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Morbus Bechterew
Morbus
Bechterew (MB), unter Medizinern auch "Spondylitis ankylosans" genannt, gehört
zu der Gruppe der entzündlichen Rheumaerkrankungen. Der chronische und in der
Regel langsam fortschreitende Verlauf dieser Erkrankung befällt dabei
insbesondere die Wirbelsäule. Durch entzündliche Prozesse an den
Zwischenwirbelgelenken (lat. Spondylitis) kann es bis hin zu einer knöchernen
Einsteifung der Wirbelsäule kommen (lat. ankylosans = versteifend), was bei den
Betroffenen zu einer gebeugten Haltung führt und starke Bewegungseinschränkungen
mit sich bringt. Charakteristisch für Morbus Bechterew ist zudem ein tief
sitzender Rückenschmerz und eine morgendliche Steifheit in Bereich der
Lendenwirbel. Da es sich um eine systemische - d.h. den ganzen Körper
betreffende - Erkrankung handelt, können außer der Wirbelsäule auch andere
Gelenke und sogar Organe - häufig z.B. die Augen – von Entzündungen betroffen
sein.
Der Name
„Morbus Bechterew“ (lat. Morbus = Krankheit) geht auf den russischen Neurologen
Wladimir Bechterew zurück, der im 19. Jahrhundert eine intensive
wissenschaftliche Abhandlung über die Krankheit verfasste. Bekannt ist das
Krankheitsbild jedoch schon wesentlich länger. Erste Beschreibungen gehen bis
ins 17. Jahrhundert zurück. Dabei tritt Morbus Bechterew, verglichen zu anderen
Rheumaerkrankungen, eher selten auf. Etwa ein Prozent der mitteleuropäischen
Bevölkerung sind davon betroffen, Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen. Der
Beginn der Erkrankung zeigt sich meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr.
Fällt der Zeitpunkt des Ausbruchs schon vor das 16. Lebensjahr, so wird dies als
Vorzeichnen für einen schweren Krankheitsverlauf angesehen. Was die Diagnose
Morbus Bechterew jedoch für den Einzelnen bedeutet, kann sehr unterschiedlich
sein. Bei einigen Patienten verläuft die Krankheit so mild, dass sie nie
eindeutig diagnostiziert wird. Andere führen ein Leben begleitet von Schmerzen
und zunehmendem Verlust der Beweglichkeit. Heilbar ist Morbus Bechterew bis
heute nicht, der Krankheitsprozess kann bei entsprechender Behandlung aber
entscheidend beeinflusst und die Schmerzen gelindert werden.
Die Ursachen von Morbus Bechterew
sind noch nicht eindeutig bekannt
Die
eigentlichen Ursachen, die zum Ausbruch der Bechterew’schen Erkrankung führen,
sind bis heute nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass es sich wie bei der
rheumatoiden Arthritis um eine Autoimmunerkrankung handelt. Eine Fehlleitung des
Immunsystems bewirkt, dass gebildete Antikörper sich nicht nur gegen fremde
Eindringlinge, sondern fälschlicherweise auch gegen körpereigene Stoffe richten.
Hierdurch kommt es zu chronischen Entzündungen vor allem im Bereich der
Wirbelsäule. Warum im Falle des Morbus Bechterew gerade die Wirbelsäule am
stärksten von Entzündungen befallen wird, ist dabei noch unklar.
Bei über 90
Prozent der Bechterew-Patienten ist jedoch ein spezifischer
Zelloberflächenmarker, das HLA-B27 aus der Gruppe der HLA-Klasse I-Moleküle,
nachweisbar. Diese Oberflächenmoleküle sind auf fast allen Körperzellen
vorhanden und spielen eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr, speziell
auch bei der Unterscheidung des Immunsystems zwischen körperfremden und
körpereigenen Stoffen. Insgesamt haben nur etwa acht Prozent der Bevölkerung in
Deutschland (ist von Land zu Land unterschiedlich) eine solche Markierung auf
einem Chromosom. Die Mediziner gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen
diesem genetischen Merkmal und Morbus Bechterew besteht. Etwa ein Drittel der
Erblast ist durch HLA- B27 erklärt, der Rest ist noch unbekannt. Das
Vorhandensein dieses vererbbaren Antigens HLA-B27 bedingt jedoch nicht
zwangsläufig eine Erkrankung an Bechterew, denn etwa acht Prozent der
Normalbevölkerung trägt dieses Merkmal. Scheinbar ist vielmehr ein gestörtes
Wechselspiel zwischen dieser genetischen Anlage und weiteren Umwelteinflüssen
wie Stress oder bakteriellen Infektionen für den Ausbruch verantwortlich. Auch
die Keime der Darmflora scheinen dabei eine Rolle zu spielen.
Symptome und Krankheitsverlauf
Ist Morbus
Bechterew einmal ausgebrochen, schreitet die Krankheit in der Regel nur langsam
fort. Typisch ist auch ein schubartiger Verlauf, der individuell stark variieren
kann. Phasen hoher Krankheitsaktivität wechseln mit solchen relativen
Wohlbefindens. Bei einigen Patienten schreitet die Krankheit aber ziemlich
schnell fort.
Das
Leitsymptom ist dabei ein tief sitzender Rückenschmerz, der zum Teil in die
Beine ausstrahlt . Er tritt insbesondere nachts und morgens auf und ist oft so
stark, dass die Betroffenen davon aufwachen. Bei Bewegung bessern sich die
Schmerzen zumeist. Hinzu kommt eine Steife in der unteren Lendenwirbelregion,
vor allem in den Morgenstunden.
Der Grund
für diese typischen Symptome ist eine Entzündung von Gelenstrukturen des
Achsenskeletts, wie z.B. der Zwischenwirbelgelenke unter Beteiligung der
Bandscheiben und Bänder, die zwischen den Wirbelkörpern liegen. Insbesondere die
Verbindung zwischen dem Kreuz- und Darmbein (Sakroiliakal-Gelenke; diese
Entzündung nennt man Sakroiliitis) wird früh von der Krankheit betroffen. Bei
etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten sind auch Hüfte und Schulter sowie andere
periphere Gelenke befallen. Oft treten neben den Symptomen an der Wirbelsäule
auch häufig wiederkehrende Entzündungen an den Augen (Iridozyklitis) auf.
Im weiteren
Verlauf der Krankheit entstehen zunehmend Verknöcherungen der Wirbelsäule, durch
die wiederum mit der Zeit der Bandapparat der Wirbelsäule verkalkt. Dieser
Vorgang wird in der Fachsprache als ankylosierende (versteifende) Spondylitis
bezeichnet. Im Endstadium sind die Wirbel und Bandscheiben wie
„zusammengeschweißt“; die Wirbelsäule ist steif. Typisch für dieses Stadium ist
eine mehr oder weniger vorgebeugte Haltung der Patienten (Kyphose) und eine
Brustkorbstarre, die zur Beeinträchtigung der Atmung (Brustschmerz beim Atmen,
Nießen oder Husten) führen kann. Diese völlige Einsteifung der Wirbelsäule und
die damit verbundene Invalidität ist glücklicherweise aber eher selten.
Begleitet
ist der Krankheitsverlauf von starken Rückenschmerzen und zunehmender
Einschränkung der Bewegungsfähigkeit, wobei zuerst die Extension (Streckung),
dann die Flexion (Beugung) der Wirbelsäulenbeweglichkeit verloren geht. In den
Phasen entzündlicher Schübe kann es zudem zu allgemeiner Abgeschlagenheit,
Demotivation und auch Fieber kommen.
Stand 2009
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