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Die Schilddrüse - Aufbau und Funktion
Die Schilddrüse: Kleines Organ mit
großer Wirkung
Versteckt
im unteren Halsbereich liegt sie - die Schilddrüse. Knapp unterhalb des
Kehlkopfes schmiegt sie sich beiderseits um die Luftröhre und wird normalerweise
von den Halsmuskeln verdeckt. Sie wiegt im gesunden Zustand etwa 25 bis 50 Gramm
und ihr Gewebe ist weich. Die Schilddrüse hat einen rechten und linken Lappen,
in der Mitte verbunden durch einen Steg, den Isthmus. Ihre Form ist also am
besten vergleichbar mit der eines Schmetterlings. Die Schilddrüse produziert
Hormone. Hormone sind Botenstoffe und müssen vom Körper selbst hergestellt
werden - man kann sie nicht etwa mit
der Nahrung aufnehmen.
Hormone der Schilddrüse
Das kleine
Organ bildet hauptsächlich die Hormone Levothyroxin und Liothyronin, kurz T4 und
T3 genannt. Sie beeinflussen maßgeblich den Stoffwechsel und sorgen dafür, dass
Fette, Kohlehydrate und Eiweiße richtig verarbeitet werden. Darüber hinaus
beeinflussen und regulieren die Hormone viele andere Vorgänge im Körper - etwa
die Hormonzyklen der Frau, Herz-Kreislauffunktionen und auch die Psyche.
Außerdem sind sie mit dafür zuständig, dass Stammzellen - aus denen im
Embroynalstadium noch jede beliebige Körperzelle gebaut werden kann - ihre
spätere Funktion zugewiesen bekommen. Außerdem sind sie für die Entwicklung des
Gehirns wichtig.
Deshalb
sind diese Hormone schon vor der Geburt für die Entwicklung entscheidend: Sind
sie nur ungenügend oder gar nicht vorhanden, wird sich das Kind nicht gut
entwickeln und zum Beispiel Intelligenzschwäche, Kleinwuchs oder Schwerhörigkeit
entwickeln. Früher nannte man diese Menschen Kretins - Dummköpfe,
Schwachsinnige, Dorftrottel. Glücklicherweise ist diese Fehlentwicklung - der
Kretinismus - heute wegen guter Vorsorge in der Schwangerschaft sehr selten.
Aber auch bei Erwachsenen beeinflusst die Schilddrüse Entwicklung und Funktion
der Nerven. Wahrscheinlich nehmen die Hormone Einfluss auf die Arbeit der
Rezeptoren an den Nervenenden. Für die Regulation der Hirnfunktion ist der
anregende Effekt des T3 bedeutsam. Denn T3 stimuliert die Aufnahme von
Traubenzucker und Aminosäuren (Bausteine der Eiweißkörper) in die Zelle. Und
weil die Schilddrüse den gesamten Stoffwechsel maßgeblich beeinflusst, sorgt sie
so auch für eine stabile Psyche.
Und dann sind da noch …
Unser
Multitalent mischt aber auch noch in vielen anderen Bereichen mit:
-
Herz-Kreislauf: Unter dem Einfluss der Hormone ist der Herzmuskel erregbarer und
zieht sich besser zusammen. Dadurch wird die Menge des gepumpten Blutes erhöht
und die Zahl der Herzschläge reguliert. Gleichzeitig erhöht sich die
Sauerstoffzufuhr.
-
Nieren und
Nebenniere: Hier ist der direkte Einfluss der Schilddrüse nicht so entscheidend.
Dennoch mischen ihre Hormone auch hier mit: Sie beeinflussen die Durchblutung
der Nieren und damit die Menge des produzierten Urins.
-
Magen-Darm:
Die Schilddrüsenhormone beeinflussen auch die Resorption (Aufnahme) von
Nährstoffen und wirken auf den gesamten Zuckerstoffwechsel. Sie verstärken die
Wirkung von Insulin.
-
Haut und
Haare: Die Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass viele für Haut und Haare
wichtige Stoffe gebildet werden, zum Beispiel Kollagen. Außerdem regulieren sie
die Schweißproduktion.
-
Blut und
Blutbildung: Die Hormone wirken auf alle blutbildenden Zellen und beeinflussen
damit die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen genauso wie die der Plättchen
für die Blutgerinnung.
Starke Knochen in der Balance
Ein anderes
in der Schilddrüse produziertes Hormon ist das Calcitonin. Es hemmt den Abbau
von Kalzium aus den Knochen und senkt dadurch die Konzentration des Minerals im
Blut. Sein Gegenpart ist das Parathormon - und es macht genau das Gegenteil. Es
zieht Kalzium aus den Knochen und hebt den Spiegel im Blut an. In feiner
Zusammenarbeit entsteht so einer der Regelkreisläufe im menschlichen Körper.
Läuft er rund, hat der Mensch starke Knochen. Gebildet wird das Parathormon in
den Nebenschilddrüsen. Das sind vier linsenförmige „Knöpfe“, die an den oberen
und unteren Enden der Schilddrüsenlappen sitzen.
Mehr Jod!
Um arbeiten
zu können, braucht die Schilddrüse Jod! Mangelt es dem Körper daran, kann die
Schilddrüse nicht genügend von ihren Hormonen T3 und T4 bilden. Etwa 98 Prozent
des Jods werden von der Schilddrüse gespeichert. Jod ist ein essenzielles
Spurenelement. Das heißt, der Körper kann es nicht produzieren, sondern muss es
mit der Nahrung zugeführt bekommen. Da Deutschland zu den Jodmangelgebieten
gehört, hempfehlen Ernährungsexperten Jodsalz und mindestens einmal die Woche
einen Seefisch als Mahlzeit.
Befehlszentrale im Gehirn
Damit die
Schilddrüse weiß, wann und wie viele Hormone sie ins Blut abgeben soll, meldet
sich die Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Sie ist ein bohnengroßes Gebilde, das tief
in der Schädelbasis liegt. Auch sie ist eine Drüse und signalisiert durch die
Abgabe des Hormons TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon), dass der Organismus
die Hormone der Schilddrüse braucht. Drei zentrale Wirkungen werden dem TSH
zugeschrieben:
-
es fördert
die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse
-
regt die
Schilddrüse zu Synthese und
-
Abgabe
ihrer Hormone an.
Auch
Schilddrüse und Hypophyse regulieren sich gegenseitig: Sinkt der Gehalt an T3
und T4 im Blut, registriert dies die Hirnanhangdrüse das und signalisiert der
Schilddrüse Hormone zu produzieren. Ist die Konzentration im Blut ausreichend
angestiegen, registriert sie das ebenfalls und es wird kein weiteres Signal zur
Hormonporduktion gegeben.
Stand 2009
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