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Blutkrebs - Hoffnung auf Heilung

Hintergrundinformationen: Leukämie

Blutkrebs ist zwar seltener als Brust- oder Lungenkrebs, aber alljährlich werden etwa neuntausend Menschen in Deutschland mit der Diagnose „Leukämie“ konfrontiert. Drei Viertel von ihnen sind über 60 Jahre alt, doch ebenfalls betroffen sind knapp 600 Kinder unter 15 Jahren.

Leukämie hat viele „Gesichter“

Typisch sind unspezifische Symptome, die eher an eine Grippe denken lassen, aber nicht an eine schwere Krankheit! So ist häufig eine anhaltende Müdigkeit, Blässe, Anämie, Blutungsneigung und auffallende Infektanfälligkeit zu beobachten. Denn die Zusammensetzung im Blut stimmt nicht mehr. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) vermehren sich so stark, dass die übrigen Blutzellen nur noch mangelhaft gebildet werden können. Entstehen diese überschießenden Leukozyten im Knochenmark, spricht man von einer myeloischen Leukämie. Stammen sie aus den lymphatischen Organen, handelt es sich um eine lymphatische Leukämie. Die zweite große Unterscheidung liegt im Verlauf der Krankheit. Entwickelt sich das Krankheitsbild schleichend über Jahre, spricht man von „chronisch“. Tritt die Erkrankung aber plötzlich und massiv auf, so sprechen die Ärzte von einer akuten Leukämie und eine Behandlung muss sofort einsetzen. Bei den chronischen Erkrankungen sind die weißen Zellen relativ ausgereift, bei einem akuten Verlauf dagegen finden sich unreife oder undifferenzierte Zellformen im Blut, weil der Reifungsprozess des Blutes viel früher gestört wird.

Neben diesen vier Grundformen Akute Myeloische (ALL), Akute Lymphatische (ALL), Chronische Myeloische (CML) und Chronische Lymphatische Leukämie (CLL) gibt es weitere seltenere Formen der Leukämie und Vorstufen von Leukämie, wie die so genannten myelodysplastischen Syndrome. Diese müssen aber nicht in eine echte Leukämie übergehen. Eine andere Variante sind die Lymphome, die aus entarteten weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) entstehen. Hauptsymptom eines Lymphoms ist meist die schmerzlose Lymphknotenschwellung. Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und Morbus Hodgkin wiederum gehören zur Gruppe der malignen Lymphome - bösartige Tumore, die ihren Ursprung im lymphatischen Gewebe haben.

Die Ursachen für Leukämie sind noch nicht geklärt. Als Risikofaktoren gelten gehäuftes Vorkommen innerhalb der Familie, der Umgang mit chemischen Substanzen wie dem Lösungsmittel Benzol, Viren (extrem selten) und radioaktive Strahlen. 2007 entdeckten Wissenschaftler erstmals einen Gendefekt, der eine chronisch lymphatische Leukämie (CLL) begünstigt, der häufigsten Leukämie-Form. Dabei handelt es sich um einen Defekt des Gens DAKP1. Das ist ein Apoptose-Faktor, das heißt, er sorgt dafür, dass einzelne Zellen, die sich zu Tumorzellen entwickeln könnten, durch einen programmierten Zelltod eliminiert werden.

Diagnose

Als erstes wird eine Laboruntersuchung durchgeführt und das Blutbild bestimmt. Dabei werden die verschiedenen Blutkörperchenarten gezählt und auf ihren Reifegrad hin begutachtet. Da nicht bei allen Leukämien das Blutbild deutlich verändert ist, und eine solche Veränderung der Zellzahl auch für andere Krankheiten stehen kann, wird außerdem Knochenmark untersucht. Die Entnahme erfolgt bei örtlicher Betäubung per Punktion aus dem Beckenkamm. Bei Verdacht auf eine Akute Lymphatische Leukämie ALL wird zusätzlich eine Rückenmarkpunktion (Lumbalpunktion) durchgeführt, um die Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) zu untersuchen. Denn bei der ALL können sich die Leukämiezellen über die Nervenzellen in Richtung Gehirn ausbreiten.

Behandlungsmöglichkeiten

Chemotherapie: Leukämie gehört zu den Krebsformen, die sich im gesamten Körper ausbreiten. Daher ist die Chemotherapie das Mittel der Wahl, weil es als eine systemische Behandlung den gesamten Körper einbezieht. Mit chemischen Substanzen werden die Krebszellen gehindert sich zu vermehren. Allerdings werden auch die gesunden Zellen durch diese Zytostatika geschädigt, was zu Nebenwirkungen führt wie Infektionsanfälligkeit, Blutarmut, bleibenden Organschäden, Haarausfall und Übelkeit. Heute können Chemotherapien bereits ambulant durchgeführt werden, entweder in Tablettenform oder als Infusion. Sie verlaufen in Zyklen, in denen sich Behandlungsphasen und –pausen abwechseln. Damit kann sich der Körper wieder erholen – insbesondere das gesunde Zellgewebe, das sich schneller regeneriert als Tumorgewebe.

Strahlentherapie: Je nach Krankheitsverlauf wird die Chemotherapie zusätzlich durch eine Strahlentherapie ergänzt. Dies ist häufig bei der ALL der Fall, weil die Leukämiezellen das Gehirn befallen können, wird der Schädels und die obere Halswirbelsäule bestrahlt.

Molekulare Therapie: Sie wird eingesetzt bei CML und ALL, wenn Chemo- oder Interferontherapie (Behandlung mit so genannten Zelhormonen, die Wachstum und die Teilung sowohl von gesunden als auch bösartigen Zellen hemmen) nicht greifen und wenn bei der CML das Philadelphia Chromosom (verkürztes Chromosom 22) nachzuweisen ist. Wirkstoffe wie Imatinib beeinflussen direkt das Enzym „Tyrosinkinase“, das für die Krebszellvermehrung verantwortlich ist und nur von den Leukämiezellen gebildet wird. Allerdings sind bei dem Wirkstoff  Imatinib inzwischen bereits Resistenzen (Unempfindlichkeit des Körpers auf den Wirkstoff) aufgetreten, sodass sich die neuesten Hoffnungen auf das Nachfolgepräparat mit dem Studiennamen AMN107 (Nilotinib) sowie Dasatinib richten. Tatsache ist aber bei der molekularen Therapie, dass keine Heilung erzielt wird, sondern eine Möglichkeit, den Prozess über einen gewissen Zeitraum, der noch nicht bekannt ist, zu stoppen. Nebenwirkungen wurden beobachtet, zum Beispiel Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung, Hautreaktionen, Übelkeit und Störungen im Blutbild.

Antikörpertherapie: Die Antikörpertherapie beruht darauf, dass gentechnisch hergestellte Substanzen (Antikörper) bestimmte Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Tumorzellen erkennen, die vom eigenen Immunsystem nicht wahrgenommen werden. Die Antikörper docken an die Krebszelle an, verursachen eine Zellschädigung und bewirken darüber hinaus, dass die Krebszellen empfindlicher gegenüber Chemotherapien werden. Diese Therapie ist bisher erfolgreich bei ALL und Lymphomen, wie auch dem Plasmozytom - einer Tumorerkrankung, die zu den niedrigmalignen(-bösartigen) Non-Hodgkin-Lymphomen NHL gehört. Der Wirkstoff Rituximab wird entweder als Infusion in Kombination mit einer Chemotherapie oder alleine gegeben. Als Nebenwirkungen werden grippeähnliche Beschwerden genannt.

Stammzelltransplantation: Aus dem Blut können heute die Blutstammzellen gewonnen und auf einen Patienten übertragen werden. Die Blutstammzellen sind die „Urzellen“, aus denen sich alle Blutzellen bilden. Wurden diese Stammzellen bislang aus dem Knochenmark direkt gewonnen, können sie heute aus dem „peripheren“ Blut, d.h. aus der Vene, gefiltert werden (Apharese). Bevor sie an den Patienten weitergegeben werden können, müssen sie über spezielle Laborverfahren aufbereitet werden. Vor der Transplantation wird in der Regel der Patient mit Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung behandelt, um Leukämiezellen zu zerstören und Immunzellen an der Abwehr zu hindern (Aplasie). Eingesetzt wird die Stammzelltransplantation bei Akuter Myeloischer Leukämie (AML), Chronischer Myeloischer Leukämie (CML), Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) , Non-Hodgkin-Lymphome niedriger und hoher Malignität (NHL) , Hodgkin´scher Erkrankung (HD), Plasmozytom (Multiples Myelom - MM) sowie schwerer aplastischer Anämie (SAA).

Schonende „Mini“transplantation: Hier handelt es sich um eine Transplantation von Fremdstammzellen, wobei der Patient vorher nicht mit Chemotherapie und Bestrahlung in eine totale Aplasie geschickt wird (nicht-myeloablative Transplantation – auch Transplantation mit reduzierter Konditionierung genannt). Das heißt: Das körpereigene Immunreaktion des Empfängers auf die Fremdzellen werden durch Medikamente unterdrückt. Die Ärzte vertrauen darauf, dass die Immunzellen des Fremdspenders die Krebszellen des Empfängers erkennen und zerstören. Dieses Verfahren wird zur Zeit bei älteren Leukämiepatienten ab 55 Jahren oder bei Risikopatienten eingesetzt, bei denen konventionelle Methoden nicht geholfen haben. Wenn auch das Verfahren wesentlich schonender für die Patienten ist, verlaufen mögliche Abstoßungsreaktionen genauso schwer wie bei einem herkömmlichen Transplantationsverfahren. Als Nebenwirkungen werden entzündliche Hautprozesse genannt, die auch die Muskulatur erfassen können.

Es werden außerdem zahlreiche andere und auch alternative Heilmethoden angeboten, u.a. die mittlerweile anerkannte Mistel-Therapie.

Stand 2009

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