|
|
Zurück zur Themenübersicht |
Blasenentzündung
Häufiger
Harndrang, unangenehmes Brennen beim Wasserlassen, das sind typische Symptome
für eine Blasenentzündung. Verursacher sind zumeist Bakterien, die vor allem
dann angreifen, wenn die natürlichen Abwehrmechanismen von Harnröhre und Blase
geschwächt sind. Kalte Füße, sitzen auf kühlem Untergrund – und schon ist es
passiert. Besonders häufig trifft es Frauen. Fast jede fünfte erwachsene Frau
erkrankt einmal im Jahr an einer Blasenentzündung, die Hälfte aller Frauen
zumindest einmal im Leben. Der Grund hierfür liegt unter anderem in der
weiblichen Anatomie, denn die Harnröhre der Frau ist wesentlich kürzer als die
des Mannes. Dadurch können Bakterien leichter bis zur Blase vordringen und
gelangen unter Umständen sogar bis in die Nieren und können eine
Nierenbeckenentzündung auslösen. Bei einer Blasenentzündung sollte daher rasch
gehandelt werden, nur so lassen sich Komplikationen vermeiden.
Wie funktioniert die Blase?
Die Harnblase ist ein Hohlorgan, dass zur Zwischenspeicherung und Entleerung des
Urins dient. Sie ist Teil eines Organsystems, bestehend aus der Harnröhre, den
Harnleitern und den beiden Nieren. Die Nieren sind sozusagen die "Kläranlagen"
des Körpers. Sie filtrieren überflüssige oder schädliche Stoffe im Körper aus
und geben sie in Form von Urin über die Harnleiter an die Blase weiter. Beim
Auffangen des Harns dehnt sich die elastische Blasenwand wie ein Ballon. Dadurch
kann die Blase bis zu einem Liter Urin fassen. In der Regel wird aber schon ab
350 ml Füllmenge eine Entleerung eingeleitet: Über Nervenbahnen in den
Muskelwänden gelangt die Meldung „Achtung, Blase voll!“ über das Rückenmark an
das Gehirn. Das Gehirn gibt wiederum den Befehl: Entleerung. Der Harndrang
entsteht. Auf der Toilette erschlaffen die Schließmuskeln auf Befehl, die
Blasenwände ziehen sich zusammen und der Urin wird über die Harnröhre
ausgeschieden.
Blasenentzündung - Meist sind Bakterien die Ursache
Eine Blasenentzündung, von Medizinern auch Zystitis genannt, wird meist durch
Bakterien ausgelöst, und zwar in 80 Prozent der Fälle sind es Kolibaktieren aus
dem Darm (Escherichia Coli). Selbst bei peinlichster Hygiene können sie von
außen in die Harnröhre gelangen und bis zur Blase aufsteigen. Selten sind andere
Keime wie Enterokokken, Staphylokokken oder Proteus mirabilis für eine
Harnwegsinfektion verantwortlich. Bei jungen Frauen aber wird zunehmend auch der
Zellparasit Chlamydia trachomatis als Auslöser beobachtet. Neben Bakterien
können aber auch Pilze oder Viren die Verursacher einer Blasenentzündung sein.
Normalerweise werden diese Erreger bei regelmäßiger Blasenentleerung schnell
wieder ausgespült. Dadurch können sie sich nur schwer vermehren. Die natürlichen
Abwehrmechanismen der Blase sorgen dafür, dass sie unschädlich gemacht werden.
Ist aber der Prozess der Blasenentleerung gestört oder das Immunsystem
geschwächt, können die Bakterien sich in der Blasenschleimhaut festsetzen und
eine Entzündung auslösen.
Eine Blasenentzündung tritt normalerweise akut - also plötzlich - auf. Dann
macht sie sich durch Schmerzen beim Wasserlassen sowie starkem und häufigem
Harndrang bemerkbar, obwohl meist nur wenige Tropfen produziert werden. Der Harn
kann unangenehm riechen und durch leichte Blutbeimengungen rötlich verfärbt
sein. Typisch sind auch krampfartige Schmerzen im Unterleib.
Nicht immer verursachen bakterielle Infektionen Schmerzen und bleiben
unentdeckt. Das Problem aber ist, dass wenn nicht ausreichend behandelt wird,
sich die Erreger auch langfristig in die Blasenschleimhaut einnisten können.
Dann lösen sie immer wieder Entzündungen aus: Die Zystitis wird chronisch.
Müdigkeit und Abgeschlagenheit, manchmal auch dumpfe Rückenschmerzen, sind dann
zusätzliche Anzeichen der Infektion. Das kann ernsthafte Komplikationen nach
sich ziehen, wie Harnröhrenverengung oder die Ausbildung einer Schrumpfblase.
Bei Männern können die Bakterien über die Harnröhre in die Prostata absteigen
und in der Drüse Entzündungen hervorrufen.
Gefährlich wird eine Blasenentzündung, wenn die Bakterien über die Harnleiter
bis in die Niere aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Sie
verursacht Fieber und Schmerzen in der Lendengegend und muss sofort behandelt
werden. Denn im ungünstigsten Fall wird die Niere dauerhaft geschädigt, unter
Umständen droht sogar ein Nierenversagen.
Vorsicht Schmierinfektionen
Eine akute Blasenentzündung wird auch als aufsteigende Infektion oder
Schmierinfektion bezeichnet. Dabei gibt es einige Faktoren, die das
“Verschleppen“ von Erregern aus der Fäkalflora begünstigen. Bei Frauen ist schon
ihre Anatomie ein Risikofaktor. Neben ihrer deutlich kürzeren Harnröhre (vier cm
gegenüber 20 cm beim Mann) liegt diese zudem in unmittelbarer Nachbarschaft der
genitalen und analen Region. So können leicht Keime in die Harnröhre gelangen.
Ebenso steigt die Gefahr einer Schmierinfektion für Frauen durch
Geschlechtsverkehr. Früher sprachen die Ärzte daher von der
„Flitterwochenkrankheit“ oder „Honeymonn-Zystitis“. Auch Störungen der
Vaginalflora, wie z.B. durch die Verwendung aggressiver Seifen, Intimsprays oder
Tampons können Blasenentzündungen begünstigen.
Häufige Blasenentzündungen durch Harnabflussstörung
Wiederkehrende Blasenentzündungen können Ursache einer Harnabflussbehinderung
sein. Dadurch staut sich der Urin in der Blase und wird zu einer wahren
Brutstätte für Bakterien. Harnabflussbehinderungen entstehen z.B.:
Bei
einer fortgeschrittenen Schwangerschaft. Die Durchflussgeschwindigkeit des
Urins durch die Harnwege verringert sich.
Bei
Männern mit einer Prostatavergrößerung. Hier ist die Harnröhre verengt und
der Urin kann nicht mehr vollständig abfließen. Immer mehr Restharn bleibt
in der Blase.
Bei
Blasentumoren
Bei
Fehlbildungen der Harnwege. Dies macht sich schon im Kindesalter durch
häufige Blasenentzündungen bemerkbar.
Nicht
zuletzt können psychische Faktoren die Entstehung einer Blasenentzündung
begünstigen, wenn etwa Stress oder seelische Belastung zu einem veränderten
Verhalten beim Harnlassen führen.
Wann zum Arzt?
Eine leichte Blasenentzündung ist in der Regel harmlos und heilt manchmal von
alleine aus. Halten die Beschwerden aber länger als 48 Stunden unvermindert an,
tritt Blut im Urin auf oder gar Fieber, muss auf jeden Fall der Hausarzt
aufgesucht werden. Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten wird zum
Facharzt, einem Urologen, überweisen. Dies gilt besonders für Männer, sofern der
Verdacht auf eine Prostatavergrößerung oder eine andere Harnabflussbehinderung
besteht. Besteht der Verdacht auf eine Blasenentzündung, prüft der Arzt, ob sich
tatsächlich Bakterien oder andere Erreger in der Blase befinden. Dies geschieht
über eine Urinprobe, für die der sogenannte Mittelstrahlurin
verwendet wird. Dadurch soll verhindert werden, dass die Probe Verunreinigungen
in Form von Keimen aus der vorderen Harnröhre enthält, die das
Untersuchungsergebnis verfälschen kann.
Einen raschen Befund liefern die Streifen-Schnelltests.
Teststäbchen werden kurz in die Probe getaucht und nach wenigen Sekunden geben
die Verfärbungen der Testzonen Auskunft über etwaige Erkrankungen. Sie zeigen
u.a. an, ob sich Entzündungszellen wie weiße Blutkörperchen oder Blut im Urin
befinden. Ein sicherer Marker für Bakterien im Harn ist Nitrit. Je mehr sich die
Testzonen verfärben, desto schwerer ist die Infektion. Bei andauernden oder
widerkehrenden Entzündungen wird zudem eine
Bakterienkultur
angelegt. Dadurch kann festgestellt werden, welche Keime sich in der Blase
festgesetzt haben. Bei Verdacht auf komplizierte Harnwegsinfekte ist eine
eingehendere Ursachenforschung notwendig. So werden Röntgen- oder
Ultraschalluntersuchung der Harnwege vorgenommen, um
Harnabflussstörungen - etwa Harnröhrenverengungen oder Harnsteine – zu finden.
Mit Hilfe der Blasenspiegelung (Zystoskopie) kann der Arzt
Blasentumore erkennen und zugleich eine Gewebeprobe entnehmen.
Die Entzündung ausreichend bekämpfen
Eine
Blasenentzündung muss immer schnell und vor allem ausreichend behandelt werden,
sonst kann die Blasenentzündung chronisch werden. Klingt eine akute
Blasenentzündung nicht innerhalb von 48 Stunden spürbar ab, sind in der Regel
Antibiotika erforderlich. Sie müssen lange genug eingenommen werden, damit die
Keime nicht immun gegen das Mittel werden. Meist setzt die Wirkung sehr schnell
ein, die Symptome verschwinden. Ist das nicht der Fall, muss eine
Bakterienkultur angelegt werden, um das richtige Antibiotikum zu finden.
Zusätzliche Schmerzlinderung bieten krampflösende Medikamente.
Hilfe zur Selbsthilfe
Oberster
Grundsatz bei einer Blasenentzündung ist: Viel trinken! Eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr – zwei bis drei Liter am Tag – ist notwendig, um die Blase zu
spülen und die Erreger auszuschwemmen. Durch spezielle Blasentees kann der
Harndrang zusätzlich erhöht werden. Beispielsweise Tee aus Goldrutenkraut,
Birkenblätter oder Hauhechel. Empfehlenswert ist auch ein Tee aus
Bärentraubenblättern, denn der enthält keimhemmende Wirkstoffe. Und nicht
zuletzt: Immer schön warm zu halten. Denn Wärme fördert die Durchblutung und
unterstützt die Abwehrkräfte der Blase. Eine Wärmflasche gehört jedoch an die
Füße und nicht auf den Bauch, sonst fühlen sich die Bakterien nur noch wohler.
Auch heiße Bäder sind während einer akuten Blasenentzündung zu meiden.
Stand 2009
|
|
Zurück zur Themenübersicht> |