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Risiko Morgenhochdruck

Funktion des Blutdrucks

Damit das Blut seinen Weg durch den Körper und in die immer dünner werdenden Verästelungen der Adern schafft, ist ein gewisser Druck nötig. Erzeugt wird dieser (Blut) Druck durch die ständige Pumparbeit des Herzens in Zusammenarbeit mit dem Widerstand der Blutgefäße. Zieht sich das Herz in der Pumphase zusammen (sogenannte Systole), ist der Blutdruck höher, erschlafft das Herz (sogenannte Diastole), ist der Blutdruck niedriger. Auf diese Weise ergeben sich bei der Messung des Blutdrucks zwei Werte: der systolische, der als oberer Wert in etwa die Druckkraft des Herzens wiedergibt und der diastolische Wert, der als unterer Wert zwischen zwei Herzschlägen gemessen wird und vor allem die Spannkraft der Adern, samt ihrer Fähigkeit, den Blutdruck aufrecht zu erhalten zeigt. Diese Blutdruckwerte werden in Zahlen angegeben. Ein gesunder Mensch hat in etwa die Blutdruckwerte 120 für den oberen und 80 für den unteren Druckbereich.

Wenn der Blutdruck steigt ....

Die Steuerung des Blutdrucks erfolgt über das Nervensystem. Das sogenannte sympathische Nervensystem gibt Signale an das Herz und die Widerstandsgefäße, sobald ein erhöhter Versorgungsbedarf besteht. Gemäß dem Biorhythmus ist dies morgens nach dem Aufstehen, am Nachmittag und manchmal am späten Abend der Fall. Ein Mehr an Sauerstoff und Nährstoffen wird aber auch bei körperlicher Arbeit, bzw. bei sportlicher Betätigung benötigt. Das Herz pumpt verstärkt Blut in den Kreislauf und ein Teil der Blutgefäße verengt sich. Somit ist eine optimale Versorgung des erhöhten Bedarfs gewährleistet. Das parasympathische Nervensystem bremst den Blutdruckanstieg, wenn er nicht mehr benötigt wird. Der Körper wird wieder auf den „Normalzustand“ reguliert. Ein erhöhter Blutdruck entsteht aber nicht nur bei körperlicher Anstrengung. Auch bei Stress, Ärger, Angst, starker Freude, Lärm, Wetterumschwünge oder in Situationen, die besondere Aufmerksamkeit verlangen, hat die Natur für eine gesteigerte Sauerstoffzufuhr gesorgt. Solange sich der Blutdruck immer wieder von allein normalisiert, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Wenn jedoch der Blutdruck nicht mehr absinkt und dauerhaft bei Werten über 140/90 liegt, sprechen die Ärzte von einer Hypertonie (Bluthochdruck).

Bluthochdruck – ein Volksleiden

Die genaue Zahl von Menschen mit krankhaftem Bluthochdruck ist nicht bekannt, da er häufig unentdeckt bleibt. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder fünfte Erwachsene über 40 betroffen ist und dass viele von Ihnen gar nichts davon wissen. Erschreckend ist die Zahl von jährlich 400.000 tödlichen Herzinfarkten und Schlaganfällen in Deutschland, die in direktem Zusammenhang mit zu hohem Blutdruck stehen. Bluthochdruck ist dabei nicht die direkte Ursache, vielmehr verursacht er über lange Zeit hinweg Schädigungen an den feinen Blutgefäßen, deren Folge dann irgendwann plötzlich Herzinfarkt oder Schlaganfall sein können.

Es gibt zwei Ursachen für Bluthochdruck: Bei nur etwa zehn Prozent der Betroffenen entsteht Bluthochdruck als Folge einer anderen Krankheit, z.B. durch Nierenschädigungen, genetisch bedingte Gefäßveränderungen oder durch eine Störung des Hormonhaushaltes. Viel häufiger gibt es allerdings keine organischen Ursachen für den Bluthochdruck, der Mediziner spricht dann von einem essentiellem Bluthochdruck (oder essentieller Hypertonie).

Ursachen für den Bluthochdruck

Ein Zusammenhang zwischen Lebensweise und Blutdruck ist belegt. Begünstigende Faktoren sind dabei ständiger Stress, zu viel tierische Fette (Cholesterin) und Übergewicht, ein Mangel an Bewegung und zu viel Alkohol und Nikotin. All dies fördert das Entstehen einer Arteriosklerose, einer Arterienverkalkung, durch die der Durchmesser der Blutgefäße zum einen enger, zum anderen aber auch weniger elastisch werden. Je starrer das Gefäß, desto höher wird der Blutdruck steigen.

Stumm-unerkannt-tödlich: Morgenhochdruck

Wie viele Mechanismen im Körper unterliegt auch der Blutdruck natürlichen Schwankungen, die durch den Biorhythmus gesteuert werden. Während der Nacht sinkt der Blutdruck auf seinen niedrigsten Wert und in den frühen Morgenstunden, noch vor dem Erwachen, steigt er allmählich an und erlangt seine erste Hochdruckspitze noch vor dem Aufstehen. Auf diese Weise kommt der Körper auf seinen „Betriebsdruck“, der ihn bei Lagewechsel (liegen-stehen) nicht gleich wieder zu Boden sinken lässt. Bei Menschen mit einem chronisch krankhaft erhöhten Druck kann dieser Anstieg lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Die Statistik zeigt, dass eine Häufung der Infarkt- und Schlaganfallereignisse in den Wintermonaten, am Wochenanfang morgens zwischen 4-6 Uhr zu verzeichnen sind und das Risiko eines solchen Ereignisses noch bis zur Mittagszeit anhält.


Bluthochdruck tut nicht weh, aber....

Warnsignale für einen unentdeckten Bluthochdruck können Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Müdigkeit, Atemnot sowie Hitzegefühl und Schmerzen in der Brust sein. Viele diese Symptome werden von den Betroffenen mit Erscheinungen wie z.B. Frühjahrsmüdigkeit oder dem Alter erklärt, dennoch müssen diese Symptome ernst genommen und ärztlich untersucht werden. Die gelegentliche Blutdruckkontrolle beim Arzt oder in einer Apotheke ist aber nicht ausreichend. Erst eine Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden kann Aufschluss über einen Hochdruck und ggf. auch einen Morgenhochdruck geben.

Trotz Behandlung weiterhin Hochspitzen?

Erstaunlicherweise sind auch viele Hochdruckpatienten, die bereits medikamentös behandelt werden, von morgendlichem Hochdruck betroffen. Eine Massenuntersuchung an 60.000 vorbehandelten Patienten zeigte, dass nur bei 22 Prozent normale Morgenwerte vorlagen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig, meist handelt es sich jedoch um eine sogenannte Therapielücke. Das bedeutet, dass in den Morgenstunden nicht mehr genügend blutdrucksenkende Wirkstoffe im Körper vorhanden sind. Wissenschaftler fanden heraus, dass viele Patienten irrtümlich glaubten, dass sie nach einer Hochdruckbehandlung  „geheilt“ seien und darum keine Medikamente mehr benötigten. Dabei ist ein chronischer Bluthochdruck in der Regel nicht mehr heilbar!

Andere Patienten wiederum nahmen ihre Medikamente nur unregelmäßig ein, weil sie grundsätzlich eine Abneigung gegen einen regelmäßigen Tablettenkonsum haben – selbst wenn es lebensnotwendig ist. Aber es sind auch Fälle bekannt, bei denen ein verordnetes Medikament eine zu kurze Wirkdauer hatte und es dadurch zu einem Abfall des Wirkstoffspiegels in den Morgenstunden kam.

Medikamente – eine Einstellungssache

Glücklicherweise gibt es heute eine Reihe von Wirkstoffen, die den Blutdruck zuverlässig senken können, vorausgesetzt, die Einnahme findet regelmäßig statt und die Dosierung wird regelmässig kontrolliert. Die Behandlung ist abhängig vom jeweiligen Krankheitsbild. Hoch potente Medikamente haben leider auch oft zum Teil erhebliche Nebenwirkungen, die ebenfalls individuell unterschiedlich stark empfunden werden. Entweder wird auf deren Einsatz verzichtet, oder es wird eine Kombination von verschiedenen Wirkstoffen gegeben, um die Nebenwirkungen zu reduzieren.

Wirkstoffe der ersten Wahl sind:

-          ACE Hemmer: Sie blockieren die Produktion eines Hormons (Angiotensin), das für die Verengung der Gefäße zuständig ist.

-          Angiotensin-1-Rezeptorantagonisten (AT1-Blocker): Diese Wirkstoffgruppe, auch Sartane genannt, ist eine neuere Entwicklung. Ihre Wirkweise ist ähnlich der von ACE Hemmern, hier wird jedoch die Wirkweise von Angiotensin beeinflusst, in dem Rezeptoren an den Zellwänden blockiert werden, so dass Angiotensin keine Andockstelle mehr findet. Medikamente aus der Gruppe der Sartane sind die ersten, die einen zuverlässigen 24-Stunden-Schutz gewährleisten.

-          Betablocker: Sie beeinflussen das vegetative Nervensystem. Es wird weniger Stresshormon Adrenalin gebildet und die Herzfrequenz wird verlangsamt. Häufig sind Betablocker das Mittel der ersten Wahl, wenn bereits Gefäßschädigungen vorliegen.

-          Diuretika: Sie beeinflussen die Nierentätigkeit und damit den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers, der ebenfalls einen Einfluss auf den Blutdruck haben. Diuretika werden in der Regel als Kombinationspräparat eingesetzt.

-          Kalziumblocker: Sie haben eine gefäßerweiternde Wirkung

-          Ggf. Statine: Da in vielen Fällen eine Fettstoffwechselstörung vorliegt, muss auch diese behandelt werden. Heute wird immer häufiger auf moderne „duale“ Wirkstoffkombinationen zum Einsatz, mit deren Hilfe das Cholesterin im Blut nachweislich sehr nachhaltig gesenkt werden kann.

Selbst aktiv werden gegen Bluthochdruck

Das A und O bei Bluthochdruck und KHK (koronaren Herzerkranklungen) ist die richtige Ernährung und nicht zu vergessen: regelmäßige Bewegung. Vermeiden Sie zu fettes Essen, denn das fördert das Übergewicht und tierische Fette lassen den Cholesterinspiegel ansteigen. Zwar ist Cholesterin ein lebensnotwendiger Stoff, aber es wird auch in ausreichender Menge vom Körper selbst hergestellt. Zuviel Cholesterin fördert die Arterienverkalkung. Übergewicht allein ist auch schon ein Risikofaktor. Außerdem muss das Herz viel mehr Körpermasse versorgen, so dass selbst in Ruhe der Blutdruck höher sein muss. Bewegung ist gleich in mehrfacher Hinsicht gut: Sie hilft sowohl beim Stressabbau, als auch bei der Gewichtsreduktion. Außerdem entsteht ein Trainingseffekt für Herz und Gefäße. Die „Pumpe“ ist einfach besser in Form und kann auf unterschiedliche Belastungen optimal reagieren.

Fazit: Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung – eine bessere Vorsorge gibt es nicht –und zwar nicht nur gegen den Bluthochdruck!

Stand 2009
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