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Gesichtschirurgie

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - Myofunktionelle Therapie

Nicht nur Kinder, die mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt kommen, haben im Laufe ihres Wachstums mit erheblichen Entwicklungsstörungen zu kämpfen. Darum ist eine operative Versorgung so wichtig. Doch die alleine reicht - je nach Ausprägung des Defektes - oft nicht aus. Eine Spezialtherapie, die „myofunktionelle Therapie“ kann helfen, mögliche Funktionsstörungen frühzeitig zu beheben. Aber nicht nur Spaltkinder profitieren von dieser Therapie!

Die Vorgaben der Natur

Das besondere an einem Säugling ist, dass er von Geburt an einen starken Saugreflex hat, der am besten an der Mutterbrust gestillt kann. Denn diese natürliche Nahrungsquelle nimmt gleich in mehrfacher Hinsicht einen enormen Einfluss auf die Entwicklung von Mundmuskulatur, Gaumenform und Rachen und die Art der Zungenbewegung! Denn beim Stillen muss der Säugling Kraft aufwenden: Mit der Zunge drückt er durch Melkbewegungen die Milch aus der Brustwarze heraus, um sie in den Rachen zu transportieren und zu schlucken. Auch in Ruhephasen liegt die Zunge mit leichtem Druck am Gaumen an. Dadurch wächst der Gaumen in die Breite und schafft Platz für die Zähne. Der gesamte Mund- und Rachenraum bildet ein komplexes System. Bewegungsmuster wie das Schlucken und das Verhalten der Zunge im Mund sind ein wichtiges Training für die Ausbildung des Gaumens. Dieses Bewegungsmuster nimmt darüber hinaus auch Einfluss auf die Nervenfunktion, Muskulatur und Zahnstellung und sorgt dafür, dass sich alle Funktionen wie Schlucken, Atmen und Sprache normal entwickeln können.

Schnuller- und Nuckelkinder haben mehr Probleme

Wird die Nahrung per Trinkflasche gereicht, muss sich das Kind kaum noch bemühen: Die Milch fließt von alleine, ohne dass der Säugling seine Mund- und Zungenmuskulatur dabei trainiert. Oft kommt es vor, dass der kleine Mensch den üppigen Milchfluss zu stoppen versucht. Dadurch bewegt sich seine Zunge ständig nach vorne. Dieses Verhalten bleibt – und die Zunge drückt später dann gegen die Zähne. Lispeln und Zahnfehlstellungen können die Folge sein. Hinzu kommt, dass Schnuller und Sauger gleichzeitig die Zunge nach unten drücken. Die Folgen übermäßigen Schnuller- oder Nuckelflaschengebrauchs zeigen sich in der späteren Physiognomie, der äußeren Erscheinung des Kindes: Die wichtigen Mund- und Gesichtsmuskeln – sogenannte orofaziale Muskeln - werden schlaff und inaktiv. Der Mund bleibt dadurch häufig leicht geöffnet, die Lippen sind entweder spröde oder durch erhöhten Speichelfluss fortwährend nass.

Vom Mund über den Körper zum Geist

Bei Kinder mit Zahnfehlstellungen, Zungenvorschub beim Sprechen, Lispeln oder geräuschvollem Atmen beobachten Logopäden häufig einen Mangel an muskulärer Spannkraft. Das zeigt sich sowohl im Gesichtausdruck als auch in der ganzen Körperhaltung. Beobachtet wird dabei häufig auch Antriebsarmut, Infektanfälligkeit und Konzentrationsmangel.

Die myofunktionelle Therapie kann besonders bei frühkindlicher Förderung viel bewirken, denn Sprache, Sprechen und Bewegung sind laut Experten eine untrennbare Einheit. Mechanismen wie Saugen, Beißen, Schlucken, Kauen und Bewegen gelten als Primärfunktionen, Sprechen als sekundär zu erlernende Funktion. Das eine ist Voraussetzung für das andere. Der Körper ist also als eine Einheit von Form und Funktion zu verstehen: Eine Fehlstellung der Zähne oder des Beckens beeinträchtigt den Menschen insgesamt.

Myofunktionelle Therapie als Frühförderung

Schon vor einer logopädischen Behandlung kann die myofunktionelle Therapie körperliche Dysbalancen (Fehlstellungen) harmonisieren. Durch Stimulation der Nerven und Muskulatur wird positiv Einfluss auf die Körperspannung (Tonus) genommen. Je nach Alter kann es sinnvoll sein, dies gleichzeitig mit einer Sprachtherapie zu kombinieren. Die myofunktionelle Therapie steht immer im Verbund mit verschiedenen medizinischen Fachrichtungen: Der Orthopädie bei Haltungsfehlern, der Kieferorthopäde bei Zahnfehlstellungen und der HNO-Heilkunde bei einer Mund- statt Nasenatmung, die die Infektanfälligkeit erhöht. In Zusammenarbeit mit Logopäden und Physiotherapeuten ist es möglich, die wichtige Harmonie von Funktion und Form des Körpers andererseits herzustellen.

Myofunktionelle Therapie auch im Erwachsenenalter

Bei Erwachsenen äußern sich myofunktionelle Probleme in Form von leichtem Lispeln, Zungen- und Unterkiefervorschub beim Schlucken, Globusgefühl und Enge im Hals, Verhaltensweisen wie Räuspern, Lippenbeißen oder –zucken, Zungenspielen, Augenzwinkern, funktionell bedingten Stimmstörungen, steifem Hals, Kopf-, Schulter- und/oder Rückenschmerzen und Hochatmung. Häufig kommt es gleichzeitig zu Verspannungsschmerzen im Kopf- und Rückenbereich. Bei alten Menschen verringert sich durch Erschlaffen der Muskulatur im Gesichtsbereich die Stabilität des Zahnersatzes, was vielerlei negativen Auswirkungen auf die alltägliche Lebensqualität nach sich zieht. All diese muskulären Insuffizienzen (Schwächen), Zungenfehlfunktionen und störenden Habits/Dyskinesien (Fehlfunktionen) lösen Verspannungen und Schmerzzustände aus. Eine ganzheitliche Behandlung kann hier helfen: Coaching, myofunktionelle Therapie, Osteopathie, traditionelle chinesische Medizin und Entspannungstechniken.

Stand 2009

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