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Brustkrebs
Brustkrebsvorsorge
Brustkrebs
ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Laut Deutsche Krebshilfe aus dem Jahr
2008 erkranken jedes Jahr rund 57.000 Frauen neu daran. Das mittlere
Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Aber 40 Prozent der betroffenen Frauen
sind jünger als 60 Jahre. Je früher der Brustkrebs festgestellt wird, um so
größer sind die Heilungschancen. Auch wenn sich die Überlebensrate bei
Brustkrebs innerhalb der letzten Jahrzehnte durch verbesserte Therapie- und
Operationsmethoden deutlich gesteigert hat, ist Früherkennung immer noch der
aussichtsreichste Weg für gute Heilungschancen.
Welche
Rolle spielen die Gene?
Nach
heutigem Kenntnisstand beginnt Krebs mit einer Veränderung des Erbmaterials der
Körperzellen. Zwei solcher Gene sind bislang bekannt: BRCA1 und BRCA2, aber es
gibt wahrscheinlich weitere. Die Krebs begünstigende Genveränderung kann vererbt
werden oder im Laufe des Lebens entstehen durch Nikotin, ultraviolette Strahlen,
krebserregende Chemikalien, hormonelle Einflüsse oder Virusinfektionen. Wenn
viele solcher Faktoren zusammentreffen, kann die Genveränderung schließlich zur
Fehlsteuerung des Zellwachstums führen.
Auch das
Lebensalter spielt eine entscheidende Rolle, denn mit zunehmendem Alter werden
Zellen anfälliger und das Erbmaterial instabiler. Daher nimmt die Häufigkeit von
Brustkrebs ab dem 40. Lebensjahr zu.
Früherkennung bei erblicher Belastung
Kommen in der Familie bereits Brustkrebsfälle vor, gelten die Empfehlungen zu
häufigeren Untersuchungen bereits in jüngeren Jahren - auch wenn dies nicht Teil
des gesetzlichen Programms ist. Als Zeitpunkt für
erste Vorsorgeuntersuchungen geben Experten das 25. Lebensjahr an oder
fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie.
Welche
Früherkennungsmethoden gibt es?
Als gute
Früherkennungsmethoden kommen nur solche Untersuchungen infrage, die bei Frauen
ohne besonderes Krebsrisiko oder Beschwerden Tumore mit guter Treffsicherheit
finden. Das bedeutet: Frauen müssen einen hohen Nutzen aus der Untersuchung
ziehen und dürfen zugleich keinem oder nur einem geringen Risiko ausgesetzt
sein. Nach Ansicht von Experten gibt es dafür folgende Methoden, wobei die
Verlässlichkeit und das Risiko unterschiedlich hoch zu bewerten ist:
Ultraschall-Untersuchung (3D-Ultraschall)
Kernspintomographie (Magnetresonanztherapie)
1) Mammograhie
Die Vorteile: Die Mammographie gilt nach wie vor als die verlässlichste Methode
zur Früherkennung bei Brustkrebs. Studien zur Mammographie-Untersuchung werden
seit den 1960er Jahren durchgeführt, deshalb gilt sie als die am besten
erforschte Vorsorgeuntersuchung. Dabei wird die Brust im Stehen zwischen zwei
Kunststoff-Scheiben flach zusammengedrückt und mit Röntgenstrahlen
durchleuchtet. Es werden von jeder Brust zwei Aufnahmen angefertigt, eine von
oben und eine von der Seite. Das Drüsengewebe wird meist auf Filmfolien
abgebildet (Hinweis: bei der so genannten digitalen Mammographie wird das Bild
der Brust im Computer digitalisiert und nicht auf Folie abgebildet.) Verdächtige
Veränderungen im Gewebe oder Kalkablagerungen in den Milchgängen können
dargestellt werden – beides kann, muss aber nicht, auf einen bösartigen Tumor
hinweisen. Entscheidend für die Verlässlichkeit der Untersuchung ist, dass ein
optimal funktionierendes Röntgengerät mit hoher Auflösung eingesetzt wird und
dass ein erfahrender Radiologie die Aufnahmen begutachtet. Empfohlen wird, die
Mammographie in einer radiologischen Spezialpraxis vornehmen zu lassen. Wichtig
ist auch, dass Frauen am Tag der Untersuchung keine Körperlotionen, Deos oder
Puder benutzen, weil kleinste Partikel die Beurteilung der Aufnahme
beeinträchtigen könnten.
Die Nachteile: Weil bei der Mammographie erbgutschädigende Röntgenstrahlen
eingesetzt werden, bleibt ein Risiko, dass durch die Röntgenstrahlen selbst ein
Brustkrebs ausgelöst wird. Experten schätzen dieses Risiko aber als relativ
gering ein.
Generell gilt für die Mammographie: Je dichter das Drüsengewebe ist, umso
schlechter lassen sich Gewebeveränderungen auf dem Röntgenfilm abbilden. Bei
Frauen vor den Wechseljahren ist das Gewebe sehr dicht, deshalb werden häufig
bei Verdacht auf einen Tumor zusätzlich noch andere Untersuchungen wie
Ultraschall oder eine Kernspinuntersuchung angeschlossen, bevor Gewebe entnommen
wird, um Brustkrebs auszuschließen. Bei Frauen über 50 ist das Gewebe weniger
dicht und lässt sich besser darstellen, Tumore können verlässlicher durch eine
Mammographie aufgespürt werden. Studien ergaben, dass bei jüngeren Frauen bei
einer Mammographie viel häufiger falsch positive Befunde erstellt werden als bei
Frauen über 50 Jahren (d.h. es wird fälschlicherweise ein Tumor auf der
Mammographie entdeckt). Zugleich werden Tumore im dichten Drüsengewebe jüngerer
Frauen häufiger übersehen als bei älteren Frauen – der Nutzen dieser
Früherkennungsmethode ist für ältere Frauen also höher als für jüngere Frauen.
Ziel: Mammographie-Reihenuntersuchung (Screening)
Die Röntgenverordnung sieht vor, dass Menschen ohne Beschwerden bzw. ohne
ärztliche Verordnung Röntgenstrahlung nicht ausgesetzt werden dürfen. Es muss
also ein deutlicher Nutzen der Untersuchung im Verhältnis zum Strahlenrisiko
stehen. Deshalb zahlen die gesetzlichen und privaten Kassen eine regelmäßige
Früherkennungs-Mammographie nur Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Bei einem
konkreten Verdacht oder bei familiärer Vorbelastung wird eine Mammographie
natürlich auch bei jüngeren bzw. älteren Frauen gezahlt. Ab 70 Jahren sinkt das
Risiko an Brustkrebs zu sterben laut Erhebungen deutlich.
Seit 2004 wurde in Deutschland ein so genanntes Mammographie-Screening-Programm
in speziellen Zentren aufgebaut, das sich an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren
richtet und kostenlos ist. Dahinter steckt eine qualitätsgesicherte
Reihen-Untersuchung der Brust, die alle zwei Jahre durchgeführt wird (siehe
ausführliches Kapitel unten).
2)
Ultraschall-Untersuchung (3D-Ultraschall)
Ultraschall-Untersuchungen können durch Schallwellen Organe im Körper sichtbar
machen, ohne sie zu schädigen. Damit die Schallwellen den Körper durchdringen
können, wird der Schallkopf bzw. die Brust mit einem durchsichtigen Kontaktgel
bestrichen. Auf einem Monitor wird die Gewebestruktur zweidimensional sichtbar
gemacht. Bei der 3D-Ultraschall-Untersuchung kann die Brust
statt in zwei Dimensionen räumlich dargestellt werden und ermöglicht so eine
genauere Organ-Untersuchung. Wichtig für die Qualität des Ultraschalls ist - wie
bei der Mammographie auch - ein einwandfrei funktionierendes Gerät und hohe
Erfahrung des Diagnostikers bei der Begutachtung eines Befundes.
Experten empfehlen eine Ultraschall-Untersuchung allerdings nicht als
alleinige Vorsorgeuntersuchung, weil genaue Studien fehlen. Ein
Ultraschall kann aber als ergänzende Untersuchung bei einem verdächtigen Befund
in einer Mammographie oder bei Ertasten eines Knotens in der Brust eingesetzt
werden. So kann z.B. zunächst geklärt werden, ob es sich bei einer Verhärtung um
einen Knoten oder eine wassergefüllte Zyste handelt. Manche Ärzte empfehlen
einen Ultraschall als Ergänzung zu einer Vorsorgemammographie, um die Sicherheit
der Diagnose zu erhöhen. Eine Ultraschall-Untersuchung der Brust ist ohne
Beschwerden keine Kassenleistung.
3)
Kernspintomographie (Magnetresonanztherapie, kurz MRT)
Bei einer Kernspintomographie lassen sich mit Hilfe starker Magnetfelder Organe
und Gewebe im Körper sehr genau darstellen. In einzelnen Schichten wird das
untersuchte Körperteil abgebildet. Bei der Untersuchung der Brust wird vorher
ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, damit das Drüsengewebe deutlicher
dargestellt werden kann. Zwar können im Kernspin selbst kleinste Gewebeteile
sehr gut dargestellt werden, aber trotzdem lässt sich nicht jeder
Brustkrebstumor damit entdecken.
Die Untersuchung dauert etwa 20 bis 30 Minuten und erfolgt in Bauchlage. Mit den
bei der Kernspin-Untersuchung eingesetzten Magnetfeldern ist nach bisherigem
Kenntnisstand kein Risiko verbunden. Kernspin ist geeignet bei Brüsten mit
Implantaten, die unter Umständen nicht mammographiert werden
können oder als Ergänzungsuntersuchungen bei Befunden, die
durch andere Untersuchungen nicht zu klären sind, bei einem Restverdacht
nach Entnahme einer Gewebeprobe sowie bei Verdacht auf mehrere
Krebsherde in der Brust vor einer Operation und bei der Nachsorge. Auch dichtes
Drüsengewebe von jüngeren Frauen kann durch eine Kernspinuntersuchung besser
dargestellt werden als mit einer Mammographie. Wie bei allen anderen
bildgebenden Untersuchungsverfahren ist die Erfahrung des Radiologen bei der
Beurteilung des Befundes und die Qualität des Gerätes ausschlaggebend.
Nachteil: Da für eine Kernspinaufnahme Kontrastmittel gespritzt werden müssen,
besteht das Risiko einer allergischen Reaktion. Außerdem gehen Experten davon
aus, dass die Zuverlässigkeit, einen Tumor zu entdecken, bei rund 90 Prozent,
die Rate der „falsch-positiven Befunde“ aber immerhin bei bis zu 20 Prozent
liegt. Als Früherkennungsmethode wird eine Kernspin-Untersuchung nicht von den
Kassen erstattet, weil die Untersuchung sehr aufwändig und teuer ist.
4) Tastuntersuchung
Zu den Vorsorgeuntersuchungen, die von den Krankenkassen allen Frauen ab 30
Jahren gezahlt werden, gehört die jährliche Tastuntersuchung der Brust durch
Arzt oder Ärztin. Die Untersuchung ist risikolos. Dabei wird ein Gebiet
abgetastet, das die Brust und Umgebung zwischen Schlüsselbein, Brustbein und
Achselhöhle einschließt. Gesucht wird nach verdächtigen Knoten und
Gewebeveränderungen. Die Untersuchung beeinflussen kann die Struktur des
Drüsengewebes, das sich im Verlauf des Zyklus verändert. Empfohlen wird die
Untersuchung deshalb in der ersten Zyklushälfte, bzw. bei Hormonbehandlung kurz
nach der Regel. Neuere Studien gehen davon aus, dass erfahrene Fachleute etwa
die Hälfte bis zwei Drittel aller Tumore alleine durch Tasten finden. Allerdings
ist nicht jede Brustveränderung gleich ein Krebs, sondern häufig eine harmlose
Veränderung, es werden also relativ häufig falsch-positive Befunde gestellt.
Deshalb ist die Tastuntersuchung alleine keine verlässliche Methode zur
Brustkrebsfrüherkennung. Trotzdem sollte die Untersuchung wahrgenommen werden
und viele Ärzte empfehlen ihren Patientinnen darüber hinaus die
Selbstuntersuchung der Brust einmal im Monat, denn die meisten Brusttumore
werden von den Frauen selbst durch Abtasten entdeckt. Allerdings wahrscheinlich
weniger durch gezieltes Abtasten, sondern häufiger während der Körperpflege.
Mammographie-Screening
Seit Ende
2007 ist in ganz Deutschland ein flächendeckendes
Brustkrebs-Früherkennungsprogramm durch zweijährlich stattfindende
Reihenuntersuchungen verfügbar, das für alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren
kostenlos ist. In speziellen Zentren mit besonderer Qualitätssicherung werden
Mammographien angefertigt, die von zwei erfahrenen Radiologen getrennt
begutachtet werden. Ziel des Screening-Programms ist es, Tumore möglichst früh
zu entdecken und damit die Heilungs- und Überlebenschancen zu verbessern.
Langfristig soll die Sterblichkeitsrate in der Altersgruppe der 50- bis
69-jährigen gesenkt werden, manche Experten meinen um 30 Prozent.
In
Deutschland werden die Kosten für das Screening von den privaten und
gesetzlichen Kassen übernommen. Anhand der Melderegister werden Frauen ab 50
Jahren schriftlich zum Mammographie-Screening eingeladen. Die Teilnahme ist
freiwillig und der Datenschutz wird von den Organisatoren garantiert. Damit
dieses Screening-Programm durchgeführt werden kann, wurde die Röntgenverordnung
im Jahr 2003 geändert, und zwar im Hinblick auf die Anwendung von
Röntgenstrahlung am Menschen im Rahmen von Reihenuntersuchungen. Voraussetzung
für eine hohe Qualität mit relativ niedriger Strahlenbelastung ist ein optimaler
Standard der Geräte und eine gute Ausbildung der Diagnostiker. Durch regelmäßige
Kontrollen und Schulungen soll dies sichergestellt sein.
Pro und Contra:
Mammographie-Screening
Trotz aller
positiv klingenden Studienergebnisse wird in Fachkreisen seit langem eine
Debatte darüber geführt, wie sinnvoll und wie hoch der Nutzen für die Frauen
wirklich ist. Experten sehen diese Diskussion als noch längst nicht
abgeschlossen und es wird weiterhin dazu weltweit geforscht. Im Mittelpunkt der
Diskussion stehen im wesentlichen die Senkung der Sterblichkeit, Überdiagnosen
sowie falsch-positive Befunde. Nach einer aktuellen Studie des Nordic Cochrane
Center in Kopenhagen aus 2006 (siehe auch Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 44
vom 03.11.2006, Seite A-2918 / B-2541 / C-2445), die die Daten von einer halben
Million Frauen umfasst, kommen die dänischen Forscher zu folgenden Ergebnissen:
·
die These
von Screening-Befürwortern, die Sterblichkeitsrate könnte um bis zu 30 Prozent
gesenkt werden, lässt sich nicht halten. Aber: Offenbar kann die
Sterblichkeitsrate um 15 Prozent gesenkt werden. In Zahlen heißt das: eine von
2.000 gescreenten Frauen profitiert von einer Lebensverlängerung durch die
erfolgreiche Therapie eines frühzeitig entdeckten Tumor.
·
Überdiagnosen durch Screening sind laut der Studie nach wie vor ein Problem,
d.h. dem Nutzen für eine von 2.000 Frauen stehen zehn von 2.000 Frauen
gegenüber, bei denen im Zeitraum von zehn Jahren durch Screening Tumore
diagnostiziert werden, die ohne Früherkennung niemals entdeckt und somit
unnötigerweise behandelt würden. Dabei handelt es sich um so genannte in situ
Karzinome. Bekannt ist, dass einige dieser Tumoren niemals zu einem systemischen
Karzinom fortschreiten, Ärzte können dies im Einzelfall aber nicht vorhersagen.
·
mit einem
falsch-positiven Befund müssen 200 von 2.000 Frauen rechnen. Diese Diagnose
bedeutet für die Betroffenen eine hohe psychische Belastung und eine Reihe von
(teuren) Folgeuntersuchungen.
Aufgrund
ihrer Erhebungen schlagen die Wissenschaftler vor, Gelder nicht in das
Mammographie-Screening, sondern in die Brustkrebstherapien zu investieren.
Stand 2009
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