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Endoprothesenschule
Da sofort
nach der Operation die Mobilisierung des künstlichen Gelenks beginnt, sollte der
Betroffene schon von vornherein einiges über diese Anfangszeit wissen. Darum
wird in vielen Zentren eine sogenannte Endoprothesenschule
angeboten. Denn gerade in der Zeit nach der Operation ist das künstliche Gelenk
– egal ob Knie oder Hüfte - noch anfällig und bedarf einer besonderen Schonung.
Aber auch im späteren Leben gibt es Dinge zu beachten, damit die Prothese nicht
vorzeitig verschleißt oder sich lockert.
Information ist wichtig
Beobachtungen der Ärzte zeigen, dass je besser ein Patient auf sein künstliches
Gelenk vorbereitet wird, desto sicherer er die Operation und
Rehabilitationsphase durchläuft und schneller wieder auf den Beinen ist. In der
Endoprothesenschule erfährt der Patient daher alles wissenswerte: Angefangen
über die Entstehung der Arthrose, mögliche Operationsrisiken, notwendige
Thromboseprophylaxe bis hin zur Haltbarkeit der Prothese und verwendete
Materialien. Falls es durch die Operation zu Komplikationen kommt, lassen sich
solche Situationen oft besser meistern. Informiert wird auch über die
postoperative Nachbehandlung: Dauer und Ziele werden besprochen, die einzelnen
Rehabilitationsschritte schon einmal vorgestellt.
Praktische Übungen für ein sicheres
Verhalten
Nicht nur
Theorie, sondern auch praktische Übungen sind Teil der Schulung.
Physiotherapeuten und Krankengymnasten zeigen, was etwa beim Treppensteigen,
beim Aufstehen und Setzen im Bett, auf Stühlen und im Auto zu beachten ist.
Insbesondere Hüftprothesenträger müssen hier vorsichtig sein: Das Hüftgelenk
darf zum Beispiel während der Rehabilitationsphase nicht weiter als 90 Grad
gebeugt werden, sonst droht eine Ausrenkung (Luxation) des Gelenks. Aus diesem
Grund müssen alle Sitzgelegenheiten durch Kissen erhöht werden. Das gilt auch
für die Toilette und dafür gibt es eigens eine Toilettenstuhlerhöhung im
Sanitätsfachhandel zu kaufen. Eine Sitzerhöhung müssen auch Knieprothesenträger
beachten, denn wenn sie zu tief sitzen, wird das Knie überstreckt.
Teil des
Unterrichts sind auch Informationen über Hilfsmittel, die Prothesenträger im
Alltag benutzen sollten, um ihr künstliches Gelenk zu schonen. Um ein weites
Vorbeugen zu vermeiden, hilft zum Beispiel ein Strumpfanzieher beim Anziehen der
Strümpfe und Schuhe. Auch gibt es spezielle Greifzangen, mit der Dinge, die zu
Boden gefallen sind, aufgehoben werden können. Bücken oder, wie bei der
Gartenarbeit, auf den Knien rutschen, ist absolut tabu. Zudem sind
Stauchbelastungen, starke Drehbewegungen und überkreuzte Beinstellungen kritisch
für ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Das alles führt sonst zu hohen
Stressbelastungen für die neue Gelenk.
Sport darf
mit einem künstlichen Gelenk betrieben werden, aber möglichst nur in Disziplinen
die keine „Stop & Go-Belastungen“ verursachen oder abrupte Bewegungsänderungen
erfordern. Was für den Einzelnen geeignet ist, wird in der Endoprothesenschule
besprochen.
Und damit
die anschließende Mobilisierung rasch und erfolgreich fortschreiten kann, werden
Übungen für die unmittelbare Zeit nach dem Eingriff einstudiert: Zum Beispiel
das Gehen an Unterarmstützen.
Das häusliche Umfeld muss
vorbereitet werden
Selbst
einfache Alltagssituationen können zur Herausforderung oder gar gefährlich
werden, wenn nicht entsprechend vorbereitet wird. So erfährt der Patient in der
„Endoschule“ auch etwas über notwendige Vorkehrungen in seiner privaten
Umgebung.
Angefangen
bei den Sitzplatzerhöhungen, macht es auch Sinn, das Bett zu erhöhen: Sei es
durch eine zusätzliche Matratze, einem speziellen Lattenrost oder mit Hilfe
eines kleinen Podests. Hauptsache, die 90 Grad Beugung wird nicht überschritten.
Das heißt auch, dass in der Anfangszeit nicht gebadet, sondern geduscht werden
sollte. Sinnvoll ist es, Haltegriffe oder eine Sitzgelegenheit in der Dusche
anzubringen, um Stürze zu vermeiden.
Schließlich
sollten alle Haushaltsgegenstände so platziert sein, dass sie während der
Rehabilitationsphase möglichst einfach und bequem benutzt werden können. Dazu
zählt, dass Gegenstände des täglichen Gebrauchs nicht in tiefen Schränken
aufbewahrt werden, sondern nach Möglichkeit über Hüfthöhe. Auch Stolperfallen
wie Teppichbrücken sollten möglichst in der Anfangszeit aus dem Weg geräumt
sein.
Ist die
Rehabilitationsphase erfolgreich beendet und der Umgang mit dem künstlichen
Gelenk zur Routine geworden ist, dann kann ja alles wieder an seinen alten Platz
zurück. Derart mit Wissen gestärkt, können Patienten der Rehabilitationsphase
beruhigt entgegensehen.
Stand 2009
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