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Darmkrebs-Früherkennung
Darmkrebs
ist die zweithäufigste Krebsart in den westlichen Industrieländern. Laut
Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland pro Jahr rund 35.000 Menschen neu.
Die Rate der Todesfälle sinkt seit den siebziger Jahren kontinuierlich, dennoch
bleibt es die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Dabei ist die Diagnose
Darmkrebs vermeidbar. Denn Darmkarzinome entwickeln sich fast immer aus Polypen,
die - rechtzeitig entdeckt - problemlos entfernt werden können. Selbst wenn
bereits Krebstumore entstanden sind, die sich noch im Frühstadium befinden, sind
sie heilbar.
Um so
wichtiger ist es, die Krebs-Früherkennungsuntersuchungen der gesetzlichen
Krankenkassen regelmäßig wahrzunehmen. Seit dem Jahr 2002 ist die Darmspiegelung
ab dem 55. Lebensjahr in das gesetzliche Früherkennungsprogramm aufgenommen
worden. Da das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, nach dem 50. Lebensjahr
deutlich ansteigt, können Versicherte ab diesem Zeitpunkt ihren Stuhl einmal
jährlich auf okkultes (nicht sichtbares) Blut mittels Testbriefchen untersuchen
lassen.
Krebserkrankungen des Dick- und
Mastdarms
Spricht man
von Darmkrebs, so ist damit meist ein Krebstumor im Dickdarm (Kolonkarzinom)
oder im Mastdarm (Rektumkarzinom) gemeint, denn Krebserkrankungen des Dünndarms
sind eher selten.
Darmkrebs
entwickelt sich fast ausschließlich aus Schleimhautwucherungen, den so genannten
Polypen oder Adenomen. Diese Polypen sind gutartige finger- oder pilzähnliche
Wucherungen, die in den Darmraum hineinwachsen. Sie können aber auch zu Krebs
entarten. In der Regel dauert es jedoch bis zu zehn Jahre, bis ein solcher Polyp
bösartig wird. Eine Anhäufung von Veränderungen im Erbmaterial, die zu
Mutationen führt, ist dafür verantwortlich. Darmkrebserkrankungen können aber
auch erblich bedingt sein.
Menschen
mit erhöhtem Darmkrebsrisiko sind:
Personen, die an einer langwierigen Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Colitis
ulcerosa, Morbus Crohn) leiden;
Menschen mit Darmpolypen;
Menschen, in deren Familie bereits Darmkrebs aufgetreten ist;
Patienten mit anderen Krebserkrankungen;
Menschen, die fettreich, eiweißreich und ballaststoffarm essen;
Übergewichtige mit Bewegungsmangel;
Nikotinabhängigkeit;
ältere
Menschen.
Ein Darmtumor wächst langsam und
meist unbemerkt
Ein
Dickdarm- oder Mastdarmkarzinom benötigt zum Wachsen einen recht langen
Zeitraum, manchmal sogar Jahrzehnte. Das Gefährliche ist, dass man dies meist
lange Zeit nicht bemerkt. Denn Schmerzen bereitet die Erkrankung in der Regel
erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Es gibt jedoch Warnzeichen, die man
nicht ignorieren sollte: das Auftreten von Blut oder Schleim im Stuhl,
Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, häufiger Durchfall oder Verstopfung können
auf einen Darmtumor zurückzuführen sein. Zudem kann längerandauernde Blässe und
Blutarmut sowie unfreiwilliger Gewichtsverlust und Kräfteverfall auf eine
Krebserkrankung im Darm hinweisen. Treten solche Symptome auf, sind die Ursachen
daher unbedingt mit einem Arzt abzuklären.
Hämoccult-Test
Der
sogenannte Hämoccult-Test (Häm = Blut, occult = verborgen) dient dem Nachweis
von unsichtbarem Blut im Stuhl. Dafür gibt der Arzt dem Patienten drei
Testbriefe mit, auf die dann zu Hause an drei aufeinanderfolgenden Tagen
Stuhlproben aufgetragen werden. Anschließend werden die Proben in einem Labor
oder beim Arzt ausgewertet.
Wird dabei
Blut im Stuhl nachgewiesen, muss dies jedoch nicht gleich die Diagnose Darmkrebs
bedeuten. Oft ist der Blutfund auf andere Ursachen wie Zahnfleischbluten,
Magenschleimhautentzündungen, Hämorrhoiden oder Darmentzündungen zurückzuführen,
die gut behandelt werden können.
Der
Hämoccult-Test erfasst nicht mehr als 30 Prozent eventuell vorhandener
Frühformen von Darmkrebs. Lediglich in einem von zehn Fällen bestätigen auch
weitere Untersuchungen einen bösartigen Tumor. Problem außerdem ist, dass nicht
jedes Karzinom blutet. Letzte Gewissheit gibt daher nur die Darmspiegelung.
Darmspiegelung
Am besten
lassen sich Veränderungen im Darmbereich durch eine Spiegelung des Organs
erkennen. Diese sogenannte Koloskopie ist eine Untersuchung, die ambulant
durchgeführt werden kann. Sie ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
Dabei wird
ein biegsamer Schlauch (Koloskop) vorsichtig über den Darmausgang eingeführt.
Dank winziger Kameras und Lichtquellen kann der Arzt in den gesamten
Dickdarmbereich Einblick nehmen und selbst Krebsvorstufen wie Polypen erkennen.
Ist dies der Fall und weisen die Polypen einen Durchmesser von weniger als fünf
Millimetern auf, können sie mit Hilfe einer Zange oder Elektroschlinge, die
ebenfalls durch den Führungsschlauch des Koloskops eingeführt werden, gleich
entfernt werden. Die Untersuchung wird somit in einem zur Behandlung. Stellt
sich wirklich eine bösartige Veränderung heraus, muss operiert und mit Strahlen-
bzw. Chemotherapie nachbehandelt werden. Wenn bei der Koloskopie keine
Veränderungen der Darmschleimhaut festgestellt wurden, ist die
Wahrscheinlichkeit jedoch gering, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre
ein bösartiger Tumor entwickelt.
Als
Vorbereitung für die Untersuchung ist es notwendig, zwei Tage lang wenig zu
essen und einen Tag vorher nüchtern zu bleiben. Trinken sollte man jedoch viel,
um den Darm zu spülen. Außerdem müssen spezielle Präparate eingenommen werden,
die zur Darmreinigung beitragen. Diese vor der Untersuchung notwendige
Darmentleerung empfinden die Patienten häufig als unangenehm, die Untersuchung
selbst belastet den Körper aber nicht.
Gewebeuntersuchungen
Entdeckt
der Arzt bei der Koloskopie eine Veränderung in der Darmschleimhaut, so kann er
während der Spiegelung sofort mittels einer Zusatzeinrichtung eine Gewebeprobe
(Biopsie) entnehmen. Das Gewebe der Polypen wie auch andere eventuell gefundene
verdächtige Proben werden nach der Entnahme von einem Pathologen auf Krebszellen
untersucht. Diese histologische (feingewebliche) Untersuchung ist die einzige
Methode, mit der Krebs sicher erkannt oder ausgeschlossen werden kann. Alle
anderen Untersuchungen wie beispielsweise das Röntgen können nur Hinweise, aber
keine Beweise bringen.
Bei der
histologischen Untersuchung kann aber nicht nur festgestellt werden, ob
tatsächlich ein Krebstumor vorliegt, sondern auch, um welche Art von Tumor es
sich handelt. Nach bestimmten Merkmalen werden Tumoren in vier Grade von G1 bis
G4 eingeteilt. Tumorzellen von Grad 1 (G1) sind gut ausgereift (differenziert),
sie sind den normalen Zellen vergleichsweise ähnlich. Schlecht differenzierte
oder undifferenzierte Tumoren (G3 und G4) unterscheiden sich dagegen stark von
normalem Gewebe, wachsen besonders schnell und sind aggressiver als G1- und
G2-Tumoren.
Dies ist
von Bedeutung für die Behandlungsplanung, da im Darm auch Krebsarten vorkommen
können, die nicht von der Darmschleimhaut ausgehen und entsprechend anders
behandelt werden müssen. Dazu gehören beispielsweise einige seltenere
Lymphom-Arten. Darmkrebs geht allerdings meist von Drüsenzellen der Schleimhaut
aus.
Stand 2009
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