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Alzheimer
Alzheimer Demenz bedeutet den unaufhaltsamen Verlust von Hirngewebe. Bis jetzt
ohne Aussicht auf Heilung, führt der Prozess nach fünf bis 20 Jahren zum Tod.
Der Leidensweg dorthin bedeutet den zunehmenden Verlust kognitiver und
funktioneller Fähigkeiten, bis hin zur vollkommenen geistigen und körperlichen
Hilflosigkeit.
Was löst
Alzheimer Demenz aus?
Die eigentliche Ursache ist unbekannt. Man geht von einem Bündel von Risiken und
Auslösern aus. Mit fortschreitendem
Alter
erhöht sich grundsätzlich das Risiko an dieser Form von seniler Demenz zu
erkranken. Erhöhte Disposition ist gegeben durch
genetische Faktoren:
2007 entdeckten Wissenschaftler, dass Alzheimer-Patienten deutlich häufiger
Varianten des Gens SORL1 aufwiesen. Dies kann zur Entstehung des giftigen
Beta-Amyloid führen, das in den für Alzheimer typischen Ablagerungen zu finden
ist.
Besondere genetische Situationen von Patienten mit
Down-Syndrom
ebenso wie die Mutation im Bereich zweier weiterer Gene führen häufig zu einer
Alzheimer Demenz im frühen Erwachsenenalter (präsenile Demenz). Schwere
Verletzungen
des Gehirns
durch Unfall oder zum Beispiel beim Boxsport erhöhen das Risiko an Alzheimer zu
erkranken, ebenso wie Hirnhautentzündungen oder Sauerstoffmangel. Auch die
Ernährung
muss als Ursache berücksichtigt werden: zuckerreiche und fetthaltige
Ernährungsweise und erhöhte Cholesterinwerte werden auffallend oft bei
Alzheimerkranken festgestellt. Ein Hinweis darauf, dass lebenslange gesunde und
ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren ein
Schutz vor Alzheimer sein könnte.
Wie wird
Alzheimer festgestellt?
Wichtig ist eine möglichst frühzeitige Diagnose in Abgrenzung zu der Vielzahl
der übrigen Demenzerkrankungen. Die Diagnose als eine Kombination aus
psychometrischen und apparativen Tests kann immer nur eine
Ausschlussdiagnose
sein, denn eine definitive Alzheimer-Diagnose ist nur nach der Untersuchung von
Hirngewebe nach dem Tod möglich (Autopsie). Ein wichtiger Baustein für das
Erstellen der Diagnose sind
neuropsychologische
Untersuchungen:
Tests zur Darstellung der verschiedenen kognitiven Fähigkeiten. Das
Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Überprüfung der Gedächtnisfunktion, deren
fortschreitender Verlust das Kernsymptom von Alzheimer ist. Forscher haben im
Blutplasma von Betroffenen das verstärkte Auftreten eines Stoffwechselproduktes
mit Namen
24S-Hydroxycholesterin
- einem Abfallprodukt beim Abbau von Hirnnervenzellen – festgestellt. Der
Nachweis bedeutet die Diagnose einer Demenzerkrankung (nicht unbedingt
Alzheimer), allerdings ist diese Untersuchung sehr aufwendig und lässt keine
Unterscheidung zu anderen degenerativen Erkrankungen des Gehirns zu.
Eine Diagnose mit immerhin bis zu 95 prozentiger Sicherheit bieten die
verschiedenen bildgebenden Verfahren wie
PET
(Positronen-Emissions-Tomographie),
CT
(Computertomographie) und
MRT
(Magnetresonanztomographie). Umfang des Gehirns und der Gehirnstoffwechsel
können auf diesem Wege dargestellt werden. Ist die Gehirn-Aktivität niedriger
als bei Gesunden oder zeichnet sich eine Schrumpfung des Gehirns ab, lässt dies
auf Alzheimer schließen.
Wie kann
Patienten geholfen werden?
Obwohl bis heute
keine Heilung
möglich ist, gehen die Mediziner davon aus, dass die sich in der Forschung
abzeichnenden Fortschritte in den nächsten Jahren auch im klinischen Alltag
Verbesserungen für die Alzheimerpatienten bringen. Der zur Zeit hoffnungsvollste
Weg ist die Gabe von
Cholinesterasehemmern
in der frühen und mittleren Krankheitsphase. Hierdurch wird die Konzentration
von Acetylcholin im Gehirn erhöht. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff,
der für Gedächtnis und das Erlernen von Fähigkeiten verantwortlich ist. Durch
diese Medikamentengruppe mit dem hirnleistungssteigernden Wirkstoff Donepezil
kann der für Alzheimer typische Abbau des wichtigen Überträgerstoffes gebremst
werden. Ein anderer Ansatz ist der Versuch, die Nervenzellen durch
Neuroprotektion
insgesamt vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Zu dieser Wirkstoffgruppe
zählen Gingko-Präparate wie Tebonin und Vitamin E. Mit den so genannten
Nootropika
soll der Stoffwechsel im Gehirn angeregt werden und somit ein Aufschub des
geistigen Verfalls erreicht werden. Oftmals ist eine Einnahme bis zu drei
Monaten notwendig, bevor eine Veränderung des Patienten feststellbar wird. Und
auch dann ist die direkte Wirkung der Medikamente nur schwer einschätzbar, da
der Krankheitsverlaufes sehr wechselhaft sein kann.
Alle diese Medikamente nehmen aber keinen Einfluss auf den
Krankheitsverlauf selber, sondern sie bewirken – früh genug verabreicht – eine
Verzögerung der Krankheit um ein bis zwei Jahre.
Ein neuer Ansatz ist die Beobachtung, daß
nichtsteroidalen
Antiphlogistika
Entzündungsvorgänge zu beeinflussen, die auch eine entscheidende Rolle bei
Alzheimer spielen. Ob die Einnahme von Aspirin oder Ibuprofen als unspezifischen
Entzündungshemmern tatsächlich einen nachweisbaren Erfolg hat, wird zur Zeit in
Studien untersucht. Eine umfangreiche neue Studie aus den USA ergab, dass die
Einnahme von Ibuprofen über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahre das Risiko
an Alzheimer zu erkranken um bis zu 40 Prozent senkt. Weitere Hoffnung zumindest
auf Verzögerung der Symptome bietet der Einsatz von
östrogenhaltigen
Präparaten
bei erkrankten Frauen: nicht nur im Hinblick auf die Wechseljahrbeschwerden sind
Hormone hilfreich, sie verlängern die Lebensdauer von Zellen und unterstützen
somit die Erinnerungsfunktion.
Ein frühzeitiger Hinweis auf die Alzheimersche Erkrankung scheint außerdem ein
hoher
Cholesterinspiegel
und der Nachweis von vermehrter
Oxydation
im Blut zu sein. Insbesondere Menschen mit erblicher Vorbelastung haben hier
eine Chance, den Krankheitsverlauf durch entsprechende Ernährung zu
beeinflussen. Viele Vitamine und frisches Gemüse, wenig Fleisch und gesättigte
Fette halten den Cholesterinspiegel niedrig und verhindern, dass Fett im Blut
oxydiert, d. h. chemisch verändert werden.
Außerdem haben Forscher in Tierversuchen festgestellt, dass die Medikamente
gekoppelt mit
Vitamin C
wirksamer in den Hirnstoffwechsel eingeschleust werden können. Die Bedeutung des
Schlafes für Erkrankungen wie Alzheimer wird zur Zeit untersucht. So gehen
Forscher davon aus, dass ein
Mangel an REM-Schlaf
ebenfalls für Alzheimer von Bedeutung ist. Diese Schlafphase, in der sich die
Augen bei geschlossenen Lidern schnell bewegen (Rapid-Eye-Movement), gilt als
die eigentliche Tiefschlafphase. Entscheidend dabei: dieser Schlaf stimuliert
cholinerge Vorgänge im Gerhirn, d. h. durch Acetylcholin gesteuerte Vorgänge und
ist verantwortlich für die Erholung von Gedächtnis und Lernfähigkeit. Dieser
Ansatz könnte bedeuten, dass eine durch Medikamente verlängerte REM-Schlafphase
neue therapeutische Möglichkeiten bietet.
In jedem Fall unerlässlich sind begleitende
verhaltenstherapeutische und gedächtnistrainierende Maßnahmen,
um den Umgang mit der Krankheit auch und gerade im Alltag zu bewältigen,
sinnvollerweise unter Einbeziehung der Angehörigen.
Stand 2009
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