsler-Netz:
Dabei handelt es sich um ein Gitternetz-Zeichnung (Besp.1), die in der Mitte
durch einen dicken schwarzen Punkt markiert ist. Normalerweise erscheinen bei
Fixierung dieses Punktes die Linien am Rande unschärfer. Sind die Linien jedoch
verbogen und verzerrt (Bsp.2), so ist dies ein Hinweis auf eine krankhafte
Veränderung der Netzhaut. Wird das Sehfeld durch einen wolkenartigen grauer
Schleier verdeckt (Bsp.3) liegt eine fortgeschrittene AMD vor.
![]() Bsp. 1 |
![]() Bsp. 2 |
![]() Bsp. 3 |
2. Augenhintergrundspiegelung:
Diese Untersuchung sollte ab dem 40 Lebensjahr einmal jährlich durchgeführt
werden. Mit dieser Methode lassen sich aber nur schon vorhandene Ablagerungen
(Drusen) an der Makula erkennen. Zur Frühdiagnostik der AMD ist die
Augenhintergrundspiegelung jedoch nicht ausreichend. Besteht eine genetische
Veranlagungen, sollten sensiblere Methoden angewandt werden.
3. Fluoreszenzanangiographie:
Es wird ein Farbstoff in die Vene injiziert und durch ein bildgebendes Verfahren
werden die Gefäße im Augenhintergrund dargestellt.
4. Fundus Autofluoreszenz:
Dabei handelt es sich um eine hochmoderne Untersuchung der Netzhaut, die
topographische Veränderungen (z.B. Schrumpfungsprozesse) der Netzhaut
verdeutlicht. So können bei AMD mögliche Faktoren für die Entwicklung von
Spätschäden erkannt werden.
5. Scanning Laser Ophthalmoskopie:
Mit dieser Untersuchung können bestimmte Ablagerungen auf der Makula genauestens
erkannt werden.
Therapie
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass eine Heilung nicht möglich ist, weder bei
der trockenen, noch bei der feuchten Verlaufsform. Allerdings kann der
dramatisch schnelle Verlauf der feuchten Form aufgehalten werden, wenn die
Krankheit rechtzeitig erkannt wird. Verschiedene medikamentöse und chirurgische
Verfahren sorgen hier zumindest für eine Verlangsamung der Sehverschlechterung.
Bei der trockenen Verlaufsform gibt es nach wie vor keine
zuverlässigen Behandlungsmethoden, allerdings wird intensiv geforscht und es
gibt einige viel versprechende Ansätze für die Zukunft. Zum Beispiel die
Einnahme von hochdosierten Vitaminen:
Vitamine
In einer
groß angelegten Studie wurde über sieben Jahre die Wirkung von hochdosierten
Vitaminen an 3700 Patienten mit unterschiedlichen Formen der AMD untersucht.
Festgestellt wurde: Nur wenn zahlreiche mittelgroße bis große Drusen in beiden
Augen oder wenn in einem Auge bereits ein Spätstadiun der AMD mit
Gefäßneubildungen oder geographischer Atrophie (Schrumpfung) aufgetreten ist,
kann mit der Hochdosis-Vitamintherapie ein prophylaktischer Effekt beobachtet
werden. Patienten ohne erkennbare Veränderungen oder mit lediglich einzelnen
kleinen bis mittleren Drusen profitieren hiervon nicht. Über einen sinnvollen
Einsatz von Vitaminpräparaten kann nur die klinische Untersuchung durch einen
Augenarzt entscheiden. Es besteht keine Erfahrungen bezüglich der
Langzeiteinnahme hochdosierter Vitaminpräparate.
Raucher und ehemalige
Raucher sollten diese Therapie nicht durchführen!
‚Klassische’ Therapie der feuchten
Form
Die
krankhafte Wucherung von Blutgefäßen kann zwar nicht gänzlich verhindert werden,
jedoch ist es möglich, diese Gefäße zu entfernen. Dies hilft allerdings nur,
wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wurde. Ist es auf Grund der Krankheit
schon zu Schäden an der Makula und der Netzhaut allgemein gekommen, so ist eine
Behandlung kaum noch möglich.
Mit einem
speziellen Laser (Laserkoagulation) können die neu gebildeten
Gefäße verödetet werden, allerdings hat sich gezeigt, dass es bei dieser
Behandlung häufig auch zu Verletzungen der Netzhaut kommt. Dabei hat sich auch
gezeigt, dass bei zunächst erfolgreicher Laserbehandlung im weiteren Verlauf
wieder neue abnormale Gefäße ausspriessen können.
Eine
Weiterentwicklung ist die photodynamische Therapie. Hier wird
ein besonderer Wirkstoff gespritzt, der sich vor allem in frisch gebildeten
Gefäßen ablagert. Allerdings kommen nur ganz bestimmte Gefäßneubildungen dafür
in Frage, was durch den Augenarzt mit der Gefäßdarstellung
(Fluoreszenzangiographie) vorher festgestellt wird. Genau diese Gefäße werden
nun mit einem Speziallaser bestrahlt. Der gespritzte Wirkstoff reagiert auf
diese Bestrahlung mit einer Freisetzung von Sauerstoffradikalen, die zu einer
Zerstörung der Gefäße führt. Die Behandlung muss meist mehrfach, in Abständen
von drei Monaten, erfolgen, da sich die Gefäße nicht mit einer einzigen Therapie
verschließen lassen. Auch ist diese Behandlung nur in einem relativ frühen
Stadium der feuchten Makuladegeneration sinnvoll.
Eine
weitere Möglichkeit ist die komplette Drehung der Netzhaut
(Netzhautrotation). Der Punkt des schärfsten Sehens wird hierdurch auf einen
Bereich der Makula verlagert der noch nicht so stark angegriffen ist. Gerade bei
älteren Patienten ist dieses Verfahren allerdings nicht ohne Risiken, es kann zu
Netzhautablösungen und dauerhaft verschlechtertem Sehvermögen kommen.
Bei einem
neueren Verfahren, der Pigmentepithel-Aderhaut-Translokation,
wird versucht, Pigmentepithel aus dem Randbereich der Netzhaut unter die Makula
zu verpflanzen. Das Verfahren ist noch in einem experimentellen Stadium, jedoch
zeigt sich, dass das verpflanzte Gewebe gut anwächst.
Chirurgische Verfahren einschließlich der Netzhautdrehung mit Verlagerung der
Makula und der Transplantation von Ernährungszellen unter die Netzhautmitte
werden zur Zeit noch klinisch erprobt und kommen daher noch nicht routinemäßig
zum Einsatz.
Alle
genannten Verfahren leisten immer nur eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes
einer AMD. Diese kann allerdings auf Grund des dramatisch schnellen
Fortschreitens der Krankheit wertvolle Zeit für die Betroffenen bedeuten.
Neue Medikamente behindern das
Gefäßwachstum
Zwei neue
Wirkstoffe gegen feuchten Makuladegeneration: Pegaptanib (in
Macugen) und Ranibizumab (in Lucentis). Beide Wirkstoffe
blockieren bestimmte Rezeptoren an den Blutgefäßen, die für das Wachstum
zuständig sind. Der Wirkstoff muss direkt ins Auge gespritzt werden, dazu müssen
OP-Bedingungen herrschen. Es findet eine lokale Betäubung des Auges statt und
dann die eigentliche Injektion. Die Behandlung kann sich über einen langen
Zeitraum erstrecken. Vielfach berichten Betroffenen über eine erhebliche
Verbesserung ihrer Sehkraft, so dass sich die unangenehme Behandlung zu lohnen
scheint.
Ein
weiterer Wirkstoff, der auf seine Wirksamkeit bei einer feuchten
Makuladegeneration hin untersucht wird ist
Methotrexat. Dieses
Mittel ist seit langem aus der Behandlung von rheumatisch-entzündlichen
Krankheiten bekannt und wirkt antientzündlich und wachstumshemmend. Ob es auch
bei einer Makuladegeneration helfen kann, müssen Studien erst zeigen.
Weitere experimentelle Verfahren
Einen
anderen Ansatzpunkt hat das Verfahren der
Reopherese: Hierbei
handelt es sich um ein spezielles Blutreinigungsverfahren, wodurch die
Fließeigenschaften des Blutes positiv beeinflusst werden soll. Ähnlich einer
Dialyse wird das Blut entnommen, durchläuft zwei Filter, die Abfall- und
Schlackenstoffe entfernen und wird dem Kreislauf dann wieder zugeführt. Das
Verfahren scheint positive Auswirkungen auf die Stoffwechselvorgänge im Auge zu
haben, wird zur Zeit aber nur an einzelnen Zentren experimentell angewandt.
Verfahren jenseits der Schulmedizin
Für viele
Behandlungsansätze einschließlich der Strahlentherapie und einer der Dialyse
ähnlichen Behandlung (Rheopherese) gibt es bislang keine Langzeitstudien, die
ihren Wert eindeutig belegen.
Die
Universitätsaugenklinik Bonn warnt zum Beispiel vor Heilmethoden, die viel
versprechen und nichts halten. Akupunktur, lnfusionsbehandlungen,
Sauerstofftherapie und Spritzen hinter das Auge etc.. Die meisten Therapien sind
oft sehr kostspielig. Erfolge aber erklären sich zum Teil dadurch, dass die
Makuladegeneration von selbst zum Stillstand kommen kann und dass die Sehschärfe
sich gelegentlich sogar spontan etwas bessert.
Fazit:
Die AMD ist eine fortschreitende Erkrankung, das Tempo des Fortschreitens ist
jedoch unterschiedlich und nicht vorhersehbar.
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