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Bluthochdruck am Arbeitsplatz

Sozialer und beruflicher Negativstress, Termindruck, Überlastung oder Unterforderung, Mobbing und die Angst vor dem Versagen gehören heutzutage für viele Menschen zum täglichen Leben. Experten fanden heraus, dass rund zwei Drittel der Bundesbürger allein durch die Belastungen am Arbeitsplatz unter erhöhten Blutdruckwerten leiden. Bluthochdruck führt langfristig zu Gefäßveränderungen und schweren gesundheitlichen Problemen. Herzinfarkt und Schlaganfall sind die häufigsten Folgeerkrankungen eines Bluthochdrucks. Von Arbeitsplatzhypertonie spricht man im Gegensatz zum „normalen“ Bluthochruck, wenn die Blutdruckwerte während der Arbeit stark erhöht, in der Freizeit aber normal sind. Da sich chronischer Stress am Arbeitsplatz inzwischen zu einer ernst zu nehmenden Krankheit entwickelt hat, gaben die Experten diesem Phänomen einen Namen: job strain.

Im Rahmen der STARLET-Studie (Stressinduzierte Hypertonie am Arbeitsplatz - Langzeitstudie) wurden in Deutschland bei 3500 Arbeitnehmern zischen 35 und 60 Jahren aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Dienst Langzeitblutdruckmessungen vorgenommen. Nahm der job strain über die Jahre zu, erhöhte sich auch das Risiko auf einen hohen Blutdruck. Bei nachlassendem Stress sank das Risiko wieder. Langfristig begünstigt job strain das Auftreten von Herzkreislauferkrankungen. Laut der Studie hatten nur 36 Prozent der Teilnehmer während der Arbeitszeit einen normalen Blutdruck. Ob es jedoch zum job strain kommt, wird nach Expertenmeinung weniger durch die Tätigkeit selbst bestimmt. Von größerer Bedeutung seien Gestaltung und Sicherheit des jeweiligen Arbeitsplatzes, vor allem aber der erfolgreiche Umgang mit psychisch belastenden Situationen am Arbeitsplatz.

Funktion des Blutdrucks

Damit das Blut seinen Weg durch den Körper und in die immer dünner werdenden Verästelungen schafft, ist ein gewisser Druck nötig. Erzeugt wird dieser (Blut) Druck durch die ständige Pumparbeit des Herzens in Zusammenarbeit mit dem Widerstand der Blutgefäße.

Zieht sich das Herz in der Pumphase zusammen (so genannte Systole), ist der Blutdruck höher, erschlafft das Herz (so genannte Diastole), ist der Blutdruck niedriger. Auf diese Weise ergeben sich bei der Messung des Blutdrucks zwei Werte: der systolische, der als oberer Wert in etwa die Druckkraft des Herzens wiedergibt und der diastolische Wert, der als unterer Wert zwischen zwei Herzschlägen gemessen wird und vor allem die Spannkraft der Adern, samt ihrer Fähigkeit, den Blutdruck aufrecht zu erhalten zeigt. Diese Blutdruckwerte werden in Zahlen angegeben. Ein gesunder Mensch hat in etwa Werte von 120 für den oberen und 80 für den unteren Messbereich.

Erhöhter Blutdruck

Die Steuerung des Blutdrucks erfolgt über das Nervensystem. Das so genannte sympathische Nervensystem gibt Signale an das Herz und die Widerstandsgefäße, sobald ein erhöhter Versorgungsbedarf besteht. Gemäß dem Biorhythmus ist dies morgens nach dem Aufstehen, am Nachmittag und manchmal am späten Abend der Fall. Ein Mehr an Sauerstoff und Nährstoffen wird aber auch bei körperlicher Arbeit, bzw. bei sportlicher Betätigung benötigt. Das Herz pumpt verstärkt Blut in den Kreislauf und ein Teil der Blutgefäße verengt sich. Somit ist eine optimale Versorgung des erhöhten Bedarfs gewährleistet. Das parasympathische Nervensystem bremst den Blutdruckanstieg, wenn er nicht mehr benötigt wird. Der Körper wird wieder auf den „Normalzustand“ reguliert. Ein erhöhter Blutdruck entsteht aber nicht nur bei körperlicher Anstrengung. Auch bei Stress, Ärger, Angst, starker Freude, Lärm, Wetterumschwünge oder in Situationen die besondere Aufmerksamkeit verlangen hat die Natur für eine gesteigerte Sauerstoffzufuhr gesorgt. Solange sich der Blutdruck immer wieder von allein reduziert besteht kein Grund zur Beunruhigung. Wenn jedoch der Blutdruck nicht mehr absinkt und dauerhaft bei Werten über 140/90 liegt, sprechen die Ärzte von einer Hypertonie.

Symptome und Auswirkungen

Menschen mit einer Hypertonie haben keine typischen Beschwerden. Viele fühlen sich trotz Bluthochdrucks lange Zeit fit und wohl. Symptome wie Herzklopfen, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Atemnot, Sehstörungen, Bewusstseinstrübungen, Übelkeit und Erbrechen treten oft erst nach Jahrzehnten auf. Wie wichtig es ist, hohen Blutdruck rechtzeitig zu entdecken und zu verhindern, zeigen seine Langzeitfolgen. Jahrelanger Bluthochdruck äußert sich unter anderem

-          in Herz-Kreislauferkrankungen (Herzanfall, Herzinfarkt, Herzkranzgefäßerkrankung)

-          am Gehirn (Schlaganfall)

-          an den Gefäßen (Arteriosklerose: Gefäßverkalkung)

-          an Nieren und Augen

Diagnose

Jeder, der die Vermutung hat, er könne möglicherweise unter einer Arbeitsplatzhypertonie leiden, sollte sich untersuchen lassen. Stellt man oben beschriebene Reaktionen fest, wird es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen. Gelegentliche Blutdruckmessungen sind für den Nachweis der Arbeitshypertonie wenig aussagekräftig. Nur mit einer Langzeitblutdruckmessung lässt sich die stressbedingte Hypertonie nachweisen.

Therapie

Bevor zu medikamentöser Therapie gegriffen wird sollte versucht werden, den Blutdruck mit alternativen Methoden zu senken. Mit Hilfe von Entspannungsübungen kann man lernen, den Blutdruck auch unter Stressbedingungen besser zu kontrollieren. Durch regelmäßige Meditation oder Yoga lassen sich anstrengende Alltagssituationen besser bewältigen. (Nicht der Stress selbst ist Hypertonie-auslösend, sondern die falsche Stressverarbeitung!) Leichter Ausdauersport wie Walking, Jogging, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren und täglich ein paar Minuten Gymnastik fördern nicht nur die Entspannung sondern stärken das Herz, stabilisieren den Kreislauf und beugen Übergewicht vor. Besonders zu empfehlen ist "Aqua-Jogging" als Herz-Kreislauf-Muskel-Training. Dabei hat das Wasser zusätzlich eine Massagewirkung und fördert die Durchblutung. Gleichzeitig sollte auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen geachtet werden. Eine bewusste Nahrungsaufnahme hat den positiven Nebeneffekt, dass die Pfunde purzeln und damit auch oft der Blutdruck absinkt. Vermindern oder gar verzichten sollten man auf übermässigen Konsum von Alkohol und Kaffee, Zigaretten oder fett-, salz- und cholesterinreiche Speisen. Eine medikamentöse Therapie ist erforderlich, wenn trotz der alternativen Methoden der Blutdruck nicht auf die gewünschten Werte gesenkt werden konnte. Es gibt verschiedene Hochdruckmittel, welche auf unterschiedliche Weise im Körper wirken.

Folgende Medikamentengruppen sind als so genannte „Mittel der ersten Wahl“ eingestuft:

Beta-Blocker – sie blockieren die Wirkung von Stresshormonen und senken den Puls, die Herzkraft und den Gefäßwiderstand, so dass der Blutdruck absinkt.

Alpha-1-Blocker – sie erweitern über so genannte Alpha-Rezeptoren die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt.

Calzium-Antagonisten – sie erweitern ebenfalls die Blutgefäße und zeigen zugleich günstige Wirkung bei Bluthochdruck durch eine Nierenerkrankung.

Diuretika – sie fördern die Salz- und Wasserausscheidung über die Nieren.

ACE Hemmer - Sie blockieren die Produktion eines Hormons (Angiotensin), das für die Verengung der Gefäße zuständig ist.

Angiotensin-1-Rezeptorantagonisten (AT1-Blocker) - Diese Wirkstoffgruppe, auch Sartane genannt, ist eine neuere Entwicklung. Ihre Wirkweise ist ähnlich der von ACE Hemmern, hier wird jedoch die Wirkweise von Angiotensin beeinflusst, in dem Rezeptoren an den Zellwänden blockiert werden, so dass Angiotensin keine Andockstelle mehr findet. Medikamente aus der Gruppe der Sartane sind die ersten, die einen zuverlässigen 24-Stunden-Schutz gewährleisten.

Besonders wichtig ist es, dass die Medikamente gegen Bluthochdruck gut verträglich sind und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit der Patienten nicht beeinträchtigt wird. In der Regel geht es Hochdruckpatienten zunächst subjektiv gut und sie empfinden die "Nebenwirkungen" der Blutdrucksenkung, z.B. Müdigkeit als unangenehm. Bei der Auswahl der Medikamente richtet sich der Arzt nach den individuellen Gegebenheiten des Patienten.

Stand 2009
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