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Erworbene Herzklappenfehler und Diagnostik

Wie ein Herzklappenfehler entsteht…

Herzklappenerkrankungen entstehen meist im Laufe des Lebens, bei nur etwa 0,8  Prozent aller Menschen sind sie schon angeboren. Die häufigste Ursache für einen erworbenen Defekt sind entzündliche Erkrankungen des Herzklappenapparates, aber auch Verschleißerscheinungen, Herzinfarkte und seltenere Faktoren wie Verletzungen des Brustkorbs können Ursache sein.

Ursache: Entzündung (Endokarditis)

Etwa 90 Prozent aller Herzklappenfehler sind auf eine Entzündung des Endokards, der dünnen Haut, mit der die Herzinnenwand und auch die Herzklappen überzogen sind, zurückzuführen. Diese Entzündung, Endokarditis genannt, hat im Wesentlichen zwei Ursachen. Sie kann durch Keime, die von außen in die Blutbahn gelangt sind, ausgelöst werden, oder aber als Folge einer Autoimmunreaktion z.B. nach einem rheumatischen Fieber. Bei der bakteriellen Endokarditis siedeln sich Bakterien, seltener andere Erreger wie Viren oder Pilze, die in die Blutbahn gelangt sind, auf den Herzklappen an und führen hier zu einer Entzündung des feinen Endokards. Die Gefahr einer solchen infektiösen Endokarditis besteht allerdings nur dann, wenn die körpereigene Abwehr geschwächt ist oder das Herz bereits vorgeschädigt ist. Dann ist vor jedem ärztlichen Eingriff, bei dem Keime in die Blutbahn gelangen können (hierzu reicht eine einfache Zahnbehandlung) ein Schutz durch Antibiotika erforderlich.

Die rheumatische Endokarditis ist die Folgekomplikation einer Streptokokkeninfektion, wie sie häufig in der Kindheit vorkommt. Darunter fallen an sich harmlosen Infekte wie etwa eine eitrige Mandelentzündung oder Scharlach. Wird eine solche bakterielle Infektion nicht ausreichend mit Antibiotika behandelt, kann sich daraus ein rheumatisches Fieber entwickeln, dass nicht nur an den Gelenken, sondern auch an der Herzinnenhaut zu fiebrigen Entzündungen führen kann. Bei etwa 60 Prozent der Kinder und 15 Prozent der Erwachsenen, die an einem rheumatischen Fieber erkrankt waren, entsteht in der Folge ein Herzklappenfehler.

Durch den Entzündungsprozess bilden sich mit der Zeit narbige Verdickungen an den Herzklappen, ihre Ränder werden uneben, die Klappensegel können schrumpfen oder verkleben. Es entstehen Verengungen und Undichtigkeiten, meist an den Klappen der linken Herzhälfte, der Mitral- und Aortenklappe. Oft vergehen Jahre, ehe der Betroffene etwas davon bemerkt, nämlich dann, wenn schon Beeinträchtigungen zu spüren sind.

Ursache: Verschleiß

Nach 75 Lebensjahren hat das menschliche Herz mindestens 2,8 Milliarden mal geschlagen. Auf diese Beanspruchung reagiert insbesondere die Herzklappe mit der höchsten Druckbelastung, die Aortenklappe, mit Verschleißerscheinungen: Sie kann mit der Zeit verhärten und verdicken, im fortgeschrittenen Stadium kann es auch zu Verkalkungen kommen. Etwa fünf Prozent der Aortenklappenfehler haben ihre Ursache in einer schweren Klappenverkalkung im Alter. Dies führt die meist zu einer Verengung, seltener zu einer Undichtigkeit der Klappe. Allgemeine Risikofaktoren für den Verschleiß sind eine Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, Bluthochdruck und Klappenvorschädigungen.

Ursache: Herzinfarkt

Auch Herzinfarkte können zu Herzklappenfehlern führen, und dies ist gar nicht so selten. Durch einen Herzinfarkt stirbt ein Teil des Herzmuskelgewebes in der Herzwand ab und wird durch Bindegewebe narbig ersetzt. Dies kann auch die Haltemuskeln (Papillarmuskel) der Mitralklappe betreffen. Dadurch kann sich der Muskel häufig nicht mehr ausreichend zusammenziehen oder schrumpft narbig, was dazu führt, dass die Klappe nicht mehr ausreichend schließt. In diesem Fall der Mitralinsuffizienz wird von einem „Papillarmuskelsyndrom“ gesprochen. Bei Herzinfarkten, bei denen ein Teil des Herzmuskels abgestorben ist, kommt es als Folgeerscheinung zu einer Vergrößerung des Herzens. Dadurch reichen die Klappen nicht mehr aneinander und werden auch hier undicht.

Wie macht sich ein Herzklappenfehler bemerkbar?

Herzklappenfehler machen anfangs keinerlei Beschwerden, da das Herz sie eine Zeit lang kompensiert. Erst im Verlauf von Jahren führt die Zunahme des Fehlers dann zu Symptomen. Das macht Herzklappenfehler so tückisch; man erkennt sie meist erst, wenn sie schon sehr ausgeprägt sind. So können sie schleichend zur Herzinsuffizienz führen. Die allgemeinen Krankheitssymptome bei Herzklappenfehlern sind von der Schwere des Defekts sowie seiner Lokalisation abhängig. Leitsymptome sind:

Diagnose: Herzklappenfehler

Ein Herzklappenfehler erfordert umfangreiche Untersuchungen, um eine klare Diagnose stellen zu können. Dass mit den Herzklappen etwas nicht stimmt, kann aber schon beim Abhören des Herzens mit dem Stethoskop festgestellt werden. Denn die Herzklappen erzeugen typische Geräusche beim Öffnen und Schließen. Bei einem Klappenfehler verändern und überlagern sich diese Töne. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um den Fehler genau zu bestimmen und auch dessen Schweregrad zu ermitteln, wovon die Operationsbedürftigkeit abhängt.

Durch eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs erhält der Arzt Auskunft über Größe und Form des Herzens. Veränderungen des Herzschattens, die bei manchen Klappenfehlern aufgrund der Mehrbelastung des Herzens vorliegen, lassen sich so erkennen.

Mit Hilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) wird die elektrische Aktivität des Herzens geschrieben. Dadurch lassen sich Herzrhythmusstörungen erkennen, die durch einen Herzklappenfehler entstanden sind. Ein Beispiel hierfür ist das Vorhofflimmern bei Mitralklappenfehlern, insbesondere bei einer Mitralstenose. Auch Zeichen für eine vermehrte Herzbelastung und Durchblutungsstörungen des Herzens können durch ein EKG sichtbar gemacht werden. Elektroden, die auf der Brust aufgeklebt werden, zeichnen die Herzschläge entweder in Ruhe (Ruhe-EKG) oder unter Belastung auf, was auch Rückschlüsse auf die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten zulässt. Bei einem 24-stündigen Langzeit-EKG findet die Messung kombiniert, also in Ruhe und unter Belastung, statt.

Eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiographie) gibt Auskunft über das Aussehen und die Funktionstüchtigkeit der Klappen: ob sie zart, verdickt oder verkalkt sind und welche Beweglichkeit sie zeigen. Bei Funktionsstörungen lässt sich dadurch sehr präzise differenzieren, welcher Fehler vorliegt und ob dieser Klappenfehler die Pumpfunktion des Herzens bereits beeinträchtigt hat. Dies gibt Aufschluss über den Schweregrad des Klappendefekts. Auch Veränderungen im Herzen, die durch den Klappenfehler entstanden sind, können durch die Untersuchung festgestellt werden. Mit der Technik der Doppler-Echokradiographie können zusätzliche Informationen über die den Blutfluss im Herzen gewonnen werden. Mit Hilfe von Farbcodierungen (color-flow Ultraschall) werden dabei Richtung und Art der Blutströmung dargestellt. Diese Methode wird insbesondere auch zur Überprüfung der Funktion künstlicher oder biologischer Herzklappenprothesen eingesetzt, da hiermit der Zustand der Klappen besonders gut feststellbar ist.

Durch eine Herzkatheteruntersuchung, also eine Kontrastmitteldarstellung der Herzräume und der Herzkranzgefäße, kann der Druck in den verschiedenen Herzkammern und die Klappenöffnungsfläche gemessen werden. In lokaler Betäubung wird dafür ein dünner Katheter entweder über die Beinschlagader in der Leiste oder über eine Arm- oder Halsvene bis zum Herzen geführt. Diese Untersuchung wird insbesondere vor einer Klappenoperation durchgeführt, da sie genauen Aufschluss über den Schweregrad des Klappenfehlers gibt.

Stand 2009

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