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Therapie bei Harnsteinen
Spontaner Abgang von Harnsteinen
Es gibt
mehrere Arten, wie Harnsteine behandelt werden können. Die einfachste ist:
Abwarten, bis der Stein spontan abgeht. Denn die meisten Steine im Bereich des
Nierenkelchs und des Nierenbeckens können ohne zusätzliche Maßnahmen mit dem
Harn ausgespült werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Betroffene keine
Beschwerden hat, keine krankhaften Verengungen im Harnleiterbereich vorliegen
und der Stein einen Durchmesser von fünf Millimetern nicht überschreitet. Eine
Harnstauung oder eine Infektion darf ebenfalls nicht vorliegen. Auch
Harnleitersteine
gehen in etwa 70-80 Prozent der Fälle beim Auftreten einer Kolik ohne weitere
Maßnahmen spontan ab. Unterstützt werden kann der natürliche Steinabgang durch
erhöhte Flüssigkeitszufuhr und viel körperliche Bewegung, wie etwa
Treppensteigen, Hüpfen, Wandern oder Radfahren. Mit Hilfe schmerzstillender und
krampflösender Medikamente können zusätzlich die Harnleiter entspannt werden.
Auch die extremen Schmerzen einer akuten Nierenkolik sind durch Medikamente
schnell behandelbar. Während des Abwartens müssen regelmäßig Ultraschall- oder
Röntgenuntersuchungen zur Kontrolle durchgeführt werden, um zu kontrollieren, ob
der Stein sich wirklich fortbewegt. So kann auch ein auftretender Harnrückstau
oder eine beginnende Infektion rechtzeitig entdeckt werden. Kommt es zu einer
Infektion oder zu starken Koliken, muss meist eine aktive Steinentfernung
eingeleitet werden.
Harnsäuresteine können manchmal
aufgelöst werden
Manche
Steine lassen sich mit Hilfe von Medikamenten auflösen. Dieses Verfahren wird
Litholyse genannt. Sie ist jedoch nur erfolgreich, wenn der Stein ausreichend
vom Harn umspült wird. Denn das Prinzip der Behandlung liegt darin, das
chemische Millieu des Urins, seinen pH-Wert - in einen leicht basischen
(alkalischen) Bereich zu verschieben. Die Auflösung gelingt aber nur bei einem
kleinen Teil aller Harnsteine und das sind in erster Linie Harnsäuresteine. Bei
kleinen Zystin- und Struvitsteinen ist das Verfahren weniger erfolgreich.
Mit Stoßwellen den Stein zertrümmern
Wenn Steine
nicht spontan abgehen, müssen sie entfernt werden, da sie sonst erhebliche
Komplikationen auslösen können. Häufigstes Verfahren ist die Stoßwellentherapie,
kurz ESWL (Abkürzung für Extrakorporale Stoßwellen-Lithotrypsie) genannt. Sie
wird bei Steinen im Nierenbecken und im oberen und mittleren Harnleiterdrittel
angewendet, wenn diese einen bis zu zwei Zentimeter Durchmesser haben. Bei der
Stoßwellentherapie wird der Stein mittels Ultraschall oder Röntgendurchleuchtung
lokalisiert und dann gezielt zertrümmert. Dabei erhält der Patient ein
Schmerzmittel, nach Bedarf auch ein Beruhigungsmittel. Eine Narkose ist fast nie
erforderlich. Die Ultraschall-Quellen werden nun von außen an den Körper
angelegt. Sie werden so positioniert, dass die Wellen dort im Körper ihre
höchste Energie entfalten, wo sich der Stein befindet. Dieser Brennpunkt wird
während der Behandlung ständig kontrolliert. Dann werden bis zu 2500
Ultraschall-Stoßwellen auf ständig wechselnde Ebenen des Steines ausgesendet.
Auf ihrem Weg durch das Körpergewebe verursachen sie keine Schäden. Die
Harnsteine, die meist eine spröde Konsistenz besitzen, zerfallen durch die
Stoßwellen jedoch in kleinste Partikel (meist unter ein mm). Diese Trümmerstücke
werden anschließend über die ableitenden Harnwege ausgeschieden. Vorraussetzung
für den natürlichen Abgang der Trümmer ist jedoch, dass keine Abflussbehinderung
besteht. Um den Harnabfluss sicherzustellen, sind häufig auch begleitende
Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört eine Katheterisierung des Nierengewebes oder
eine Harnleiterschienung. Das ESWL-Verfahren hat eine Erfolgsrate von über 90
Prozent und die Behandlungsdauer der Stoßwellen liegt zwischen 30 und 60
Minuten.
Risiken und Nebenwirkungen der
Stoßwellentherapie
Die
Nebenwirkungen und Komplikationen der ESWL sind gering. Durch die Stoßwellen
kann immer auch in geringem Umfang das Nierengewebe geschädigt werden. Deshalb
kann es nach der Behandlung nicht nur zu einem natürlichen Abgang der
zertrümmerten Steinfragmente, sondern auch zu leichten Blutungen kommen. Auch
leichte Blutergüsse auf der Haut werden hin und wieder beobachtet, die aber nach
wenigen Wochen verschwinden. Außerdem treten bei etwa 30 Prozent der Betroffenen
nach der Steinzertrümmerung Koliken auf, die durch die abgehenden Steine
verursacht werden. Selten kommt es zu Harnstauungen, die mit Hilfe von Drainagen
entlastet werden müssen. Stoßwellen können unter Umständen zu
Herzrhythmusstörungen führen. Aus diesem Grunde wird die Frequenz der
Stoßwellenstöße der Herzfrequenz angepasst, so dass die Stosswellen den Rhythmus
nicht beeinflussen. Nicht angewandt werden darf das ESWL-Verfahren bei
Gerinnungsstörungen, bei Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern oder
Marcumar (alle drei wegen verstärkter Blutungsgefahr), bei einer akuten
bakteriellen Nieren- oder Harnwegsinfektion, bei Verengungen im oberen Harntrakt
und während einer Schwangerschaft.
Minimalinvasive Verfahren zur
Steinentfernung
Lässt sich
ein Harnstein nicht durch eine Stoßwellentherapie entfernen, weil er etwa zu
groß ist oder ungünstig liegt, können eine Reihe minimalinvasiver Verfahren
angewandt werden. Dazu ist kein oder nur ein sehr kleiner Schnitt notwendig. Die
meisten Steine werden über die natürliche Öffnung der Harnröhre behandelt.
Kleinere Steine im unteren Bereich der Harnleiter werden mit Hilfe einer Zange
oder eines so genannten Dormia-Körbchens geborgen. Dafür wird das Instrument per
Blasenspiegelung über einen Arbeitskanal in den Harnleiter gebracht. Dort fasst
die Zange oder das Körbchen den Stein und zieht ihn aus dem Harnleiter.
Sitzt ein
Stein tief im Harnleiter oder im Nierenbecken, wird er mittels einer speziellen
endoskopischen Apparatur im Rahmen einer so genannten Uretero-Renoskopie
(URS) entfernt. Dabei wird ein flexibles Endoskop durch die Harnröhre,
vorbei an der Blase in den Harnleiter und weiter in das Nierenbecken eingeführt.
So kann der gesamte Harnleiter bis hin zum Nierenbecken eingesehen werden. Da
ein solcher Eingriff schmerzhaft ist, wird er entweder in Vollnarkose oder mit
Spinalanästhesie durchgeführt. Anschließend wird der Stein direkt mit Stoßwellen
oder Laserenergie zertrümmert. Im Gegensatz zu der ESWL spricht man hierbei von
der ISWL - der intrakorporalen Stoßwellenlithotrypsie. Liegt der Stein weiter
unten im Harnleiter, kann versucht werden, ihn mit Hilfe einer Schlinge
herauszuholen.
Bei sehr
großen Steinen im Nierenbecken (ab zwei Zentimetern) oder veränderter
Beschaffenheit von Nieren- oder Harnleiterstrukturen kommt die Perkutane
Nephrolitholapaxie (PNL) zum Einsatz. Dabei wird durch einen kleinen
Hautschnitt (ca. ein cm) ein Endoskop in das Nierenbecken eingeführt. Über
spezielle Arbeitskanäle kann der Stein dann mittels Ultraschallsonden oder
Laserenergie vor Ort zertrümmert oder mit mechanischen Zangen zerkleinert und
entfernt werden. Wird getrümmert, gehen die Bruchstücke anschließend über den
Harn ab oder sie werden über eine Pumpe abgesaugt.
Offene Operationen sind selten
geworden
Offene
Operationen von Nieren- oder Harnleitersteinen werden heutzutage nur noch sehr
selten durchgeführt. Sie sind vor allem bei sehr großen Steinen erforderlich
oder aber bei Steinleiden, die aus anderen Erkrankungsgründen mit den übrigen
Maßnahmen nicht behandelbar sind. Dann wird über einen Flankenschnitt die Niere
oder der Harnleiter freigelegt und über einen kleinen Schnitt im Nierenbecken
oder Nierengewebe bzw. Harnleiter der Stein entfernt. Ist die Niere schon stark
geschädigt und arbeitet nicht mehr, wird unter Umständen die gesamte Niere
entfernt. Ebenfalls selten sind operative Entfernungen von Blasensteinen.
Während kleine Blasensteine während einer Blasenspiegelung entfernt werden
können, ist das bei sehr großen Steinen allerdings nicht möglich. Hier ist dann
doch die Indikation zu einer offenen Operation gegeben.
Unbehandelt können Harnsteine zu
schweren Komplikationen führen
Unbehandelte Harnsteine können durchaus zu schweren Komplikationen führen.
Manchmal löst ein aus der Niere abgehender Stein nur einige kurze Koliken aus,
die der Betroffene nicht ausreichend als solche erkennt. Denn liegt der Stein
einmal im Harnleiter fest, muss er nicht ständig starke Schmerzen verursachen.
Dennoch kann dadurch ein Harnstau bis hoch in die Nieren entstehen. Das kann zu
einer Entzündung in den Nieren führen. Der gestaute Harn kann nicht abfließen
und bildet einen idealen Nährboden für Bakterien aller Art. Schlimmstenfalls
gelangen die Bakterien in die Blutbahn und verursachen eine Blutvergiftung
(Sepsis). Dann kommt es plötzlich zu hohem Fieber mit Schüttelfrost und einem
schweren Krankheitsgefühl. Dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, denn
eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Zudem kann ein chronischer
Harnstau auftreten, der die Nieren schleichend zerstören kann.
Bei Blasensteinen muss auch die
Ursache behoben werden
Bei
Blasensteinen ist häufig ein Fremdkörper in der Blase Ursache für die
Steinbildung. Dieser Fremdkörper wird dann gemeinsam mit dem Stein entfernt.
Liegt jedoch eine Harnabflussstörung durch eine vergrößerte Prostata vor, muss
nicht nur der Stein entfernt sondern auch die Prostata behandelt werden:
Abhängig vom Befund gibt es zwei Vorgehensweisen: Bei einer großen Prostata und
vielen Steinen empfiehlt sich manchmal eine große Operation, in der Steine und
Prostata gleichzeitig entfernt werden. In anderen Fällen wird erst die Prostata
behandelt und anschließend der Stein mit einer Zange zerkleinert oder durch
Laser zertrümmert und anschließend entfernt.
Stand 2009
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