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Impfschutz gegen Zecken
Urlaub in Europa: Gesundheitsrisiko
durch FSME
Fast ein
Drittel aller Bundesbürger machen gerne einen Wanderurlaub in Österreich – und
immer häufiger auch in Osteuropa. Obwohl gesundheitliche Risiken bei weitem
nicht so hoch sind wie in den typischen Fernreiseländern, besteht auch hier eine
nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefahr. Die geht von winzigen Blutsaugern
aus: den Zecken. Mit ihrem Biss können sie Krankheiten auf den Menschen
übertragen. Eine davon ist eine lebensbedrohliche Form der Hirnhautentzündung,
die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Auslöser dieser
tückischen Krankheit sind Viren, die in den Speicheldrüsen der Zecken sitzen.
Mit dem Biss gelangen die Viren, die zur Familie der Flaviviren gehören, direkt
in die Wunde. Eine sofortige Entfernung der Zecke schützt daher nicht vor FSME.
In Einzelfällen wurden auch Virusübertragungen durch den Verzehr infizierter
Milch, besonders von Schafen und Ziegen, beobachtet.
FSME-Risiko nicht nur im Frühjahr
Die
Hauptaktivität der Zecken ist im Frühjahr (Mai/Juni) und im Spätsommer
(September). FSME-Infektionen können aber während der gesamten warmen Jahreszeit
erfolgen. Von März, wenn die Temperaturen langsam wieder steigen, bis spät in
den November hinein lauern die winzigen Blutsauger im Unterholz, im hohen Gras
und in Gebüschen und warten auf ihre Beute. Sobald ein Warmblüter an ihrem
Versteck vorbeikommt – sei es Mensch oder Tier – springen sie einfach über und
suchen sich auf dem Wirt eine ungestörte Stelle. Besonders beliebte
Körperregionen sind erwärmte oder verschwitzte Körperstellen, wie zum Beispiel
die Kniebeuge oder der Nacken. Ausgerüstet mit Saugrüssel und Widerhaken beißen
sich die Zecken fest und saugen sich schließlich mit Blut voll.
FSME-Risikogebieten nicht nur in
Süddeutschland oder Österreich
Nicht jede
Zecke ist gefährlich. In Europa überträgt nur
eine heimische
Spezies Krankheiten: der Ixodes ricinus, besser als der „gemeine Holzbock“
bekannt. Er ist der Wirt des FSME-Virus, das sich in seinem Speichel befindet.
Verbreitet ist diese Infektionskrankheit nur in bestimmten, sogenannten
Endemiegebieten, die inzwischen über ganz Europa verteilt sind. In Deutschland
zählen zu den Hochrisikogebieten: Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile
von Hessen, Rheinland-Pfalz und des Saarlandes (aktuelle FSME-Risikogebiete
erfahren Sie über das Robert-Koch-Istitut
www.rki.de). In Europa sind vor allem Österreich, Russland, Polen,
Tschechien, Slowakei, Ungarn, aber auch die Schweiz, Südschweden, Slowenien und
der Norden Kroatiens betroffen. Neuerdings melden die baltischen Staaten erhöhte
FSME Erkrankungen. Ein geringes Risiko besteht in Frankreich, Italien und
Griechenland.
England,
Dänemark, die Iberische Halbinsel und die Benelux-Länder gelten hingegen als
FSME frei. Auch Höhenlagen über 1000 Meter sind unbedenklich, denn dort kommen
keine Zecken mehr vor. Insgesamt gilt jedoch: FSME ist immer weiter auf dem
Vormarsch. Insgesamt erkrankten 2006 in Deutschland 542 Personen an der
gefährlichen Hirnhautentzündung. Das Robert-Koch-Institut (RKI) bringt ständig
neue Karten über die Verbreitung der FSME heraus.
Eine FSME-Infektion kann gefährlich
werden
Nicht alle
Menschen, die von einer FSME-übertragenden Zecke gebissen werden, erkranken. Nur
bei etwa einem Drittel aller Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf, die
in zwei Phasen verlaufen. Etwa vier bis 14 Tage nach dem Zeckenstich zeigen sich
zunächst die typischen Beschwerden einer Sommergrippe: mäßiges Fieber, Kopf- und
Gliederschmerzen, manchmal Erbrechen. Dieser Zustand dauert etwa zwei bis vier
Tage an und bei 90 Prozent der Erkrankten ist die Krankheit damit überstanden.
In einigen
Fällen kann es zu Komplikationen und zu einer zweiten Erkrankungsphase kommen.
Nach einem fieberfreien Intervall von etwa ein bis drei Wochen befallen die
Viren das zentrale Nervensystem und lösen eine Hirnhautentzündung
(Meningoenzephalitis) aus. Dies zeigt sich mit Fieber, Erbrechen,
Nackensteifigkeit, Schwindelgefühl und Verwirrtheit. Schließlich können die
Erreger sogar den Hirnstamm und das Rückenmark in Mitleidenschaft ziehen.
Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen können die Folge sein. Ebenfalls
können psychische Veränderungen oder Lähmungserscheinungen auftreten. Etwa ein
Prozent der Patienten überlebt die FSME nicht. Schwere Krankheitsverläufe werden
hauptsächlich bei Erwachsenen beobachtet. Das Todesrisiko steigt dabei mit
zunehmendem Alter. Bei Kindern verläuft die Erkrankung in der Regel leicht,
neurologische Folgeschäden sind extrem selten.
Eine Impfung schützt vor FSME
Eine
Therapie, die direkt gegen das FSME-Virus wirkt, gibt es bislang nicht. Nach
Ausbruch der Krankheit kann der Arzt nur noch die Beschwerden lindern. Deshalb
empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Menschen, die in
Endemiegebieten leben oder dorthin reisen, eine FSME-Impfung. Als Risikogruppen
galten lange Zeit vor allem bestimmte Berufsgruppen wie Förster, Jäger oder
Waldarbeiter. Inzwischen sind die meisten von ihnen geimpft. Heutzutage gehen
daher 90 Prozent aller Infektionsfälle auf Freizeitaktivitäten zurück. Gefährdet
sind vor allem Wanderer, Jogger, Mountainbiker oder Pilz- und Beerensammler.
Grundsätzlich kann aber jeder, der sich in einem Naturgebiet mit
FSME-übertragenden Zecken aufhält, auch von ihnen gestochen und infiziert
werden.
Die Impfung
sollte so durchgeführt werden, dass rechtzeitig zu Beginn der Zeckenaktivität im
Frühjahr ein Impfschutz besteht. Die aktive Impfung gegen FSME besteht aus einem
Totimpfstoff, der in drei Injektionen gegeben wird. Die ersten beiden erfolgen
in einem Abstand von ein bis drei Monaten, eine dritte Impfung ist nach neun bis
zwölf Monaten notwendig. Etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung setzt der
Impfschutz ein, der insgesamt drei Jahre anhält. Für „Spontanreisende“ gibt es
außerdem die Möglichkeit einer Schnellimpfung. Dafür erfolgen zwei Impfungen im
Abstand von einer Woche, eine dritte wird zwei Wochen später gegeben. Der
Impfschutz besteht dann nach der dritten Impfung, hält allerdings nur ein bis
eineinhalb Jahre an. Für einen Langzeitschutz von drei Jahren muss nach einem
Jahr noch einmal nachgeimpft werden.
Der
Impfschutz der aktiven FSME-Impfung gilt als sehr zuverlässig. Der gut
verträgliche Impfstoff ist auch für Kleinkinder, ältere oder immunschwache
Menschen geeignet. Gegenwärtig empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in
Deutschland jedoch, dass nur Jugendliche ab dem vollendeten 12. Lebensjahr sowie
Erwachsene geimpft werden sollen. Für Einwohner und Touristen deutscher
FSME-Gebiete übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten der Impfung.
Für
Personen, die nicht aktiv geimpft sind, gibt es kurze Zeit nach einer Infektion
noch die Möglichkeit der passiven Impfung. Sie besteht aus bereits fertigen
Abwehrkörpern, die innerhalb von 96 Stunden nach dem Zeckenstich injiziert
werden müssen. Dadurch soll ein Ausbruch der Krankheit verhindert werden.
Zuverlässig ist dieser Schutz allerdings nicht und Kinder dürfen die passive
Impfung erst ab dem 14. Lebensjahr erhalten.
So kann man sich vor Zecken schützen
Der beste
Schutz vor Zecken ist, sie erst gar nicht an sich heran zu lassen. Denn für die
Borreliose, eine ebenfalls durch heimische Zecken übertragene Krankheit, gibt es
bislang keinen Impfschutz. Wanderungen durch hohe Sträucher und Gräser sollten
daher nach Möglichkeit vermieden werden. Wirkungsvollen Schutz bietet vor allem
die richtige Wanderkleidung: lange Ärmel und Hosenbeine - am besten hell, damit
Zecken leichter sichtbar werden. Die Strümpfe sollten über die Hosenbeine
gezogen werden. Auch insektenabweisende Mittel zum Einreiben nicht bedeckter
Körperteile können Schutz bieten. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der ganze
Körper auf Zeckenbefall kontrolliert werden, vor allem bei Kindern. Hat eine
Zecke zugeschlagen, muss sie möglichst schnell mit einer Zeckenpinzette entfernt
werden. Vermeiden Sie ein Quetschen und Drücken des Zeckenkörpers, damit nicht
vermehrt Erreger in den Organismus gelangen. Die Einstichstelle sollte danach
desinfiziert und darüber hinaus noch weiter beobachtet werden. Beim Auftreten
von Beschwerden ist sofort ein Arzt aufzusuchen.
Auf Grund
der relativ warmen Winter ist in Deutschland mittlerweile die Auwaldzecke auf
dem Vormarsch, die etwas größer ist als der heimische Holzbock. Vor allem auf
Hunde überträgt sie die Erreger der malariaähnlichen Krankheit Babesiose, die
die roten Blutkörperchen zerstört. Menschen können sich bei einem Biss mit so
genannten Rickettsien-Bakterien und damit dem Fleckfieber infizieren, das in bis
zu 20 Prozent der unbehandelten Fälle tödlich verläuft. Die Auwaldzecke ist
relativ aggressiv, das heißt sie geht aktiv auf Beutesuche. Sie kommt aus
Südpolen, Österreich und Norditalien.
Stand 2009
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