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Blutkrebs -
Schonende
„Mini“-Transplantation
Die konventionelle
Blutstammzelltransplantation
Wenn
gesunde blutbildende Stammzellen auf einen Patienten übertragen werden, wird von
einer Stammzelltransplantation gesprochen. Diese Stammzellen sind die Vorstufen
für alle Blutzellen des Körpers. Gelingt eine Transplantation, kommt die normale
Blutbildung wieder in Gang und der Patient gilt nach einer gewissen Zeit als
dauerhaft geheilt.
Stammzelltransplantation – der
einzige Weg zur Heilung
Stammzelltransplantationen werden bei Akuter Myeloischer Leukämie (AML),
Chronischer Myeloischer Leukämie (CML), Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) ,
Non-Hodgkin-Lymphome niedriger und hoher Malignität (NHL) , Hodgkin´scher
Erkrankung (HD), Plasmozytom (Multiples Myelom - MM) sowie schwerer aplastischer
Anämie (SAA) durchgeführt.
Vor der
Transplantation wird durch Chemotherapie und hochdosierter Ganzkörperbestrahlung
das gesamte blutbildende System im Knochenmark und möglichst alle Leukämiezellen
zerstört. Entscheidend für den Erfolg einer Transplantation ist eine möglichst
genaue Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane
Leukozyten-Antigene) zwischen Spender und Empfänger.
Bei der
Stammzelltransplantation wird unterschieden zwischen
allogener, verwandter Transplantation
(Spender und Empfänger blutsverwandt - größte Gewebeverträglichkeit unter
Geschwistern, sie beträgt immerhin 25 bis 30 Prozent)
allogener, nicht verwandter Transplantation
(Spender per nationalem oder internationalem Suchregister, in über 70
Prozent erfolgreich) oder
autologer Transplantation
(Patient ist nach Chemotherapie seiner eigener Spender).
Die Vorteile des autologen Verfahrens liegen darin, dass die Blutbildung
schneller wieder in Gang kommt und keine Immunreaktionen zu befürchten sind.
Nachteil dagegen: Es bleibt das Risiko, dass doch einige Leukämiezellen die
Chemotherapie überstanden haben und jetzt wieder übertragen werden können.
Wie funktioniert eine
Transplantation?
Früher
wurde dem Spender in Narkose durch mehrere Punktionen am Beckenkamm etwa ein
Liter Knochenmarkblut entnommen. Heute werden die Stammzellen aus dem venösen
Blut herausgefiltert (Apharese). Die Transplantation erfolgt wie eine
Infusion über die Vene, von dort aussuchen sich die Stammzellen ihren
Weg ins Knochenmark des Empfängers und beginnen damit, neue funktionstüchtige
Blutzellen zu bilden. Die Transplantation selbst ist für den Empfänger mit einem
mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt in speziellen keimfreien Räumen
verbunden. Denn wegen ihres unterdrückten Immunsystems wären die Patienten sonst
jedem Infekt schutzlos ausgeliefert. Besucher, Ärzte- und Pflegepersonal müssen
in dieser Phase Schutzkleidung und Mundschutz anlegen, wenn sie den Raum
betreten. Schnittblumen und Topfpflanzen sind tabu, weil im Wasser oder in der
Erde Pilze oder Bakterien sein könnten. Sorgfältige Körperhygiene sowie Mund-
und Hautpflege sind wichtig, um Bakterien keine Angriffsfläche zu bieten.
Teilweise wird durch Antibiotika einer Infektion durch die eigenen Darmbakterien
vorgebeugt. In extremen Fällen können Patienten nur gekochte Speisen essen,
keine Rohkost oder Salat.
Durch den
Einsatz von hormonähnlichen Wachstumsfaktoren (G-CSF
Granulozyten-wachstumsfaktor) kann heute die Bildung und Ausreifung von
weißen Blutkörperchen, insbesondere den Granulozyten, angeregt werden. Gerade
nach einer stark knochenmarkschädigenden Chemotherapie und der anschließenden
Stammzelltherapie verkürzt G-CSF die Zeit der
Infektionsgefährdung, weil die weißen Blutkörperchen schneller nachgebildet
werden können. In den ersten drei Monaten sind regelmäßige Kontrollen des
Blutbildes und monatlich eine Knochenmarkentnahme notwendig, um das Anwachsen
des Transplantates zu beurteilen.
Neue Wege
in der Stammzelltansplantation:„Mini“-Transplantation – bzw. Transplantation mit
reduzierter Konditionierung
Bei dieser
schonenden Transplantationsweise handelt es immer um ein allogenes Verfahren,
bei dem Spender und Empfänger nicht identisch sind. Dieses Verfahren bietet
älteren Patienten bzw. Patienten, die für die herkömmliche Transplantation nicht
geeignet sind eine neue Chance. Sie wird derzeit im Rahmen von klinischen
Studien durchgeführt, um Langzeiterfahrungen zu sammeln. Weder Chemotherapie
noch Hochdosis-Bestrahlung gehen der Transplantation voraus. Das Immunsystem des
Empfängers wird nur medikamentös unterdrückt. Daher wird auch von einer
nicht-myeloablativen Transplantation gesprochen, beziehungsweise von
einer allogenen Stammzelltransplantation mit reduzierter
Konditionierungsintensität (RIC = Reduced Intensity Conditioning).
Die
gesunden antileukämischen Abwehrzellen des fremden Spenders lösen eine
gewünschte immunologische Reaktion beim Empfänger aus. Sie wird als
Transplantat-gegen-Leukämie-(oder Lymphom oder Myelom) (englisch
graft-versus-leukemia) bezeichnet. Durch diese Abwehr werden die
kranken Leukämiezellen bekämpft.
Gerade für
ältere Betroffene ab 55 Jahren und für Risikopatienten ist dieses relativ junge
Verfahren eine große Chance auf Heilung, da es schonender für sie ist. Ihr
Körper kann eine chemotherapie und Bestrahlung u.U. schlechter verkraften als
ein jüngerer Organismus. Aber: Kommt es zu einer Reaktion der neuen Zellen gegen
die gesunden Organe des Patienten, die auf englisch bekannte „graft versus host
disease“, verläuft diese genauso schwer wie bei einem herkömmlichen
Transplantationsverfahren. Außerdem haben Patienten häufig unter entzündlichen
Hautproblemen zu leiden, die auch auf die Muskulatur übergreifen können.
Stand 2009
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