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Diagnostik bei Schilddrüsenerkrankungen

 

Schilddrüsenerkrankungen erkennen

Schilddrüsenerkrankungen zu erkennen, ist nicht immer leicht. Oft erfahren die Betroffenen erst nach einer wahren Ärzteodyssee, was wirklich hinter ihren Beschwerden steckt. Dies liegt vor allem daran, dass sich eine Fehlfunktion der kleinen Drüse sehr vielfältig äußern kann. Zahlreiche Symptome wie etwa Müdigkeit oder Nervosität sind zudem so unspezifisch, dass sie nicht gleich an die Schilddrüse als Ursache denken lassen. Viele Erkrankungen bleiben daher unentdeckt oder werden erst spät erkannt. Wer den Verdacht hegt, dass mit seiner Schilddrüse etwas nicht stimmt, sollte sich umgehend untersuchen lassen. Auf Schilddrüsenerkrankungen spezialisiert sind Endokrinologen (Fachärzte für hormonproduzierende Gewebe) und Nuklearmediziner (Fachärzte für den diagnostischen und therapeutischen Einsatz von radioaktiven Materialien).

Der erste Schritt ist das Gespräch

Bei einem ausführlichen Gespräch, der Anamnese, sammelt der Arzt zunächst wichtige Vorinformationen, die ihm ein Bild von den Beschwerden des Patienten geben. Welche Symptome zeigen sich, welche Veränderungen hat er in der letzten Zeit an sich bemerkt? Oft wird hierzu ein spezieller Fragebogen zu Hilfe genommen. Aufschluss gibt auch das allgemeine Verhalten: Zappelt der Patient etwa nervös auf seinem Stuhl herum oder wirkt er eher lethargisch? Das alles können wichtige Hinweise sein. Anschließend tastet der Arzt die Schilddrüsenregion am Hals ab. Vergrößerungen der Schilddrüse und knotige Veränderungen lassen sich so erfühlen. Auch nach Auffälligkeiten beim Schlucken oder in der Augenpartie wird der Arzt suchen. Zur Bestätigung einer ersten Verdachtsdiagnose sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig.

Laborwerte geben Aufschluss über die Funktion der Schilddrüse

Ein wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsendiagnostik sind Blutuntersuchungen. Hierbei wird insbesondere die Konzentration der Schilddrüsenhormone sowie der Hormone der Hirnanhangdrüse im Blut ermittelt.

Bei den Schilddrüsenhormonen wird die Konzentration von freiem T3 (Liothyronin) und T4  (Levothyroxin) im Blut gemessen. Wenn die Konzentration des freien Hormons die Normwerte übersteigt, ist eine Überfunktion wahrscheinlich. Ist die Konzentration zu niedrig, liegt meist eine Unterfunktion vor. Der T3- und T4-Spiegel alleine ist allerdings noch kein sicherer Hinweis für eine Erkrankung. Zusätzlich wird daher das in der Hirnhangdrüse gebildete Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) untersucht. Es stimuliert und reguliert die Produktion der Hormone in der Schilddrüse und lässt sich als "Serum-TSH-Wert" bestimmen. Eine normale TSH-Konzentration schließt eine Schilddrüsenfunktionsstörung weitgehend aus. Bei einer Überfunktion ist der TSH-Wert sehr stark erniedrigt oder komplett unterdrückt, bei einer Unterfunktion deutlich erhöht. Fehlt das TSH gänzlich, ist dies ein Hinweis dafür, dass die Ursache der Schilddrüsenfehlfunktion nicht in der Schilddrüse selbst, sondern in den Regulationszentren im Gehirn liegt. Dies ist jedoch äußerst selten der Fall.

Weitere Indikatoren, die durch eine Blutuntersuchung bestimmt werden können, sind bestimmte Antikörper, die auf das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung (Hashimoto, Morbus Basedow) oder Krebs hinweisen.

Eine Ultraschalluntersuchung zeigt die Größe der Schilddrüse

Durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt Lage, Form und Größe der Schilddrüse bestimmen und sogar ihr Gewicht errechnen. Vergrößerungen und veränderte Gewebestrukturen wie Knoten und Zysten lassen sich so erkennen. Die Struktur des Gewebes kann außerdem Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung, z.B. die Basedow’sche Krankheit oder die Hashimoto-Thyreoiditis, geben.

Ein Szintigramm spürt heiße oder kalte Gewebebezirke auf

Zeigen sich im Ultraschall auffällige Veränderungen, kann der Krankheitsherd mit Hilfe von radioaktiven Indikatoren noch genauer bestimmt werden. Diese nuklearmedizinische Untersuchung, Szintigraphie genannt, eignet sich insbesondere zur Identifizierung von Knoten. Dafür wird dem Patienten eine kleine Menge einer radioaktiven, jodähnlichen Substanz in die Vene gespritzt. Da Schilddrüsenzellen stets versuchen, auch noch kleinste Mengen jodähnlicher Substanzen aufzufangen, nehmen sie das Mittel gierig auf. Durch die radioaktive Strahlung wird dann das funktionstüchtige Gewebe sichtbar gemacht. Dazu wird eine sogenannte Gammakamera benutzt. Die Bilder des Szintigramms zeigen, ob die Radioaktivität gleichmäßig in der Schilddrüse angereichert wird oder ob es Areale gibt, die den Stoff intensiver oder eventuell gar nicht aufnehmen. Besonders aktive Regionen erscheinen rot auf dem Monitor und inaktive blau. So können sowohl autonome ("heiße") als auch funktionsuntüchtige ("kalte") Knoten aufgespürt werden. Für den Patienten ist diese Untersuchung mit einer radioaktiven Testsubstanz übrigens völlig ungefährlich. Die Strahlenbelastung ist niedriger als bei einer Röntgenuntersuchung.

Krebs sicher ausschließen - Punktion der Schilddrüse

Wird bei der Szintigraphie ein „kalter“ Knoten in der Schilddrüse entdeckt, muss dieser genauer untersucht werden. Um die seltene Möglichkeit eines bösartigen Tumors auszuschließen, wird eine Feinnadelpunktion durchgeführt. Mit Hilfe einer sehr dünnen Hohlnadel werden dabei Schilddrüsenzellen aus dem erkrankten Gewebeteil entnommen. Damit diese Stelle genau getroffen wird, wird der Eingriff mit Ultraschall überwacht. Besonders schmerzhaft ist dieses Prozedere nicht, und Komplikationen wie Blutungen, Infektionen oder Verletzungen anderer Strukturen sind extrem selten.

Eine mikroskopische Analyse der Gewebeprobe gibt dann genauen Aufschluss darüber, ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist. Nur in etwa drei Prozent aller kalten Knoten wird ein Schilddrüsenkrebs festgestellt. Die meisten kalten Knoten haben andere Ursachen, z.B. harmlose Erschöpfungsareale des Gewebes, Zysten oder Kalkherde.

Stand 2009
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