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Operationsverfahren bei Osteoporose und Schmerzlinderung

Operationstechniken bei Wirbelfrakturen

Knochenbrüche sind die gefürchteten Folgen einer Osteoporose. Betroffen sind häufig das Hüft- oder Handgelenk und einzelne Wirbelkörper. Hier tritt der Bruch nicht in Folge einer plötzlichen Überbelastung auf, sondern entwickelt sich langsam auf Grund der Belastung durch den eigenen Körper. Wirbel sind aufgebaut wie Zylinder, die innen hohl sind. Werden die Deckplatten dieser Zylinder durch eine Osteoporose brüchig, können sie dem Druck der Bandscheiben nicht mehr standhalten und brechen allmählich ein. Meist geschieht das ohne nennenswerte Symptome. Äußerlich macht sich das durch eine zunehmende Krümmung des Rückens und die Ausbildung eines Buckels (‚Witwenbuckel’) bemerkbar. Zugleich verlieren die Betroffenen an Körpergröße, bis zu mehreren Zentimetern im Jahr.

Schmerzen verursachen nur die wenigsten Wirbelbrüche und trotz Osteoporose behält der Knochen immer noch seine Selbstheilungskräfte: Die Wirbelfragmente verwachsen miteinander, was aber zur Folge hat, dass die Bewegungsfähigkeit der Wirbelsäule eingeschränkt wird. Das ist ein Grund, warum Osteoporosepatienten häufig schmerzfrei sind. Doch in einigen Fällen reiben die Knochenfragmente bei jeder Bewegung aneinander und dann sind die Schmerzen sehr stark. Denn die umgebende Knochenhaut ist extrem schmerzempfindlich. In solchen Fällen hilft nur noch eine Operation. Zum Glück ist das sehr selten. Von geschätzten 200.000 Wirbelbrüchen pro Jahr werden nur etwa ein Drittel überhaupt diagnostiziert. Von diesen werden nur knapp 6.000 operativ behandelt.

Den Schmerz behandeln – nicht mehr und nicht weniger

Operative Korrekturen an Wirbelbrüchen haben einzig das Ziel, Betroffene von ihren Schmerzen zu befreien. Denn Schmerzen verursachen eine Schonhaltung, bis hin zur totalen Bewegungslosigkeit. Bewegung aber ist die wichtigste Therapie für Osteoporosepatienten. Operationen von Wirbelbrüchen sind also keine Heilversuche, sondern Teil einer Therapie. Zwei Verfahren haben sich in den vergangenen Jahren etabliert: Bei beiden nachfolgenden Operationsmethoden geht es darum, den gebrochenen Wirbel zu stabilisieren.

1. Vertebroplastie

Standardverfahren ist die sogenannte Vertebroplastie (von vertebro = Wirbel, plastie = formen). Mitte der 90er Jahre wurde sie in Frankreich und den USA entwickelt und ist bis heute das am meisten praktizierte Verfahren. Der Eingriff wird meist minimal invasiv durchgeführt. Der Operateur verschafft sich über eine Hohlkanüle, einem so genannten Trokar, Zugang zum Wirbel. Über diese Hohlkanüle wird ein spezieller Kunststoffzement eingespritzt. Der Vorgang geschieht unter Röntgenkontrolle. Damit sich der Zement gut im gebrochenen Wirbel verteilt ist ein hoher Druck beim Einspritzen nötig. Häufig aber tritt dadurch der Zement an anderer Stelle wieder aus. In den meisten Fällen bleibt das jedoch ohne Folgen. In seltenen Fällen wurden aber auch Querschnittlähmungen verursacht, weil der Zement in den Rückenmarkskanal gelangte. Ein anderes Problem stellt der verwendete Kunststoffzement dar. Während er aushärtet entwickelt er Hitze von über 70 Grad. Auch das kann umliegendes Gewebe schädigen. Um diesen Nebenwirkungen zu entgehen, wurde die....

....Kyphoplastie (Kyphose – Verkrümmung des Rückens)

weiterentwickelt. Der Zugang zum Wirbel erfolgt wie bei der Vertebroplastie. Vor dem Einspritzen des Zements wird der Wirbel jedoch mit einem speziellen Ballonkatheter gedehnt. Dadurch richtet sich der Wirbelkörper auf, nach Entfernen des Ballons sackt der Wirbel aber wieder um die Hälfte der ursprünglich aufgedehnten Höhe ein. Vorteil dieser Methode ist, dass der Zement mit wesentlich weniger Druck eingespritzt werden kann. Dadurch sinkt die Gefahr des Zementaustritts. Doch es gibt eine Einschränkung: Eine Kyphoplastie kann nur bei sehr frischen Wirbelbrüchen, die nicht älter als sechs Wochen sind, durchgeführt werden. Je länger der Wirbelbruch zurückliegt, desto fester sind die Knochenfragmente miteinander verwachsen. Weil die meisten Wirbelbrüche aber stumm verlaufen und oft spät entdeckt werden, wird dieses Verfahren seltener angewandt.

Zukunftsaussichten

An der Uniklinik in Köln wird derzeit die Kyphoplastie weiterentwickelt: Das Verfahren nennt sich dann Vertebral Stenting. Stents sind bekannt aus der Gefäßchirurgie, wo sie bei Engpässen der Herzkranzgefäße als Stützgerüst eingesetzt werden. Beim Vertebral Stenting wird der Wirbelkörper ebenfalls mit einem Ballon aufgerichtet, nur dass zusätzlich ein Stahlgeflecht (Stent) den Ballon umfasst. Dieser Stent wird mit dem Ballon eingeführt und aufgedehnt. Der Ballon wird entfernt, der Stent verbleibt als „Stützkorsett“ im Wirbelkörper. Zum Schluss sorgt wieder Zement für die Stabilität. Noch wird das Verfahren selten angeboten.

Zusammen gefasst:

Die Risiken der genannten Operationen sind nicht gering. Sowohl bei der Vertebroplastie als auch bei der Kyphoplastie kann Zementaustritt in den Wirbelkanal zu Querschnittslähmungen führen. Auch wurden sogenannte Anschlussbrüche der benachbarten Wirbel beobachtet, die dann ebenfalls behandelt werden müssen. Da es noch keine Langzeitstudien über die Verträglichkeit des Kunststoffzements vorliegen, betrachten manche Ärzte diese Verfahren als „rein experimentell“. Tatsache aber ist auch, dass die überwiegende Zahl der behandelten Menschen nach der Operation entweder schmerzfrei sind, oder aber eine deutliche Schmerzlinderung erfahren haben.

Neue Schmerzbehandlung auf dem Prüfstand: PST

PST steht für Pulsierende Signaltherapie und ist eine Weiterentwicklung herkömmlicher Magnetfeldtherapien. In Deutschland wird PST seit 1996 vor allem bei krankhaftem Verlust von Gelenkknorpel in Folge von Degeneration (Arthrose) oder Verletzungen erfolgreich angewendet. PST basiert auf der Beobachtung, dass bei jeder Bewegung und Belastung des Gelenks vom Körper selbst ein schwaches elektrisches Feld erzeugt wird, das den Knorpel zur Neubildung anregt. Verletzungen oder Degeneration im Gelenk stören dieses „elektrische Potential“ im Gelenk und damit den natürlichen Ernährungs- und Heilungsprozess der Knorpel. Sie verschleißen.

Die Pulsierende Signaltherapie soll nun in der Lage sein, genau dieses elektrische Feld zu imitieren, d.h. das biologische Muster dieser elektrischen Felder wird mit Hilfe des PST-Gerätes von außen angeregt.

Da Knorpel und Knochen dem selben genetischen Ursprung entstammen, besteht die Vermutung, dass nicht nur Knorpel- sondern auch Knochenzellen stimulierbar sind. In ersten Studie in München und Berlin konnte gezeigt werden, dass PST einen positiven Effekt bei der Schmerzlinderung hat. Der Medikamentenbedarf konnte gesenkt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlten diese Behandlung nicht, bei privaten Kassen sollte nachgefragt werden, ob die Kosten bei Gelenkerkrankungen übernommen werden.

Stand 2009

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