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Herzinfarkt - Ein Notfall
Jede Minute rettet Muskelzellen
Schon am
Ort des Geschehens – und spätestens im Rettungswagen (RTW) wird die Diagnostik
und Behandlung beim Herzinfarkt sofort eingeleitet. Primäres Ziel ist es, das
verschlossene Blutgefäß so schnell wie möglich zu eröffnen. Je schneller das
Blut wieder zirkulieren kann und die Sauerstoffversorgung des Gewebes gesichert
ist, desto weniger Muskelmasse stirbt ab und desto geringer sind die
Folgeschäden. Am erfolgreichsten ist die Behandlung, wenn sie innerhalb der
ersten drei bis vier Stunden nach einem akuten Infarkt eingeleitet wird.
Zu den
Maßnahmen, die noch im Rettungswagen eingeleitet werden, gehört:
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die Gabe
von Morphinpräparaten zur Schmerzlinderung
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die Gabe
von Sauerstoff über eine Nasensonde zur besseren Sauerstoffversorgung
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die Gabe
von Nitraten, um die Herzkranzgefäße zu erweitern und die Durchblutung zu
verbessern
-
sowie die
Gabe von blutgerinnungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder
Heparin. Sie verhindern, dass sich noch mehr Blutplättchen in dem betroffenen
Gefäß ablagern.
Im RTW: Lyse-Therapie - Das
Blutgerinnsel durch Medikamente auflösen
Zu den
Standardmethoden, die jedem Krankenhaus - und häufig auch schon in den
Rettungswagen - ohne zeitliche Verzögerung zur Verfügung stehen, gehört die so
genannte Lyse-Therapie oder Thrombolyse. Damit wird versucht, das Blutgerinnsel
mit Hilfe von Medikamenten aufzulösen. Verantwortlich für das Zusammenklumpen
von Blut und damit für die Entstehung eines Thrombus ist der Eiweißstoff Fibrin.
Das Fibrin bildet ein feines, aber dichtes Netz, das Blutkörperchen auffängt und
in einen Pfropfen umwandelt. In diesen Mechanismus greifen die Medikamente ein.
Sie können Blutgerinnsel auflösen, indem sie das Fibrin angreifen. Am
erfolgversprechendsten ist das Lyse-Verfahren, wenn es bis zu zwölf Stunden nach
Beginn der Beschwerden durchgeführt wird. Je mehr Zeit bis zur Behandlung
verstreicht, desto geringer die Chancen der Auflösung des Gerinnsels. Tatsache
ist aber auch: Die Wiedereröffnung eines Blutgefäßes ist selbst bei frühzeitigem
Therapiebeginn nur in 50 Prozent der Fälle möglich. Gründe hierfür sind
nicht-auflösbare Anteile im Blutgerinnsel und mögliche unauflösbare Ablagerungen
(Kalk), die das Gefäß einengen. Zu Bedenken gilt auch, dass es beim Lyse-Verfahren
auch Kontraindikationen (Gegenanzeigen) gibt, zum Beispiel wenn Patienten eine
erhöhte Blutungsneigung haben (ca. 1/3 der Patienten). Die Lyse-Therapie führt
zu vorübergehenden Verlust der Gerinnbarkeit des Blutes. Liegt bereits ein
Schaden in der Gefäßwand vor, kann das Blut ausströmen, ohne dass der Defekt
geschlossen wird. Eine Hirnblutung mit einer Verschlimmerung des Herzinfarktes
kann die Folge sein. Patienten mit bekannten Magengeschwüren oder kurz nach
einer Operation oder einem Schlaganfall dürfen daher nicht „lysiert“ werden.
In der Klinik: Ballondilatation und
Stent-Implantation
In
Krankenhäusern mit Herzkatheter-Labor kann bei einem Infarkt mit Hilfe eines
Ballons das verschlossene Gefäß wieder eröffnet, geweitet werden. Im
Fachausdruck wird dieses Verfahren PTCA – perkutane transluminale koronare
Angioplastie – genannt. Diese Ballondilatation hat sich in den letzten Jahren
als besonders wirksam erwiesen, ein verstopftes Herzkranzgefäß schnell wieder zu
öffnen. Dafür wird von der Leiste oder Arm aus ein biegsamer, millimeterdünner
Schlauch über die Arterie ins Herz geschoben. Mit Hilfe von Kontrastmitteln
können die Herzkranzgefäße im Röntgenbild dargestellt und der Ort des
Verschlusses ermittelt werden. In 90 Prozent der Fälle gelingt es dadurch, den
Blutfluss wiederherzustellen. Um einen Wiederverschluss an der Engstelle zu
verhindern, wird darüber hinaus häufig auch eine bleibende Gefäßstütze aus
Metall eingesetzt, ein so genannter Stent. Die Rate einer
erneuten Verengung lässt sich dadurch in etwa halbieren. Doch die Methode birgt
ein Risiko: Bei über einem Drittel der Patienten kommt es zu Komplikationen, da
die künstlichen Gefäßstützen eine Fremdkörperreaktion hervorrufen. Die
irritierte Wand des Blutgefäßes bildet verstärkt neue Zellen, diese wandern in
das Blutgefäß ein und drohen es erneut zu verstopfen. Bei fast 20 Prozent der
Stent-Patienten muss daher nach rund sechs Monaten ein erneuter Eingriff
erfolgen. Wenn dann wieder ein Verschluss droht, wird eine Bypass-OP in Erwägung
gezogen.
Neue Stent-Technologie gegen
Re-Verschlüsse
Um die
Verschlussrate nach Stentimplantationen zu reduzieren, wurden neue, mit
Medikamenten beschichtete Implantate entwickelt. Ende der 1990er Jahre wurden
sie erstmals eingesetzt. Das Prinzip ist ganz einfach: Diese modernen Stents
geben eine Zeit lang kontinuierlich das Medikament in die Gefäßumgebung ab. Zwei
Substanzen haben sich dabei durchgesetzt: Der Eibenwirkstoff Paclitaxel und das
in Pilzen der Osterinsel Rapa Nui entdeckte Antiobiotikum Sirolimus. Sie hemmen
die Zellteilung und verhindern damit eine Narbenreaktion. Die Idee hat Erfolg.
Der beschichtete Stent verringerte die Wahrscheinlichkeit für eine erneute
Gefäßverengung auf unter zehn Prozent. Bei allem Optimismus, dieser medizinische
Durchbruch kommt in Deutschland den wenigsten Patienten zugute. Denn die
modernen Stents kosten viermal soviel (etwa 2000 Euro) wie die herkömmlichen
Metalleinsätze und eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen fehlten bislang.
Bypass-Operation
Wenn sich
das verschlossene Gefäß nicht durch Lyse oder Herzkatheter öffnen lässt, ist
eine Operation am offenen Herzen nötig: Eine sogenannte Bypass-Operation (Bypass
ist das englische Wort für Umleitung). Dabei wird das verschlossene Gefäß
„überbrückt“, um sicher zu gehen, dass das Herz wieder ausreichend mit Blut
versorgt wird. Zur Überbrückung dienen Venen, die aus dem Unter- oder
Oberschenkel oder aus der inneren Brustwand entnommen werden. Das Venengewebe
wird dann mit sehr dünnen Fäden oberhalb und unterhalb des Engpasses in die
Herzkranzarterie eingenäht. Nach einer Bypass-Operation gewöhnt sich das
Venegewebe bald an seine neue Aufgabe: Es bildet seine Wände um und wird zu
einer richtigen Arterie.
Stand 2009
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