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Zecken und Co: Vampire aus dem Unterholz - FSME

FSME: Viren – lebensbedrohlich, aber vermeidbar! Endemiegebiete - Wo kommt FSME vor?

Die Zecke, auch gemeiner Holzbock genannt (lat. Ixodes ricinus), kann Überträger des Virus sein, das FSME auslöst. Betroffen sind in Deutschland vorwiegend bestimmte Risikogebiete in Bayern,  Baden-Württemberg, Teile von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Außerdem ist das Virus in Zentral-, Nord- und Osteuropa, einigen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion wie Lettland, Estland und Litauen sowie in China verbreitet. Dort wird die Krankheit als Russische Frühsommer-Enzephalitis (RSSEV), Taiga-Enzephalitis oder auch tick-born encephalitis (TBE) bezeichnet (von der englischen Bezeichnung tick für Zecke). Aktiv sind Zecken bei Temperaturen ab sieben Grad Celsius. Die Saison für von Zecken übertragenen Krankheiten ist zwischen März und November, wobei Juli bis September als besonders gefährlich gelten. (aktuelle FSME-Risikogebiete erfahren Sie über das Robert-Koch-Istitut www.rki.de)

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden 2006 in Deutschland 542 FSME-Erkrankungen gemeldet. Die meisten Fälle gibt es in den Hochrisikogebieten von Baden-Württemberg und Bayern. Lange Zeit galten vor allem Berufsgruppen wie Förster, Wald- und Landarbeiter als besonders betroffen. Inzwischen sind solche Personengruppen in der Regel geimpft und deshalb geschützt. Gefährdet sind nicht-geimpfte Menschen, die sich in den entsprechenden Regionen häufig im Freien aufhalten, wandern, angeln oder zelten. Überängstlich muss man jedoch nicht sein, denn nicht jeder Zeckenstich überträgt FSME und nicht bei jeder Infektion muss die Krankheit ausbrechen. Bei etwa 90 Prozent der Infizierten kommt es zu keinerlei Krankheitssymptomen und die Ärzte sprechen von einem inapparenten Verlauf. Rund 10 Prozent der Infizierten erkranken und nur bei wenigen kommt es zur gefürchteten Enzephalitis. Vor einem Zeckenstich sollte sich aber trotzdem jeder schützen, der in den Risikogebieten viel Zeit im Freien verbringt.

Wie wird das Virus übertragen?

Die FSME wird fast ausschließlich durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Inzwischen sind allerdings in den baltischen Staaten, in Polen und in der Slowakei einige Fälle einer Übertragung durch Lebensmittel bekannt geworden: durch virusinfizierte Rohmilch von Ziegen oder Schafen. Auch Rinder können vereinzelt Träger des FSME-Virus sein. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist aber nicht möglich.

Im Gegensatz zu den ebenfalls von Zecken übertragenen Borrelien, die die Krankheit Borreliose auslösen, werden die FSME-Viren unmittelbar beim Stechen übertragen. Die Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecke. Mit dem Speichel betäubt die Zecke die Haut des Opfers und hemmt gleichzeitig die Blutgerinnung. Durch diese Betäubung wird der Biss oft gar nicht oder erst spät bemerkt.

Wie verläuft die Krankheit

Die Zeit bis zum Ausbruch der Erkrankung – die Inkubationszeit - liegt in der Regel zwischen ein bis zwei Wochen. Es können aber auch schon mal vier Wochen bis zur Erkrankung vergehen. Häufig werden die Symptome nicht ernst genommen, denn sie ähneln zunächst einem grippalen Infekt: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Husten. Diese Phase dauert meist zwischen drei und sieben Tagen. Rund 30 Prozent der Betroffenen geht es dann wieder besser, die Krankheit ist folgenlos abgeschlossen. Doch bei etwa zehn Prozent der Erkrankten greift das Virus nach einem kurzen fieberfreien Intervall das zentrale Nervensystem an. Bei leichterem Verlauf kommt es nur zu einer Hirnhautentzündung mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen und hohem Fieber. In schweren Fällen ist das gesamte Gehirn entzündet. Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen sowie psychische Veränderungen und Lähmungserscheinungen treten auf. Die Nervenbahnen im Rückenmark werden nachhaltig geschädigt:

können die Folge sein. Bei weiteren zehn Prozent dieser schweren Krankheitsverläufe - insbesondere bei den an Meningo-Enzephalo-Myelitis Erkrankten - können bleibende Schäden auftreten wie epileptische Anfälle, anhaltende Kopfschmerzen oder psychische Auffälligkeiten. Eine relativ hohe Komplikationsrate gibt es bei erkrankten Kleinkindern. Die höchste Sterblichkeitsrate und eine sehr hohe Komplikationsrate gibt es neuen Studien zufolge es vor allem bei älteren Patienten ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Das körpereigene Immunsystem ist nicht mehr so leistungsfähig. Der einzige Schutz vor dieser Erkrankung ist daher die Impfung zur rechten Zeit. Insbesondere, wenn man in den Risikogebieten lebt oder dort seinen Urlaub verbringen will.

Was tun nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet?

Eine Behandlung für FSME gibt es nicht. Aber mit einer aktiven Immunisierung durch eine Teilimpfung kann noch bis zu vier Wochen nach einem Zeckenstich begonnen werden. Daher ist es wichtig zu wissen, ob bei einem Stich tatsächlich FSME-Viren übertragen wurden. Ein relativ sicheren Nachweis bietet ein neues Verfahren durch einen DNA-Direkttest oder PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) aus der Zecke. Bereits nach sieben Stunden ist ein Ergebnis möglich. Getestet werden kann auch, ob nach einem Zeckenstich Borreliose-Erreger in den Körper eingedrungen sind. Die zu testende Probe wird zermahlen und homogenisiert, ein Teil als Material für die Untersuchung extrahiert. Da nicht die gesamte Probe getestet wird, bleibt ein Restrisiko, dass gerade in diesem Anteil Erreger enthalten sein könnten, die dann nicht entdeckt würden. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten von mindestens 35 Euro für den Test nicht, aber es kann unter Umständen wertvolle Zeit gewonnen werden!

Wie funktioniert die Impfung?

Der einzig sichere Schutz vor FSME ist eine Impfung, die in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Sie ist gut verträglich, in seltenen Fällen kann es zu Schwellungen der Impfstelle kommen. Lediglich bei Kindern, die mit einem speziellen Kinder-Impfstoff immunisiert werden, kann am Tag der Impfung oder einen Tag später etwas Fieber auftreten. Ganz selten kommen Kopf- und Muskelschmerzen vor, die aber nach einem Tag abklingen. Die Grundimmunisierung erfolgt in drei Schritten: Die ersten beiden Impfungen erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten. Rund zwei Wochen nach der zweiten Impfung setzt der Impfschutz ein. Für ganz Eilige gibt es auch eine Schnellimmunisierung. Dann erfolgen die ersten beiden Impfungen innerhalb von einer Woche, die dritte bereits zwei Wochen später. Der Impfschutz beginnt nach 21 Tagen, also am Tag der letzten Impfung.

Beide Impfformen sind aktive Schutzimpfungen. Mit inaktivierten (abgetöteten) FSME-Viren wird der Körper angeregt, aktiv aus eigener Kraft Anti-Körper gegen die Viren zu bilden. Alle drei Jahre muss die Impfung aufgefrischt werden, damit neue FSME-Antikörper gebildet werden können. Mittlerweile gibt es auch Impfstoffe für 12- bis 49jährige, die ab der ersten Auffrischung einen Impfrhythmus von fünf Jahren ermöglichen. Achtung: Bei der Schnellimmunisierung muss die erste Auffrischung bereits nach 12 bis 18 Monaten erfolgen! FSME-Hyperimmunglobulin (Antikörper) aus menschlichem Blutserum zur passiven Immunisierung, das relativ raschen Schutz bieten kann, steht in Deutschland nicht mehr zur Verfügung. Diese Form des Schutzes hat sich nicht bewährt.

Wie kann ich mich sonst vor Zecken schützen?

Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte man sich selbst, seine Kinder und gegebenenfalls den vierbeinigen Anhang gründlich nach Zecken absuchen. Besonders wichtig sind warm-feuchte Stellen wie Achselhöhlen, Leisten und die Haut hinter den Ohren. Hat sich tatsächlich ein „Vampir“ unbemerkt festgebissen, sollte man den Übeltäter zu Untersuchungszwecken – tot oder lebendig - aufbewahren. Auf heller Kleidung kann man besser erkennen, ob eine Zecke gerade über Hemd oder Hose krabbelt, um an nackte Haut zu gelangen. Auch wenn es noch so warm ist - in Risikogebieten sind geschlossene Schuhe und lange Hosen, die eventuell sogar noch in die Strümpfe gesteckt werden, Pflicht. Auch Insektenschutzmittel, die auf die Haut aufgetragen werden, helfen Zecken abzuwehren. Und vergessen Sie nicht den entsprechenden Zeckenschutz für Ihren Hund!

Vorsicht vor der Auwaldzecke

Auf Grund der relativ warmen Winter ist in Deutschland mittlerweile die Auwaldzecke auf dem Vormarsch, die etwas größer ist als der heimische Holzbock. Vor allem auf Hunde überträgt sie die Erreger der malariaähnlichen Krankheit Babesiose, die die roten Blutkörperchen zerstört. Menschen können sich bei einem Biss mit so genannten Rickettsien-Bakterien und damit dem Fleckfieber infizieren, das in bis zu 20 Prozent der unbehandelten Fälle tödlich verläuft. Die Auwaldzecke ist relativ aggressiv, das heißt sie geht aktiv auf Beutesuche. Sie kommt ursprünglich aus Südpolen, Österreich und Norditalien.

Stand 2009

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