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Zecken
Kleine blutsaugende Parasiten
Jedes Jahr
von März bis Oktober sind sie wieder unterwegs – die Zecken. Sie gehören zur
Familie der Spinnentiere. Weltweit gibt es etwa 850 verschiedene Arten.
Normalerweise sind Zecken für den Menschen ungefährlich. Aber manche können
Überträger von Krankheiten sein wie der Borreliose und der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis
(FSME) sein. In Europa ist das vor allem der „gemeine“ Holzbock, der Ixodes
ricinus. Entgegen der weit verbreiteten Meinung lassen sich Zecken nicht von
Bäumen auf ihr Opfer fallen sondern halten sich in Bodennähe auf, bevorzugt in
hohem Gras, Sträuchern und dem Unterholz. Dort warten sie mitunter monatelang
bis ein Warmblüter vorbeikommt, von dem sie sich abstreifen lassen. Zecken
brauchen Blut um zu wachsen und geschlechtsreif zu werden. Sind sie auf ihrem
Wirt gelandet, suchen sie sich einen Platz, um zu zubeißen. Mit ihrem Speichel
betäuben sie die Haut und verhindern gleichzeitig auch die Blutgerinnung. Dann
brauchen sie meist Tage, um immer wieder winzige Portionen Blut aufzunehmen.
Sind sie voll gesogen, fallen sich einfach ab.
Auf Grund
der relativ warmen Winter ist in Deutschland mittlerweile die Auwaldzecke auf
dem Vormarsch, die etwas größer ist als der heimische Holzbock. Vor allem auf
Hunde überträgt sie die Erreger der malariaähnlichen Krankheit Babesiose, die
die roten Blutkörperchen zerstört. Menschen können sich bei einem Biss mit so
genannten Rickettsien-Bakterien und damit dem Fleckfieber infizieren, das in bis
zu 20 Prozent der unbehandelten Fälle tödlich verläuft. Die Auwaldzecke ist
relativ aggressiv, das heißt sie geht aktiv auf Beutesuche. Sie kommt aus
Südpolen, Österreich und Norditalien.
Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis
Die
Frühsommer-Meningo-Enzephalitis,
kurz FSME, ist eine Virus-Erkrankung des zentralen
Nervensystems. Das Virus, zur Familie der Flaviviren gehörig, befindet sich in
den Speicheldrüsen der Zecke und überträgt sich somit direkt beim Einstich in
die Haut. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke schützt daher nicht vor einer
Infektion. 2006 erkrankten in Deutschland 542 Menschen an FSME. Wird sie
rechtzeitig erkannt, verläuft sie meist ohne Folgen, aber im schlimmsten Fall
kann sie tödlich enden.
Der Krankheitsverlauf
FSME
zeichnet sich durch einen zweiphasigen Krankheitsverlauf aus. Die ersten
Symptome treten bereits nach drei bis sieben Tagen auf. Zunächst leidet der
Patient unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal auch
Magen-Darm-Beschwerden. Dieser Zustand dauert etwa zwei bis vier Tage an und bei
90 Prozent der Erkrankten ist sie damit überstanden. In einigen Fällen kann es
zu Komplikationen und zu einer zweiten Erkrankungsphase kommen. Dann befällt das
Virus das zentrale Nervensystem. Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen
können die Folge sein. Ebenfalls können psychische Veränderungen oder
Lähmungserscheinungen auftreten.
Je älter
der Patient ist, desto höher ist das Risiko von bleibenden Folgeschäden. Das
können Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen, Psychosen und
Lähmungserscheinungen sein.
Die Therapie bei FSME ist schwierig
Ist eine
FSME einmal ausgebrochen, können nur noch die Symptome mit Medikamenten wie
Schmerzmitteln oder fiebersenkenden Mitteln, behandelt werden. Eine Therapie,
die direkt gegen das Virus wirkt gibt es nicht. Wird innerhalb von 96 Stunden
nach einer Infektion ein Arzt aufgesucht, kann mit einer passiven Impfung mit
Immunglobulinen versucht werden, den Ausbruch zu verhindern. Nach dem Ablauf
dieser Zeit hilft die Impfung nicht mehr.
Impfung bietet sicheren Schutz vor
FSME
Der
sicherste Schutz vor FSME ist die Impfung und ist vor allem für die Personen
wichtig, die in den Risikogebieten wohnen oder dorthin verreisen wollen. Die
Impfung ist eine aktive Impfung, das heißt es werden abgetötete FSME-Viren
injiziert. Sie besteht aus drei Injektionen, die nach einem festgelegten
Zeitschema gegeben werden. Bereits nach der zweiten Teilimpfung besteht ein
90prozentiger Schutz. Danach sollte alle drei Jahre eine Auffrischung
durchgeführt werden, um den Schutz nicht zu verlieren. Im Allgemeinen ist die
Impfung gut verträglich. Nur Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß,
dieser ist im Impfserum enthalten, sollten nicht geimpft werden.
FSME-Endemiegebiete in Europa
Mit
FSME-Viren infizierte Zecken kommen nur in bestimmten Gebieten vor. In
Deutschland sind das vor allem Süddeutschland (Baden-Württemberg und Bayern) ,
aber auch Teile des Saarlandes, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen (aktuelle
FSME-Risikogebiete erfahren Sie über das Robert-Koch-Istitut
www.rki.de). In Europa sind vor allem
Österreich, Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Südschweden,
Slowenien und der Norden Kroatiens betroffen. Neuerdings melden die baltischen
Staaten erhöhte FSME Erkrankungen.
Die am häufigsten von Zecken
übertragene Krankheit: die Borreliose
Im
Gegensatz zur FSME wird die Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, von
spiralförmigen Bakterien, den Borrelien, übertragen. Etwa jede fünfte Zecke ist
mit diesen Bakterien verseucht. Jährlich erkranken etwa 100.000 Menschen daran.
Im Gegensatz zur FSME, kann Borreliose in ganz Europa von Zecken übertragen
werden.
Der Borreliose Erreger
Die
Borreliose wird von dem Bakterium Borrelia burgdorferi versacht, benannt nach
seinem Entdecker Willy Burgdorfer. Der Borrelia burgdorferi ist ein großes,
schraubenförmiges Bakterium, welches zu einer Reaktion des Immunsystems führt.
Es befindet sich im Mitteldarm der Zecke und wird während des Saugens in die
Bisswunde abgegeben. Meist überträgt es sich erst nach etwa zwölf bis 24 Stunden
mit den Ausscheidungen der Zecken. Eine Zecke sollte deshalb so früh wie möglich
entfernt werden.
Die Symptome der Borreliose sind
vielfältig
Die
Diagnose einer Borreliose ist schwer, da es zu Symptomen kommt, die oft denen
anderer Erkrankungen entsprechen. Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen
sind erste Anzeichen dafür an einer Borreliose erkrankt zu sein.
Eines der
wenigen typischen Symptome im frühen Stadium der
Borreliose ist die Wanderröte, medizinisch Erythema migrans. Um die
Einstichstelle bildet sich bei etwa 50 Prozent der Gebissenen nach Tagen bis
Wochen eine ringförmige Hautrötung, die immer größer werden kann, bis sie ganze
Körperpartien umfasst. Treten dann noch grippeähnliche Symptome auf, ist das ein
Hinweis darauf, dass sich der Erreger bereits über das Blut im Körper
ausgebreitet hat. Wird die Borreliose nicht behandelt geht sie ins
zweite Stadium über. Die Bakterien siedeln sich in den verschieden
Körperteilen an, bevorzugt in den Gelenken, Muskeln und Bändern. Hier
verursachen sie Entzündungen, Sensibilitätsstörungen, Brennen oder Kribbeln.
Auch das Nervensystem kann betroffen sein und es kommt zu Entzündungen oder
Lähmungserscheinungen. Im chronischen Spätstadium, dem dritten Stadium,
sind vor allem rheumatische Beschwerden, chronische Gelenk- und
Muskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen sowie Hautveränderungen typisch. Da
die Krankheit schubweise verläuft kann der Betroffene noch Jahre nach der
Infektion unter Beschwerden leiden.
Diagnose durch Blutuntersuchung
Die
Diagnose einer Borreliose ist schwierig, da sich der Patient nicht immer an
einen Zeckenbiss erinnern kann und die typische Hautrötung ausgeblieben ist.
Eine Blutuntersuchung auf Antikörper gibt den sicheren Hinweis darauf, ob
Borreliosebakterien im Körper sind. Zwei Typen der Antikörper lassen sich
nachweisen: Antikörper vom IgM-Typ, sie zeigen meist eine frühe Infektion an.
Die Antikörper vom IgG-Typ zeigen hingegen eine späte Infektion an oder eine,
die schon länger zurückliegt und auch schon ausgeheilt sein kann. Ein Problem
ist, dass die serologische Untersuchung im Frühstadium nicht aussagekräftig ist,
weil der Körper mindestens 14 Tage benötigt, um erste Antikörper zu produzieren.
Darum sollte die Blutuntersuchung nach einigen Wochen wiederholt werden.
Die Therapie der Borreliose
Gegen eine
Infektion mit Borrelien gibt es keine Impfung. Ist es jedoch zu einer
Borrelieninfektion gekommen, wird mit Antibiotika behandelt. Je nach Stadium der
Infektion wird es in Tablettenform (Doxycyclin) über einen längeren Zeitraum
eingenommen, später als Infusion (Cefalosporin) gegeben. Die Dosierung wird dem
jeweiligen Stadium der Borreliose angepasst. Auch das Alter, Gewicht und die
Magen-Darm-Verträglichkeit des Patienten spielen dabei eine Rolle. Die Wirkung
der Therapie tritt meist erst nach Wochen auf.
Das richtige Entfernen einer Zecke
Zecken
sollten nur auf eine Weise entfernt werden: mit einer Pinzette. Dabei wird die
Zecke mit der Pinzette möglichst nah am Kopf gegriffen und mit einer leichten
Drehbewegung langsam herausgezogen. Der Hinterleib der Zecke sollte dabei nicht
zerquetscht werden, denn sonst wird erregerhaltige Flüssigkeit in die Bissstelle
gedrückt. Auf keinen Fall darf die Zecke mit Öl oder Klebstoff beträufelt
werden, denn im Todeskampf entleert sie ihren Darminhalt, und damit auch die
Borrelien, in die Bissstelle. Nach dem Entfernen die Stelle mit
Desinfektionsmittel wie Jod oder Alkohol abtupfen. Ist die Zecke nicht
vollständig entfernt, steckt der Kopf also noch in der Wunde, sollte umgehend
ein Arzt aufgesucht werden.
Was tun um Zeckenbisse zu vermeiden
Ganz lassen
sich Zeckenbisse nicht vermeiden, aber das Risiko eines Bisses lässt sich
erheblich reduzieren und zwar durch Kleidung: Tragen Sie lange Oberteile und
Hosen, die Hosenbeine am besten in die Strümpfe gesteckt. So wird der Zecke der
Weg zur Haut erschwert. Ebenfalls wichtig ist geschlossenes Schuhwerk. Helle
Kleidung ist von Vorteil, denn auf ihr lassen sich die kleinen Zecken besser
erkennen. Und wer den ganzen Tag in der Natur verbracht hat, sollte sich abends
gründlich nach Zecken absuchen. Sie verstecken sich gerne unter den Armen, in
den Kniekehlen oder zwischen Fingern und Zehen.
Stand 2009
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