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Zecken und Co: Vampire aus dem Unterholz - Borreliose
Durch
heimische Zecken können zwei gefährliche Krankheiten übertragen werden: Die
Viruskrankheit FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis), vor der eine Impfung
schützt und die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung , die mit Antibiotika
behandelt werden kann, wenn sie früh genug festgestellt wird. Entdeckt wurde die
Erkrankung in dem Städtchen Lyme im US-Staat Connecticut in den siebziger
Jahren. Sie wird im Englischen deshalb auch als Lyme-Disease (sprich: Leim)
bezeichnet.
Borreliose gibt es in ganz
Deutschland
Während die
FSME hauptsächlich in bestimmten Risikogebieten übertragen wird, ist die
Borreliose in ganz Deutschland verbreitet. Etwa 20 bis 25 Prozent der Zecken
tragen das schraubenförmige Bakterium Borrelia aus der Gruppe der Spirochaeten
in sich. Zu dieser Gruppe gehört beispielsweise auch der Erreger der Syphilis.
Der Deutsche Borreliose-Bund rechnet jährlich mit 60.000 bis 100.000 Infektionen
in Deutschland. In waldreichen Gebieten tragen geschätzte 50 Prozent der Zecken
Borrelien in sich. Gegen Borreliose gibt es keine Schutzimpfung. Die Krankheit
verläuft zudem häufig untypisch, betrifft die verschiedensten Organsysteme des
Menschen und ist daher schwer zu diagnostizieren. Der beste Schutz vor durch
Zecken übertragener Borreliose ist es, einen Stich überhaupt zu vermeiden. Oder,
nach einem Zeckenstich, die Einstichstelle und den Körper auf erste Symptome hin
zu überprüfen. Hat die Zecke zugestochen, muss sie vorsichtig entfernen werden.
Denn die Bakterien sitzen im Darm der Parasiten und gelangen erst nach rund
zwölf bis 24 Stunden in den Körper des Wirtes. FSME-Viren werden dagegen sofort
beim Stich mit dem Speichel übertragen. Um so wichtiger ist aber, die Zecke beim
Entfernen nicht zu zerquetschen. Sonst würde sich der Inhalt ihres Darms samt
Bakterien doch noch in das Opfer entleeren.
So verläuft eine Borreliose - oder
auch nicht…
Grundsätzlich wird die Borreliose in drei Stadien eingeteilt,
die sie aber nicht unbedingt durchlaufen muss.
Phase 1:
Wenige Tage bis zu acht Wochen nach der Infektion durch den Stich kann es zu
einer kreisrunden Hautrötung um die Stichstelle kommen, Erythema migrans
(Wanderröte) genannt. Aber nur bei einem Drittel der Infizierten tritt dieses
eindeutige Symptom auf. Ein anderes typisches Leitsymptom kann ein
Borrelien-Lymphozytom (gerötete Schwellung) an Ohrläppchen, Augenlid,
Nasenflügel, Brustwarze oder auch an anderen Körperstellen sein. Bei Kindern
kann eine halbseitige Gesichtslähmung auftreten. Meist sind diese Erscheinungen
gepaart mit Allgemeinsymptomen, die an einen grippalen Infekt erinnern:
Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, Glieder- und Muskelschmerzen. Besonders
tückisch: Manchmal läuft die Borreliose aber auch ohne diese typischen Anzeichen
ab.
Phase 2:
Jetzt beginnt sich die Infektion über den gesamten Körper auszubreiten und ist
nicht mehr – wie zum Zeitpunkt der Wanderröte – nur auf die Stichstelle
beschränkt. Etwa acht Wochen bis zu einem Jahr nach der Infektion beginnt damit
das zweite Stadium, die Generalisationsphase. Auch wenn die erste Phase
unbemerkt ohne besondere Krankheitsmerkmale verlaufen ist, können jetzt bereits
neurologische Symptome auftreten wie das Bannwarth-Syndrom (Meningopolyneuritis
– Nervenentzündung), Facialisparese (Gesichtslähmung), Arthritis, Karditis
(Herzentzündung), Herzrhythmusstörungen, Hepatitis (Leberentzündung) und
typische Allgemeinsymptome wie bei einer Grippe. Häufig betroffen sind auch
Sehnerv und Augenmuskeln sowie Hör- und Gleichgewichtsnerv.
Phase 3:
Ohne entsprechende Therapie mit Antibiotika setzt nach einem bis mehreren Jahren
das chronische Stadium oder die so genannte Manifestationsphase ein.
Typische Symptome hierfür sind: Chronische
Gelenkentzündungen (Arthritis), Neuroborreliose, entzündliche Hauterkrankungen
(Acrodermatitits chronica atrophicans ACA), chronische Hirnentzündungen
(Encephalomyelitis), ähnlich einer Multiplen Sklerose (MS). Aber auch
Gehirnfunktionsstörungen wie Lähmungen, Doppelbilder, Verlust des Gehörs oder
Geruchssinns, Verwirrtheit, Apathie, Sensibilitätsstörungen. Das Herz kann
betroffen sein: Herzbeutelerguss, Entzündungen oder Herzrhythmusstörungen.
Leider ist die Liste der Symptome, die sich hinter einer chronischen Borreliose
verbergen kann, erschreckend lang und erstreckt sich über viele Organsysteme wie
Haut, Haare (Haarausfall), Schilddrüse, Lymphknoten bis hin zu Depression und
Persönlichkeitsveränderungen. Bei ungeklärten neurologischen Erkrankungen und
Ausfallerscheinungen muss daher immer eine Neuroborreliose ins Kalkül gezogen
werden!
Diagnose bedeutet Laborergebnisse
und Symptome beachten
Nur die
Hälfte aller Patienten erinnert sich überhaupt an einen Zeckenstich. Oft
verläuft die Infektion ohne typische Symptome. Daher ist die Laboruntersuchung
als ergänzender Hinweis besonders wichtig. Zunächst wird nach mit dem ELISA-Test
nach Antikörpern gesucht. Fällt dieser positiv aus, wird zur Bestätigung ein
Nachweis mit dem Western-Blot- oder Immunoblot-Verfahren geführt. Dadurch ist
eventuell auch eine Einschätzung des Infektionszeitpunktes und damit des
Krankheitsstadiums möglich. Häufig fallen aber all diese Untersuchungen – gerade
in der Frühphase – negativ aus. Denn Antikörper bilden sich oft erst langsam
nach einem Stich. Daher können drei bis sechs Wochen vergehen, bis ein Test
positiv ist. Zwei Typen der Antikörper lassen sich nachweisen: Antikörper vom
IgM-Typ, sie zeigen meist eine frühe Infektion an. Die Antikörper vom IgG-Typ
zeigen hingegen eine späte Infektion an oder eine, die schon länger zurückliegt
und auch schon ausgeheilt sein kann. So verlaufen im ersten Stadium bis zu 50
Prozent der Infektionen ohne nachweisbare IgM-Antikörper und bis zu 90 Prozent
der Fälle ohne IgG-Antikörper-Nachweis. Auch im zweiten Stadium fehlt bei fast
der Hälfte aller Fälle ein auffallender IgG-Titer, während in bis zu 85 Prozent
IgM nicht (mehr) nachweisbar ist. Erst im chronischen Stadium ist fast allen
Fällen mit einem positiven IgG-Testergebnis zu rechnen. Andererseits bedeutet
ein positiver Antikörpernachweis auch auf Grund einer möglichen Selbstheilung
nicht gleich eine Erkrankung.
Ein anderes
Verfahren ist der Lymphozytentransformationstest (LTT). LTT ist ein Test, der
die Aktivität der Borrelioseerkrankung, insbesondere in der Spätphase nachweist
bzw. ob nach einer Behandlung mit Antibiotikum noch Bakterien überlebt haben.
Sinnvoll ist solch eine Untersuchung etwa vierzehn Tage nach einem Stich und
acht bis zehn Wochen nach einer Therapie mit Antibiotikum.
Ein
direkter mikroskopischer Erregernachweis der Bakterien in Biopsiematerial wie
Haut, Gelenkflüssigkeit (Synovia), Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) oder Blut
gelingt nur in etwa zwanzig Prozent. Werden im Liquor Antikörper gefunden,
spricht man von einer Neuroborreliose, also einem Borrelienbefall des
Nervensystems. Leider bedeutet auch ein negativer Befund nicht mit letzter
Sicherheit, dass keine Borreliose vorliegt. Das gilt für alle Stadien der
Erkrankung. Eine Borreliose lediglich auf Grund der klinischen Befunde zu
diagnostizieren, erfordert viel Erfahrung und weiterführende
Ausschlussdiagnostik.
Wie sieht eine Therapie aus?
Borreliose
wird mit Antibiotikum behandelt. Je früher therapiert wird, umso größer sind die
Chancen auf eine vollständige Heilung. In der Frühphase oder bei Entstehen einer
Wanderröte reichen Tabletten in den meisten Fällen noch aus. Aber Vorsicht: Eine
zu niedrig angesetzte Dosierung (Untertherapie) ist häufig Ursache dafür, dass
aus dem eigentlich gut zu behandelnden frühen Stadium doch noch ein schwerer
Verlauf der Krankheit wird! Denn es wird vermutet, dass Borrelien sich in
Körperregionen wie dem Bindegewebe zurückziehen können, wo sie für das
Antibiotikum schlecht erreichbar sind. Diese ruhenden Erreger (Persister)
überstehen einen Therapiezyklus, um später wieder aktiv zu werden.
Das
Therapieschema für das erste Stadium sieht in der Regel für
zwei bis vier Wochen 400 mg Doxicyclin pro Tag für einen Erwachsenen vor
(in den USA wird sogar 400 - 600mg Doxycykklin über sechs Wochen sogar im
Stadium 1 empfohlen). Für ein Kind geht man von 50 mg Amoxicillin pro Kilogramm
Körpergewicht und Tag aus, ebenfalls für eine Dauer von zwei bis vier Wochen (3x
500 bis 3x100mg). Stadium 2 und 3: In diesen späteren Stadien – wie zum
Beispiel bei Auftreten einer Arthritis - wird Erwachsenen intravenös die
Wirkstoffe Cefotaxim oder Ceftriaxon für mindestens zwei bis drei Wochen
gegeben. Häufig sind mehrere Therapiezyklen, höhere Dosierungen oder längere
Behandlungen notwendig. Etwa acht bis zwölf Wochen nach der Therapie ist eine
Kontrolle sinnvoll. Auch wenn eine Untersuchung auf Antikörper (ELISA und
Westernblot) nicht sehr aussagekräftig ist, weil die diese noch für eine längere
Zeit im Körper nachweisbar bleiben. Ihr Nachweis ist dennoch sinnvoll, um
Veränderungen zu dokumentieren. Außerdem sollte zusätzlich ein LTT-Test auf
mögliche Borrelien-Aktivität durchgeführt werden. Wenn das Ergebnis insgesamt
negativ ausfällt, empfiehlt sich ein erneuter Check nach drei bis sechs Monaten
und in späteren Stadien im Halbjahresrhythmus bis zu zwei Jahren. Weiterhin
gilt: Bleiben Sie ein aufmerksamer Beobachter Ihres Körpers und Ihres Befindens,
um zukünftig schlummernde Gefahren sofort erfolgreich abwehren zu können!
Vorsicht
vor der Auwaldzecke
Auf Grund
der relativ warmen Winter ist in Deutschland mittlerweile die Auwaldzecke auf
dem Vormarsch, die etwas größer ist als der heimische Holzbock. Vor allem auf
Hunde überträgt sie die Erreger der malariaähnlichen Krankheit Babesiose, die
die roten Blutkörperchen zerstört. Menschen können sich bei einem Biss mit so
genannten Rickettsien-Bakterien und damit dem Fleckfieber infizieren, das in bis
zu 20 Prozent der unbehandelten Fälle tödlich verläuft. Die Auwaldzecke ist
relativ aggressiv, das heißt sie geht aktiv auf Beutesuche. Sie kommt
ursprünglich aus Südpolen, Österreich und Norditalien.
Stand 2009
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