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Spiegeltherapie gegen den Phantomschmerz

Das Gehirn spielt verrückt: Phantomschmerzen

Mehr als die Hälfte aller Menschen, die durch einen Unfall oder eine Operation eine Extremität wie Arm oder Bein verloren haben, leiden auch im Anschluss noch unter Schmerzen. Sie scheinen aus den amputierten Gliedmaßen zu kommen, obwohl sie und damit auch die Ursachen der Schmerzen gar nicht mehr vorhanden sind. Solche Schmerzen werden Phantomschmerzen genannt und scheinen sich unauslöschlich als „Schmerzgedächtnis“ eingebrannt zu haben. In der Schmerzklinik in Bochum wird eine neue Therapie versucht, das Gehirn mit Hilfe eines Spiegelbildes der gesunden Extremität von diesen Falschmeldungen abzubringen.

Spiegeltraining überlistet das Gehirn

Bei der Spiegeltherapie bekommt der Patient einen Spiegel so zur Körpermittelachse hin positioniert, dass nur die gesunde, noch vorhandene Extremität darin zu sehen ist. Durch das Spiegelbild entsteht nun eine optische Illusion: Der Patient sieht zwei Extremitäten. Dadurch wird dem Gehirn vermittelt, dass auch der fehlende Arm oder das fehlende Bein noch da ist. Nun erfolgt ein etwa 45-minütiges Bewegungs- und Sensibilitätstraining. Dabei konzentriert sich der Patient die ganze Zeit auf das Spiegelbild. Bewegt er seine gesunde Extremität, ohne Schmerzen zu spüren, wird seinem Gehirn vorgegaukelt, dass er auch die amputierte Extremität schmerzfrei bewegt. Auf die Weise kann das Gehirn eingebildete Schmerzen wieder verlernen. Der Effekt dahinter: Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Gehirn ein Abbild unseres Körpers gespeichert ist. Dieses Bild im Gehirn wird ständig mit Informationen versorgt, etwa wenn wir uns bewegen. Diese Reize werden über die Nervenbahnen an das Gehirn weitergegeben. Ist eine Extremität nicht mehr vorhanden, fehlt eine Rückmeldung der amputierten Körperregion. Die für ihre Bewegung zuständigen Nervenzellen im Gehirn empfangen keine Signale mehr. Wissenschaftler vermuten, dass die fehlenden Signale dann durch Schmerzen ersetzt werden. Durch die Spiegeltherapie bekommen die zuständigen Nervenbahnen wieder Informationen. Das fehlende Input wird vermittelt und die Schmerzen verschwinden.

Spiegeltherapie – neu in Deutschland

Amerikanische Wissenschaftler haben die Spiegel-Therapie bereits vor einigen Jahren erfolgreich zur Behandlung von Phantomschmerzen eingesetzt. In Deutschland ist sie noch nicht weit verbreitet und wird in der Bochumer Schmerzklinik Bergmannsheil für die Behandlung von Phantomschmerzen beforscht. Dort wurden auch Trainingsgeräte entwickelt
, die das Üben vor dem Spiegel in der Klinik und zu Hause erleichtern. Die Behandlung erfolgt täglich über mindestens acht Wochen und sollte auch zu Hause weitergeführt werden. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Spiegeltherapie eine viel versprechende und dabei einfach einzusetzende und kostengünstige Möglichkeit der Behandlung ist.

Wissenschaftler der britischen Universität Bath haben den gleichen Therapieansatz auch bei Patienten mit chronischem, komplexem, örtlichem Schmerzsyndrom (complex regional pain syndrom, CRPS) getestet. CRPS soll auf eine gestörte Verarbeitung von Schmerzinformationen im Gehirn zurückzuführen sein. Es ist auch als Sudeck-Syndrom bekannt. Die Patienten hatten nach einer Armverletzung einen dauerhaften Schmerz, der nicht allein mit der Verletzung zu erklären war. Die eingesetzten Spiegel ermöglichten diesen Mechanismus zu umgehen, und die entscheidenden Informationen entsprechend zu verändern.

Darüber hinaus wird die Spiegeltherapie im Rahmen der Ergotherapie zur Behandlung von Schlaganfallpatienten eingesetzt. Hier werden Erfolge bei der Mobilisierung gelähmter Körperteile erreicht.

Stand 2009

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