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Fasten, aber wie?
Fasten – Reinigung für Körper, Geist
und Seele
Alle Jahre wieder - nach Karneval – beginnt die Fastenzeit. Nach christlicher
Tradition sollte zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Genussmittel wie Alkohol
oder Süßigkeiten sowie Fleisch verzichtet werden. Manche Menschen entsagen beim
"carne vale" (lat.: „Fleisch, lebe wohl!“) allerdings nicht nur dem Fleisch: Sie
verzichten eine Zeit lang gänzlich auf feste Nahrung.
Fasten ist nicht nur eine christliche Tradition. Nahezu alle Kulturen und
Religionen kennen das Fasten seit Jahrhunderten als ein Mittel zur Reinigung von
Körper, Geist und Seele. Der Verzicht auf das Essen ermöglicht die innere
Einkehr und neue Erfahrungen mit sich selbst. Viele Menschen mit
Fastenerfahrungen berichten von wahren Energieschüben und Hochgefühlen in dieser
Zeit. Im Mittelpunkt der heutigen Fastenkultur stehen vorwiegend gesundheitliche
Aspekte: Der Körper soll von so genannten Schlacken und Giften gereinigt und
dadurch vitaler werden. Auch überschüssige Pfunde purzeln dabei, obwohl Fasten
primär nicht zum Abnehmen gedacht ist. Das klassische Heilfasten, das in erster
Linie in Spezial-Kurkliniken durchgeführt wird und mindestens drei Wochen
dauert, ist ein anerkanntes Naturheilverfahren und findet Anwendung bei
ernährungsbedingten Krankheiten, Stoffwechselstörungen und hilft, chronische
Erkrankungen lindern.
Fasten ist keine Null-Diät
Man kann Fasten als eine "kalorienarme Trinkdiät" bezeichnen, denn während der
Kur nimmt der Faster keine feste Nahrung zu sich. Bei einer richtig
durchgeführten Fastenkur kommt kein Hungergefühl auf und der Körper bleibt
weiter leistungsfähig. Denn Fasten ist keine Null-Diät. Die Nahrungszufuhr wird
nur bewusst unter die Bedarfsgrenze herabgesetzt, damit der Körper sich eine
Zeit lang aus seinen Reserven bedient. Über die Fastengetränke, die sich je nach
Fastenart unterscheiden, wird er jedoch weiterhin mit wichtigen Nährstoffen
versorgt. Maximal 500 Kalorien pro Tag werden so zugeführt.
Der Stoffwechsel schaltet auf Sparflamme
Der Mensch hat im Laufe seiner Geschichte die Fähigkeit entwickelt, für magere
Zeiten Reserven anzulegen. Bekommt der Körper nun keine oder fast keine Nahrung
mehr zur Energiegewinnung zugeführt, greift er automatisch auf eigene
Nährstoffdepots zurück: Er schaltet auf einen „Hungerstoffwechsel“ um. Nach und
nach verkleinert er seine Reserven an Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß. Vitamine
und Mineralien werden hingegen nur sparsam verwendet. Dabei kommt es zu
verschiedenen hormonell gesteuerten Anpassungsvorgängen und
Stoffwechselreaktionen. Alles, was der Körper nicht mehr benötigt, scheidet er
über Schleimhäute, Haut, Nieren und Darm aus. Dazu gehören auch verschiedene
Umweltgifte. Bei Rauchern macht sich dieser Ausscheidungsprozess eindrucksvoll
durch eine Graufärbung der Zunge bemerkbar.
Gefährlicher Eiweißabbau? Gefährliches Fasten?
Schulmediziner warnen oft vor dem Eiweißabbau durch das Fasten. Sie befürchten
einen bedrohlichen Abbau von Muskeleiweiß, vor allem des Herzmuskels.
Befürworter des Fastens hingegen sehen einen gewissen Eiweißabbau als Chance für
positive therapeutische Effekte. Eiweißablagerungen im Gewebe würden dadurch
abgebaut werden. Für diese Theorie gibt es bislang keine wissenschaftlichen
Beweise. Klinische Beobachtungen bei fastenden Asthmatikern, Allergikern oder
Rheumatikern zeigten jedoch, dass entzündliche Prozesse im Körper durch den
Nahrungsverzicht zurückgingen und Behandlungserfolge erzielt wurden. Um den
Eiweißabbau zur Glukoseherstellung zu bremsen, wird bei den verschiedenen
Fastenarten jedoch auf eine geringe Zufuhr an Kohlenhydraten geachtet, z.B. über
Honig oder Gemüsesäfte.
Wer darf nicht Fasten?
Fasten nicht ganz ungefährlich. Denn es handelt sich nicht um eine "sanfte",
sondern um eine stark eingreifende Methode. Unangenehme Beschwerden oder gar
schwere gesundheitliche Auswirkungen sind insbesondere dann zu befürchten, wenn
eine Fastenkur nicht methodisch korrekt durchgeführt wird und/ oder sehr lange
andauert. Einige Personengruppen sollten sogar ganz auf das Fasten verzichten.
Dazu zählen Kinder, Schwangere und Stillende, unterernährte Menschen und
Essgestörte, Alkohol- und Drogenabhängige, nervlich und körperlich Erschöpfte,
Schwerkranke sowie Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Wer
nicht völlig gesund ist, sollte im Zweifelsfall lieber immer einen Arzt fragen,
ob sich eine Fastenkur für ihn eignet.
Welche Form des Fastens passt zu
mir?
Die Möglichkeiten zu Fasten sind vielfältig. Die Entscheidung für eine bestimmte
Variante sollte immer von den eigenen Vorlieben und körperlichen Möglichkeiten
abhängen. Beliebt, aber teuer, sind Heilfastenkuren in einer spezilaisierten
Klinik. Sie erfolgen unter ärztlicher Aufsicht und eignen sich insbesondere für
Menschen, die die heilenden Kräfte des Fastens zur Linderung von Krankheiten
nutzen möchten. Aber auch Gesunde finden hier Abstand vom Alltag und neuen
Schwung. Die Kurdauer beträgt meist 14-21 Tage. Angenehm lässt es sich auch in
einer Gruppe von Gleichgesinnten fasten. Solche Gruppen unter Leitung eines
erfahrenen Fastentherapeuten werden beispielsweise von Gemeinden oder
Bildungsstätten angeboten. Die Gruppe trifft sich während der Fastentage
regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen, Probleme zu besprechen und gemeinsam
etwas zu unternehmen. Insbesondere für Einsteiger sind solche geführten Gruppen
ideal.
Aber auch auf eigene Faust – und sogar berufsbegleitend – kann gefastet werden.
Allerdings sollte eine Kur in Eigenregie immer nur ein Kurzzeitfasten (5-10
Tage) sein. Fastenperioden, die länger als zwei Wochen dauern, bedürfen der
Aufsicht eines Arztes oder Therapeuten. Wichtig ist zudem, dass der Faster
während der Fastentage die Möglichkeit hat, ein wenig vom Alltag loszulassen.
Insbesondere die ersten Tage der Stoffwechselumstellung sollten ohne Hektik oder
Termindruck erlebt werden können.
Grundregeln des Fastens
Damit die Fastenkur zu einem angenehmen und erfolgreichen Erlebnis wird, müssen
bestimmte Grundregeln eingehalten werden. Dazu gehört der korrekte Ablauf einer
Fastenkur mit Entlastungstagen, regelmäßiger Darmreinigung und einem
sorgfältigen Kostaufbau nach dem Fastenbrechen. Aber auch sonst gibt es einiges
zu beachten:
Vorbereitung:
Schon ein paar Tage vor dem Fasten sollte auf Alkohol, Kaffe, schwarzen Tee
und Zigaretten verzichtet oder der Verzehr zumindest eingeschränkt werden.
Große und schwere „Henkersmahlzeiten“ sind nicht empfehlenswert.
Entlastungstage:
Ein bis zwei Tage vor dem eigentlichen Fasten erfolgt eine vegetarische
Übergangsdiät mit etwa 600 Kalorien pro Tag. Damit soll der Stoffwechsel auf
die Karenz vorbereitet werden. Gegessen werden dürfen vor allem
Kohlenhydrate, kein Fett und nur wenig Eiweiß. Üblich sind Reis- oder
Obsttage. Gleichzeitig sollten die Alltagsaktivitäten langsam reduziert und
sich mehr Ruhe gegönnt werden.
Der
erste Fastentag:
Begonnen wird morgens mit einer Darmentleerung, am besten mit Hilfe von
Glaubersalz. Dazu 30-40 g des Salzes (je nach Körpergewicht) in einem 3/4
Liter Wasser auflösen und trinken. Das schmeckt zwar unangenehm, ist aber
wirkungsvoll: Nach etwa anderthalb Stunden macht sich der Darm bemerkbar.
Auch Bittersalz oder ein Einlauf bringen die gewünschte Wirkung. Reichliches
Trinken zwischendurch ist wichtig. Ab Mittags werden die üblichen
Fastengetränke, z.B. Gemüsebrühe und Säfte, zu sich genommen. Auf die
Qualität der verwendeten Nahrungsmittel sollte geachtet werden, damit der
Körper ausreichend Nährstoffe erhält.
Viel
trinken!
- pro Tag mindestens zwei Liter natriumarmes Wasser oder Kräutertee, damit
die reichlich anfallenden Säuren durch die Nieren entsorgt werden.
Darmhygiene:
Durch das Fehlen fester Nahrung ist der körpereigene Stimulus zur
Darmentleerung während des Fastens stark reduziert. Die Leber gibt jedoch
auch jetzt mit der Galle Giftstoffe und Stoffwechselrückstände in den Darm
ab, die entsorgt werden müssen. Bei Nichtausscheidung sind
Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen möglich. Deshalb sollte jeden
zweiten Tag abgeführt werden (mit Salzen oder Einlauf).
Leberwickel:
Zur Anregung der Lebertätigkeit werden täglich feucht-warme Wickel (z. B.
heisse Wärmflasche im feuchten Leinentuch) empfohlen. Das fördert die
Durchblutung der Leber und somit auch ihre Entgiftungs- und
Stoffwechselfunktion. Sie werden in einer Ruhepause eine halbe Stunde auf
die Leber gelegt.
Ausreichend Bewegung:
Körperliche Bewegung ist beim Fasten unerlässlich, da sie die
Ausscheidungsorgane anregt und den Eiweißabbau bremst (vor allem den des
Herzmuskels). Die gesteigerte Durchblutung hilft zudem gegen Frösteln und
kalte Füße, was beim Fasten häufig auftritt. Je nach individuellem Befinden
sind daher täglich ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen, Schwimmen oder
andere Ausdauersportarten ratsam. Sportliche Höchstleistungen sollten
allerdings vermieden werden.
Ruhe
und Entspannung:
Fasten sollte immer von einem Prozess der inneren Ruhe und Einkehr begleitet
sein. Stress und Überforderungen schaden dagegen. Sinnvolle Unterstützung
findet eine Kur durch Massagen, Bäder, Atemübungen oder Yoga. Auch eine
intensive Körperpflege tut jetzt gut, denn durch den veränderten
Stoffwechsel können unangenehme Körperausdünstungen und Mundgeruch
entstehen.
Das
bitte nicht!
Wer fastet, darf keinen Bissen essen. Die Umstellung des Stoffwechsels würde
sonst gestört werden. Auch wer vorzeitig abbrechen will, sollte immer auf
einen schonenden Kostaufbau achten. Es können sonst Beschwerden drohen.
Absolutes Tabu während der Fastentage sind zudem Alkohol und Zigaretten!
Fastenbrechen:
Der heikelste Punkt beim Fasten ist, wieder mit dem Essen zu beginnen. Denn
der Körper muss sich erst langsam wieder an feste Kost gewöhnen. Typische
Speise für das Fastenbrechen ist ein Apfel, der langsam und lange kauend
gegessen wird. Er regt die Produktion der Verdauungssäfte wieder an. Abends
folgt eine Gemüse-Kartoffelsuppe.
Aufbautage:
An die eigentliche Fastenzeit schließen sich die Aufbautage an. Dieser
sanfte Kostaufbau umfasst üblicherweise drei Tage, je nach Fastendauer auch
länger. Auf gar keinen Fall sollte zu schnell wieder auf eine normale
Ernährung umgestellt werden. Empfohlen werden kohlenhydrat- und
ballaststoffreiche Lebensmittel, also viel Gemüse, Rohkost und Salate.
Langsames, gründliches Kauen und weiterhin reichliches Trinken sind wichtig.
Am ersten Tag sollten nicht mehr als 800 Kalorien, am zweiten Tag 1000 und
am dritten Tag 1200 Kalorien verzehrt werden. Der Eiweiß- und Fettanteil der
Nahrung wird nur langsam gesteigert. Und wer diese Zeit für eine
Ernährungsumstellung nutzt, kann vielleicht seine Gewichtsabnahme auch
dauerhaft halten.
Stand 2009
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