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Impotenz

Schon längst ist am Mythos des starken Geschlechts gekratzt worden. Im Zeitalter von Anti-Aging mit all seinen Bemühungen den Alterungsprozess aufzuhalten, sehen sich auch die Männer mit der Tatsache konfrontiert, dass die normale Entwicklung ab einem gewissen Zeitpunkt in den „Rückbau“ übergeht. Bei den Frauen lässt sich dies in den Wechseljahren an den typischen Begleiterscheinungen und spätestens am Ausbleiben der Menstruation festmachen. Aber was geschieht mit dem Mann, der doch erwiesenermaßen bis ins hohe Alter hinein zeugungsfähig bleiben kann?

Wechsel - Jahre

Und dennoch scheint sich doch ein Wandel anzukündigen. In den Jahren zwischen 40 und 50 häufen sich die Beschwerden der Männer. Sie klagen zunehmend über nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, depressive Verstimmung, Hitzewallungen, Immun-, Herzkreislauf- und Knochendefizite, Libido- und Potenzverlust, Haarausfall etc. Sogar ein hoher Prozentsatz der Männer leidet unter Osteoporose. Ist das alles nur unter dem Schlagwort „Midlife-Crisis“ zusammenzufassen?

Der Ruf nach Ärzten, die sich als Männerärzte mit diesen Problemen, gezielt befassen, wurde laut. Urologen, Endokrinologen, Allgemeinmediziner, Internisten und Gynäkologen sind seit einigen Jahren dieser Entwicklung im Leben des Mannes auf der Spur und konnten neue Erkenntnisse hinsichtlich des hormonellen Status des Mannes gewinnen. So wurden die Beschwerden lange Zeit ausschließlich mit dem Vorkommen des männlichen Sexualhormons Testosteron in Verbindung gebracht. Bei Absinken des Serumspiegels wurde Testosteron zugeführt, aber es gab keine signifikante Verbesserung. Es kam sogar häufig zu einer Zunahme von gut- und bösartigen Prostataveränderungen.

Die Zusammenarbeit mit Gynäkologen führte zu neuen, erfolgversprechenden Ansätzen. Die gesamte Symptomatik der Wechseljahre wird in der Gynäkologie mit Estradiol – mit weiblichen Hormonen also - behandelt und nicht mit Androgenen. Warum also dieselben Symptome beim Mann nur mit männlichen Hormonen – mit Androgenen – behandeln? Weitere Laboruntersuchungen ergaben, dass beim Mann die Balance zwischen den einzelnen Hormonen eine weit wichtigere Rolle spielt als das bloße Absinken des typisch männlichen Sexualhormons Testosteron.

Welche Hormone werden untersucht?

Heute wird per Laborbefund eine ganze Palette von Hormonen untersucht. Dazu zählen neben dem Testosteron, zuständig für die Libido, Leistungssteigerung und Muskelaufbau, noch:

DHEA (Dihydroepiandrosteron): es senkt Stresshormone und schützt somit vor zu hohem Zucker- und Insulinspiegel und vor Abbau von Knochen, Muskeln und Haut, unterstützt das Immunsystem und verbessert die Gedächtnisleistung.

Östrogen: ein weibliches Hormon, das Fruchtbarkeit und Potenz fördert, vor Osteoporose und Herzinfarkt schützt und für innere Ausgeglichenheit sorgt.

Schilddrüsenhormone: Regulativ für Temperatur, Wachstum und Gewicht, Knochen- und Cholesterinstoffwechsel sowie Reifung des Gehirns.

Mit weiblichen Hormonen gegen das Klimakterium des Mannes

Bereits ab dem 30. Lebensjahr kann es zu einem hormonellen Ungleichgewicht kommen. Häufig verringert sich zunächst nur die Produktion von Östrogen und Progesteron und dann überwiegt Testosteron. Die damit einhergehenden Wechseljahrsbeschwerden beim Mann werden heute mit einer Hormon-Ersatztherapie behandelt, bei der Progesteron und Östradiol je nach Blutanalyse zugeführt werden. Es gilt inzwischen als gesichert, dass Östrogene für den Mann eine positive Wirkung auf das Skelett und auf Herz und Kreislauf haben. Außerdem verbessern sich Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen.
Problematisch sind Nebenwirkungen wie die Gynäkomastie (Brustentwicklung) und Wachstumsanregung der Prostata. Daher wird z. Z. an der Entwicklung eines nicht-feminisierenden Östrogens gearbeitet. Eine Androgen-Therapie, bei der Testosteron zugeführt wird, wird nur bei Libidoverlust bedingt durch einen deutlichen Mangel an Testosteron angeraten. Die regelmäßige Kontrolle der Prostata ist dann aber wichtig, da das Hormon das Wachstum eines Prostatakarzinoms fördern kann.

Probleme mit der Erektion

Ungefähr jeder fünfte Mann ab dem 18. Lebensjahr hat Schwierigkeiten beim Sex, leidet unter Erektionsstörungen (Erektiler Dysfunktion, kurz: ED), so lauten Ergebnisse von Umfragen. Selten sind diese Männer bis dato in der Lage sich diesem Problem zu stellen. Stattdessen riskieren sie ihre Partnerschaften und verschlimmern die Situation unter Umständen, weil die Angst vor dem Versagen erst recht zum Versagen führt. Aber zirka 70 Prozent aller Erektionsprobleme sind nach heutiger Auffassung der Ärzte auf organische Ursachen zurückzuführen. Damit räumt man den psychischen Faktoren einen weitaus geringeren Einfluss ein als noch vor einigen Jahren.

Was passiert bei einer Erektion?

Die für den Geschlechtsverkehr notwendige Steifheit des männlichen Gliedes kommt durch das Erschlaffen der glatten Gefäß- und Schwellkörpermuskulatur und durch ein ausgewogenes Spiel von vermehrter Blutzufuhr und verringertem Blutabfluss zustande. Ursache für die Probleme mit der Erektion, die der Arzt als erektile Dysfunktion bezeichnet, können sein:

Und schließlich: seelische Erkrankungen wie schwere Depressionen, aber auch länger anhaltender Stress. Nikotin und Alkohol wirken sich bekanntlich grundsätzlich negativ auf die Durchblutung und somit auch auf die Erektionsfähigkeit aus. Ganz zu schweigen von Drogen wie Kokain und Heroin etc. Auch Medikamente können eine erektile Dysfunktion auslösen. Wichtig hier: das in Verdacht geratene Mittel nicht auf eigene Faust absetzen, sondern nur nach Absprache mit dem Arzt.

Welche Hilfen bei Erektiler Dysfunktion?

Häufig ist sind Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme oder Fettstoffwechselstörungen Ursache für eine erektile Dysfunktion. Wenn diese Grunderkrankungen - möglichst frühzeitig - behandelt werden, tritt in vielen Fällen bereits eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit ein. Sollte diese Behandlung nicht ausreichen, bieten sich zunächst Medikamente an, die speziell auf die Erektionsfähigkeit einwirken können.

Eine neue Generation von Medikamenten stellen Präparate mit dem Wirkstoff Sildenafil dar, besser bekannt unter dem Namen Viagra. Die Wirksamkeit dieses Medikamentes ist inzwischen unbestritten. Selbst bei Diabetikern konnte eine Verbesserung der Erektion verzeichnet werden. Auch für Patienten, die gegen Bluthochdruck mit Kalziumantagonisten behandelt werden, ist die Einnahme von Viagra nach neuesten Studien unbedenklich. Vorsicht ist jedoch geboten bei Männern, die Nitrate einnehmen: hier können sich die blutdrucksenkenden Effekte potenzieren. Die Abstimmung mit dem Arzt ist unbedingt erforderlich! Abgesehen davon werden Störungen der Farbwahrnehmung und Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden und Hitzewallungen als Nebenwirkungen genannt.

Neuentwicklungen mit weniger Nebenwirkungen?

Auch Präparate mit dem Wirkstoff  Vardenafil (Medikament Levitra) sind mittlerweile erhältlich. Es handelt sich ebenfalls um einen Hemmstoff der Phosphodiesterase-5 (PDE-5), mit dem Vorteil, dass unerwünschte offenbar Nebeneffekte geringer ausfallen als bei Viagra. Auch nach nervenschonender radikaler Prostatektomie (Entfernung der Prostata) nach Prostatakarzinom konnte eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit festgestellt werden. Außerdem gibt es seit 2003 Präparate mit dem Wirkstoff Tadalafil (Medikament Cialis).

Stand 2009

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