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Gesichtschirurgie

Die Identität bewahren: Krebsoperation ohne Narben.

Nicht nur für die zwischenmenschliche Interaktion, sondern auch für die Selbstidentifikation besitzt das Gesicht einen hohen Stellenwert. Das eigene Spiegelbild ist ein wichtiger Teil der individuellen Persönlichkeitsstruktur. Eine Entstellung des Gesichtes wegen eines Tumors oder durch Unfall bedeutet also für den Menschen einen unermesslichen Eingriff in seine Persönlichkeit. Mit Hilfe moderner Medizin und Technik kann in solchen Fällen Abhilfe geschaffen werden.

Die automatische Gesichtserkennung ist eine der großen Herausforderungen der digitalen
Bildverarbeitung, die bis heute noch nicht vollkommen gelöst werden konnte und deshalb aktueller Forschungsgegenstand ist. Im Gegensatz zum Computer hat sich allerdings das menschliche Gehirn im Laufe der Evolution sehr gut auf diese Aufgabe spezialisiert. Es ist möglich, eine bekannte Person in einer beliebig großen Menge anderer Personen eindeutig wieder zu erkennen. Obwohl sich Gesichter meist nur in Feinheiten unterscheiden, besitzt die menschliche Wahrnehmung eine sehr hohe Sensitivität für charakteristische Merkmale und Formen des Gesichtsbereichs. Dadurch wird das Gesicht zu dem markantesten Teil des menschlichen Körpers, der zur Identität und Individualität eines Menschen beiträgt. Aus dem Gesicht einer Person ist eine Reihe von Eigenschaften ablesbar. So ist in der Regel das Geschlecht, das ungefähre Alter und aufgrund der Gesichtsmimik auch die Stimmung einer Person erkennbar. Rein subjektiv beurteilt man die Sympathie zu einer Person fast ausschließlich über den Eindruck, den man durch das Gesicht des anderen gewonnen hat.

Die Anatomie des Gesichtes:

Die individuelle Gesichtsform ergibt sich allerdings erst in der Kombination der
Schädelknochen mit dem darüber liegenden Weichgewebe. Die Gestalt des Gesichtes wird dadurch bestimmt, wie sich das Gewebe auf dem Knochen anordnet. Aufgrund des vielschichtigen Aufbaus des Weichgewebes und seiner komplexen, so genannten elastomechanischen Eigenschaften war es bisher nicht möglich, exakte Vorhersagen zu treffen. Einzig die Erfahrungen und Fähigkeiten des Chirurgen während der Operation gewährleisteten bisher ein ästhetisch gutes Resultat.

Das Relief der Gesichtsoberfläche wird geprägt durch fünf Knochen des Gesichtsschädels:


Die Gesichtsmuskulatur besitzt eine besondere Eigenschaft. Im Gegensatz zu herkömmlichen Muskeln, die mit Knochen verbunden sind, sind diese mindestens an einem Ende an der Haut befestigt. Damit ist es möglich, die Oberflächenform der Gesichtshaut willkürlich zu beeinflussen. Mit diesen so genannten mimischen Muskeln ist man in der Lage, durch Gesichtsausdrücke Stimmungen und Gefühle darzustellen.

Bei der Behebung von Defekten, wie z.B. Frakturen des Gesichtsschädels oder angeborenen Fehlbildungen, ist neben der reinen Wiederherstellung der Funktionalität auch ein optimales ästhetisches Resultat für den Patienten außerordentlich wichtig. Deshalb ist bei diesen teilweise sehr komplexen Eingriffen eine exakte Operationsplanung unbedingt notwendig. Hilfestellung dabei bieten vor allem die etablierten bildgebenden Verfahren in der Medizin. Vor allem mit dem Computertomographen (CT) ist es möglich, ein exaktes Bild der knöchernen Schädelstruktur zu erhalten. Diese Daten können wiederum am Computer dreidimensional visualisiert oder sogar in Form eines Kunststoffmodells nachgebaut werden. Mit dieser Stereo-Lithographie liegt somit eine exakte räumliche Kopie des Patientenschädels vor.

Nach Krebsoperation ein narbenfreies Gesicht!

Der Krebs hatte den Kieferknochen betroffen. Nach Chemotherapie und Bestrahlung wurde die betroffene Seite des Unterkieferknochens zunächst operativ entfernt. Nur eine Metallschiene hielt den restlichen Kiefer in Position. Nach fast einem Jahr begann die virtuelle Transplantationsplanung des Kieferknochenersatzes. Im HighTec-Forschungszentrum Basel konnte mit Hilfe der Computer gestützten Operationsplanung später so operiert werden, dass der Zugang über den Mund erfolgte und nicht von außen.

Virtuelle OP-Planung

Die Daten aus der Computertomographie wurden berechnet und in eine 3D-Animation grafisch aufbereitet. Der Defekt wurde dadurch naturgetreu widergegeben. Um ein passendes Knochentransplantat zu finden, wurde der gesunde Kieferknochen auf der anderen Gesichtshälfte gescannt und virtuell gespiegelt. Dadurch erhielten die Ärzte das Abbild des gesunde Kieferknochens und die naturgetreue symmetrische Vorlage für den neuen Kieferknochen - das virtuelles Gegenstück des fehlenden Knochens. Als nächstes wurden die CT-Daten des Beckenkammes berechnet und es konnte überprüft werden, ob das Knochentransplantat aus dem Becken der Patientin entnommen werde konnte. Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms wurde dann berechnet, an welcher Stelle des Beckens dieser Knochen entnommen werden konnte. Und diese Stelle passte bis auf winzige Millimeter genau. Für die Planung des Eingriffs und für die Operation selbst ist das der entscheidende Fortschritt: Mögliche Fehlschnitte können von vornherein verhindert und das Eingriffsergebnis verbessert werden. Denn mit der Planung der Knochenstruktur ging auch die Planung der Weichteilstrukturen von Haut und Muskulatur im Gesicht der Patientin parallel einher. Spätestens drei Monate später bekommt sie Implantate gesetzt und spätestens nach einem halben Jahr sieht sie wieder so aus, wie vor der Erkrankung.

Stand 2009
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