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Medikamente gegen Schilddrüsenerkrankungen
Wenn es viel zu schnell geht - die
Überfunktion
Bei der
Schilddrüsenüberfunktion läuft der „Motor“ viel zu schnell. Also muss er
ausgebremst werden. Ziel der medikamentösen Behandlung ist es daher, die Bildung
von Schilddrüsenhormonen zu hemmen. Das passiert durch so genannte Thyreostatika.
Die Therapie ist eine rein symptomatische. Die Medikamente hemmen aber nur die
Neubildung der Hormone, die in der Schilddrüse gespeicherten Vorräte werden
nicht angetastet. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der medikamentösen
Einstellung: die Mono- und die Kombinationstherapie.
Bei der
Monotherapie wird die Produktion der Schilddrüse so gebremst, dass der
Hormonpegel gesenkt und auf einem normalen Niveau gehalten wird. Allerdings kann
das eine Gratwanderung sein: Der Patient muss seine Blutwerte oft kontrollieren
lassen, damit das labile Gleichgewicht nicht wieder kippt. Der Rückfall in die
Überfunktion bei zu niedriger Dosierung oder das Abrutschen in die Unterfunktion
bei zu hoher Dosierung ist zu vermeiden. Bei der – etwas weniger üblichen -
Kombinationstherapie werden die Blocker mit Schilddrüsenhormonen kombiniert.
Das mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, benutzt man doch „Gas“ und
„Bremse“ zugleich. Aber so wird ein stabiles Gleichgewicht künstlich erhalten,
und die Schilddrüse kann weniger leicht in eine Richtung entgleisen. Das wird
vorwiegend bei Patienten gemacht, die nicht regelmäßig zur Untersuchung kommen.
Schilddrüsenblocker können Nebenwirkungen haben. Aber: Bei einer Überfunktion
gibt es selten eine Alternative. Die schwerste Nebenwirkung ist die
Agranulozytose, eine Verminderung von bestimmten weißen Blutkörperchen, den
Granulozyten. Ursache: Das Rückenmark wurde durch das Medikament geschädigt.
Erste Zeichen können Halsschmerzen mit Fieber sein. Auch deshalb sollte - gerade
zu Beginn der Behandlung - regelmäßig das Blut untersucht werden. Patienten
klagen manchmal auch über Magen-Darmbeschwerden, Gelenkschmerzen oder Probleme
mit der Haut. Weitere Medikamente sind so genannte Perchlorate. Sie verhindern,
dass Jod in die Schilddrüse aufgenommen wird.
Alles läuft einen Tick langsamer –
Unterfunktion und Hashimoto-Thyreoiditis
Der Plan
ist einfach: Was fehlt, wird einfach ersetzt: Hat der Organismus zu wenig
Hormone, werden sie substituiert, also künstlich über Tabletten zugeführt.
Meistens wird L-Thyroxin eingesetzt.
Die Tagesdosis liegt zwischen 75 µg und 200 µg (Millionstel Gramm) und wird
durch die genaue Bestimmung von bestimmten Hormonwerten im Blut festgelegt. Die
Tablette sollte morgens nüchtern und vor allem regelmäßig eingenommen werden.
Dadurch bleibt der Spiegel im Blut konstant. Eine Schilddrüsenunterfunktion muss
bis auf wenige Ausnahmen lebenslang behandelt werden. Der Wirkstoff hat bei
richtiger Dosierung keine Nebenwirkungen, schließlich handelt es sich um
körpereigene Stoffe. Die hoch empfindliche Kontrollinstanz „Hirnanhangsdrüse“
vermag somit nicht zu unterscheiden, ob die Hormone aus der eigenen Schilddrüse
oder aus der Apotheke stammen. Allerdings sollten die Werte regelmäßig
kontrolliert werden.
Wenn der Hals dick ist
Bekommt die
Schilddrüse nicht genug Jod wächst sie, um die Hormonproduktion über
zusätzliches Drüsengewebe sicherzustellen. So entsteht ein Kropf. Bei Kindern
und jungen Erwachsenen wird zunächst versucht, die so genannte Struma durch Gabe
von Jod zu schrumpfen. Auch eine Vorbeugung in bekannten Jodmangelgebieten
bietet sich an. Bei einer bereits leicht vergrößerten Schilddrüse ohne Knoten
sollten ca. 200 µg pro Tag eingenommen werden, möglichst immer zur gleichen Zeit
eingenommen werden. Manchmal wird bei einer Struma die Jodidtherapie mit einer
Hormontherapie kombiniert. Früher erhielten Patienten Tabletten, die sowohl T3 (Liothyronin)
als auch T4 (Levothyroxin) in einem bestimmten Mischungsverhältnis enthielten.
Heute erhalten die Präparate meist nur T4, weil sich der Körper diesen Stoff bei
Bedarf leicht in T3 umbauen kann. Die Therapie beginnt mit kleinen Dosen, die
dann unter ständiger Kontrolle so weit erhöht werden, bis der optimale Spiegel
im Blut vorhanden ist. Der Kropf bildet sich meist langsam zurück. Die besten
Ergebnisse werden bei diffusen Strumen erreicht. Gewebe mit Knoten bildet sich
nicht mehr so gut zurück, meist lässt sich aber zumindest das weitere Wachstum
hemmen. Der größte Effekt wird häufig im ersten halben Jahr erreicht. Nach etwa
zwei Jahren Therapie ist mit einer weiteren Verkleinerung nicht mehr zu rechnen.
Entscheidend ist, dass die Therapie konsequent und sorgfältig durchgeführt wird.
Stand 2009
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