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Clusterkopfschmerz
Ein
Kopfschmerz, wie ihn kaum einer kennt, selbst mit Migräneattacke ist er nicht zu
vergleichen: Der Cluster-Kopfschmerz. Plötzlich und ohne Vorankündigung setzt er
ein: Unerträgliche Schmerzen ziehen sich bis in die Augen- und Schläfenregion –
immer auf der gleichen Seite. Das Auge wird rot und tränt, die Nase verstopft.
Eine bis zu drei Stunden andauernde Höllenqual – die genauso plötzlich
verschwindet, wie sie kam. Bis zur nächsten Attacke… Das ist das Kennzeichen der
Cluster-Kopfschmerzen.
Hintergründe
Typisch ist auch, dass der Cluster-Kopfschmerz in bestimmten Zeiten gehäuft
auftritt (cluster engl. = Gruppe, Haufen). Die Cluster-Attacken setzten
vorzugsweise nachts ca. 90 Minuten nach dem Einschlafen oder in den frühen
Morgenstunden ein. Nicht selten wiederholen sich die Anfälle auf die Minute
genau. Es wird daher vermutet, dass sie möglicherweise vom Biorhythmus
beeinflusst werden. Sie dauern zwischen 15 Minuten und drei Stunden. Bei etwa 80
Prozent der Cluster-Betroffenen treten diese Attacken nur periodisch während
einiger Wochen oder Monate im Jahr auf, oft im Frühjahr oder Herbst. So eine
Cluster-Periode kann einige Tage bis mehrere Monate dauern. Danach folgen
mitunter Wochen, Monate oder sogar Jahre, in denen sie sich nicht zeigen. Hier
sprechen die Ärzte vom episodischen Cluster-Kopfschmerz. Sind
die beschwerdefreien Intervalle kürzer als zwei Wochen, wird von einem
chronischen Cluster-Kopfschmerz gesprochen. Dies betrifft immerhin
jeden fünften Patienten. Eine Belastung, die bis hin zu Selbstmordgedanken
führt. Schätzungsweise 120.000 Menschen sind in Deutschland von diesem
Schmerzsyndrom betroffen, zumeist jüngere Männer und die meisten von ihnen
Raucher. Es vergehen oft Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt ist und eine
wirksame Behandlung eingeleitet wird.
Charakteristika des Cluster-Kopfschmerzes
Der Cluster-Kopfschmerz, auch Bing-Horton-Syndrom genannt, weist Ähnlichkeiten
mit der Migräne auf, gilt jedoch als noch schmerzhafter. Anhand ihrer
spezifischen Symptome können die beiden Kopfschmerzformen meistens deutlich
unterschieden werden. Weder begleitet Übelkeit die Attacke noch kündigt eine
Aura sie an, wie es Migränepatienten oft erleben. Bei Cluster-Patienten strahlt
der Schmerz oft auch über die Augen- und Schläfenregion hinaus bis in Zähne, den
Nacken- und Schulterbereich aus. Auf der schmerzenden Seite kommt es zudem
häufig auch zu einer Hautrötung; der Betroffene schwitzt und wird unruhig. In
vielen Fällen tritt außerdem das so genannte Horner-Syndrom auf: Das Augenlid
der betroffenen Seite schwillt an, das Oberlid hängt herab und die Pupille ist
verengt.
Theorien über die Ursachen des Cluster-Kopfschmerzes
Der Cluster-Kopfschmerz ist ein primärer Kopfschmerz, der ohne bislang bekannte
Ursachen und somit auch ohne bisher identifizierbare, krankhafte Veränderungen
anatomischer Strukturen auftritt. Es wird vermutet, dass es sich beim
Cluster-Kopfschmerz um eine Störung des individuellen Biorhythmus handelt. Dem
Sitz dieser inneren Uhr, dem Hypothalamus, wird eine Schlüsselfunktion für die
Entstehung der Attacken zugesprochen. Untersuchungen haben gezeigt, dass der
Hypothalamus, der für die Steuerung von unwillkürlichen Prozessen wie dem
Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist, bei Cluster-Patienten während der Attacke
besonders aktiv ist. Ist diese Gehirnregion aktiviert, kommt es zu
Entzündungsmechanismen in einem der großen Blutgefäße im Gehirn. Im Bereich
dieses Blutgefäßes liegen auf engstem Raum gebündelt Nervenfasern, die das
Augenlid, die Augenhöhle und das Gesicht versorgen. Die werden durch den
Entzündungsprozess mit gereizt.
Sicher ist auch, dass Alkohol, Nikotin, Höhenluft, Flimmerlicht von Monitoren,
körperliche Anstrengung und gefäßerweiternde Medikamente eine Attacke
provozieren können. Die genaue Ursache des Clusters ist jedoch ungeklärt,
genauso wie die Frage, warum wesentlich mehr Männer als Frauen betroffen sind.
Nach neueren Forschungen wird auch eine genetische Veranlagung vermutet.
Im Durchschnitt vergehen fünf Jahre bis zur richtigen Diagnose!
Viele Ärzte
verwechseln das Schmerzsyndrom mit anderen Kopfschmerzarten wie der Migräne.
Dabei hat der Cluster-Kopfschmerz ausgeprägte Symptome, deren klare Schilderung
einem erfahrenden Neurologen schon deutliche Hinweise auf diese Erkrankung gibt.
Folgende Untersuchungen sollten durchgeführt werden:
Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte (Verlauf, Häufigkeit, Art und Dauer
der Schmerzen).
Zur
Differentialdiagnostik wird in manchen Fällen ein Nitroglyzerintest
durchgeführt. Der Patient schluckt eine Kapsel mit Nitroglyzerin, ein Mittel
das üblicherweise zur Behandlung von Angina pectoris eingesetzt wird. Löst
diese Einnahme die Kopfschmerzen aus, ist dies ein Hinweis für einen
Cluster-Kopfschmerz.
Körperlich-neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren dienen
dem sicheren Ausschluss anderer möglicher Schmerzursachen (z.B. Tumore).
Dann wird in ein Magnet-Resonanz-Tomogramm (MRT) des Hirns und / oder ein
Computertomogramm (CT) der knöchernen Schädelbasis durchgeführt.
Elektroenzephalogramms (EEG). Dabei wird die bioelektrische Aktivität des
Gehirns untersucht, um möglicherweise gestörte Erregungsabläufe im Gehirn
aufzufinden.
Augenuntersuchung: Wichtig ist zudem der Ausschluss eines Glaukom-Anfalls
(Grüner Star), der ähnliche Beschwerden verursachen kann.
Therapiemöglichkeiten bei
Cluster-Kopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen sind kaum oder nur sehr gering mit herkömmlichen
Kopfschmerzmedikamenten zu beeinflussen. Unter anderem dauert es viel zu lange,
bis die Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen werden. Von
einer solchen Selbsttherapie ist abzuraten, da sie nur eine unnötige
Medikamentenbelastung darstellt und überflüssige Nebenwirkungen hervorrufen
kann. Bei der Cluster-Therapie wird zwischen einer Akuttherapie bei
Schmerzattacke und einer prophylaktischen Therapie zur Verminderung der
Attackenhäufigkeit zu unterschieden. Die jeweiligen Therapiemöglichkeiten sind
dabei immer individuell zu erarbeiten und hängen auch von der Verlaufsart des
Clusters ab.
Im akuten Schmerzfall hilft vielen Betroffenen schon die
Inhalation von Sauerstoff. Pro Minute werden sieben Liter hundertprozentiger
Sauerstoff eingeatmet. Nach wenigen Minuten wird der unerträgliche Schmerz
gelindert. Nebenwirkungen gibt es nicht. Die Sauerstoffflaschen können vom Arzt
verordnet werden. Auch die Selbstinjektion von Sumatriptan hilft manchen, einem
Wirkstoff, der die Aufnahme von Serotonin blockiert. Das Medikament gehört in
die Familie der Triptane und wird auch zur Behandlung von Migräne eingesetzt.
Allerdings besteht bei häufigem Gebrauch die Gefahr, dass durch das Medikament
selbst Kopfschmerzen ausgelöst werden. Nicht wirksam ist beim
Cluster-Kopfschmerz eine Einnahme in Tablettenform, da die Wirkung zu langsam
eintritt. Als dritte Möglichkeit besteht die intramuskuläre Gabe von Ergotamin,
jedoch nicht in Kombination mit Sumatriptan.
Zukunftsforschungen gegen den
Schmerz
Im Zusammenhang mit neuen Erkenntnissen zur Rolle des Hypothalamus beim
Cluster-Schmerz wurde zudem ein neues Therapieverfahren entwickelt. Ein
Hirnschrittmacher soll eine so genannte Tiefenhirnstimulation (Deep Brain
Stimulation, DBS ) durchführen. Operateure pflanzen
Elektroden in den Hypothalamus ein, wo der Cluster-Kopfschmerz dort seinen
Ursprung zu haben scheint. Entsprechend den Signalen, die sie von außen
erhalten, lassen die Elektroden dort entsprechende Ströme fließen.
Dadurch konnte bei vielen Patienten der Schmerz erfolgreich bekämpft werden. Da
es aber Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung von Cluster-Kopfpschmerz gibt,
kommt das Verfahren nur für Patienten in Betracht, bei
denen die herkömmliche Behandlung nicht oder nicht mehr anschlägt.
Langzeitergebnisse fehlen noch, mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen sind
noch nicht ausreichend erforscht.
Vorbeugende Behandlung
Bei Cluster-Kopfschmerz ist auch eine medikamentöse Anfallprophylaxe sinnvoll.
Dazu werden dauerhaft Präparate eingesetzt, die aus der Behandlung von
Bluthochdruck, Depression oder Epilepsie bekannt sind. Allerdings sind sie nicht
frei von Nebenwirkungen und nicht alle sind mit der Akutmedikation kombinierbar.
Wichtig ist auch, dass zwischen der episodischen und chronischen Verlaufsform
unterschieden wird. Da die Cluster-Attacken durch Alkohol, Nikotin,
gefäßerweiternde Substanzen wie Nitrate und Histamin ausgelöst werden können,
sollten solche Triggerfaktoren vermieden werden. Beobachtungen zufolge soll die
Ernährung keinen Einfluss auf den Verlauf des Cluster-Kopfschmerz nehmen,
diätetische Maßnahmen versprechen demnach keinen Erfolg. Es sind aber durchaus
auch gegensätzliche Erfahrungen aus dem Kreis der Betroffenen bekannt.
Unterstützende Therapiemöglichkeiten
Im Gegensatz zu anderen primären Kopfschmerzerkrankungen wird der
Cluster-Kopfschmerz offenbar nur sehr gering von der Psyche beeinflusst.
Entspannungsübungen und ähnliche Maßnahmen versprechen daher kaum Linderung.
Auch physikalische Therapien wie Akupunktur, Neuraltherapie, Biofeedback,
Massagen, Manualtherapie oder etwa eine transkutane elektrische
Nervenstimulation (TENS) sind nach Aussagen der Deutschen Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft beim Cluster-Kopfschmerz eher wirkungslos und würden nur
die Aufnahme einer effektiven Therapie verzögern. Tröstlich: Der Verlauf eines
Clusterkopfschmerzes wird von den Ärzten als „chronisch-rezidivierend“
bezeichnet. Ds heißt, er wird im Laufe der Jahre schwächer, sowohl in Bezug auf
die Heftigkeit als auch die Häufigkeit der Attacken.
Stand 2009
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