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Diagnose von chronischem Schmerz

Bevor der Arzt mit der Schmerztherapie beginnen kann, muss zunächst die Ursache des Schmerzes herausgefunden werden. Dies geschieht über eine Reihe von Diagnosemaßnahmen, die gleichzeitig auch dazu dienen, den empfundenen Schmerz in seiner Stärke messbar zu machen. Denn Schmerz ist immer ein individuelles Gefühl, das nur schwer objektiv erfasst werden kann. Damit der Arzt sich ein Bild von der Stärke der Schmerzen des Patienten machen kann, wurden einige Hilfsmittel entwickelt. Dazu zählen spezielle Fragebögen, Messskalen und auch ein Schmerztagebuch. Aber auch mögliche organische Zusammenhänge gilt es bei der Diagnose abzuklären.

Untersuchung von Kopf bis Fuß

Grundlage der Krankengeschichte, der Anamnese, ist zunächst eine eingehende körperliche Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Puls- und Blutdruckmessung, die Suche nach Auffälligkeiten im Bereich des Bewegungsapparates. Außerdem wird der Arzt nach Empfindungsstörungen oder Einschränkungen von Blasen- und Darmfunktion fragen. Dies gibt ihm Hinweise darauf, welche Nervenstränge am Schmerzgeschehen beteiligt sind.

Labordiagnostik

Grundsätzlich gehört zur Basisdiagnostik auch eine orientierende Laboruntersuchung mit Blutbild, Bestimmung der Blutsenkung, einigen Serumbestandteilen und eine Urinuntersuchung. So lassen sich Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder mögliche Entzündungsherde im Körper erkennen.

Schmerzfragebögen

Damit der Arzt herausfinden kann, wie weit die Schmerzerkrankung bereits fortgeschritten ist, sind auch intensive Gespräche mit dem Patienten notwendig. Als ein Hilfsmittel hierfür haben sich standardisierte Schmerzfragebögen bewährt, die alle wichtigen Informationen über Entstehung und Verlauf des Schmerzes berücksichtigen. Durch das Ausfüllen dieser Fragen zur Krankengeschichte ergeben sich nicht nur Informationen über mögliche Auslöser, sondern auch über Stärke, Eigenschaft und Begleiterscheinungen des Schmerzes.

Den Schmerz messen

Eine Möglichkeit, die Stärke eines Schmerzes zu messen, bietet die sogenannte visuelle Schmerzanalogskala (VAS). Der Arzt lässt den Patienten hierzu auf einer Linie von links (kein Schmerz) bis rechts (stärkster Schmerz) mit einem Schieber einstellen, wie stark der momentan von ihm empfundene Schmerz ist. Auf der Rückseite kann die geschätzte Schmerzstärke mit Hilfe einer Skala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (stärkste vorstellbare Schmerzen) abgelesen werden. Diese Messung ist wichtig für die Dosierung der Schmerzmittel und gibt im weiteren Verlauf der Behandlung wichtige Hinweise über die Wirksamkeit der Therapie.

Schmerztagebuch

Ein weiterer wichtiger Messfaktor ist das Führen eines Schmerztagebuchs. Auf einer subjektiven Schmerzanalogskala dokumentiert der Betroffene über einen längeren Beobachtungszeitraum sein individuelles Schmerzgeschehen. Die Verlaufsbeobachtung chronischer Schmerzen erfolgt durch das Erfassen der Dauer und Intensität der Schmerzen, der Medikamentenwirkung und nicht zuletzt der Grundstimmung des Patienten. Denn das Schmerzempfinden ist auch stark von psychischen Faktoren abhängig. Informationen zur beruflichen und sozialen Situation sowie zum seelischen Befinden des Betroffenen sind daher von großer Bedeutung. Insgesamt lässt sich aus diesen Daten ein Langzeitprotokoll der Schmerzsituation erstellen und der Arzt erhält eine Möglichkeit, die Effektivität der Behandlung zu bewerten.

Neurologische Untersuchung

Bei Verdacht auf eine Nervenschädigung als Schmerzursache ist auch eine neurologische Untersuchung notwendig. In einem sogenannten QST-Verfahren (Quantitative Sensibilitäts-Testung) werden Reflexe und Hautsensibilität sowie ungewöhnliche Druck- und Wärmeempfindlichkeiten untersucht. Mit Hilfe einer Stimmgabel, die an Knöchel und Knie anschlagen wird, prüft der Arzt zunächst, ob das Vibrationsempfinden des Patienten geschädigt ist. Ein gesunder Mensch spürt diese Schwingungen sofort, ein Diabetiker mit einer Polyneuropathie nimmt sie jedoch nur beeinträchtigt wahr.

Auch das Reflexverhalten des Patienten wird kontrolliert. Reflexe sind unwillkürliche Reaktionen des Nervensystems auf einen Reiz. Sie können mit einem Reflexhammer ausgelöst werden. Hier achtet der Arzt darauf, ob die Reflexe verzögert kommen oder ob es Seitenunterschiede an Armen und Beinen gibt.

Die Sensibilität der oberflächlichen Nervenzellen überprüft der Arzt, indem er nach druckempfindlichen Stellen tastet und die Schwellen für Kälte- und Wärmeempfindung misst. Bei Nervenerkrankungen sind diese oft erniedrigt und das kann beim Patienten zu unbewussten Verletzungen führen.

Stand 2009

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