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Diabetesforschung - wo geht der Weg hin?
Hintergründe - Welche Aufgabe hat
die Bauchspeicheldrüse (Pankreas)?
Die
Funktion der Bauchspeicheldrüse unterteilt sich in die äußere (exokrine) und
innere (endokrine) Sekretion. Unter der äußeren Sekretion wird die Produktion
von Verdauungssaft verstanden. Die innere Sekretion ist unter anderem für die
Produktion des Hormons Insulin verantwortlich. Dies passiert in den sogenannten
Langerhans-Inseln, die in der Mitte des Bauchspeicheldrüsengewebes liegen.
Insulin hilft den Zellen im Körper, sich mit Zucker zu versorgen und ist damit
für den Zuckerstoffwechsel unerlässlich.
1.
Bauchspeicheldrüsentransplantation – wann und für wen?
Durch die
Problematik der diabetischen Folgeschäden besteht bei Menschen mit
Typ-1-Diabetes nach wie vor noch immer eine Verkürzung der Lebenserwartung um
etwa ein Drittel gegenüber der Vergleichsbevölkerung. Selbst mit einer
intensivierten Insulintherapie lassen sich die durch den Diabetes
hervorgerufenen Folgeschäden nicht sicher verhindern. Der Diabetes mellitus ist
dabei auch die führende Ursache für Nierenversagen, Erblindung, Amputation und
Impotenz im Erwachsenenalter. Durch eine Bauchspeicheldrüsentransplantation
könnte eine völlige Normalisierung der Blutzuckerregulation erreicht werden.
Damit würde auch der Mechanismus unterbrochen, der bei Typ-1-Diabetikern zur
Entwicklung der Folgeschäden führt. Das Problem ist: Die Transplantation der
Bauchspeicheldrüse geht mit erheblichen Risiken einher. Ursache dafür ist vor
allem das hochaggressive Verdauungssekret, das häufig zu massiven
Gewebszerstörungen geführt hat. Obwohl diese Problematik zwischenzeitlich durch
neuere Operationstechniken weitgehend gelöst ist, gibt es trotzdem eine Reihe
von weiteren Risiken und Komplikationen zu beachten. Dazu zählt die Entzündung
der transplantierten Bauchspeicheldrüse, die Bildung von Blutgerinnseln
(Thrombosen) in den Gefäßen des Spenderorgans, urologische Komplikationen durch
die Ableitung des Pankreassekretes in die Blase. Daneben erfordert die
Pankreastransplantation im Vergleich zur Nierentransplantation eine stärkere
Immunsuppression, d.h. eine Unterdrückung des Immunsystems mit Medikamenten, um
eine Abstoßung des Organs zu verhindern. Dadurch entsteht wiederum ein erhöhtes
Risiko, an schweren Infektionen zu erkranken.
Daher wird die Transplantation sehr selten und in der Regel nur in Verbindung
mit einer Nierentransplantation durchgeführt, da in diesen Fällen ohnehin eine
Abstoßungsbehandlung durchgeführt werden muss.
2. Eine Alternative? -
Inselzelltransplantation
Für
Menschen mit einem Typ 1-Diabetes gibt es seit Anfang der 1990er Jahre ein
Therapieverfahren, das Hoffnung auf ein Leben ohne Insulinspritze oder -pumpe
macht: Die Transplantation von Inselzellen aus der Bauchspeicheldrüse eines
Organspenders. Diese Inselzellen bestehen überwiegend aus Beta-Zellen, die das
natürliche Hormon Insulin produzieren, welches für die Regulierung der
Zuckerverwertung im Körper verantwortlich ist. Nach einer erfolgreichen
Inseltransplantation kann der Körper eine Zeit lang wieder eigenes Insulin
herstellen. Bei der Transplantation wird die Leber punktiert und per Katheter
werden dem Diabetes-Patienten die Inselzellen in die Lebervene infundiert. Dort
verteilen sich mit dem Blutstrom in die kleinsten Leberäste, bleiben hängen,
wachsen ein und produzieren Insulin. Um eine Abstoßung zu verhindern, müssen die
Patienten ein Leben lang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken
(Immunsupressiva). Damit gehen auch potenzielle Risiken einher wie eine erhöhte
Infektanfälligkeit und ein erhöhtes Krebsrisiko. Selbst bei einer erfolgreichen
Transplantation lässt die Funktion der Inselzellen nach einiger Zeit wieder nach
und die Patienten müssen nach zwei bis drei Jahren erneut behandelt werden.
Inselzelltransplantation im Zentrum
Giessen
An der
Uni-Klinik in Giessen wird seit Jahren zum Thema Inselzelltransplantation
geforscht. Nach einer langen experimentellen Phase wurde mittlerweile ein
klinisches Inselzelltransplantationsprogramm etabliert. Bereits Anfang der
1990er Jahre wurde das Internationale Inselzelltransplantations-Register
eingerichtet, in dem die Ergebnisse dokumentiert werden. Demnach haben innerhalb
des ersten Jahres nach der Transplantation noch 80 Prozent der Transplantierten
eine Inseltransplantatfunktion. Die Insulinunabhängigkeit nach einem Jahr liegt
je nach Patientengruppe etwa zwischen zehn und 20 Prozent. Hinzu kommt, dass
nicht alle Patienten auf die Therapie ansprechen. Um eine Insulinfreiheit zu
erreichen, muss das Verfahren meist auch mehrfach wiederholt werden. Weil die
Verfügbarkeit von Spenderorganen sehr begrenzt ist, forschen Wissenschaftler an
der Möglichkeit, Schweinezellen (Xenotransplantation) oder aus Stammzellen
gezüchteten insulinproduzierende Inselzellen zu verpflanzen. Andere
Forschungsansätze gehen dahin, den natürlichen Zelltod der Betazellen länger
herauszuzögern, damit die Insulinproduktion länger gewährleistet ist.
3. Xenotransplantation
Die Idee
der Xenotransplantation ist nicht neu. Seit 1905 haben Ärzte immer wieder
versucht dem Menschen Organe von Tieren zu verpflanzen. Aber keine der
Operationen war erfolgreich. Die Patienten verstarben zumeist schon nach wenigen
Tagen oder Wochen. Der Grund dafür ist eine hochaggressive Abwehrreaktion des
menschlichen Körpers gegen das fremde Organ. Weil die Verfügbarkeit von
Spenderorganen sehr begrenzt ist, forschen die Wissenschaftler auch auf diesem
Gebiet weiter. Dabei dienen genmanipulierte Schweine oder Paviane als
Organspender. Doch die Meinungen darüber gehen stark auseinander: Einige
Forscher sehen in den Xenotransplantationen einen "medizinischen Quantensprung".
Für andere Wissenschaftler wird damit nur ein weites Feld unabschätzbarer
Risiken für Mensch und Umwelt eröffnet. Denn durch Xenotransplantate können
beispielweise tierische Krankheitserreger wie Retroviren und Prionen auf die
Empfänger übertragen werden. Dabei besteht nicht nur eine Gefahr für die
Transplantatempfänger, sondern auch für die Menschen in deren Umgebung, da der
Krankheitserreger unter Umständen übertragbar sein könnte. Erstmalig wurde 2002
auf dem Welttransplantationskongress vorgetragen, dass eine mexikanische
Forschergruppe junge Diabetiker mit Inselzellen von neugeborenen Schweinen
anstatt mit humanen Inselzellen behandelt haben. Bei späteren Blutuntersuchungen
wurden keine Krankheitserreger von Schweinen gefunden.
4. Stammzellenforschung
Der Begriff
"Stammzellen“ beschreibt eine Gruppe von Zellen, die ihrer Herkunft nach
in embryonale und adulte Stammzellen unterschieden werden. Die jüngsten
Stammzellen eines Körpers sind die embryonalen Stammzellen. Im
frühen Embryonalstadium haben sich die Stammzellen noch nicht auf eine bestimmte
Aufgabe im Körper festgelegt. Das Spektrum der Differenzierungsmöglichkeit ist
daher unbeschränkt, d.h. sie können noch zu jeder der über 200 verschiedenen
Zellarten eines Organismus heranreifen. Der Mediziner bezeichnet diese
Entwicklungsfähigkeit als „pluripotent“. In vielen Geweben des Menschen
existieren jedoch auch zeitlebens Stammzellen zum Beispiel im Blut, in Teilen
des Gehirns, im Knochenmark und auch im Nabelschnurblut von Neugeborenen. Solche
Stammzellen werden adulte Stammzellen genannt. Sie erfüllen
wichtige Regenerations- und Reparaturaufgaben. Wie eine Art „Ersatzteillager“
halten sie die Funktionsfähigkeit von Geweben und Organen aufrecht, indem sie
beschädigte oder abgestorbene Zellen durch neue ersetzen. Adulte Stammzellen
sind in ihrer Entwicklung jedoch schon so weit fortgeschritten, dass sie „nur
noch“ multipotent sind, das heißt, sie können noch zu vielen Zelltypen werden,
aber nicht mehr zu allen. Forscher können die adulten Stammzellen im Vergleich
zu den embryonalen jedoch nur begrenzt im Labor halten und vermehren. Die
Hoffnung auf Fortschritte in der Stammzellforschung veranlasst schon jetzt immer
mehr Menschen dazu, das Nabenschnurblut ihrer Kinder einlagern zu lassen.
Eventuell könnten diese Zellen im Erwachsenenalter zur Heilung geschädigter
Gewebe genutzt werden.
In
Deutschland ist die Entnahme menschlicher embryonaler Stammzellen durch das
Embryonenschutzgesetz (ESchG) verboten, ebenso die Verwendung überzähliger
Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstehen. Erlaubt ist laut
Stammzellgesetz lediglich die Forschung an bereits existierenden humanen
Stammzelllinien aus dem Ausland, die vor dem 1.Mai 2007 hergestellt wurden.
Stammzelltherapie bei Diabetes
mellitus
Noch
ist der Einsatz von Stammzellen in der Diabetesbehandlung Zukunftsmusik.
Verschiedenen internationalen Forschergruppen ist es aber inzwischen gelungen,
aus embryonalen Stammzellen des Menschen im Reagenzglas Insulin produzierende
Zellen zu züchten. Jedoch ist die Ausbeute dieser Zellen noch sehr gering. Eine
Alternative stellen Stammzellen aus der Bauchspeicheldrüse selbst oder aus dem
Knochenmark dar. Auch aus diesen Stammzellen können im Reagenzglas Insulin
produzierende Zellen gezüchtet werden. In Tiermodellen konnte bereits gezeigt
werden, dass diese Zellen nach einer Transplantation den Blutzuckerspiegel
senken können. Somit birgt dieser Ansatz der Stammzellbehandlung neue Hoffnung
für Diabetiker, in der Zukunft möglicherweise dauerhaft unabhängig von der
Insulinspritze zu werden.
Stand
September 2008
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