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Schwindel
Etwa ein Drittel
aller Bürger leiden mindestens einmal im Leben unter Schwindel.
"Schwindel" im engeren Sinne
bedeutet "Bewegungsillusion". Gemeint ist damit das subjektive Gefühl, dass der
Körper oder die Umgebung aus dem Gleichgewicht gerät. Dieses Empfinden kann in
unterschiedlicher Weise auftreten, je nach Art und Ursache des Schwindels:
Bei
einem Drehschwindel dreht sich die Welt wie nach einer Karussellfahrt.
Ein
sogenannter Liftschwindel löst die Empfindung aus, als säße man in einem
sehr schnellen Fahrstuhl.
Beim
Schwankschwindel scheint der Boden zu schwanken, wie nach einer längeren
Seefahrt.
Oder es
kann ein Schwindel auftreten, ähnlich als sei man betrunken.
So
unterschiedlich wie der Schwindel auftritt, so unterschiedlich lang kann er
andauern: Je nach Ursache kann er einige Sekunden dauern, aber auch minuten-,
stunden oder tagelang das Leben zur Hölle machen und klingt nur allmählich ab.
So gibt es auch einen sogenannten attackenartigen Schwindel, der in den meisten
Fällen eine bis drei Stunden anhält, aber unter Umständen sich auch auf zehn
Stunden ausdehnt und dann mit einer Hörminderung und mit Ohrgeräuschen
einhergeht. Die Ursachen herauszufinden ist in der Regel nicht ganz leicht und
der Betroffene sollte versuchen, so genau wie möglich seine Schwindelzustände zu
beschreiben. Wann und wo es das erste Mal aufgetreten ist und wie sich das
Schwindelereignis für ihn darstellt. Allein diese Beschreibungen können dem Arzt
helfen, der Ursache näher zu kommen. Denn Ursachen für Schwindelanfälle gibt es
viele und es bedarf der interdisziplinären Zusammenarbeit der Ärzte, um die
richtige Diagnose zu stellen. Warum das so ist, hängt mit dem komplizierten
Gleichgewichtssystem unseres Körpers zusammen:
Drei Systeme regulieren unser Gleichgewichtssystem
Für das
Orientierungsvermögen
im Raum ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr
zuständig. Es ist eine Art knöchernes Schlauchsystem, das sich zu drei
Bogengängen geformt hat. Der obere Bogengang ist für die
Bewegungsorientierung oben-unten verantwortlich, die seitliche Bogengänge
für die Bewegungsorientierung rechts-links oder vorne-hinten. Außerdem gibt
es noch zwei kleine, mit Flüssigkeit (Endolymphe) gefüllte Bläschen, in
denen Plättchen mit Sinneszellen sitzen. Jede Bewegung versetzt die
Endolymphe in Schwingungen, die sich auf diese Sinneszellen übertragen. So
werden alle Bewegungen des Körpers registriert und in Impulse umgewandelt,
die über den Gleichgewichtsnerv zum Gehirn weitergeleitet werden.
Das
Orientierungsvermögen
in der Umgebung wird über die Tast- und Fühlkörperchen
an Muskeln und Sehnen gesteuert, die über Nerven unserem Gehirn die Lage
unserer Gliedmaßen und unseres Körpers mitteilen.
Das
optische
Orientierungsvermögen wird von den Augen mit ihrer
visuellen Wahrnehmungsfähigkeit gesteuert.
Wenn das
Zusammenspiel dieser drei Steuerungssysteme gestört ist und das Gehirn
Augenmuskeln und Körperhaltung nicht mehr regulieren kann, wird eine
Orientierung unseres Körpers im Raum unmöglich, und es kommt zu den
beschriebenen Schwindelbeschwerden.
Ursachen
Schwindel ist keine Krankheit sondern ein Symptom. Die
Ursachen können vielfältig sein und müssen sowohl neurologisch-, orthopädisch-
und Hals-Nasen-Ohrenärztlich abgeklärt werden. In etwa 50 Prozent der Fälle
werden keine organischen Auslöser für die Schwindelanfälle gefunden. Dann kann
Schwindel auch psychische Ursachen haben und die Fachärzte sprechen dann von
einem "psychogenen Schwindel".
Neurologische Ursachen
sind oft Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen im Bereich der zentralen
Schaltstelle des Gleichgewichtssinnes im Gehirn. Im schlimmsten Falle können
Blutungen, ein Schlaganfall oder Frühzeichen einer Multiplen Sklerose Ursache
für Schwindelanfälle sein. Nur in den seltensten Fällen (unter fünf Prozent)
steckt ein Tumor hinter dem Symptom Schwindel.
Internistisch gesehen
sind Herz-Kreislaufschwäche, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck häufigste
Ursache für Schwindel. Aus
HNO-Sicht sind in sehr vielen Fällen Erkrankungen des
Mittelohres, Durchblutungsstörungen des Innenohres verantwortlich für akut
auftretenden Schwindel. Dauerschwindel entsteht meist bei einer Funktionsstörung
oder beim Ausfall eines Gleichgewichtsorganes oder der Gleichgewichtsnerven. Zum
Beispiel können so genannte Ohrsteinchen "Otholiten", die sich im
Gleichgewichtsorgan befinden, lösen und an einer ungewohnten, dafür nicht
vorgesehenen Stelle ablagern. Dadurch liefert das Gleichgewichtsorgan unserem
Gehirn falsche Informationen, die nicht mehr mit unserem Lageempfinden und dem
Sehen übereinstimmen.
Durchblutungsstörungen können aber auch
orthopädischen
Ursprungs sein, nämlich dann, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn von blockierten
Halswirbeln oder von einer verspannten Nackenmuskulatur gedrosselt wird. Ebenso
können entzündlich geschwollene Gelenkkapseln der oberen Halswirbelsäule die
Nervenbahnen des Gleichgewichtorgans irritieren und so einen Schwindel auslösen.
Auch sind generell Muskelverspannungen und Fehlstellungen des Knochengerüstes
als Ursache für Schwindel bekannt.
Diagnostik - doch bei wem?
Schwindel bedarf immer einer interdisziplinären Abklärung. Der Hausarzt als
erster Ansprechpartner entscheidet, ob am besten ein Internist, ein Neurologe,
ein Hals- Nasen-Ohren-, oder ein Augen-Arzt aufgesucht werden sollte. Zunächst
muss untersucht werden, ob es sich um einen
zentralen oder peripheren Schwindel
handelt. Dazu gibt es einen einfachen Test, den Tretversuch nach Unterberger-Fukuda.
Dieser läuft folgendermaßen ab: Der Patient schließt die Augen und streckt
die Arme nach vorne aus. Dann marschiert er eine Minute auf der Stelle. Liegt
eine Störung im Innenohr vor, dreht er sich dabei um die eigene Achse. Eine
Drehung von mehr als 45° gilt als krankhaft. Bleibt man eine Minute lang nach
dem Treten stehen und vergrößert sich dabei die Körperschwankung, weist dies auf
einen zentralen Schwindel hin.
Zur weiterführenden Diagnostik dient die Elektro-Nystagmographie. Dies
ist eine Methode zur elektronischen Aufzeichnung von spontanem und experimentell
ausgelösten Augenbewegungen (Nystagmus). Die Aufzeichnungen der Augenbewegungen
liefern typische Muster, anhand derer sich viele Störungen zuordnen lassen.
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