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Zecken und Co: Vampire aus dem Unterholz
Tipps und Tricks zum richtigen
Umgang mit Zecken
Wer kennt
sie nicht? - Die schwarzen blutsaugenden Quälgeister, die aus dem Unterholz
krabbeln, sobald die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen auch die Menschen ins
Freie locken. Doch wer sich an ein paar Grundregeln hält, wird sich auch in
Zukunft im Freien aufhalten können, ohne die Gesundheit durch einen Zeckenstich
zu riskieren.
FSME
(Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und Borreliose sind gefährliche Krankheiten,
die Zecken übertragen können. FSME, eine Virus-Erkrankung, tritt in bestimmten
Risikogebieten auf, dazu gehören Bayern, Baden-Württemberg, Teile von Hessen,
Thüringen und Rheinland-Pfalz (aktuelle FSME-Risikogebiete erfahren Sie über das
Robert-Koch-Istitut www.rki.de). Außerdem ist
das FSME-Virus in Zentral-, Nord- und Osteuropa, einigen Gebieten der ehemaligen
Sowjetunion wie Lettland, Estland und Litauen sowie in China verbreitet. FSME
ist nicht behandelbar und kann in seltenen Fällen das gesamte Gehirn und
Rückenmark befallen und neurologische Schänden hinterlassen. Für Jogger, Angler,
Camper und Jäger, die sich häufig im Wald und in der freien Natur in den
entsprechenden Risikogebieten aufhalten, sollte eine Schutzimpfung gegen FSME
selbstverständlich sein.
Gegen
Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die durch so genannte Borrelien
übertragen wird, gibt es keinen besseren Schutz als Aufmerksamkeit und ein paar
Grundkenntnisse über die Vorlieben der kleinen Parasiten. Mit Antibiotika kann
Borreliose gut behandelt werden. Zecken sind zwar sehr robust, aber sie fühlen
sich dort wohl, wo es warm und feucht ist: in dichtem Gestrüpp, im Wald in
feuchten Laubschichten und in der Nähe von Gewässern. Über eine Höhe von
anderthalb Meter wagen sie sich nicht hinaus. Sie fallen also nicht von Bäumen
auf Wanderer herab, sondern lassen sich von Ästen und Gräsern im Vorbeigehen
abstreifen. Ihr Garten wird zur zeckenarmen Zone, wenn Sie im Frühjahr die Beete
von Laubschichten befreien und Büsche und Hecken auslichten. Denn wo die Sonne
hinscheint, finden Zecken keinen Unterschlupf mehr, der ihnen behagt.
Vorsicht
vor der Auwaldzecke
Auf Grund
der relativ warmen Winter ist in Deutschland mittlerweile die Auwaldzecke auf
dem Vormarsch, die etwas größer ist als der heimische Holzbock. Vor allem auf
Hunde überträgt sie die Erreger der malariaähnlichen Krankheit Babesiose, die
die roten Blutkörperchen zerstört. Menschen können sich bei einem Biss mit so
genannten Rickettsien-Bakterien und damit dem Fleckfieber infizieren, das in bis
zu 20 Prozent der unbehandelten Fälle tödlich verläuft. Die Auwaldzecke ist
relativ aggressiv, das heißt sie geht aktiv auf Beutesuche. Sie kommt
ursprünglich aus Südpolen, Österreich und Norditalien.
Gut gerüstet ist der beste Schutz
Wenn Sie
sich auf Wanderschaft ins Grüne begeben, stellen Sie modischen Schick in den
Hintergrund. Lange Ärmel und Hosen, deren Beine Sie am besten auch noch in die
Strümpfe stecken, erschweren den lauernden Vampiren die Eroberung. Außerdem sind
helle Stoffe sinnvoll, denn dann erkennen Sie schnell, ob eine Zecke auf dem Weg
zur nackten Haut ist. Verwenden Sie ein Insektenschutzmittel, das etwa alle vier
Stunden neu aufgetragen werden sollte, um wirksam zu bleiben. „Zanzarin Bio
Hautschutz", "Nexa Lotte natur Hautmilch-Schutz" und "Autan Active Lotion" sind
laut Stiftung Warentest aus dem Jahr 2001 recht zuverlässige Repellentien.
Verlassen Sie sich aber nicht darauf, dass Zecken nun überhaupt keinen Geschmack
mehr an Ihnen finden werden! Nach dem Ausflug ins Grüne sollten Sie sich selbst
sowie Kind und Kegel, inklusive des vierbeinigen Begleiters, gründlich
abzusuchen. Ein Voll- oder Duschbad reicht nicht aus, um mögliche Angreifer zu
vertreiben. Wer die Möglichkeit hat, steckt die gesamte Kleidung in einen
Trockner, denn die trockene Hitze überleben auch versteckte Zecken nicht. Am
Körper nisten sich die Plagegeister bevorzugt in feucht-warme und gut
durchblutete Winkel wie Kniekehlen, Leisten, Achseln und Haaransatz ein, wo sie
am schnellsten ihr Lebenselixier erreichen können.
Die Vierbeiner nicht vergessen
Hund und
Katze sind als Blutlieferanten bei Zecken genauso beliebt wie Menschen. Zudem
können sie ihnen noch als Transportmittel zum Menschen dienen. Daher ist eine
gute Prophylaxe wichtig. Die so genannten Spot-on-Produkte, bei denen die Lösung
in das Genick der Tiere geträufelt wird, können auf Grund ihrer aggressiven
Inhaltsstoffe problematisch sein. Gerade wenn Kinder im Haus sind, die mit ihren
vierbeinigen Freunden spielen, sollten Sie „chemische Keulen“ vermeiden.
Organisationen wie die Stiftung Warentest oder Öko-Test geben Hinweise, welche
Produkte – ob Halsband oder Lösungen - für Tier und Mensch am verträglichsten
und doch wirksam sind.
Keine Panik nach einem Stich!
Was also
tun, wenn sich tatsächlich eine Zecke festgebissen hat? Vergessen Sie all die
Hausrezepte, die Ihnen empfehlen Öl, Creme oder Klebstoff auf die Zecke zu
träufeln. Damit wird sie nur in Panik versetzt und spätestens jetzt in
Todesangst den gesamten Darminhalt samt Krankheitserregern auf sein Opfer
übertragen. Zecken haben kein Gewinde wie eine Schraube, deshalb kann sie auch
nicht aus der Bissstelle herausgedreht werden. Sinnvoller ist es, den Parasiten
durch leichtes Rütteln zu lockern. Denn der Stechapparat der Zecke sitzt mit
Widerhaken in der Haut des Opfers. Und vor allem: Die Zecke muss möglichst rasch
und ohne sie zu zerquetschen entfernt werden. Ideal ist es, sie mit einem
Kältespray in eine Art Winterschlaf zu schicken, bevor es los geht. Am besten
funktioniert das Entfernen mit einer speziellen Zeckenpinzette, die in Apotheken
erhältlich ist. Damit kann die Zecke direkt über der Stichstelle gepackt,
gelockert und herausgezogen werden. Ähnlich funktioniert eine Zeckenschlinge,
ein kugelschreibergroßes Instrument. Ist dies alles nicht zur Hand, lässt sich
aus Nähgarn oder Zahnseide eine Schlinge binden, mit der die Zecke vorsichtig
herausgezogen werden kann. Im Gegensatz zu FSME-Viren werden Borrelien erst nach
rund zwölf bis 24 Stunden auf das Opfer übertragen.
Wohin mit dem „Corpus delicti“?
Das „Corpus
delicti“ sollte nach einer gelungenen Operation nicht einfach weggeworfen
werden. Denn in der nächsten Zeit wird sich entscheiden, ob Sie sich infiziert
haben oder nicht. Im Zweifelsfall kann auch die Zecke selbst – tot oder lebendig
- untersucht werden. Mit dem PCR (Polymerase-Kettenreaktion)-Test kann innerhalb
von einigen Stunden festgestellt werden, ob die Zecke Überträger von Borrelien
oder FSME-Viren ist. Sollte der Test positiv sein, ist gegen Borreliose eine
Antibiotikum-Prophylaxe zu überlegen. Fällt er negativ aus, ist die
Borreliosegefahr gering, aber nicht ausgeschlossen. Bei FSME kann auch noch nach
dem Stich mit einer Schutzimpfung begonnen werden. Der Test wird nicht von den
gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und kostet mindestens 35 bis 45 Euro.
Wie auch
immer der Befund ausfällt, in den kommenden Wochen sollten Sie die
Einstichstelle im Auge behalten und den Zeitpunkt des Stiches genau
dokumentieren. Zeigen sich dort oder an anderen Stellen am Körper gerötete
Schwellungen oder treten grippeähnliche Symptome auf, sollten Sie sofort Ihren
Arzt informieren. Dann könnten Sie sich mit FSME oder Borreliose infiziert
haben.
Stand 2009
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