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Blutkrebs - Schonende „Mini“-Transplantation

Die konventionelle Blutstammzelltransplantation

Wenn gesunde blutbildende Stammzellen auf einen Patienten übertragen werden, wird von einer Stammzelltransplantation gesprochen. Diese Stammzellen sind die Vorstufen für alle Blutzellen des Körpers. Gelingt eine Transplantation, kommt die normale Blutbildung wieder in Gang und der Patient gilt nach einer gewissen Zeit als dauerhaft geheilt.

Stammzelltransplantation – der einzige Weg zur Heilung

Stammzelltransplantationen werden bei Akuter Myeloischer Leukämie (AML), Chronischer Myeloischer Leukämie (CML), Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) , Non-Hodgkin-Lymphome niedriger und hoher Malignität (NHL) , Hodgkin´scher Erkrankung (HD), Plasmozytom (Multiples Myelom - MM) sowie schwerer aplastischer Anämie (SAA) durchgeführt.

Vor der Transplantation wird durch Chemotherapie und hochdosierter Ganzkörperbestrahlung das gesamte blutbildende System im Knochenmark und möglichst alle Leukämiezellen zerstört. Entscheidend für den Erfolg einer Transplantation ist eine möglichst genaue Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (Humane Leukozyten-Antigene) zwischen Spender und Empfänger.

Bei der Stammzelltransplantation wird unterschieden zwischen

Wie funktioniert eine Transplantation?

Früher wurde dem Spender in Narkose durch mehrere Punktionen am Beckenkamm etwa ein Liter Knochenmarkblut entnommen. Heute werden die Stammzellen aus dem venösen Blut herausgefiltert (Apharese). Die Transplantation erfolgt wie eine Infusion über die Vene, von dort aussuchen sich die Stammzellen ihren Weg ins Knochenmark des Empfängers und beginnen damit, neue funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. Die Transplantation selbst ist für den Empfänger mit einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt in speziellen keimfreien Räumen verbunden. Denn wegen ihres unterdrückten Immunsystems wären die Patienten sonst jedem Infekt schutzlos ausgeliefert. Besucher, Ärzte- und Pflegepersonal müssen in dieser Phase Schutzkleidung und Mundschutz anlegen, wenn sie den Raum betreten. Schnittblumen und Topfpflanzen sind tabu, weil im Wasser oder in der Erde Pilze oder Bakterien sein könnten. Sorgfältige Körperhygiene sowie Mund- und Hautpflege sind wichtig, um Bakterien keine Angriffsfläche zu bieten. Teilweise wird durch Antibiotika einer Infektion durch die eigenen Darmbakterien vorgebeugt. In extremen Fällen können Patienten nur gekochte Speisen essen, keine Rohkost oder Salat.

Durch den Einsatz von hormonähnlichen Wachstumsfaktoren (G-CSF Granulozyten-wachstumsfaktor) kann heute die Bildung und Ausreifung von weißen Blutkörperchen, insbesondere den Granulozyten, angeregt werden. Gerade nach einer stark knochenmarkschädigenden Chemotherapie und der anschließenden Stammzelltherapie verkürzt G-CSF die Zeit der Infektionsgefährdung, weil die weißen Blutkörperchen schneller nachgebildet werden können. In den ersten drei Monaten sind regelmäßige Kontrollen des Blutbildes und monatlich eine Knochenmarkentnahme notwendig, um das Anwachsen des Transplantates zu beurteilen.

Neue Wege in der Stammzelltansplantation:„Mini“-Transplantation – bzw. Transplantation mit reduzierter Konditionierung

Bei dieser schonenden Transplantationsweise handelt es immer um ein allogenes Verfahren, bei dem Spender und Empfänger nicht identisch sind. Dieses Verfahren bietet älteren Patienten bzw. Patienten, die für die herkömmliche Transplantation nicht geeignet sind eine neue Chance. Sie wird derzeit im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt, um Langzeiterfahrungen zu sammeln. Weder Chemotherapie noch Hochdosis-Bestrahlung gehen der Transplantation voraus. Das Immunsystem des Empfängers wird nur medikamentös unterdrückt. Daher wird auch von einer nicht-myeloablativen Transplantation gesprochen, beziehungsweise von einer allogenen Stammzelltransplantation mit reduzierter Konditionierungsintensität (RIC = Reduced Intensity Conditioning).

Die gesunden antileukämischen Abwehrzellen des fremden Spenders lösen eine gewünschte immunologische Reaktion beim Empfänger aus. Sie wird als Transplantat-gegen-Leukämie-(oder Lymphom oder Myelom) (englisch graft-versus-leukemia) bezeichnet. Durch diese Abwehr werden die kranken Leukämiezellen bekämpft.

Gerade für ältere Betroffene ab 55 Jahren und für Risikopatienten ist dieses relativ junge Verfahren eine große Chance auf Heilung, da es schonender für sie ist. Ihr Körper kann eine chemotherapie und Bestrahlung u.U. schlechter verkraften als ein jüngerer Organismus. Aber: Kommt es zu einer Reaktion der neuen Zellen gegen die gesunden Organe des Patienten, die auf englisch bekannte „graft versus host disease“, verläuft diese genauso schwer wie bei einem herkömmlichen Transplantationsverfahren. Außerdem haben Patienten häufig unter entzündlichen Hautproblemen zu leiden, die auch auf die Muskulatur übergreifen können.

Stand 2009

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