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Herzinfarkt - Hintergrundinformationen
Herzinfarkt (Myokardinfarkt) –
lebensbedrohlicher Gefäßverschluss
Die
häufigste Todesursache in den Industrienationen: der Herzinfarkt. Dabei handelt
es sich um einen akuten Verschluss eines der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel
selbst mit Blut versorgen. Das nicht mehr durchblutete Herzmuskelgewebe stirbt
ab, gefährliche Rhythmusstörungen und eine Pumpschwäche sind die Folge. Wird der
Gefäßverschluss nicht schnellstmöglich wieder gelöst, endet er tödlich. In
Deutschland erleiden jährlich mehr als 500.000 Menschen einen Herzinfarkt, rund
180.000 sterben daran. Jeder Dritte Herzinfarktpatient stirbt noch auf dem Weg
in die Klinik, weil der Infarkt nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wurde.
Denn trotz starker Schmerzen warten Betroffene im Schnitt drei Stunden, bevor
sie Hilfe holen oder ins Krankenhaus fahren.
Das Herz – Motor des Lebens
Das Herz
ist ein faustgroßer und robuster Hohlmuskel, der in unserem Körper eine
lebenswichtige Aufgabe erfüllt: Unermüdlich pumpt er das Blut durch die beiden
Kreislaufsysteme, den großen und den kleinen Blutkreislauf. Nährstoffe und
Sauerstoff werden so bis in die entlegensten Adern und Zellen des Körpers
transportiert, Stoffwechselprodukte werden gleichzeitig abtransportiert. Um
nicht schlapp zu machen, muss auch der Herzmuskel selbst unentwegt mit Blut
versorgt werden. Diese Aufgabe übernehmen die Koronararterien, auch
Herzkranzgefäße (lat. corona = Kranz) genannt, weil sie sich wie ein Kranz um
das Herz legen. Sie zweigen als zwei große Blutgefäße aus der Aorta, der
Hauptschlagader, ab und spalten sich zu immer feineren Adern auf. Das Herz wird
so von einem regelrechten Netz aus feinen Blutgefäßen überzogen, die Blut in
jeden Teil des Herzens befördern. Nur wenn diese Gefäße gut durchblutet sind,
erhält das Herz ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Wird eine der
Koronararterien durch ein Blutgerinnsel eingeengt, verstopft oder gar
vollständig verschlossen, spricht man von einem Herzinfarkt. Häufigste Ursache
für den Verschluss sind arteriosklerotische Ablagerungen an den Gefäßwänden.
Durch diese so genannten Plaques können kleine Risse in den Adern entstehen. Als
eine Art Reparaturmechanismus kommt es dann dort zu einer Anlagerung von
Blutplättchen (Thrombozyten), die ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden. Dieses
Blutgerinnsel soll den Riss verschließen. Es kann sich aber auch lösen und das
ohnehin verengte Gefäß verstopfen. Die Folge: Das Blut kann nicht mehr
zirkulieren, die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr ist unterbrochen. In seltenen
Fällen können auch eine Entzündung der Herzkranzgefäße oder ein eingeschlepptes
Blutgerinnsel (Embolie) zu einem Herzinfarkt führen.
Der Herzinfarkt und seine Folgen
Wird bei
einem Herzinfarkt das verschlossene Gefäß nicht innerhalb von wenigen Stunden
wieder geöffnet, stirbt das unversorgte Herzmuskelareal ab. Schon drei Stunden
nach einem kompletten Verschluss einer Koronararterie sind 60 Prozent des
betroffenen Herzmuskelgewebes rettungslos verloren. je zeitiger ein
Infarkt-Patient in kompetente ärztliche Versorgung kommt, desto mehr kann
Herzmuskelgewebe kann vor dem Absterben bewahrt werden. Welche Folgen ein
Herzinfarkt hat, hängt aber auch wesentlich davon ab, an welcher Stelle der
Herzkranzgefäße der Gefäßverschluss auftritt. In der Regel ist der
Infarktbereich umso größer und der Verlauf umso schwerer, je näher der
Verschluss am Ursprung des Herzkranzgefäßes liegt. Verschließt ein Blutgerinnsel
die rechte Koronararterie, stirbt Muskelgewebe an der Hinterwand ab. Es entsteht
ein so genannter Hinterwandinfarkt. Die linke Koronararterie versorgt die
Vorder- und Seitenwand des Herzens mit je einem Ast. Sind sie betroffen,
entsteht ein so genannter Vorderwandinfarkt mit einer insgesamt
schlechteren Prognose. Noch bedrohlicher wird es, wenn dem Infarkt
Herzrhythmusstörungen folgen, insbesondere Kammerflimmern. Die
Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus ist dann auf das höchste gefährdet.
Wird das Kammerflimmern nicht sofort durch einen Elektroschock beseitigt oder
der Kreislauf durch Herzmassage und Beatmung aufrechterhalten, stirbt der
Patient innerhalb von fünf bis zehn Minuten. Das Kammerflimmern ist die
häufigste Todesursache bei einem Herzinfarkt.
Auch wenn
der akute Herzinfarkt überlebt wird, ist das Herz danach nicht mehr so
leistungsfähig wie zuvor. Denn das abgestorbene Muskelgewebe vernarbt und wird
durch Bindegewebe ersetzt. Das Bindegewebe ist recht starr und trägt nicht zur
Pumpfunktion des Herzens bei. Je größer das betroffene Gebiet im Herzen ist,
desto schlechter wird die Pumpleistung. Gefährliche Herzrhythmusstörungen und
eine Pumpschwäche (Herzinsuffizienz) sind die Folge.
Symptome eines Herzinfarkts
Ein
Herzinfarkt kann den Betroffenen im Schlaf oder im Wachzustand treffen. Häufig
treten Herzinfarkte in den frühen Morgen- oder Nachmittagsstunden auf. Die
Anzeichen können vielfältig sein. Das Leitsymptom sind anhaltende Schmerzen, die
aber nicht nur im Brustbereich, sondern auch an Körperstellen auftreten können,
die auf den ersten Blick nicht unbedingt auf das Herz hindeuten. Diese Symptome
werden darum häufig falsch interpretiert. Es ist deshalb wichtig, alle Anzeichen
zu kennen, um im Ernstfall schnell und richtig zu handeln. Schon bei ersten
Anzeichen sollte sofort ein Notarzt gerufen werden.
Alarmzeichen sind:
·
schwere,
länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme,
Schulterblätter, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können
·
starkes
Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb, Angstgefühle
·
zusätzlich
zum Brustschmerz: Luftnot, Übelkeit und Erbrechen
·
Schwächanfälle (auch ohne Schmerzen), Schwindel, eventuell Bewusstlosigkeit
·
blasse,
fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß, Unruhe
Ursachen eines Herzinfarktes:
Arteriosklerose und KHK – kardiovaskuläre Erkrankungen
Arteriosklerose ist eine Veränderung der Blutgefäße, die sich zunächst über
viele Jahre still und heimlich entwickelt. Sie gehört zum natürlichen
Alterungsprozess, kann aber in krankhafter Form auch schon in jüngeren Jahren
auftreten. Als wichtigste Risikofaktoren für die Entwicklung der Arteriosklerose
gelten hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes mellitus und
Übergewicht.
Der Begriff
Arteriosklerose oder Atherosklerose stammt dabei aus dem Griechischen und setzt
sich aus "Athero" (Schleim oder Kleister) und "sclerosis" (Härte) zusammen.
Umgangssprachlich spricht man auch von einer Arterienverkalkung. Gesunde
Arterien sind elastisch und muskulös und können sich den unterschiedlichen
Blutdrucksituationen anpassen. Unterstützt durch eine nichthaftende Oberfläche
der Zellen an der Gefäßinnenwand kann das Blut ungehindert durch die Arterien
fließen. Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und eine unausgewogene
Ernährung können bewirken, dass Fettpartikel in der Arterienwand bleiben und
sich dort verändern. Sie verursachen eine Entzündung. Fresszellen des
Immunsystems nehmen die Fette auf und verdauen sie. Mit der Zeit bildet sich
eine fetthaltige Ablagerung aus verdauten Cholesterin-Partikeln und Bruchstücken
abgestorbener Zellen, die nur durch eine dünne Zellschicht von der Blutbahn
getrennt ist - ein arteriosklerotischer Plaque entsteht. Die frühesten
erkennbaren Gewebeveränderungen – eine Ansammlung von Schaumzellen an der
Arterienwand - nennt man "Fettstreifen". Im weiteren Verlauf setzen sich an
diesen Stellen auch andere Stoffe wie z.B. Calcium ab. Mit der Zeit verkalken
diese Plaques, die Arterienwände verlieren ihre Elastizität und der
Gefäßdurchmesser verengt sich zunehmend. Das Blut kann nicht mehr ungehindert
fließen. Die Folgen davon sind Durchblutungsstörungen in den nachfolgenden
Gebieten. Außerdem können solch verengte Gefäße leichter durch ein Blutgerinnsel
verschlossen werden. Sie entstehen, wenn der Plaque unstabil wird, die
Gefäßinnenhaut reißt und dort Blut zu einem Thrombus gerinnt. Das hinter dem
Thrombus liegende Muskelgewebe ist dann nicht mehr durchblutet und stirbt ab.
Besonders
häufig entstehen arteriosklerotische Plaques an den Herzkranzgefäßen. Dadurch
wird der Herzmuskel selbst nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dies
bezeichnet man als Koronare Herzerkrankung, kurz KHK genannt. Ihre Diagnose kann
bei Verdacht durch verschiedene Methoden wie ein Belastungs-EKG oder mit Hilfe
einer Herzkatheteruntersuchung gesichert werden. Das Hauptsymptom der KHK ist
Angina pectoris: Schmerzen in der Herzgegend, meist hinter dem Brustbein,
Engegefühl im Brustkorb und Atembeklemmungen. Die Unterversorgung kann dann bis
zu einem Herzinfarkt führen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch als
kardiovaskuläre Erkrankungen bezeichnet, stehen heutzutage in der deutschen
Todesursachenstatistik an vorderster Stelle.
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