Zurück zur Themenübersicht

Operationen der Schulter

Wenn nichts mehr hilft

Operationen an der Schulter werden nötig, wenn alle anderen Therapieverfahren versagt haben. Die Schulter ist in ihrem Aufbau so komplex, dass bei operativen Eingriffen die Gefahr besteht, zwar die Ursache der Beschwerden zu beheben, jedoch durch den Eingriff neue Ursachen für andere Beschwerden zu schaffen. Diese Gefahr wird allerdings zunehmend geringer, da sich chirurgische Techniken ständig weiterentwickeln. Noch vor einigen Jahren war es nötig, bei Operationen der Schulter eine Menge gesundes Gewebe, vor allem Muskeln, zu durchtrennen. Diese Verletzungen auszukurieren, dauerte häufig Monate und oft behielten die Betroffenen dauerhafte Beeinträchtigungen zurück.

Kleine Schnitte, große Wirkung – Minimal-invasive Operationstechniken

Minimal-invasiv bedeutet, dass der Zugang zum Operationsgebiet so klein wie möglich gehalten wird. Diese Technik hat sich in den letzten Jahren rasant weiter entwickelt. Bei minimal-invasiven Techniken werden immer zwei Zugänge zum Gelenk gelegt. Einer für die Minikamera, über die der Chirurg seine Arbeit kontrollieren kann, und einer als Zugang für die Instrumente. Die Schnitte für die Zugänge sind dabei nicht größer als drei bis fünf mm. Das Gelenk wird während der Operation ständig mit Flüssigkeit durchspült. Dadurch wird der Arbeitsraum erweitert und gleichzeitig kann entferntes Gewebe direkt abgesaugt werden. Der Eingriff erfolgt ambulant in Vollnarkose und der Patient kann vier bis fünf Stunden nach dem Eingriff die Klinik verlassen.

... bei der Kalkschulter

Kalkschulter lässt sich sehr gut minimal-invasiv behandeln. Durch einen kleinen Schnitt in die Sehne wird das Kalkdepot geöffnet, der Kalk aus der Sehne gedrückt und abgesaugt. Sogar Risse in Sehnen können mit dieser Technik genäht werden. Da eine Kalkschulter ihre Ursache häufig in einer Schulterenge hat, wird auch diese während der OP behoben. Dabei wird der entzündete Schleimbeutel entfernt und um mehr Platz zu schaffen, werden Knochenstrukturen des Schulterdaches wenige Millimeter abgetragen.

...bei einer Luxation

Ebenso lassen sich Instabilitäten, die sich durch gezielten Muskelaufbau nicht therapieren lassen, minimal-invasiv behandeln. Dabei kann eine verletzte Kapsel genäht, überdehnte Sehnen der Rotatorenmanschette verkürzt werden, um immer wiederkehrende Ausrenkungen der Schulter zu vermeiden.

Das künstliche Gelenk

Arthrosen in der Schulter werden immer häufiger beobachtet, daher nehmen auch die Operationen für Gelenkersatz in der Schulter stark zu. Gelenkprothesen der Schulter werden aber nicht nur bei fortgeschrittenen Arthrosen notwendig. Ebenso sind nicht heilende Brüche des Oberarmkopfes und das seltenen Krankheitsbild der Humeruskopfnekrose, bei der der Oberarmkopf auf Grund von Durchblutungsstörungen langsam abstirbt, eine Indikation für den Gelenkersatz.

Wie bei jedem anderen Gelenk, besteht auch für die Schulter eine große Auswahl an Prothesentypen, deren Standfestigkeit bei ca. 15 Jahren liegen. Dabei wird nicht immer das gesamte Gelenk erneuert. Ist nur der Gelenkkopf stark geschädigt, wird dieser ersetzt und die Pfanne bleibt erhalten. Ist wiederum nur die Knorpelschicht des Kopfes betroffen, kann mit einer so genannten Cup-Prothese der Gelenkkopf „überkront“ werden. Ein schonendes Verfahren, bei dem wenig Knochen entfernt wird und der Prothesenschaft nicht so tief im Knochen verankert werden muss. Ist auch die Gelenkpfanne betroffen, wird eine künstliche Pfanne in die alte implantiert. Auch hier bleibt der natürliche Knochen größtenteils erhalten.

Eine Besonderheit in der Schulterprothetik ist das sogenannte inverse Gelenk: Lassen sich die Schäden an der Rotatorenmanschette nicht mehr reparieren und besteht bereits eine schwere Arthrose, können Pfanne und Gelenk „vertauscht“ werden. Das heißt: Die Pfanne wird zum Gelenkkopf und der Kopf entsprechend zur Pfanne. Dadurch kann die Instabilität des Schultergelenkes behoben werden.

Stand 2009

Zurück zur Themenübersicht