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Behandlung von Herzklappenfehlern - Medikamentöse Therapie und Operationsverfahren
Behandlung von Herzklappenfehlern
Die
Behandlung eines Herzklappenfehlers hängt von seinem Schweregrad ab. Nicht jeder
Fehler ist behandlungsbedürftig. Wird jedoch ein schwerer Klappenfehler nicht
therapiert, kann er zu Herzversagen und damit tödlich enden. Behandelt werden
müssen auch Herzrhythmusstörungen, die durch Herzklappenfehler entstanden sind.
Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle des Herzens durch einen Spezialisten,
damit Verschlechterungen schnell erkannt und behandelt werden können.
Eine medikamentöse Behandlung hilft
bei leichten Herzklappenfehlern
Ein
Herzklappenfehler bedeutet immer eine Mehrbelastung für den Herzmuskel. Bei
leichten Herzklappenfehlern kann das Herz diese in der Regel zunächst selbst
ausgleichen. Schafft der Herzmuskel die Mehrbelastung jedoch nicht mehr alleine,
werden Medikamente notwendig, die die Pumpkraft des Herzens unterstützen.
Therapie der Wahl sind hier je nach Krankheitsbild herzstärkende Mittel
(Herzglykoside) sowie entwässernde Medikamente (Diuretika) und ACE-Hemmer oder
AT-I-Antagonisten, die den Gefäßwiderstand senken, gegen den das Herz anpumpen
muss.
Antibiotika zum Schutz vor einer
Endokarditis
Unabhängig
vom Schweregrad eines Herzklappenfehlers ist vor bestimmten ärztlichen
Eingriffen (z.B. Zahnbehandlungen, chirurgische Maßnahmen) die Einnahme von
Antibiotika erforderlich, um eine Endokarditis zu vermeiden. Denn die Gefahr,
dass die feine Herzinnenhaut bei einer Bakterieneinschwemmung mit Keimen
besiedelt wird, ist bei abwehrgeschwächten Herzen besonders groß. Dazu zählen
insbesondere auch Träger einer neuen Herzklappe.
Operative Herzklappenkorrektur
Manche
Herzklappenfehler können korrigiert werden. Häufig stellt sich aber erst während
des Eingriffs heraus, ob sich die erkrankte Herzklappe reparieren lässt.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Korrektur:
Ballonerweiterung (Valvuloplastie):
Bei Stenosen (insbesondere der Mitralklappe), bei denen die Verkalkung oder
Schrumpfung noch nicht weit fortgeschritten ist, kann die Verengung häufig durch
einen Ballon regelrecht gesprengt werden. Dies erfolgt nicht operativ, sondern
im Rahmen einer Herzkatheter-Untersuchung, bei der ein Ballon über ein großes
Blutgefäß eingeführt wird. Durch seine Dehnung wird die Öffnung der Klappe
erweitert. Häufig wird dann zu einem späteren Zeitpunkt die Herzklappe ersetzt.
Herzklappenrekonstruktion:
Bei Herzklappen, deren Struktur weitgehend erhalten ist, kann die normale
Ventilfunktion häufig operativ wiederhergestellt werden. Die größten Erfahrungen
liegen hier im Bereich der Mitralklappe vor. Bei einer Stenose werden die
verklebten Segel getrennt, im Falle einer Insuffizienz können Ablagerungen
entfernt, erschlafftes Gewebe herausgeschnitten, ein möglicher Sehnenabriss
genäht und Defekte mit Flickenmaterialien abgedeckt werden. Unter günstigen
Umständen kann der erweiterte Herzklappenring gerafft und so wieder
verschlussfähig gemacht werden. Bei geschrumpften, verkalkten oder anderweitig
veränderten Klappen ist eine Rekonstruktion in der Regel nicht möglich.
Operativer Ersatz der Herzklappe
Bei manchen
Herzklappenfehlern ist der Austausch der erkrankten Klappe gegen eine neue die
einzig sinnvolle Behandlung. Dafür stehen unterschiedliche Herzklappenprothesen
und Operationsmethoden zur Verfügung. Ob ein Ersatz der Klappe notwendig ist,
hängt davon ab, welche Leistungsfähigkeit das Herz des Betroffenen noch zeigt
und welche Lebensqualität es ihm ermöglicht. Generell gilt, dass heutzutage eher
zur Operation geraten als früher, weil sich gezeigt hat, dass die
Komplikationsrate bei einem rechtzeitigen Eingriff deutlich geringer ist und
auch die postoperativen Ergebnisse wesentlich besser werden.
Herzklappenoperationen: am offenen
Herzen oder minimalinvasiv
Die
Operation einer Herzklappe findet zumeist am
offenen Herzen
statt. Dabei wird Zunächst der Brustkorb längs des Brustbeins geöffnet, um an
den Herzbeutel zu gelangen. Der Brustkorb wird aufgedehnt und das
Kreislaufsystem an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die
während der Operation die Sauerstoffversorgung der Körperorgane übernimmt. Sie
hält durch an die Aorta fixierte Kanülen den Kreislauf aufrecht, elektrische
Pumpen halten den Herzbeutel frei von Blut. Damit sich beim Kontakt mit der
Maschine keine Blutgerinnsel bilden, werden dem Patienten gerinnungshemmende
Medikamente verabreicht. Währenddessen befindet sich das Herz in einem
künstlichen Stillstand; es wird mit einer Schutzlösung gespült, um es während
der bis zu drei Stunden dauernden Operation gegen Schädigungen aufgrund der
fehlenden Durchblutung unempfindlich zu machen. Die Herzklappe wird dann durch
den geöffneten Vorhof ersetzt bzw. rekonstruiert.
Zunehmend
erfolgen Herzklappenoperationen auch schon
minimalinvasiv über
kleinere Operationsschnitte. Dies ist bei Mitralklappenerkrankungen möglich.
Dann wird nicht das Brustbein durchtrennt, sondern ein 4-8 cm langer Schnitt
seitlich unter dem Brustmuskel gesetzt und zwischen den Rippen eingegangen.
Wegen der schlechteren Sichtverhältnisse für den Operateur wird zusätzlich ein
Videoskop (Minikamera) benutzt, um die Bilddarstellung zu vergrößern. Die
Herz-Lungen-Maschine wird über einen kleinen Schnitt an den rechten
Leistengefäßen angeschlossen. Bei der Auswechslung der Aortenklappe geht der
Trend dahin, nicht mehr das ganze Brustbein zu durchtrennen, sondern nur noch
die obere Hälfte. Dadurch bleibt die Stabilität des Brustkorbs erhalten und die
Erholungsphase nach der Operation ist deutlich kürzer.
Herzklappenprothesen – Welche
Prothese ist die Richtige?
Generell
lassen sich vier Möglichkeiten unterscheiden, eine erkrankte Herzklappe gegen
eine neue auszutauschen. Die Entscheidung, welche Klappe bzw. Methode dabei die
Richtige ist, muss individuell vom Arzt entscheiden werden. Denn alle
Prothesentypen bieten Vor- und Nachteile.
Mechanischen Klappenprothesen:
sind heutzutage meist aus Pyrolitcarbon hergestellt, einem keramikähnlichen
harten Kohlenstoff. Die Ventilfunktion erfolgt entweder durch einen
scheibenförmigen oder durch zwei klappenförmige Schließkörper. Die Klappen haben
einen weichen, aus Gewebe gefertigten Nahtring, mit dem sie durch Nähte an die
Stelle der entfernten Herzklappe im Herz verankert werden können. Vorteil der
mechanischen Klappenprothesen ist, dass sie nahezu unbegrenzt haltbar
sind. Daher werden sie insbesondere bei jüngeren Menschen eingesetzt. Es besteht
aber die Gefahr, dass sich aufgrund des körperfremden Materials Blutgerinnsel
bilden. Zur Senkung der erhöhten Thrombosegefahr muss der Träger daher ein Leben
lang gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulantien)
einnehmen. Dadurch entsteht eine erhöhte Blutungsgefahr. Mechanische Herzklappen
können zudem zuweilen hörbare Geräusche verursachen.
Biologische Klappenprothesen (Xenografts):
sind aus Materialien tierischen Ursprungs hergestellt und speziell antigen
behandelt, damit das tierische Ersatzgewebe nicht als fremd erkannt und
abgestoßen wird. In zunehmendem Maße handelt es sich um Herzklappen vom Schwein,
die vor allem für die Aortenklappe eingesetzt werden. Vorteil der Bioprothesen
ist, dass bei ihnen keine Gefahr einer Gerinnselbildung besteht
und daher auch keine längere Einnahme blutverdünnender Medikamente notwendig
ist. Störende Geräusche verursachen die Bioprothesen ebenfalls nicht. Allerdings
ist ihre Haltbarkeit auf 10 bis 15 Jahre beschränkt, weil sie dem natürlichen
Alterungsprozess unterliegen. Bioprothesen werden daher vorzugsweise bei älteren
Menschen verwendet, u.a. auch, weil die Komplikationsrate hier geringer ist und
das Herz sich von der Operation schneller erholt. Auch wenn eine
Blutgerinnungshemmung nicht möglich ist, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder
bei Frauen mit Kinderwunsch, sind sie häufig die erste Wahl.
Homografts/ Allografts:
sind menschliche Aorten- oder Pulmonalklappen aus Spenderherzen, die eine
identische Klappenfunktion wie die natürliche Klappe aufweisen. Sie sind gute
Transplantate für jüngere Patienten, da sie keine Altersabhängigkeit in der
Degeneration zeigen. Ihre Haltbarkeit ist länger als die der biologischen
Prothesen, und eine längere Gerinnungshemmung ist nicht notwendig. Weil sie nur
sehr eingeschränkt verfügbar sind, werden menschliche Klappentransplantate
allerdings sehr spezifisch eingesetzt, etwa zur Beseitigung angeborener,
komplizierter Herzklappenfehler, weil bei ihnen noch Gefäßabschnitte mit
verwendet werden können, oder im Rahmen einer Ross-Operation. Bei dieser
Operationsmethode werden so genannte Pulmonale Autografts
eingesetzt. Die kranke Aortenklappe wird durch die analog aufgebaute
Pulmonalklappe aus dem eigenen Herz ersetzt. Für die nun zu ersetzende
Pulmonalklappe wird eine biologische Prothese verwendet. Der Vorteil der
Ross-Operation liegt darin, dass ein optimaler Klappenersatz in einer wichtigen
Position des Körperkreislaufes erreicht wird. Die autotransplantierte
Pulmonalklappe ist vital, das heißt, sie verfügt über einen Stoffwechsel und die
Möglichkeit, sich selbst zu regenerieren. Es ist das Prinzip aller
Gewebsstrukturen im Körper, sich über einen gewissen Zeitraum hinweg vollständig
zu erneuern und dadurch Verschleiß zu minimieren. Im Gegensatz dazu bestehen
alle anderen biologischen Klappen aus leblosem Gewebe, dem die Möglichkeit zur
Regeneration fehlt und die deshalb irgendwann ersetzt werden müssen. Die
Ross-Operation ist länger und komplizierter als andere Klappen-Operationen und
setzt das erkrankte Herz großen Belastungen aus. Sie ist aber wegen der relativ
guten Ergebnisse angezeigt bei Kindern und jungen Erwachsenen sowie jungen
Frauen mit Kinderwunsch.
Die
Haltbarkeit der autotransplantierten Aortenklappe gilt als ausgesprochen gut.
Reoperationen, auch im späteren Verlauf, sind selten. Auch die Haltbarkeit des
Ersatzmaterials in der Lungenklappenposition liegt meist bei über 10 Jahren.
Stand 2009
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