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Gesichtschirurgie
Hilfe bei Kieferfehlstellungen-
Was leistet heute die moderne
Gesichtschirurgie?
Die Mund-
Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie) ist der Teilbereich der Medizin, in dem
Defekte und Fehlbildungen des Gesichtsschädels chirurgisch behandelt werden.
Dabei kann es sich sowohl um angeborene Fehlbildungen wie
Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten handeln als auch um erworbene Defekte, wie
beispielsweise Frakturen durch einen Unfall. Die teilweise sehr komplexen
Eingriffe in die Struktur der gesichtsbildenden Schädelknochen können zu einer
Veränderung der individuellen Gesichtsform führen. Deshalb ist eine hohe
Präzision in der Diagnostik, der Operationsplanung und deren Umsetzung am
Patienten unbedingt notwendig.
Unser
Gesicht wird zum einen von den tiefer liegenden knöchernen Strukturen geformt
und zum anderen ganz entscheidend von Nerven und Weichteilgewebe geprägt. Bei
einer Operation im Gesicht geschehen gerade hier Veränderungen, die sich bislang
nur schwer vorhersagen ließen oder aber vom Geschick und der Erfahrung des
Operateurs abhingen. Inzwischen helfen moderne bildgebende Verfahren, bereits
vor dem Eingriff jeden Schritt durchzuspielen und das Ergebnis bereits vor der
Operation zu sehen. So lässt sich überprüfen, welche Auswirkung beispielsweise
ein zu implantierender Knochen auf die darüber liegenden Haut- und
Gewebeschichten haben wird. Überprüft werden kann auch wie bei einer Operation
am Kiefer die Stellung der Zähne sein muss, damit nach dem Eingriff der perfekte
Biss entsteht.
Die exakte
Form und Position der Schädelknochen liefert der Computertomograph (CT).
Aus den erhaltenen Schnittbildern wird am Computer ein dreidimensionales Modell
generiert und visualisiert, an dem der Chirurg exakt die Veränderungen an der
knöchernen Struktur planen und simulieren kann.
Bei einem
so diffizilen und engen Operationsfeld wie dem Gesicht bietet die
3D-Weichgebewebeerfassung viele Vorteile gegenüber Gipsmodellen und
Fotografien. Dabei wird mit einem Weißlichtscanner gearbeitet, der von dem
Patienten aus verschiedenen Blickwinkeln mehrere Aufnahmen macht. Der Computer
errechnet dann aus diesen einzelnen Scans die dreidimensionale Oberfläche des
Gesichtes. Vorteil dabei für den Patienten: Er wird nicht durch Strahlen
belastet. Nachteil: Dieses Verfahren hat eine relativ lange Messzeit von etwa
zwei Sekunden, zu lange für wache Babys und Kleinkinder oder unkooperative
Patienten. Für diese Fälle gibt es die Holografie: Mit einer
einzigen Aufnahme entsteht eine 180-Grad-Ansicht des Gesichtes in Bruchteilen
einer Sekunde (20 Nanosekunden).
Aus diesen
Datensätzen können entweder virtuelle Modelle am Computer entwickelt werden oder
Kunststoffmodelle des Patientenschädels. Dabei wird mit einem UV-Laser in einem
flüssigen Polymerharzbad schichtweise die 2D-Kontur des Schädels selektiv
ausgehärtet. Diesen Arbeitsschritt nennt man - nach einem in der Industrie
geprägten Begriff - “Rapid Prototyping” (RP). Die RP-Modelle ermöglichen sowohl
das Ausprobieren von verschiedenen chirurgischen Prozeduren als auch bereits das
Anpassen benötigter Implantate. Ferner dienen RP-Modelle während der Operation
als Orientierungshilfe im mitunter recht unübersichtlichen Operationsgebiet.
Weichgewebesimulation
Ziel der
aktuellen Forschung ist es, nicht nur die Positionierung der knöchernen
Schädelstruktur exakt zu planen, sondern auch die Verformung des darüber
liegenden
Weichgewebes am Computer zu simulieren, um das spätere Aussehen des Patienten
vorherzusagen. Für diese Aufgabe benötigt man zusätzlich zu dem Schädelmodell
auch Informationen über das Weichgewebe. Neben den spezifischen physikalischen
und mechanischen Parametern des Gewebes bedarf es auch eines sehr genauen
dreidimensionalen Oberflächenmodells des Gesichtes, das exakt zeigt, wie die
knöcherne Struktur das Weichgewebe lokal beeinflusst. Dabei wird angestrebt,
möglichst exakte Simulationsergebnisse zu erzielen und eine hohe Auflösung der
ermittelten Oberflächendaten. Es wird versucht, eine Messauflösung von 1 mm oder
besser zu erreichen. Für die Weichgewebesimulation müssen Datensätze aus
verschiedenen Bildgebungsverfahren zusammengeführt werden. Dies sind u.a. die
Knochenstruktur, die eine Computertomographie liefert und die
Gesichtsoberfläche, die durch ein 3D-Formerfassungsverfahren ermittelt wird.
Solche kombinierten Datensätze nennt man multimodal. Weitere sinnvolle
Bildgebungsverfahren, die für die Weichgewebesimulation genutzt werden können,
sind die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und die Sonographie (Ultraschall), die
Informationen über die innere Struktur des Weichgewebes liefern.
Dreidimensionale Erfassung der
Gesichtsoberfläche
Die
dreidimensionale Erfassung der Gesichtsoberfläche ist nicht nur für die
Weichgewebesimulation wichtig. Die gewonnenen Daten können zusätzlich auch zu
Dokumentationszwecken sowie zur Kontrolle der Wundheilung genutzt werden.
Vornehmlich stammen die bisher verfügbaren Methoden zur optischen Formerfassung
aus der Industrie und dabei vor allem aus dem Bereich des Maschinenbaus. Sie
wurden damit für einen Anwendungsbereich konzipiert, der teilweise deutlich von
den Anforderungen in der Medizin abweicht.
Stand 2009
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