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Krebs – Krebs ist heilbar
Tendenzen
Wer sich
ein realistisches Bild über die Krankheit „Krebs“ machen will, sollte die -
ansonsten wenig geschätzten - Statistiken zu Rate ziehen.
Denn die
Zahlen des Statistischen Bundesamtes dokumentieren, dass seit Jahren nicht der
Krebs Todesursache Nummer Eins in Deutschland ist, sondern immer noch
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Krebs wird erst an späterer Stelle genannt: bei
Männern mit Prostatakrebs an siebter und bei Frauen mit Brustkrebs an fünfter
Stelle. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen führt laut aktuellem Krebsregister
und Robert-Koch-Institut bei Männern der Prostatakrebs an, bei Frauen ist es der
Brustkrebs. Dann folgen für beide Geschlechter Darm- und Lungenkrebs an zweiter
und dritter Stelle. An vierter Stelle der Neuerkrankungen folgt für Männer
Harnblasen- und schließlich Magenkrebs. Bei Frauen stehen Gebärmutterkörper- und
Eierstockkrebs.
Zugleich
ist die Zahl der Krebsneuerkrankungen insgesamt in den letzten zehn Jahren stark
angestiegen. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken rund 436.000
Menschen pro Jahr in Deutschland neu an Krebs. Laut Experten wird diese Zahl bis
zum Jahr 2030 um 50 Prozent zunehmen. Dies ist in erster Linie darauf
zurückzuführen, dass Krebs vorrangig eine Krankheit des Alters ist und unsere
Gesellschaft immer älter wird. Außerdem spielt eine Rolle, dass verfeinerte
Diagnoseverfahren zu einer frühzeitigeren und häufigeren Entdeckung von
Krebserkrankungen führen.
Ist Krebs heilbar?
Dennoch ist
heute bei der Diagnose Krebs die Aussicht auf Heilung oder Verbesserung der
Lebensqualität um ein Vielfaches höher als noch vor wenigen Jahren. Dazu haben
enorme Fortschritte in Wissenschaft und Medizin wie auch die ergänzende
Behandlung durch die Komplementärmedizin geführt. Auch die ganzheitliche
Betrachtung des Menschen einschließlich Psyche und umfassende
Rehabilitationsmaßnahmen der Betroffenen insgesamt tragen dazu bei.
Die fünf häufigsten Krebsarten
Krebs ist
ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Erkrankungen, bei denen abnormes
Zellwachstum auftritt. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Prognosen
für die jeweiligen Diagnosen. Eine Übersicht über die fünf häufigsten Krebsarten
bei Mann und Frau:
Brustkrebs
Bei Frauen
steht mit 57.230 Fällen der Brustkrebs an erster Stelle der Neuerkrankungen und
stellt somit gut ein Viertel aller Neuerkrankungen pro Jahr. Die Anzahl ist seit
den 1970iger Jahren gestiegen, die Sterberate dagegen gesunken. Beide Tendenzen
werden auf eine genauere Erfassung von Daten, aber auch auf verbesserte
Früherkennungsmethoden und Therapien zurückgeführt. Die Sterberate soll weiter
verringert werden durch ein flächendeckendes
Mammographie-Früherkennungs-Programm der gesetzlichen Krankenkassen. Frauen
zwischen 50 und 69 Jahren können sich kostenlos alle zwei Jahre untersuchen
lassen. Dieses Programm wird zusätzlich zur ärztlichen Tastuntersuchung ab 30
Jahren angeboten, die ebenfalls von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen
wird.
Wie hoch
die Wahrscheinlichkeit für eine Frau ist, an Brustkrebs zu erkranken, ist sehr
unterschiedlich. Ein höheres Risiko gilt als sicher, wenn in der nahen
Verwandtschaft ein Fall aufgetreten ist. Gesunde Lebensweise dagegen senkt das
Risiko zu erkranken. Sicher ist auch: Die besten Heilungschancen bestehen, je
früher der Krebs entdeckt wird.
Prostatakrebs
An erster
Stelle bei Männern steht mit jährlich 58.750 Neudiagnosen der Prostatakrebs.
Seit den 1980iger Jahren werden erheblich mehr Neuerkrankungen gemeldet, was auf
neue Entdeckungsmethoden zurückgeführt wird, wie die Untersuchung des
prostataspezifischen Antigens PSA im Blut. Die Sterberate dagegen ist ungefähr
gleich geblieben. Ursachen und Risikofaktoren sind noch weitgehend unbekannt.
Bei Männern unter 50 Jahren kommt diese Krebsart sehr selten vor. Man geht
derzeit unter anderem von einer genetischen Vorbelastung aus. Rauchen,
Übergewicht und Bewegungsmangel gelten als weitere Risikofaktoren.
Darmkrebs
An zweiter
Stelle der Häufigkeit stehen bei Männern und Frauen Krebserkrankungen des Darms
(Dickdarm, Mastdarm und Anus), jährlich erkranken daran insgesamt 73.000
Menschen. Die Krankheit trifft sie in relativ hohem Alter - Männer im Schnitt
mit 69 Jahren und Frauen mit 75 Jahren. Während die Erkrankungsrate seit den
1970iger Jahren ungefähr gleich geblieben ist, nimmt die Sterberate für beide
Geschlechter stetig ab. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht und
Bewegungsmangel, eine ballaststoffarme und fettreiche Nahrung mit viel rotem
Fleisch, sowie regelmäßiger Alkoholkonsum. Genetische familiäre Vorbelastungen
und chronisch-entzündliche Darmentzündungen erhöhen ebenfalls das Krebsrisiko.
Seit 2002 können gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 54 Jahren jährlich Stuhl
auf Blut untersuchen lassen (Hämoccult) und ab 55 Jahren eine
Früherkennungsdarmspiegelung mit Wiederholung nach zehn Jahren in Anspruch
nehmen. Alternativ kann der Hämoccult-Test ab 56 Jahren alle zwei Jahre
durchgeführt werden. Der Einfluss auf die neue Vorsorgeregelung auf das
Vorkommen von Darmkrebs kann bisher noch nicht beurteilt werden.
Lungenkrebs
An dritter
Stelle der Neuerkrankungen steht der Lungenkrebs mit 33.000 Fällen jährlich
insgesamt, davon 13.200 bei Frauen.
Mit 26 Prozent bei Männern und elf Prozent bei Frauen fällt der Anteil des
Lungenkrebses an allen Krebstodesfällen relativ hoch aus. Bei den Männern wurde
allerdings das höchste Vorkommen in den 1970iger bis 1980iger Jahren
festgestellt, inzwischen sind die Zahlen rückläufig. Wie in anderen
Industrienationen auch steigen sie bei den Frauen dagegen an, was wahrscheinlich
an veränderten Rauchgewohnheiten bei Männern und Frauen liegt. Denn für
Lungenkrebs ist das Hauptrisiko seit langem klar: aktives Rauchen. Allerdings
wird auch dem passiven Rauchen inzwischen ein erhöhtes Risiko beigemessen,
ebenso wie eine regional bedingte Radonbelastung in Wohnhäusern. Ein geringer
Teil der Krankheitsfälle entsteht durch beruflichen Umgang mit belastenden
Materialien wie Asbest, Quarzstäuben, ionisierende Strahlung etc. Synergetische
Effekte von Schadstoffen und Nikotin sind erwiesen. Bisher gibt es aber keine
effektive Früherkennungsmaßnahme gegen Lungenkrebs. Ein hoher Obstverzehr hat
offensichtlich eine schützende Wirkung, kann aber die genannten Risikofaktoren
nicht vollständig ausgleichen.
Harnblasenkrebs
Auch für
Harnblasenkrebs ist in erster Linie das Rauchen verantwortlich.
Jährlich gibt es 28.750 Neuerkrankungen in Deutschland. Diese Krebsart steht bei
Männern an vierter Stelle der Neuerkrankungen und sie sind knapp drei Mal so
häufig betroffen wie Frauen. Auch das Passivrauchen erhöht hier das Risiko.
Außerdem werden bestimmte Chemikalien, vor allem zur Gummi-, Textil- und
Lederverarbeitung, verantwortlich gemacht. Inzwischen sind diese Risiken durch
Schutzbestimmungen aber minimiert worden. Die Krankheitsraten sind in den
1990iger Jahren noch stetig angestiegen. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist
aber eine Trendwende sowohl bei den Neuerkrankungen als auch bei den
Todesfällen, besonders bei den Männern, festzustellen.
Magenkrebs
Die
Diagnose Magenkrebs wird in Deutschland jährlich etwa 18.800
Mal neu gestellt. Mit mehr als 11.000 Fällen steht er bei den Männern somit an
Platz fünf der Neuerkrankungen, für Frauen auf Platz sieben. Seit über 30 Jahren
ist – wie auch in anderen Industrienationen – ein stetiger Rückgang sowohl an
Neuerkrankungen als auch an Sterbefällen zu verzeichnen. Als Ursache für diese
Krebsart gelten in erster Linie Ernährungsgewohnheiten: stark gesalzene,
gepökelte und geräucherte Speisen, zu wenig Obst und Gemüse, Nikotingenuss und
zu viel Alkohol – all das führt zu Schleimhautveränderungen, Entzündungen und
Magengeschwüren. Eine bakterielle Infektion mit Helicobacter pylori kann
ebenfalls das Risiko erhöhen.
Krebs der Gebärmutter und der
Eierstöcke
Bei den
Frauen dagegen steht an vierter Stelle der Gebärmutterkörperkrebs mit jährlich
11.700 Neuerkrankungen. Insgesamt sind die Zahlen der Erkrankungsfälle und
besonders der Sterberate in den letzten zehn Jahren gesunken. Als Risikofaktoren
gelten vor allem langjährige hormonelle Einflüsse: zum einen durch körpereigenes
Östrogen bei Übergewicht und Kinderlosigkeit, oder durch eine frühe Menarche
(erste Periode) und späte Menopause sowie langen Zyklen ohne Eisprung. Die
„Pille“ als Kombinationspräparat zur Verhütung verringert zwar offenbar das
Risiko eines Gebärmutterhalskrebses, erhöht aber geringfügig das
Brustkrebsrisiko. Hormonelle Einflüsse stehen wahrscheinlich ebenfalls im
Zusammenhang mit dem Eierstockkrebs. Mit 6.200 Neuerkrankungen jährlich steht
diese Krebsart an elfter Stelle bei Frauen in Deutschland. Die Zahl der
Neuerkrankungen ist ungefähr gleich bleibend, die Sterberate hat seit den
1980iger Jahren allerdings deutlich abgenommen. Neben den Risiken und Ursachen,
die denen für Gebärmutterhalskrebs ähneln, vermuten Wissenschaftler hier auch
eine genetische Prädisposition bei Verwandten ersten Grades, die an Brust- oder
Eierstockkrebs erkrankt sind. Infektionen mit Humanen Papilloma Viren (HPV),
Chlamydien und Herpes-simplex-Viren gelten als mögliche Wegbereiter für eine
spätere Krebserkrankung des Gebärmutterhalses. Ungeschützter Geschlechtsverkehr
mit häufig wechselnden Partner gilt daher ebenfalls als Risikofaktor. Gegen eine
Infektion mit HPV ist inzwischen eine Impfung möglich (s. „Bedeutung von
Vorsorge und Impfung“). Außerdem sind Frauen, die bereits an Brust-,
Gebärmutterkörper- oder Darmkrebs leiden, offenbar stärker gefährdet. Rauchen
und Passivrauchen sowie ein schlechter Ernährungszustand können mitauslösende
Faktoren sein.
Entwicklungen in der modernen
Krebstherapie
Die
Therapie der Krebserkrankungen ruht auf drei Säulen. Zum einen die Chirurgie, um
den Tumor zu entfernen, zum zweiten die Strahlentherapie und als drittes
Medikamente bzw. Chemotherapie. Nur bei wenigen Krebsarten wie der Chronisch
Myeloischen Leukämie oder dem Non-Hodgkin-Symptom wird ausschließlich mit
Medikamenten therapiert.
Gerade weil
die Chirurgie einen großen Anteil zur Heilung beiträgt, sind
auch die Fortschritte auf diesem Gebiet ein enormer Gewinn für die Patienten.
Denn die OP-Verfahren sind heute wesentlich schonender, zielgerichteter und
verfeinerter. Häufig kann minimal-invasiv operiert werden, wodurch keine großen
Schnitte und lange Heilprozesse mehr notwendig sind. Auch die Narkosen sind
wesentlich verträglicher. Insgesamt sind die Eingriffe insgesamt daher weniger
traumatisierend. Auch in der Strahlentherapie gibt es
Fortschritte. Denn heute werden Tumore präziser getroffen. Daher können höher
konzentrierte Strahlungen genauer platziert werden, ohne umliegendes gesundes
Gewebe zu schädigen. Das ist gerade bei Augen- oder Hirntumoren sehr wichtig.
Aber auch bei Prostatakarzinomen kann diese Präzision den Unterschied zwischen
Kontinenz und Inkontinenz bedeuten, weil man Harnröhre und Blase von der
Bestrahlung aussparen kann.Auch die neuen
Medikamente
sind heute zielgerichteter. Mit Antikörpern werden Tumorzellen
regelrecht ausgehungert. Bei Brustkrebs zum Beispiel gilt die Einführung des
Präparates Trastuzumab (Herzeptin®) als ein viel versprechender Ansatz. Bei
Frauen, auf deren Tumor sich ein entsprechender Rezeptor befindet – und das sind
immerhin 25 Prozent – kann dieses Medikament erfolgreich zusätzlich zur
Standardtherapie eingesetzt werden.
Therapie als individuelles Bündel
von Maßnahmen
Die
Komplementärmedizin in Form von pflanzlichen Präparaten oder
Hyperthermie-Behandlungen liefert Experten zufolge für die Überlebensraten
keinen unmittelbaren Beitrag. Es gibt keine belegte Wirksamkeit, auch ihre
Nebenwirkungen und Risiken sind in Studien nicht evaluiert. Trotzdem kann eine
Unterstützung in alternativer Form im Einzelfall von großer Wichtigkeit sein.
Die psychologische Betreuung der Patienten dagegen ist nachweislich effektiv.
Psycho-Onkologie beeinflusst Lebensqualität, wirkt allerdings auch nicht direkt
lebensverlängernd. Angepasste sportliche Aktivitäten werden als grundsätzlich
positiv für die Lebensqualität der Betroffenen eingeschätzt. Über einen direkten
Einfluss auf den Verlauf der Krankheit gibt es aber noch keine ausreichenden
Daten. Aber körperliche Aktivität bietet umgekehrt bereits einen gewissen
Schutzeffekt zusammen mit einem entsprechenden Lebensstil, sodass Menschen
insgesamt weniger „anfällig“ sind. Hier befindet man sich noch auf
„wissenschaftlich dünnem Eis“ und will keine falschen Hoffnungen wecken.
Bedeutung von Vorsorge und Impfung
Neben der
Therapie spielt für das Steigen der Überlebensraten bei Krebs insgesamt aber
auch die Früherkennung eine bedeutende Rolle, zumindest bei Brust-, Darm- und
Gebärmutterhalskrebs. Bei Prostata ist die Früherkennung noch umstritten, weil
es schwierig ist, aggressive Tumore von weniger aggressiven zu unterscheiden.
Und gerade im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs verzeichnet die Krebsmedizin
ihren zur Zeit größten Fortschritt. Denn eine Impfung gegen die auslösenden
Humanen Papilloma-Viren (HPV), die durch ungeschützten Geschlechtsverkehr
übertragen werden, ist inzwischen
möglich. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese
Impfung für Mädchen bis zum 18. Lebensjahr, möglichst noch vor dem ersten
Geschlechtsverkehr.
Nach so
vielen Zahlen eine ermutigende Nachricht am Schluss: Mediziner und
Wissenschaftler sprechen heute davon, dass mehr als die Hälfte aller Patienten,
die die Diagnose Krebs erfahren müssen, geheilt werden kann!
Stand 2009
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