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Herzrhythmusstörungen
Warum schlägt unser Herz eigentlich?
Normalerweise begleitet uns unser Herzschlag, ohne dass wir ihn zur Kenntnis
nehmen - etwa 100.000 Mal täglich. Dabei kann das Herz auch schon mal aus dem
Takt geraten, sein Tempo ändern, kurze Pausen oder zusätzliche Schläge einbauen.
Dafür gibt es die unterschiedlichsten Erklärungen, die nicht immer auf eine
ernste Erkrankung hinweisen müssen, aber – je nach Häufigkeit und Länge – durch
einen Arzt abgeklärt werden sollten.
Die Taktgeber des Herzens
Da das Herz
ein Hohlorgan ist, kann es durch abwechselndes Zusammenziehen und Erschlaffen
Blut aufnehmen und weiterpumpen - was wir als Herzschlag spüren. Die Taktgeber
sind drei körpereigene elektrische Impulszentren im Herzen. Sie gehen aus vom
Sinusknoten im linken Vorhof des Herzens und leiten über zum AV-Knoten (Atrio-Ventrikularknoten),
der zwischen Vorhof und Herzkammer sitzt. Von hier aus wird der Reiz über
schnell leitende Fasern (His´sche Bündel) in beide Herzkammern ausgesendet. Das
alles geschieht in weniger als einer Drittelsekunde! Durch diesen rhythmischen
Impuls zieht sich das Herz regelmäßig zusammen und pumpt das Blut in den Körper.
Auf diese Weise werden sechs bis acht Liter Blut pro Minute durch unsere
Blutgefäße befördert. Fällt der Sinusknoten als Taktgeber aus, kann der
AV-Knoten einspringen. Als weitere Notversorgung kann das His-Faserbündel
fungieren. Allerdings bringen es diese beiden Ersatz-Taktgeber nur noch auf 40
bis 50 Schläge pro Minute im Verhältnis zu den sonst üblichen 60 bis 100 in
Ruhe. Als letztes Sicherungssystem können auch ganz normale Herzmuskelfasern in
den Herzkammern den Impuls für den Herzschlag geben – dann aber nur noch 20 bis
30 Mal pro Minute. Auf Dauer ist das auf jeden Fall zu wenig, um den Körper
ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Die
Herzfrequenz und damit der Puls variieren je nach Belastung: Bei körperlicher
Aktivität und Stress steigt der Puls auf 160 bis 180 Schläge pro Minute. Über
das Blut gelangt das Stresshormon Adrenalin zum Sinusknoten und beschleunigt den
Herzschlag. Entscheidend ist auch, ob ein Herz durch Sport trainiert ist: Dann
liegt der Ruhepuls häufig bei unter 60 Schlägen pro Minute.
Wann liegt eine Herzrhythmusstörung
vor?
Wenn der
Herzrhythmus dauerhaft unregelmäßig ist, als zu schnell oder zu langsam deutlich
spürbar wird, sollte der Arzt abklären, ob Grund zur Sorge besteht. Nicht hinter
jedem Stolpern steckt eine Erkrankung. Die normale Reizleitung im Herzen kann
auch durch Aufregung oder ungewohnte körperliche Anstrengung sowie durch Alkohol
oder zu viel Kaffee gestört werden. Aber auch Medikamente können Auslöser sein
für Extraschläge und Herzjagen, die als Extrasystolen
bezeichnet werden. Ernstzunehmende Warnzeichen sind eingeschränkte
Leistungsfähigkeit und Schwindel- oder Ohnmachtsanfälle sowie Herzrasen mit
lebensbedrohlichen Angstgefühlen. Denn die Rhythmusstörungen können auch für
organische Erkrankungen des Herzens stehen wie
krankhafte
Veränderungen im Reizleitungssystem, hoher Blutdruck, Durchblutungsstörungen der
Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung, ein
krankhaft geschwächtes Herz. Als weitere Ursachen sind Überfunktion der
Schilddrüse, Kaliummangel oder Elektrolytstörungen bekannt. Nicht zu vergessen
seelische Belastungen, die über das vegetative Nervensystem und die Ausschüttung
von Stresshormonen einen großen Einfluss auf das Herz nehmen. Wichtig für die
Einschätzung von Rhythmusstörungen ist die Unterscheidung, wo sie entstehen : Im
Vorhof gelten sie eher als harmlos, in der Herzkammer – besonders wenn eine
fortgeschrittene Herzerkrankung vorliegt – können sie lebensbedrohlich werden.
Welche Herzrhythmusstörungen gibt
es?
Die
häufigste Form ist das Vorhofflimmern: Etwa eine Million
Menschen in Deutschland leiden darunter. Sehr schnell aufeinander folgende
Impulse werden aus dem Vorhof des Herzen in die Kammer geleitet und führen dazu,
dass Vorhof und Kammer unabhängig voneinander schlagen. Bis zu 160 Schläge und
mehr pro Minute sind möglich. Abgeschlagenheit, Angst, Schwindel,
Schweißausbrüche und Atemnot sind Begleiterscheinungen. Meist bei herzkranken
oder älteren Menschen. Es gibt aber auch Patienten, die trotz dieser
Rhythmusstörung eine normale Pulsfrequenz haben und beschwerdefrei sind. Bei
ihnen ist wichtig, die Gefahr von Blutgerinnseln zu beachten. Diese könnten
durch die unregelmäßige Pumpleistung im Herzen entstehen, als Pfropf ein Gefäß
im Gehirn verstopfen und damit im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall führen.
(Weitere Informationen siehe Text „Vorhofflimmern…“)
Bei einem
Puls über 100 Schläge pro Minute sprechen die Kardiologen von einer
Tachykardie (Herzrasen). Sie tritt plötzlich auf, kann aber mehrere
Stunden anhalten. Eine Tachykardie entsteht entweder in den Vorhöfen
(supraventrikuläre Tachykardie) oder in den Herzkammern (ventrikuläre
Tachykardie). Sie entsteht, weil das Herz nicht nur vom Sinusknoten einen
elektrischen Impuls erhält, sondern gleichzeitig auch aus anderen Bereichen des
Herzmuskels. Es können auch von Geburt an zusätzliche Leitungsbahnen zwischen
Herzvorhof und –kammer existieren, sodass der elektrische Impuls zwischen den
verschiedenen Punkten kreist und Herzrasen hervorruft. Nach seinen Entdeckern
nennt sich eine Form des Herzrasens Wolf-Parkinson-White-Syndrom, kurz
WPW.
Das
Tückische an einer Kammertachykardie ist: Sie kann in ein
lebensgefährliches Kammerflimmern übergehen.
(Weitere Informationen siehe Text „Herzrasen…“)
Bei einem
Kammerflimmern durch eine ventrikuläre Tachykardie schlägt das
Herz bis zu 300 Mal in der Minute. Durch das schnelle, unkoordinierte Zucken
wird das Herz völlig überfordert - es zieht sich nicht mehr komplett zusammen
und pumpt das Blut nicht mehr weiter. Daher kann es zu einem lebensbedrohlichen
Herzstillstand kommen.
Von einem
krankhaft niedrigen Herzschlag, einer
Bradykardie,
sprechen die Kardiologen, wenn Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel- und
Ohnmachtsanfälle hinzukommen und die Pulsfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute
liegt. Durch den extremen langsamen Puls verringert sich die Durchblutung des
Gehirns. Wenn der Sinusknotens als Taktgeber nicht funktioniert, spricht man von
Sinusknoten-Dysfunktion (Sick-Sinus-Syndrom). Ein Herzschlag
unter 40 - 50 in der Minute ist die Folge und verursacht Müdigkeit oder
Schwindel und Ohnmacht, bis hin zu Verwirrtheit. Bei Dysfunktion des
Sinusknotens kann die Herzfrequenz auch unabhängig von der körperlichen
Aktivität schwanken. Diese Rhythmusstörung tritt bei alten Menschen häufiger auf
und kann durch einen Schrittmacher beseitigt werden.
Beim
Herzblock oder AV-Block (Atrioventrikuläre
Leitungsstörung) wird die Weiterleitung des Erregungsimpulses vom Vorhof zur
Herzkammer verzögert oder ganz gehemmt. Je nach Grad der Verzögerung kann ein
AV-Block ohne Symptome verlaufen. Oder die Pumpleistung des Herzens wird
aufgrund niedriger Herzfrequenz oder durch über viele Sekunden andauernder
Pausen so stark herabgesetzt, dass Schwindel und Ohnmacht eintreten. Der
AV-Block ersten Grades bedeutet eine Verlangsamung in der Erregungsleitung und
kommt oft bei Sportlern vor, wobei diese Störung ohne gravierende Symptome
auftritt. Ist die Weiterleitung des Impulses teilweise oder ganz gestört
(AV-Block zweiten oder dritten Grades), wird häufig ein
Herzschrittmacher eingesetzt.
Wege der Diagnose
Erste
Informationen über den Zustand des Herzen liefert das EKG, ein
Elektrokardiogramm. Auf den Oberkörper aufgeklebte Elektroden zeichnen
schmerzlos die Herzströme auf. Diese Untersuchung kann in der Regel noch der
Hausarzt vornehmen. Weitere Ergebnisse liefert ein Belastungs-EKG auf einem
Fahrradergometer oder auf dem Laufband oder ein EKG über 24 Stunden. Genauere
Ergebnisse liefert ein Ultraschall-Echokardiogramm oder eine
Katheter-Untersuchung mit Kontrastdarstellung der Herzkranzarterien oder der
Herzleitbahnen, die der Kardiologe durchführt.
Behandlungsmöglichkeiten
Grundsätzlich bestehen je nach Art der Herzrhythmusstörung folgende
Behandlungsmöglichkeiten, die einzeln oder in Kombination angewandt werden
können:
- Medikamentöse Therapie
Rhythmusstörungen, die in den Herzvorhöfen entstehen, sind in der Regel weniger
bedrohlich. Es besteht allerdings das Risiko eines Blutgerinnsels und eines
Schlaganfalles, deshalb kommen je nach Diagnose unter Umständen blutverdünnende
Mittel zum Einsatz. Der Einsatz so genannter Antiarrhythmika,
die direkten Einfluss auf den Takt des Herzen nehmen sollen, wird heute etwas
vorsichtiger gehandhabt, da diese Medikamente selbst Herzrhythmusstörungen
hervorrufen können. Stattdessen kann auch durch den Einsatz von
Beta-Blockern, Digitalispräparaten oder Kalzium-Antagonisten die
Herzfrequenz kontrolliert werden. Welche Medikamente im Einzelfall verabreicht
werden müssen, entscheidet der Arzt oder die Ärztin.
- Minimal-invasive Therapie mit
Herzkatheter: Ablation
Bei der
Katheterablation wird unter Röntgenkontrolle eine Elektrode
über eine Vene von der Leiste oder vom Schlüsselbein aus in das Herz
vorgeschoben. Durch Hochfrequenzstrom können winzige Streifen Gewebe verödet
werden, die als Barriere fungieren und zusätzliche Reize nicht passieren lassen.
Allerdings muss dieser Eingriff bei zehn bis 15 Prozent der Patienten wiederholt
werden. Dann ist diese Verödungstherapie sehr erfolgreich und mit geringen
Komplikationen behaftet. Diese Methode ist geeignet für Vorhofflattern.
- Defibrillator
Das
schwierigste Problem stellt die Behandlung von lebensbedrohlichen
Kammerrhythmusstörungen dar. Da es schwierig ist, den Herzschlag medikamentös
zuverlässig einzustellen, wurde der implantierbare Defibrillator entwickelt: ein
ICD (Implantable Cardioverter Defibrillator). Er wird unter die
Haut unterhalb des Schlüsselbeins geschoben und kann dem Herzen im Notfall mit
einem winzigen Stromstoß wieder zum normalen Rhythmus verhelfen. Ein ICD wird
eingesetzt bei Patienten mit Kammerflattern oder –flimmern, die bereits einen
Herzstillstand hatten und wieder belebt werden mussten oder wenn das Herz durch
Infarkt bereits sehr stark geschädigt ist.
- Herzschrittmacher
Ein
Herzschrittmacher wird dort eingesetzt, wo es auf Grund eines zu
langsamen Herzschlages zu massiven Beschwerden wie Schwindel, Kollaps oder sogar
Ohnmachtsanfällen kommt. Auch er stimuliert das Herz, um eine
Mindestschlagfrequenz zu garantieren. Aber er kann zu schnelle Schläge nicht
durch Stromstösse regulieren. Diese Geräte sind daher wesentlich kleiner als ein
Defibrillator.
- Operation
Wenn eine
krankhafte Veränderung des Herzen selber vorliegt, bleibt in Einzelfällen als
ultima ratio nur noch eine Operation der Herzklappen oder eine
Bypassoperation, um das Problem der Herzrhythmusstörung an der Wurzel zu packen.
Was hilft sonst noch?
Wie bei
vielen Krankheitsbildern hat der Betroffene gute Chancen selbst Einfluss zu
nehmen, einfach durch einen bewussten und gesunden Lebensstil und – wenn eine
krankhafte Veränderung des Herzens vorliegt – durch eine gezielte Mitarbeit bei
den ärztlichen Verordnungen. Übergewicht, gesunde Ernährung, angemessene
Bewegung und eine kritische Betrachtung hinsichtlich des Umganges mit Stress und
Problemen sind ein wichtiger Ansatz, um dem Herzen Entlastung zu bieten.
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