| Zurück zur Themenübersicht |
Schmerzen
Weitere Artikel zum Thema am Ende dieser Seite
Schmerzen
gehören zu den unangenehmen Sinnes- oder Gefühlserlebnissen, die jeder Mensch im
Laufe seines Leben einmal kennen lernt. Ein Leben ganz ohne Schmerzen ist nicht
vorstellbar. Für etwa acht Millionen Menschen in Deutschland sind Schmerzen
jedoch zu einem ständigen Begleiter geworden: Sie leiden unter chronischen
Schmerzen. Die häufigsten Ursachen für solche Schmerzen, die zu einer
eigenständigen „Schmerzkrankheit“ werden können, sind Rheumaerkrankungen,
Rückenleiden, Osteoporose, Gürtelrose oder Tumorerkrankungen. Was ein Leben mit
ständigen Schmerzen bedeutet, können gesunde Menschen meist nur schwer
nachvollziehen. Denn chronische Schmerzen stellen nicht nur eine körperliche
Belastung dar, sie schmerzen auch in der Seele. Depressionen bis hin zum
Selbstmord können die Folge sein.
Es ist daher wichtig, häufig auftretende Schmerzen schon frühzeitig zu
behandeln. Nur so kann vermieden werden, dass sie chronisch werden. Haben sich
die Schmerzen bereits verselbständigt, kann eine gezielte Schmerztherapie
nachhaltig für Linderung sorgen. Leider müssen jedoch viele Schmerzpatienten in
Deutschland immer noch erfahren, dass ihr Recht auf eine optimale
Schmerztherapie nicht erfüllt wird: Es wird zu spät mit der Therapie begonnen
oder die Medikamente zu niedrig dosiert!
Akuter Schmerz warnt vor Gefahr
Schmerzen haben primär die Aufgabe, das Leben und die Gesundheit zu schützen.
Denn akute Schmerzen sind ein lebenswichtiges biologisches Warnsignal, dass eine
Verletzung vorliegt oder Erkrankung droht. Ausgelöst werden sie durch Reize, die
aus dem Inneren des Körpers kommen oder von außen auf den Menschen eindringen.
Akute Schmerzen aufgrund „äußerer“ Schädigung entstehen beispielsweise durch
Hitze, Kälte, Druck oder Schlag; Schmerzen aufgrund „innerer“ Schädigung haben
ihre Ursache oft in Entzündungen, Tumoren oder Stoffwechselerkrankungen.
Die Schmerzleitung erfolgt über ein hochkomplexes Schmerzsystem
Wenn der Schmerz akut auftritt, er also "alarmiert", geschieht
das über ein komplexes Schmerzsystem. Der Mensch verfügt am ganzen Körper über
Schmerzrezeptoren. Sie sind die Schadensmelder des Nervensystems. Werden z. B.
die Schmerzrezeptoren in der Haut gereizt, leiten sie über die Nervenbahnen
elektrische Signale an das Rückenmark weiter. Von dort aus gelangen diese
zunächst „wertfreien“ Signale durch Vermittlung sogenannter Neurotransmitter in
das Gehirn. Hier findet dann die eigentliche Schmerzverarbeitung statt. Die
ankommenden Informationen werden im Stammhirn, Mittelhirn und im Großhirn
ausgewertet und in eine unangenehme Empfindung übertragen, die zur
Schmerzvermeidung führen soll. Dazu geschieht eine genaue Zuordnung des
Schmerzes: Der Mensch nimmt bewusst wahr, wo es ihm weh tut und auch Stärke und
Dauer des Schmerzes werden erkannt. Weitere Faktoren wie z.B. der Gefühlszustand
zum Zeitpunkt des Schmerzempfindens beeinflussen zudem die Schmerzverarbeitung.
Damit das Schmerzereignis nicht nur in diesem akuten Fall zur Schmerzvermeidung
führt, wird es Erfahrung gespeichert.
Der auf diese Weise entstandene Schmerz wird als nozizeptiver Schmerz
bezeichnet, da er durch Reizung von Schmerzrezeptoren (in der Fachsprache:
Nozizeptoren) entsteht. Er kann beispielsweise durch Verletzungen oder auch
Operationen entstehen und betrifft zumeist die Knochen, Weichteile oder
Eingeweide. Darunter fallen auch Tumorerkrankungen, Rücken- und Kopfschmerzen.
Jedoch entsteht nicht jeder Schmerz durch äußere Faktoren. Manchmal kommt er
auch von innen, durch den Nerv selber. Diese Schmerzen werden neuropathische
Schmerzen genannt.
Vom akuten zum chronischen Schmerz
Für akute Schmerzen gilt normalerweise: Ist die eigentliche Schmerzursache
behoben, vergeht auch der Schmerz recht schnell. Bestehen die Schmerzen jedoch
noch weiter oder halten sie länger als sechs Monate an, werden sie als chronisch
bezeichnet. Dieser chronische Schmerz hat keine Warnfunktion mehr, denn er hat
sich verselbständigt. Dies geschieht zumeist dann, wenn es zuvor an einer
effektiven Schmerztherapie fehlte. Denn wenn immer wieder starke Schmerzreize
das Nervensystem durchlaufen, kommt es zu einer Veränderung der beteiligten
Nervenzellen. Diese werden empfindlicher und verarbeiten schließlich selbst
leichte Reize wie Wärme, Berührungen oder Dehnungen als Schmerz. Ursache dafür
ist das so genannte Schmerzgedächtnis der Nervenzellen. Es „erinnert“ sich
gewissermaßen an die ständigen Schmerzreize und leitet diese ohne einen
eigentlichen Auslöser weiter. Wissenschaftler sprechen auch von
Neuroplastizität.
Werden auch chronische Schmerzen nicht adäquat behandelt, bekommen sie leicht
noch eine weitere Dimension: psychosoziale Faktoren spielen dann eine wichtige
Rolle, die das Schmerzempfinden zusätzlich verschlimmern. Der Schmerz hat sich
zu einer Schmerzkrankheit entwickelt, die Einfluss auf Körper,
Geist und Seele nimmt.
Schmerzen sofort behandeln!
Doch egal, ob es sich um einen nozizeptiven oder neuropathischen Schmerz
handelt: entscheidend ist es zu verhindern, dass er chronisch wird! Daher bei
häufig auftretenden oder starken Schmerzen lieber direkt den Hausarzt
ansprechen, als zu lange „tapfer“ zu sein und zu riskieren, dass sie sich
verselbständigen. Denn hat sich der Schmerz erst einmal ins Schmerzgedächtnis
eingegraben, lässt er sich nur noch schwer beseitigen.
Warum ein Schmerz chronisch wird, ist bis heute nicht wissenschaftlich geklärt.
Es mag an einer Veränderung des Erbgutes liegen, oder auch an
psychologisch-organischen Zusammenhängen. Sicher ist aber, dass Stress – und
dazu zählt auch Schmerz – diese unheilvolle Entwicklung begünstigt.
Stand Januar 2008
| Zurück zur Themenübersicht> |