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Diabetes Hintergrundinformationen
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Diagnose Diabetes mellitus:
Schicksal und Chancen
In
Deutschland leben nach aktuellen Schätzungen rund sechs Millionen Menschen mit
der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt.
Diabetes ist eine chronische Krankheit, bei der es zu einem erhöhten
Blutzuckerspiegel kommt. Normalerweise ist für die Regulation des
Blutzuckerspiegels das Insulin verantwortlich. Insulin erfüllt dabei die
Funktion eines „Türöffners“: Damit die Zellen im Körper funktionieren können,
benötigen sie Energie in Form von Zucker (Glukose). Nach den Mahlzeiten kommt es
im Blut zu einem vorübergehenden Anstieg des Blutzuckerspiegels, um die Zellen
mir Zucker versorgen zu können. Die Zellmembran stellt für die Zuckermoleküle
aber eine Barriere dar. Erst Insulin ermöglicht es den Zuckermolekülen, in die
Zellen einzudringen, um dort in Energie umgewandelt zu werden.
Jugenddiabetes – oder:
Typ-1-Diabetes
Etwas fünf
Prozent aller Erkrankten leiden unter einem Typ-1-Diabetes. In den meisten
Fällen wird die Erkrankung im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter
diagnostiziert und darum auch als „Jugenddiabetes“ bezeichnet. Die
Erkrankungsrate von Kindern bis zu vier Jahren liegt bei drei bis vier Prozent,
insgesamt leiden rund 25.000 Kinder und junge Erwachsene bis 19 Jahren daran.
Damit ist Diabetes Typ 1 die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern und
Jugendlichen in Deutschland. Man kann aber auch im höheren Lebensalter einen
Typ-1-Diabetes bekommen. Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine autoimmune,
d.h. durch das eigene Immunsystem verursachte Zerstörung der
insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome sind immer
gleich: Es beginnt oft mit großem Durst, häufigem Wasserlassen, Juckreiz,
Abgeschlagenheit, Müdigkeit und schlechter Wundheilung. Dabei müssen nicht alle
Anzeichen zugleich auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es dann zu
Sehstörungen, Kribbeln an den Füßen, Bauchschmerzen. In manchen Fällen wird auch
eine erhöhte Infektanfälligkeit beobachtet. Fehlt dem Körper Insulin, führt
dieser Zustand unbehandelt zum Tod. Typ-1 Diabetes verläuft im Gegensatz zum Typ
2 relativ rasch, daher wird unmittelbar Insulin, das von Außen zugeführt wird,
benötigt. Mehrmals am Tag muss der Blutzuckerwert bestimmt werden. Danach
richtet sich der Bedarf an Insulin, das entweder gespritzt oder über eine Pumpe
zugeführt wird. Tabletten helfen nicht.
Die große
Mehrheit der Diabeteskranken (ca. 95 Prozent) leidet an einem Typ-2-Diabetes,
oft auch „Altersdiabetes“ genannt. Doch dieser Begriff trifft heute nicht mehr
zu, denn mittlerweile erkranken immer mehr jüngere Menschen an einem
Typ-2-Diabetes. Die Gründe dafür sind vor allem falsche Ernährung, zu wenig
Bewegung und meist ein erhebliches Übergewicht. Die Ursache der Erkrankung liegt
entweder in der Überforderung der insulinproduzierenden Beta-Zellen und eine
zunehmende Unempfindlichkeit der Insulinrezeptoren in den Zellen. Der Beginn ist
schleichend und oft bleibt die Erkrankung lange Zeit unbemerkt. In vielen Fällen
haben diese Menschen weitere Begleiterkrankungen, neben dem Übergewicht ein zu
hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen. Die Therapie besteht in erster
Linie aus einer diabetesgerechten Ernährung und mehr körperlicher Bewegung.
Reicht das nicht aus, kommen blutzuckersenkende Medikamente oder
Insulininjektionen hinzu.
Wenn der Blutzucker entgleist:
Folgeerkrankungen
Sowohl der
Diabetes Typ 1 als auch der Diabetes Typ 2 lassen sich heutzutage gut behandeln.
Allerdings besteht die Gefahr von diabetischen Folgeschäden, wenn der Blutzucker
dauerhaft zu hoch ist, weil die Eigenkontrolle nicht funktioniert. Zum Beispiel
können die Blutgefäße in Mitleidenschaft geraten: eine so genannte
Mikroangiopathie (Schädigung der kleinen Blutgefäße) und Makroangiopathie
(Schädigung der großen Blutgefäße) sind die Folge. Die Mikroangiopathie führt
vor allem zu einer Schädigung der Augen, der Nieren und der Nerven.
Nervenschädigungen (Neuropathien) sind vor allem für das diabetische Fußsyndrom
verantwortlich . Diabetiker spüren wegen der fehlenden Schutzsensibiltät an den
Füßen nicht, wenn sie sich verletzen. Wegen der schlechten Durchblutung heilen
die Verletzungen nur schlecht, es kommt zu Entzündungen und Geschwüren – nicht
selten sind Amputationen die Folge. Schäden an den großen Blutgefäßen sind vor
allem bei Typ-2-Diabetes die Hauptursache für die erhöhte Anfälligkeit für
Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dies ist auch der entscheidende Grund für die
erhöhte Sterblichkeit von Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Trotz der
Erkrankung können viele Diabetiker heute dank der modernen Behandlungsformen
eine gute Lebensqualität erreichen. Durch eine optimale Stoffwechselführung und
Blutdruckeinstellung kann ein Diabetiker Spätschäden lange Zeit vorbeugen. Die
Erkrankung verlangt aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Diese
Verantwortung zu tragen lernen Betroffene und deren Angehörige in strukturierten
Schulungs- und Behandlungsprogrammen, wie sie von spezialisierten Praxen und
auch Spezialkliniken angeboten werden.
Stand 2009
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