|
|
Zurück zur Themenübersicht |
Malaria
Vorsicht vor unangenehmen
Urlaubsmitbringseln
Tropische
und subtropische Gebiete sind beliebte Urlaubziele der Bundesdeutschen. Oft sind
diese nicht lange geplant, sondern entscheiden sie sich spontan für
verführerische „Last Minute“ Angebote. Doch das birgt Gefahren. Da für eine
ausreichende Prophylaxe häufig die Zeit oder Lust besteht, bringen nach
offiziellen Angaben jährlich gut 1000 Menschen ein unangenehmes Souvenir von
ihrer Fernreise mit: die Malaria. Gezählt sind aber nicht die Fälle, die schon
im Gastland an der Malaria erkranken und darum lässt sich diese Zahl problemlos
verdoppeln.
Nachtaktiv und gefährlich: die
Anophelesmücke
Malaria ist
nach der Tuberkulose die zweithäufigste Erkrankung weltweit. Laut WHO erkranken
jährlich 300 bis 500 Millionen Menschen, mehr als zwei Millionen sterben an der
Infektion. Betroffen sind insbesondere die Einwohner der Malariagebiete, die
sich auf über 90 Länder verteilen. Bis heute gibt es keinen Impfstoff gegen
Malaria, sehr wohl aber Medikamente und allgemeine Schutzmaßnahmen, die einer
Infektion vorbeugen können. Wer aber an Fieber erkrankt, ob im Urlaubsland oder
nach seiner Rückkehr – sogar bis zu einem Jahr danach - muss an Malaria denken.
Zum Glück ist Malaria heilbar, sie muss nur rechtzeitig erkannt und behandelt
werden.
Was ist Malaria?
Malaria ist
eine Infektionskrankheit, deren Erreger, sogenannte Plasmodien, durch den Stich
der Anophelesmücke übertragen werden. In der Blutbahn des Menschen angelangt,
wandern die einzelligen Parasiten zunächst in die menschliche Leberzellen, wo
sie sich weiterentwickeln und vermehren. Nach einer Verweildauer von mindestens
sechs Tagen (zum Teil kann diese Ruhezeit in den Leberzellen aber auch mehrere
Monate bis zum einem Jahr dauern) werden die Parasiten erneut ins Blut
freigesetzt, dringen in rote Blutkörperchen (Erytrozyten) ein. Bei der schweren
Form, der M. tropica zerstören sie die Zellwandstruktur der Erytrozyten derart,
dass sie verklumpen und in den kleinsten Blutgefäße, den Kapillaren, festsetzen.
Dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Gewebes stark behindert bzw.
unterbrochen. Die typischen Symptome der Malaria - hohes Fieber begleitet von
Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen - machen sich erst bemerkbar, wenn die
Plasmodien ihre Ruhezeit in den Leberzellen beendet haben und zum Angriff auf
die roten Blutkörperchen übergegangen sind.
Malariatypen und ihre Erreger
Es gibt
insgesamt vier Parasitenarten – Plasmodien, die - von Mücke zu Mensch übertragen
- zu drei unterschiedlichen Malariaformen führen können. Die gefährlichste ist
die so genannte Malaria tropica, verursacht durch den Parasiten
Plasmodium falciparum. Unbehandelt kann sie innerhalb von Stunden tödlich
verlaufen. Malaria tertiana und Malaria quartana
werden durch die Plasmodium vivax, Plasmodium ovale oder Plasmodium malariae
ausgelöst, sind aber selten lebensgefährlich. Sie können unter Umständen sogar
noch viele Monate nach der Infektion Krankheitssymptome verursachen.
Typische Symptome
Malaria tropica: Nach einer Inkubationszeit von
einer Woche bis 15 Tagen kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Glieder- und
Kopfschmerzen. Die Fieberschübe sind im Vergleich zu den beiden anderen
Malariatypen nicht rhythmisch. Auch können Durchfall, Erbrechen, Husten und
blutiger Urin auftreten. Durch die Zerstörung der roten Blutkörperchen kommt es
zur Anämie. Weil Sauerstoff im Körper fehlt, treten Müdigkeit und Atemnot auf.
Besonders gefährlich wird es, wenn die roten Blutkörperchen die Kapillaren
verstopfen und die Blutversorgung lebenswichtiger Organe unterbrechen.
Kreislaufschock, Lungenodem und Nierenversagen können die Folge sein. Ist das
Gehirn betroffen, kommt es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma und Tod.
Malaria tertiana: Sie hat zumeist eine
Inkubationszeit von neun bis 20 Tagen, kann aber auch noch Wochen oder Monate
nach der Infektion ausbrechen. Sie beginnt mit Kopf- und Gliederschmerzen sowie
Übelkeit und Schüttelfrost. Hinzu kommt hohes Fieber, welches rhythmisch
auftritt, mit einem zweitägigen fieberfreien Intervall. Daher auch der Name
Malaria tertiana: das Fieber tritt jeden dritten Tag erneut auf. Der Verlauf ist
meist gutartig.
Malaria quartana ist die mildeste der drei
Malariaformen. Mit 15 bis 24 Tagen hat sie die längste Inkubationszeit, kann
aber ebenfalls wie die Malaria tertiana noch Monate nach der Infektion
ausbrechen. Auch die Symptome sind ähnlich. Lediglich der Fieberrhythmus ist
etwas langsamer, er enthält bis zu drei fieberfreie Tage.
Infektionsrisiken
Überträger
der Malariaerreger sind ausschließlich die weiblichen Stechmücken der
Anophelesart, die in der Nähe von Feuchtgebieten und stehenden Gewässern der
Tropen und Subtropen leben. Sie sind vor allem in der Dämmerung und in den
Nachtstunden aktiv. Wird ein Mensch von einer Mücke, die Plasmodien in sich
trägt, gestochen, so gelangen die Erreger über den Speichel der Mücke in die
Blutbahn. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich und auch eine
Infektion über Bluttransfusionen und Injektionsnadeln ist – vor allem in
Deutschland - eher unwahrscheinlich. Die Gefahr einer Infektion in einem
Malariagebiet hängt generell von zwei Faktoren ab. Zum einen ist das
Ansteckungsrisiko umso größer, je mehr Mücken dieses Gebietes mit Plasmodien
durchseucht sind. Zum anderen steigt das Infektionsrisiko mit jedem Mückenstich
und ist damit letztlich auch abhängig von der Menge der Anophelesmücken vor Ort.
Diese kann je nach Jahreszeit erheblich variieren. Gegen Ende der Regenzeit
vermehren sich die Mücken meist explosionsartig, da sie überall kleine Tümpel
finden, in denen sie ihre Eier ablegen können. In der Trockenzeit und auch in
höheren Lagen kommen die Mücken seltener vor.
Verbreitungsgebiete der Malaria
Malariagebiete sind vornehmlich warme und feuchte Gebiete wie etwa die
Regenwälder. In über 90 Ländern der Welt sind hier die Anophelesmücken mit
Plasmodien durchseucht. Vor allem in den Ländern Afrikas südlich der Sahara bis
zum Norden Südafrikas ist die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch. Weiterhin
zählen große Teile Asiens sowie auch einige Teile Südamerikas zu den gefährdeten
Gebieten.
Die Anzahl der Malariainfektionen hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen.
Besonders in Afrika und Asien wurden mehr Malariafälle verzeichnet. Grund
hierfür sind die Anpassungsfähigkeit der Anophelesmücken auf
Umweltveränderungen, die zunehmende Resistenz der Malariaerreger gegen die
vorhandenen Medikamente und nicht zuletzt auch die zunehmende Anzahl von
Fernreisen. Hinzu kommt, dass viele Touristen Schutzmaßnahmen ignorieren oder
die Prophylaxe nicht regelmäßig und ausreichend lange einnehmen. Selten tritt
auch die so genannte Flughafen-Malaria auf: Infizierte Mücken werden im Flugzeug
nach Europa mitgebracht und können am Flughafen Menschen stechen und infizieren.
Medikamentöser Schutz:
Chemoprophylaxe
Bislang
gibt es zwar noch keinen Impfstoff gegen Malaria, wohl aber so genannte
Chemoprophylaxen, die in Form von Medikamenten schützen. Eine hundertprozentige
Sicherheit können aber auch diese Medikamente nicht bieten, da immer häufiger
Resistenzen der Plasmodien gegen die verwendeten Wirkstoffe auftreten (die
Erreger werden dann nicht vollständig vernichtet). Zusätzlich handelt es sich um
Medikamente, die alle nicht frei von Nebenwirkungen sind, weshalb die Überlegung
zur Malariaprophylaxe stets abhängig vom Risiko kalkuliert werden sollte. In
Hochrisikogebieten ist die Einnahme aber immer sinnvoll. Denn wer etwa mit einem
lediglich teilresistenten Erreger infiziert wird, kann zumindest hoffen, dass
das Medikament einen bedrohlichen Krankheitsverlauf verhindert. Für
Hochrisikogebiete wird grundsätzlich eine Prophylaxe empfohlen: im tropischen
Afrika, in einigen Regionen Süd- und Südost-Asiens, in einzelnen Provinzen des
Amazonasgebietes sowie im nördlichen Indien. In Gebieten mit geringem
Malariarisiko wird zumeist vorgeschlagen, ein Malariamedikament als
Notfall-Behandlungsreserve (Stand-by) mitzuführen. Dieses kann bei einer
malariaverdächtigen Erkrankung eingenommen werden, wenn keine Möglichkeit
besteht, innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufzusuchen. Reisemediziner oder
spezialisierte Apotheken geben Auskunft, welcher Schutz in welchem Falle ratsam
ist und welches Prophylaxemedikament aufgrund von Resistenzen zum Einsatz kommen
sollte. Meist wird mit der Einnahme des Medikaments schon zwei bis drei Wochen
vor Reisebeginn begonnen, und während des Aufenthalts in dem Malariagebiet
weiter eingenommen. Wichtig ist, dass das Antimalariamittel auch noch nach der
Rückkehr konsequent eingenommen wird.
Relativ neu
ist der Einsatz des Wirkstoffes Doxycylin, einem Antibiotikum, das auch auf
Malariaparasiten wirkt. Weltweit wird es bereits mit Erfolg als Prophylaxemittel
gegeben, in Deutschland sind Doxycylin-Präparate jedoch noch nicht zur
Malariaprophylaxe zugelassen. Resistenzen gegen das Medikament sind nicht
bekannt, problematisch sind jedoch die Nebenwirkungen, da Antibiotika die
körpereigene Darmflora beeinträchtigen und unter starker Sonnenbestrahlung
phototoxische Hautreaktionen hervorrufen können.
Maßnahmen zum Schutz gegen
Mückenstiche
Auch eine
konsequente Mückenabwehr verringert das Risiko, sich mit Malaria zu infizieren.
Da die meisten Mücken der Gattung Anopheles erst in den Abend- und Nachtstunden
aktiv werden, sollte in Risikogebieten noch vor Dämmerungsanbruch schützende
Kleidung angelegt werden. Mit langen Hosen, langen Ärmeln, dicken Socken oder
gar einem Moskitohut werden den Mücken begehrte Angriffsflächen genommen. Der
Schutz wird verbessert, wenn die Kleidung zusätzlich mit einem Insektizid
besprüht wird. Zudem sollten freiliegende Hautbereiche mit mückenabwehrenden
Mitteln (Repellents) eingecremt werden. Nachts schützen Moskitonetze vor den
kleinen Plagegeistern.
Die Diagnose erfolgt durch einen
Bluttest
Da Malaria
auch noch lange Zeit nach der Infektion durch die Mücke ausbrechen kann, sollte
jedes Fieber, das bis zu einem Jahr nach einem Besuch in einem Malariagebiet
auftritt, immer auf Malaria hin untersucht werden. Bei entsprechenden
Krankheitssymptomen sollte auf jeden Fall sofort möglichst ein Reise- oder
Tropenmediziner, aufgesucht werden, auch wenn Chemoprophylaxe eingenommen wurde.
Die
einfachste Diagnose der Malaria ist der Nachweis der Plasmodien im Blut. Dafür
entnimmt der Arzt einen Tropfen Blut, den so genannte „Dicken Tropfen“, aus dem
Finger, und untersucht das Blut anschließend unter dem Mikroskop auf die Erreger
hin. Ein positiver Befund beweist das Vorliegen einer Malariaerkrankung. Dennoch
kann bei einem negativen Ergebnis die Malaria nicht sofort ausgeschlossen
werden, da gerade zu Beginn der Symptome die Plasmodiendichte noch sehr gering
sein kann. Der Test sollte daher sicherheitshalber an den Folgetagen noch ein-
oder zweimal wiederholt werden. Wird Malaria in Deutschland diagnostiziert,
unterliegt die Krankheit laut Infektionsschutzgesetz der Meldepflicht.
Serologische Untersuchungsmethoden sind für die Akutdiagnostik eher ungeeignet,
da zu Beginn der Malaria die Serologie immer negativ ist. Ist der Befund
positiv, kann dies auch auf einen zurückliegenden Kontakt mit Malaria-Erregern
hinweisen.
Stand 2009
|
|
Zurück zur Themenübersicht |