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Künstliche Gelenke - Knie

Das Kniegelenk ist das komplizierteste Gelenk des Menschen. Dabei ermöglicht es nur zwei Bewegungsrichtungen: die Beugung und Streckung. Die Belastung, der das Kniegelenk täglich ausgesetzt ist, ist aber enorm. Schon beim normalen Gehen steigt die Druckbelastung, die auf dem Gelenk ruht, um das vierfache des Körpergewichtes an. Kein Wunder also, dass es trotz seiner Belastungsfähigkeit mit der Zeit verschleißen kann. Arthrose werden diese Abnutzungserscheinungen genannt. Fehlstellungen, Übergewicht, Überbelastung durch Arbeit und Sport sowie Verletzungen können diesen Prozess noch beschleunigen. Die Implantation eines künstlichen Kniegelenks bietet Betroffenen oftmals die letzte Möglichkeit, wieder ein schmerzfreies Leben zu führen.

Der Aufbau des Kniegelenks

Das Kniegelenk setzt sich aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbeinknochen (Tibia) und der Kniescheibe (Patella) zusammen. Die Kniescheibe liegt eingebettet in der Sehnenplatte und ist am oberen Ende mit dem großen Streckmuskel des Oberschenkels, am unteren Ende über ein Band mit dem Schienbein verbunden. Der Oberschenkelknochen besitzt am seinem unteren Ende zwei runde Ausbuchtungen. Der Schienbeinkopf hingegen endet in einer mehr oder weniger ebenen Fläche. Damit die unterschiedlich geformten Oberflächen der aufeinander treffenden Knochen optimal ausgeglichen werden, befinden sich dazwischen zwei sichelförmige Knorpelscheiben, die sogenannten Menisken. Sie sind eine Art Puffer und stabilisieren zugleich das Kniegelenk. Ebenfalls zur Stabilisation des Gelenkes dienen die Bänder. Zwischen der inneren und äußeren Ausbuchtung des Oberschenkelknochens bildet sich ein Tunnel, in dem die Kreuzbänder verlaufen. Die Kreuzbänder sind etwa so dick wie ein kleiner Finger und haben eine Reißfestigkeit bis zu 200 kg. Sie verhindern, dass der Unterschenkel nach vorne oder hinten wegrutscht. Des Weiteren sind die Kreuzbänder mit speziellen Sensoren ausgestattet. Sie geben über das Rückenmark dem Gehirn Meldung, in welcher Stellung sich das Bein befindet. Bei großer Anspannung im Knie werden so die entsprechenden Muskeln aktiviert und das Gelenk vor Überbelastung geschützt. Damit der Schienbeinknochen nicht zur Seite wegrutschen kann, befinden sich an den Außenseiten des Knochens das Innen- und Außenband.

Wenn das Gelenk verschleißt - Arthrose

Bei der Kniegelenksarthrose, in der medizinischen Fachsprache auch Gonarthrose (griechisch: „gony = Knie“) genannt, kommt es zunächst zu einer Abnutzung und Auffaserung der Knorpelschicht an den Knochenenden und der Menisken. Im fortgeschrittenen Stadium reiben die Knochen dann ungeschützt aufeinander. Dies verursacht gerade bei Bewegungen und Belastungen des Gelenks starke Schmerzen. Wird das Knie ruhig gehalten, klingt der Schmerz meist ab. Typische Symptome einer Kniegelenksarthrose sind ein morgendlicher Schmerz nach dem Aufstehen, Schwellungen und teilweise eine Überhitzung des Knies. Sie ist Anzeichen dafür, dass sich eine Entzündung im Knie gebildet. Dann wird von einer aktivierten Arthrose gesprochen.

Meist handelt es sich bei der Kniegelenksarthrose um einen altersbedingten Verschleiß. Aber auch Entzündungen und Verletzungen am Knie bewirken, dass sich eine Arthrose bildet. Auslöser hierfür können zudem angeborene oder erworbene Fehlstellungen wie X- und O-Beine, fehlende Muskeln, oder starkes Übergewicht sein. Diese Faktoren führen zu einer dauerhaften Fehlbelastung des Kniegelenks, welche den Prozess der Degeneration beschleunigt.

Verletzte Kniegelenke begünstigen die Entstehung von Arthrose

Das Kniegelenk gehört zu den am häufigsten verletzten Gelenken. Vor allem der Riss am vorderen Kreuzband kommt sehr häufig vor, besonders bei Sportarten wie Fußball und Alpinskifahren. Auslöser des Risses ist meist eine abrupte Bewegungsänderung oder ein Sturz. Meist macht sich so ein Kreuzbandriss durch eine Art Knallen oder Knacken im Knie bemerkbar, manchmal bleibt er aber auch unerkannt. Die Folgen sind dann eine Instabilität im Knie, der Unterschenkel verschiebt sich über die Zeit immer weiter nach vorne, da die stabilisierenden Bänder fehlen. Und es kommt zu einer Abnutzung des Knorpels, das Risiko eine Gelenkarthrose zu entwickeln steigt an. Ein gerissenes Kreuzband zu nähen bringt meist nicht den erwünschten Erfolg. Meist kann das Band nicht optimal heilen, was an seiner Lage und an der ungünstigen Blutversorgung liegt. Eine Kreuzbandtransplantation bringt manchmal den gewünschten Erfolg. Hierfür werden gelenknahe Sehen wie die Kniescheibensehne oder eine Sehne aus dem Oberschenkel verwendet. Zunehmend wird aber gar nicht mehr operiert, sondern man versucht durch gezieltes Muskeltraining die Stabilität des Knies wieder zu erreichen.

Mit zunehmendem Alter kommt es oft zu Einrissen am Meniskus als  „normale“ Verschleißreaktion. Erst größere Risse führen zu Schmerzen am Kniegelenk, der bis in den Unterschenkel ziehen kann, das Gelenk schwillt an. Seltener ist ein Meniskusschaden auf Grund einer Verletzung. Da die Menisken äußerst wichtig sind, versucht man sie so vollständig wie möglich zu erhalten. Um eine Meniskusschaden zu behandeln, wird in der Regel eine Kniegelenksspiegelung, eine Athroskopie, durchgeführt und die geschädigten Teile werden entfernt. Je nach Art des Risses bestehen mehr oder weniger gute Chancen, dass sich der Meniskus wieder regeneriert. Im ungünstigsten Fall entsteht eine Arthrose.

Wann ist ein künstliches Kniegelenk notwendig

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Heilung der Arthrose nicht möglich ist. Ist der Knochen erst einmal zerstört, dann können meist nur noch die Symptome gehandelt werden. Je nach Stadium der Arthrose können der Verlauf verlangsamt und die Schmerzen durch Medikamente, physiotherapeutische Maßnahmen oder Umstellung der Lebensumstände wie Gewichtsreduzierung oder Muskelaufbau gebessert werden.

Haben alternative Therapien keine Linderung der Schmerzen gebracht, wird über die Implantation eines künstlichen Kniegelenks nachgedacht. Zunächst wird aber überprüft, in wie weit gelenkerhaltende Operationen für den Patienten sinnvoll sind. Oft spielen die Lebensumstände des Betroffenen für die Entscheidung zum künstlichen Gelenk eine große Rolle. Da eine Knieprothese etwa 15 im besten Fall bis 20 Jahre halten kann, ist es ein Unterschied ob der Patient schon 70 Jahre alt ist und höchstens noch eine Austauschprothese braucht oder ob er jünger ist und deswegen noch mehrere Prothesen in seinem Leben brauchen wird. Bei jüngeren Patienten meist erst die gelenkerhaltenden Verfahren voll ausgeschöpft, bevor man eine Prothese einsetzt.

Stand 2009

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