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Zecken und Co: Vampire aus dem Unterholz - Hintergrund

Auf Zecken reagieren die meisten Menschen zunächst mit Ekel und Abscheu. Als Blut saugende Wesen rücken sie in die Nähe von Vampiren. Abgesehen von gefährlichen Krankheiten, die sie übertragen können, sind sie - aus der Nähe betrachtet - für ihr Leben faszinierend gut organisiert und ausgerüstet.

Familienbande – zu welcher Tierart gehören Zecken?

Grundsätzlich werden Zecken in drei Familien eingeteilt: die Lederzecken (Argasidae), die Schildzecken (Ixodiae) und Nuttalliellidae (Nuttalliella namaqua Bedford). In unseren Breiten treffen wir meist die Schildzecke an. Obwohl sie sich genau wie Läuse und Flöhe vom Blut ihres Wirtes ernähren, sind Zecken (englisch Ticks) nicht mit ihnen verwandt.

Erwachsene Zecken haben acht Beine und gehören damit zur Familie der Spinnentiere. Am Kopf sitzen spezielle Saug- und Stechorgane zur Nahrungsaufnahme. Die Zecke sticht daher und beißt nicht. Das vorderste Beinpaar ist als kräftige Klaue ausgebildet, mit der sie sich am Wirtstier festklammert. Die Atemöffnungen befinden sich hinter dem letzten Beinpaar, die Geschlechtsteile sitzen am unteren Bauch. Auf dem letzten Beinpaar sitzt das Haller’sche Organ, mit dem die Zecke ihre Opfer aufspürt. Es ist ein grubenförmiger Chemorezeptor mit Sinnesborsten, der Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid, Milchsäure und vor allem Buttersäure erkennt. Das sind Bestandteile von Atem und Schweiß, die von potentiellen Wirtstieren abgegeben werden. Bei Lichtveränderungen oder Vibrationen bringt die Zecke diese Sinnesorgane sofort vorteilhaft in Stellung, um ein mögliches Opfer zu identifizieren. Dann lässt sie sich im Vorbeigehen von der Pflanze abstreifen und krabbelt auf ihrem zukünftigen Wirt so lange herum, bis sie eine passende Stelle gefunden hat. Denn die Haut sollte für die Einstichstelle möglichst dünn, feucht-warm und gut durchblutet sein. Bevorzugt werden daher Leisten, Kniekehlen, Nacken und Stellen hinter den Ohren.

Stich statt Biss

Zu Recht werden Zecken als Vampire bezeichnet. Denn als Parasiten brauchen sie tatsächlich andere Lebewesen, von deren Blut sie leben können. Als Wirte dienen ihnen warmblütige Säugetiere und Vögel. Da sie verhältnismäßig viel Blut brauchen, müssen sie sich lange und unbemerkt auf ihrem Opfer halten können. Eine voll gesogene, satte Zecke wiegt 200 mal so viel wie ein hungriger Artgenosse! Im Laborversuch konnte ein gesättigtes Wesen allerdings auch zehn Jahre ohne weitere Nahrungsaufnahme überleben. Bereits bei dem Stich sondert die Zecke mit ihrem Speichel ein Betäubungsmittel ab. Dadurch bemerkt das Opfer nichts, obwohl der Stachel einer Zecke deutlich größer ist als der einer Mücke. Gleichzeitig wird durch den Speichel verhindert, dass das Blut gerinnt und sich die Wunde entzündet. Dies ist auch bereits der Zeitpunkt, zu dem mögliche FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)-Viren auf den Menschen übertragen werden können, da sie in den Speicheldrüsen sitzen. Bei der Verdauung ihrer Nahrung ist die Zecke sehr wählerisch und akzeptiert nur die Nährstoffe, die sie verwerten kann. Die übrigen spült sie aus ihrem Darm wieder zurück in den Wirt. Dabei werden Borrelien, die Überträger der Borreliose, auf den Menschen übertragen. Dies geschieht in der Regel erst nach rund zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich. Daher ist zur Vermeidung einer Borreliose die frühzeitige Entdeckung und Entfernung einer Zecke die große Chance – im Gegensatz zur FSME!

Werdegang einer Zecke

Die Wiege einer Zecke ist die geschützte Unterseite eines Grashalmes oder Blattes. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei durchleben Zecken drei Entwicklungsstadien: von der Larve über die Nymphe zur erwachsenen (adulten) Zecke. Die Larven sind nur ungefähr einen halben Millimeter groß und sie besitzen erst sechs Beine. Für ihre erste Blutmahlzeit befallen sie vor allem kleine Säugetiere wie Igel oder Mäuse. Wenn sie gesättigt sind, verlassen sie das Wirtstier und häuten sich. In der nächsten Reifungsphase entwickelt sich in mehreren Wochen eine geschlechtslose Nymphe. Sie ist immerhin schon anderthalb bis zwei Millimeter groß. Auch sie sucht sich eine ordentliche Mahlzeit, meist bei einem Nagetier, nach der sie sich zu einer geschlechtsreifen Zecke verwandeln kann. Sie scheut sich aber nicht, auch einen Menschen zu stechen. Und bereits in diesem Stadium sind Zecken Krankheitsüberträger und auf Grund ihrer geringen Größe um so schlechter wahrzunehmen! Im adulten Stadium gibt sich das Männchen in seinem Appetit wesentlich bescheidener als das Weibchen. Der Grund ist nahe liegend: Das Weibchen braucht das Blut, um bis zu 2.000 Eier zu produzieren. Und um so viel Blut aufzunehmen, muss sie bis zu zehn Tage unentdeckt auf ihrem Wirt sitzen. Bei den Männchen ist der Besuch eines Wirtstieres je nach Zeckenart unterschiedlich lang. Manche brauchen für eine Mahlzeit mehrere Tage bis hin zu Monaten, andere kommen eigentlich nur auf Brautschau dorthin. Nach der Begattung sterben diese Männchen, so wie sich auch für die Weibchen nach der Ablage der Eier der Sinn ihres Lebens erfüllt hat. Der Entwicklungszyklus einer Zecke beträgt im Idealfall insgesamt zwischen zwei und drei Jahren. Aber wenn sich kein Wirt findet, kann eine Zecke bis zu zwei Jahren fasten. Hauptbeschäftigung - nämlich 99 Prozent - ihres Daseins verbringen sie daher mit der Suche nach einer geeigneten Blutmahlzeit.

Zecken sind also ausgesprochen robuste Hunger- und Überlebenskünstler, die sehr gut an ihre Umgebung angepasst sind. Lediglich wenn es um Feuchtigkeit geht, zeigen sie Schwächen. Denn zum Überleben brauchen sie etwa achtzigprozentige Luftfeuchtigkeit. Daher halten sie sich gerne in der Nähe von Gewässern und im dichten Gestrüpp auf, das nicht von der Sonne durchdrungen werden kann.

Stand 2009

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