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Volksleiden Bandscheibe – Das Kreuz mit dem Kreuz
Aufbau der Wirbelsäule
Die
menschliche Wirbelsäule besteht aus über 30 Wirbelkörpern, die durch Bänder,
Sehnen und Muskeln verbunden sind. 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel und 5
Lendenwirbel zählen zum beweglichen Teil der Wirbelsäule und bilden eine (von
der Seite betrachtete) S-förmige Säule. Die Krümmungen nach vorne im Bereich von
Hals - und Lendenwirbelsäule (Lordose), nach hinten im Bereich von
Brustwirbelsäule und Steißbein (Kyphose) ermöglichen, zusammen mit den
halbflüssigen Bandscheiben, von oben wirkende Kräfte abzufangen, ähnlich der
Federung von Fahrzeugen. Dadurch erhält sie ihre Stabilität und Elastizität und
ist besonders strapazierfähig. Wäre sie starr wie ein Stab, würde sie den
alltäglichen Belastungen nicht standhalten und schnell zerbrechen. Diese
Konstruktion ermöglicht die aufrechte Haltung und die freie Beweglichkeit des
Rumpfes. Die Wirbelsäule ist täglich höchsten Beanspruchungen ausgesetzt, so
dass es über die Jahre zu mehr oder weniger ausgeprägten Verschleißerscheinungen
kommen kann.
Ein Prozess, der jeden betrifft:
Verschleiß
Je älter
der Mensch wird, desto stärker ist sein Körper den Alterungsprozessen
unterworfen. So auch die Wirbelsäule. Doch der Alterungsprozess kann sich sogar
noch beschleunigen und Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören eine genetische
Disposition, Deformitäten der Wirbelsäule (z.B. eine Seitverbiegung auch
Skoliose genannt), Osteoporose, Übergewicht, schwere körperliche Arbeit und ein
zu schwacher Muskel- und Bandapparat.
Bandscheiben – Stoßdämpfer der
Wirbelsäule
Bei jeder
Bewegung des Rückens gleiten Hunderte von Gelenkflächen der Wirbelkörper der
Wirbelsäule aneinander. Zwischen den 24 Wirbelkörpern liegen schmale, elastische
Gewebeplatten, die wie Stoßdämpfer und Abstandshalter zwischen den Wirbelknochen
eingebettet sind: Die Bandscheiben. Sie liegen zwischen den einzelnen
Wirbelkörpern und bestehen aus einem äußeren Faserknorpelring und einem
wasserreichen Gallertkern. Der Gallertkern steht unter Druck und spannt den
Faserring. Aufgrund des Körpergewicht wird das Wasser beim Stehen aus der
Bandscheibe gedrückt. Über die Knochenhaut der Wirbelkörper gelangen wichtige
Nährstoffe an die Bandscheiben. Wenn sie durch körperliche Bewegung etwas
zusammengedrückt werden und sich bei Druckentlastung wieder entspannen, nimmt
der Knorpel diese Nährstoffe wie ein Schwamm auf. Auch Bandscheiben sind vom
Alterungsprozess betroffen. Denn sie besitzen keine Blutgefäße und können sich
darum nur begrenzt regenerieren. Der Verschleiß der Bandscheiben beginnt schon
ab dem 20. Lebensjahr, dann verlieren sie langsam an Elastizität. Durch den
Elastizitätsverlust der Bandscheiben verringert sich der Abstand zwischen den
Wirbelkörpern. Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper werden dadurch mehr
belastet. Der Körper reagiert mit einer Knochenverdichtung im Bereich dieser
Strukturen (Sklerosierung), was im Röntgenbild leicht zu erkennen ist.
Doch das
ist nicht alles: Es kommt auch zu einer Überlastung der kleinen Wirbelgelenke,
eine Fehlfunktion der Wirbelsäulenbänder und es entwickelt sich schleichend eine
Instabilität der Wirbelsäulensegmente. So ein Segment besteht jeweils aus zwei
Wirbelkörpern und der dazwischen liegenden Bandscheibe. Durch die Instabilität
kann es zu einer Bandscheibenvorwölbung oder sogar zu einem Bandscheibenvorfall
kommen.
Der Körper hilft sich selbst
Wird die
Wirbelsäule instabil, versucht der Körper diesen Schaden zu kompensieren, indem
er knöcherne Anbauten an den Wirbelkörpern (Osteophyten / Exophyten) produziert.
Auf Dauer kommt es zu einer natürlichen Versteifung der Wirbelsäule und oft ist
damit auch der Schmerz vorbei. Doch der Weg dorthin ist lang. Bei einer weit
fortgeschrittenen Instabilität, kann sich eine verschleißbedingte Verkrümmung
der Wirbelsäule ausbilden, wodurch die Statik der Wirbelsäule weiter geschwächt
wird (degenerative Skoliose). Mit der veränderten Wirbelsäulenstatik ändern sich
auch die Ursprungs- und Ansatzpunkte der Muskulatur und des Bandapparates der
Wirbelsäule. Einige Muskeln und Bänder verkürzen sich, andere werden wiederum zu
sehr gestreckt. Schmerzhafte Muskelhärten (Muskelhartspann / Myogelosen) können
sich dadurch ausbilden.
Und noch
etwas kann passieren: Wenn die Wirbelkörpergelenke sich verlagern und immer
weniger Bewegungsfreiheit haben, kommt es zu einem vorzeitigen Knorpelabrieb der
Gelenkpartner. Es spielen sich dann die gleichen Vorgänge ab, die für die Knie-
oder Hüftgelenksarthrose bekannt sind. Es kommt zur Gelenkentzündung,
Kapselschwellung und –verdickung, sowie zu einer Gelenkdeformität, die noch
schneller voranschreitet als bei den großen Gelenken. Der Arzt spricht in diesen
Fällen von einer Wirbelgelenkarthrose (Spondylarthrose = Facettensyndrom).
Eine Kettenreaktion beginnt
Instabilitätsbedingte Verschiebungen der Wirbelkörper (Spondylolisthesis /
Pseudospon-dylolisthesis), Verdickungen der Wirbelgelenkstrukturen, knöcherne
Wirbelkanalanbauten, Bandscheibenvorwölbungen und Verdickungen der Wirbelbänder
(Ligamentum flavum) können schließlich zu einer beträchtlichen Enge des
Wirbelkanals führen (Spinalkanal-Stenose) und das Rückenmark
selbst oder die abgehenden Nervenwurzeln bedrängen. Die Folge sind
Taubheitsgefühle, Kribbeln in Beinen oder Armen bis hin zu
Lähmungserscheinungen. Treten derartige Symptome auf, muss sofort ein Arzt
aufgesucht werden, da es sonst zu einer dauerhaften Schädigung der Nervenbahnen
kommen kann.
Wann ist eine Operation angezeigt?
Ist die
konservative Therapie (Krankengymnastik, Physikalische Therapie,
Schmerzmedikationen auch mit Injektionsbehandlungen, Gewichtsreduktion etc.)
ausgeschöpft und lässt sich hierdurch keine Linderung mehr erzielen, ist oftmals
ein operativer Eingriff die letzte Möglichkeit, den Schmerz zu reduzieren.
Stabilisierende Operationsverfahren werden bei starkem Verschleiß der
Bandscheiben, Schädigungen an den kleinen Facettengelenke und bei Instabilitäten
der Wirbelsäulensegmente angewandt. Auch bei bereits voroperierten Patienten mit
anhaltenden Bandscheibenproblemen kann eine erneute OP erforderlich sein.
Wie wird die Operation durchgeführt?
Die
Operation kann entweder nur vom Rücken aus erfolgen (PLIF-Technik) oder durch
einen zweiten Zugang durch die Bauchdecke von vorne ergänzt werden (ventro-dorsale
Spondylodese). Bei beiden Techniken wird der betroffene Wirbelsäulenabschnitt
eingesteift. Die meist bereits vorher eingeschränkte Beweglichkeit in diesem
Wirbelsäulenabschnitt wird durch die Operation nur selten weiter vermindert. Bei
der PLIF-Technik wird ein Teil der hinteren Anteile des Wirbels entfernt, der
Rückenmarkskanal eröffnet und am Rückenmark vorbei die betroffene Bandscheibe
entfernt. In den "leeren" Zwischenwirbelraum werden zwei Titankörbe (Cages)
eingesetzt, die u.a. mit Knochenstückchen aus dem Beckenkamm aufgefüllt werden.
Zur Absicherung werden die benachbarten Wirbel zusätzlich durch ein Schrauben-
Stabsystem miteinander verspannt. Die normale Knochenheilung führt dann in den
kommenden Wochen zu einer Versteifung des Wirbelsäulenabschnittes. Die
PLIF-Technik bietet sich bei Patienten an, die nicht nur auf Grund einer
Instabilität sondern auch wegen einer Enge am Spinalkanal operiert werden
müssen, da dieser hierbei ebenfalls freigelegt wird. Bei bereits voroperierten
Wirbelsäulen ist eine Operation allein vom Rücken aus oftmals aufgrund von
Vernarbungen und des hohen Risikos, das Rückenmark zu verletzen, nicht möglich.
In diesem häufigen Fall ist es notwendig die erkrankte/verschlissene Bandscheibe
von vorne zu entfernen. Man spricht dann von einer ventro-dorsalen Fusion, da
zur Erhöhung der Stabilität ebenfalls von hinten mit einem Schrauben-Stabsystem
zusätzlich stabilisiert wird. Der Bandscheibenraum wird ebenfalls mit einem
Titankorb und körpereigenem Knochen aufgefüllt.
Wie erfolgt die Nachbehandlung?
Für die
ersten Wochen zu Hause ist es wichtig sich "rückengerecht" zu verhalten, während
des stationären Aufenthaltes wird dieses jedoch ausgiebig durch die Therapeuten
angelernt. Eine Rehabilitation ist in der Regel nicht notwendig. Der
weiterbehandelnde Arzt sollte jedoch Krankengymnastik und physikalische
Therapien verordnen, um Bewegungsabläufe und Kräftigungsübungen weiter zu
vertiefen.
Stand 2009
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