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Herzrhythmusstörungen – Vorhofflimmern und Herzrasen

 Was kann man dagegen tun?

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen und einer der Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall. Aktuellen Schätzungen zufolge leiden rund eine Million Menschen in Deutschland an Vorhofflimmern. Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken. Betroffen sind etwa neun bis 16 Prozent der über 80-jährigen, etwa sechs Prozent der über 60-jährigen und immerhin ein bis zwei Prozent derjenigen, die über 40 Jahre alt sind. Männer leiden häufiger unter Vorhofflimmern als Frauen. Experten halten das Vorhofflimmern für eine der größten Herausforderungen in der Kardiologie. Man geht davon aus, dass in den letzten Jahren bis zu einem Drittel der Behandlungen in Kliniken wegen Herzrhythmusstörungen auf das Vorhofflimmern zurückzuführen ist.

Was ist Vorhofflimmern: Beim Vorhofflimmern zieht sich die Vorhofmuskulatur des Herzens ungeordnet und schnell zusammen. Der Grund: die Weiterleitung der elektrischen Schlagimpulse vom Sinusknoten, der die Herzschläge erzeugt, zum Herzmuskel ist gestört. Die Folge: das Herz schlägt völlig unregelmäßig (sog. Absolute Arrhythmie). Das Herz kann insgesamt zu schnell schlagen (Tachykardie) oder auch zu langsam schlagen (Bradykardie). Gefährlich ist Vorhofflimmern deshalb, weil durch das Flimmern und Zittern des Vorhofs das Blutes nicht mehr aktiv durch die einzelnen Kammern transportiert werden kann – es können sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Die Gerinnsel können fortgeschwemmt werden und eine Embolie auslösen, was zu einem Schlaganfall, Gefäßverschlüssen oder Sehstörungen führen kann.

Der unregelmäßige Herzschlag beim Vorhofflimmern kann sich auf die verschiedensten Arten bemerkbar machen: Unruhegefühl, plötzlich einsetzendes Herzstolpern und starkes Herzklopfen, Schweißausbrüche, Leistungsminderung, aber auch Übelkeit und Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit. Unter Umständen wird das Vorhofflimmern aber zunächst gar nicht wahrgenommen und macht sich erst später durch die Entstehung eines Blutgerinnsels mit Embolie bemerkbar. Die Rhythmusstörungen können ständig bestehen oder anfallsweise, in unregelmäßigen Abständen auftreten. Erkannt werden kann Vorhofflimmern durch ein EKG.

Die Ursache von Vorhofflimmern ist oft eine organische Herzerkrankung wie beispielsweise hoher Blutdruck, Verengungen der Herzkranzgefäße, ein Herzinfarkt oder Herzklappenfehler. Aber auch andere Erkrankungen, etwa Schilddrüsenfunktionsstörungen, können Vorhofflimmern auslösen. In zahlreichen Fällen lässt sich jedoch keine klare Ursache ausmachen. Ist eine organische Erkrankung Ursache für das Vorhofflimmern, steht die Behandlung dieses Leidens im Vordergrund.

Therapien bei Vorhofflimmern

In rund 90 Prozent aller Fälle kann Vorhofflimmern mit Medikamenten erfolgreich behandelt werden. Dazu stehen grundsätzlich zwei Methoden zur Verfügung: die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) oder die Frequenzkontrolle, d.h. die Duldung des Vorhofflimmerns, verbunden mit der Regulierung der stark wechselnden und teils sehr schnellen Schlagfolge der Herzkammern. Beide Therapiestrategien führen häufig zu einem Abklingen der Beschwerden. Der Arzt oder die Ärztin entscheidet, welche Therapie für wen die richtige ist.

- Wiederherstellung des Sinusrhythmus (Kardioversion)

Ein normaler Sinusrhythmus kann durch Medikamente oder eine Elektrotherapie wiederhergestellt werden. Bei der medikamentösen Kardioversion kommen rhythmusregulierende Medikament zum Einsatz (Antiarrhythmika). Die Erfolgsrate beträgt etwa 60 bis 70 Prozent. Bei der elektrischen Kardioversion wird der Sinusrhythmus durch einen Elektroschock wiederhergestellt. Gegebenenfalls wird der Herzrhythmus danach mit Rhythmusmedikamenten stabil gehalten. Die Behandlung ist schmerzfrei und hat Erfolgsraten von etwa 90 Prozent. Bei der Gabe von Rhythmusmedikamenten ist allerdings zu bedenken, dass sie selbst Herzrhythmusstörungen auslösen und verstärken können. Die Häufigkeit solcher Nebenwirkungen liegt im Bereich von etwa zwei bis acht Prozent.

- Frequenzkontrolle

Bei der Regulierung des Herzschlags kommen Medikamente zum Einsatz, die die Erregungsüberleitung vom Vorhof auf die Kammern im AV-Knoten bremsen (siehe Text „Formen der Herzrhythmusstörungen – Rhythmusstörungen erkenn und richtig behandeln“). Das sind beispielsweise Digitalispräparate, Betarezeptorenblocker oder Kalziumkanalantagonisten. Auf Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussen, kann so verzichtet werden. Bis vor wenigen Jahren wurde die Widerherstellung des Sinusrhythmus als die bessere Therapie gegen Vorhofflimmern angesehen, trotz der Nebenwirkung von Antiarrhythmika. Zwei im Jahr 2002 veröffentlichte Studien aus USA und Europa (AFFIRM- und RACE-Studie) belegen jedoch, dass die Frequenzkontrolle mindestens als gleichwertige Therapie zu betrachten ist. Ob zusätzlich blutverdünnende Medikamente gegeben werden müssen, entscheidet der Arzt oder die Ärztin. Bei dauerhaftem Vorhofflimmern ist die Gefahr, dass Blutgerinnsel entstehen deutlich erhöht, so dass solche Medikamente eingenommen werden sollten. Bei Patienten mit rheumatischen Herzkrankheiten, früheren Gefäßverschlüssen oder künstlichen Herzklappen überwiegen die Vorteile einer gerinnungshemmenden Behandlung. Gibt es aber nur kurze Phasen des Vorhofflimmerns, muss sorgfältig abgewogen werden, ob gerinnungshemmende Mittel sinnvoll sind. Nicht empfohlen wird die Gerinnungshemmung bei Patienten unter 60 Jahren mit Vorhofflimmern, bei denen keine Herzkrankheit nachgewiesen werden kann. Bei rund zehn Prozent aller Patienten mit Vorhofflimmern bleibt die Therapie mit Medikamenten und/oder Kardioversion ohne ausreichenden Erfolg. In diesen Fällen gibt es noch die alternative Behandlung durch Katheterablation des AV-Knotens mit der Implantierung eines speziellen Herzschrittmachers bzw. die Pulmonalvenenisolation.

- die Katheterablation des AV-Knotens wird seit Anfang der 1980er Jahre durchgeführt. Dabei werden mehrere Elektrodenkatheter in das Herz eingeführt, die den AV-Knoten durch gezielte Hitzeimpulse (50 bis 70 ° C) komplett zerstören. Danach muss ein Herzschrittmacher eingepflanzt werden. Diese Behandlungsform des Vorhofflimmerns wird deshalb heute nur noch zurückhaltend empfohlen. Sie wird aber angewandt, wenn andere therapeutische Verfahren keinen Erfolg gebracht haben.

- die Pulmonalvenenisolation wird ebenfalls mittels Elektrokatheter durchgeführt. Bei diesem relativ neuen Verfahren werden die zum linken Vorhof führenden Gefäße (Pulmonalvenen) elektrisch isoliert. Es wurde festgestellt, dass an der Mündung der Pulmonalvenen in den linken Vorhof Muskelzellen vorhanden sind, die ungesteuerte elektrische Aktivitäten haben und zu Vorhofflimmern führen können. Durch die Isolation dieser Zellen sollen diese „ausgeschaltet“ werden, was zu einer dauerhaften Heilung des Vorhofflimmerns führen kann. Unterstützt wird das Verfahren von hochmodernen Computerprogrammen, die das Herz und die Gefäße dreidimensional darstellen, um kleinste Fasern orten zu können. Zu beachten ist, dass die Pulmonalvenenisolation zur Zeit noch intensiv beforscht wird. Der Eingriff dauert mehrere Stunden und die Erfolgsrate liegt bei rund 50 bis 70 Prozent. Eine gefürchtete Komplikation des Eingriffs ist die Verengung der Pulmonalvenen (Pulmonalvenenstenose) durch Vernarbung. Mit dem Einsatz spezieller dehnbarer Gitter-Katheter soll diese Komplikation verhindert werden.

Was ist Herzrasen?

Beim Herzrasen beginnt das Herz, plötzlich schnell zu schlagen. Dann können Herzfrequenzen mindestens 100 Schlägen pro Minute festgestellt werden, es kann aber auch 140 bis 220 Mal pro Minute schlagen. Diese Anfälle können Stunden oder auch nur Minuten andauern. Patienten berichten, dass sie das Herz bis „in den Hals“ spüren, was häufig auch sichtbar werden kann. Viele haben das Gefühl, das Herz bleibe stehen. Selten können auch zusätzliche Symptome wie Schwindel, Druck auf der Brust oder leichte Übelkeit auftreten. Dann spricht man von „gutartigem Herzrasen“. Gutartiges Herzrasen kann häufig mit einfachen Mitteln beendet werden: durch das Trinken eines Glases kalten Wassers, tiefes Atmen oder Pressen in den Bauch. Ursache ist häufig, dass nicht nur der Sinusknoten Impulse für einen Herzschlag abgibt, sondern noch andere Regionen des Herzens Stromimpulse abgeben. Erkrankungen der Schilddrüse können aber auch gutartiges Herzrasen auslösen.

Manchmal können Phasen von Herzrasen aber auch lebensgefährlich sein und treten meist ohne Vorwarnung auf – das sind Kammertachykardien, Kammerflattern oder Kammerflimmern, was unter Umständen zum Herzstillstand führen kann. Anzeichen für diese bedrohliche Rhytmusstörung sind neben länger andauerndem Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Übelkeit oder Angstgefühlen Ohnmachtsanfälle, die mehrere Sekunden oder Minuten andauern. In diesen Fällen muss sofort ein Arzt oder Krankenwagen gerufen werden.

Therapien bei Herzrasen:

Gutartiges Herzrasen ist meist durch Medikamente gut behandelbar. Der Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob Rhytmusmedikamente oder andere Präparate wie Digitalis, Betarezeptorenblocker oder Kalziumkanalantagonisten zur Frequenzkontrolle gegeben werden. Alternativ kann auch bei Herzrasen die Katheterablation der Strukturen vorgenommen werden, die zusätzliche Stromimpulse abgeben. Dabei werden mehrere Elektrodenkatheter in das Herz eingeführt, die durch gezielte Hitzeimpulse (50 bis 70 ° C) die zusätzlichen Impulsgeber-Zellen im Herzen zerstören. Meist wird das gutartige Herzrasen durch diesen Eingriff beseitigt. Zuvor muss allerdings durch eine Elektrokatheter-Untersuchung (EPU, elektrophysiologische Untersuchung) festgestellt werden, wo genau diese zusätzlichen Stromimpulse abgegeben werden. Bei gutartigem Herzrasen sind diese Strukturen gut zu lokalisieren und zu zerstören.

Bei lebensgefährlichem Herzrasen ist es meist schwieriger diese Strukturen aufzuspüren und zu zerstören. Bis vor wenigen Jahren standen deshalb hauptsächlich Medikamente zur Verfügung. Es muss sorgfältig abgewogen werden, welche Medikamente zum Einsatz kommen. Infrage kommen sowohl Antiarrhythmika als auch Betarezeptorenblocker. Die Katheterablation ist nur für Patienten geeignet, die noch nie wegen des Herzrasens ohnmächtig geworden sind bzw. herzgesunde Menschen, deren Herzrasen den Ursprung in der Herzkammer hat (sog. ventrikuläre Tachykardien). Dort können dann die Strukturen zerstört werden, die das Herzrasen auslösen. Es wird zur Zeit intensiv geforscht, wie Katherablationen bei Kammerrasen erfolgreich durchgeführt werden können. Ist eine medikamentöse Behandlung nicht möglich, kann auch ein implantierbarer Defibrillator (ICD – implantable cardioverter defibrillator) infrage kommen. Durch Stromstöße wird bei drohendem Herzstillstand ein regelmäßiger Puls wiederhergestellt.

Stand 2009

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