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Traumfigur aus der Spritze?

Viele Menschen träumen von ihr, doch nur wenige haben sie wirklich: Die „perfekte“ Figur. Denn energiereiche Nahrung und Alkohol in Kombination mit Bewegungsmangel kann rasch zu unliebsamen Fettpolstern führen. Schnell sind die überschüssigen Pfunde da und meist wird man sie nur langsam und mühselig wieder los. Einige „Problemzonen“ scheinen sogar schier unbesiegbar. Im Kampf gegen diese Problemzonen greifen daher viele Menschen auf die Hilfe von Schönheitschirurgen zurück. Allein in Deutschland unterziehen sich jedes Jahr 150.000 Menschen einer Fettabsaugung. Ob mit Ultraschall- oder Wasserstrahl-Liposuktion: dass Fett wird aus dem Gewebe gespült, geschert und abgesaugt. Als „sanfte Alternative“ dieser nicht ganz risikofreien Prozeduren gilt nun seit einigen Jahren die so genannte Fett-Weg-Spritze. Fettpolster sollen mit ihr – im wahrsten Sinne des Wortes - nur so dahinschmelzen. Doch was kann diese „Injektionslipolyse“, wie sie im Fachjargon heißt, wirklich?

Ein Molekül als Schlüssel in die Fettzelle?

Der Wirkstoff heißt Phosphatidylcholin, abgekürzt „PC“ und ist ein Molekül, das mit der Spritze direkt in die unerwünschten Fettpölsterchen geschleust wird. Dieser Wirkstoff wird aus der Sojabohne gewonnen und chemisch so bearbeitet, dass er in hochkonzentrierter Form zur Verfügung steht. PC ist aber nicht nur ein Bestandteil der Sojabohne, sondern kommt in den Zellwänden (Membranen) von Pflanzen, Tieren und Menschen vor und es ist unter anderem am Fetttransport beteiligt. Wie PC allerdings wirkt, kann man bislang nicht genau sagen, denn streng wissenschaftliche Studien gibt es nicht. Die Forscher haben die Wirkweise des Moleküls bislang noch nicht beobachten können, darum haben sie ein Denkmodell entwickelt, anhand dessen die fettauflösende Wirkung beschrieben wird: Demnach führt PC nach der Injektion ins Fettgewebe zu einem „Aufschmelzen“ der Fettzellen. Das austretende Fett wird anschließend vom Körper nach und nach über das Lymphsystem und den Stoffwechsel entsorgt.

Altbekanntes Mittel mit neuer Idee

Neu ist das Molekül für Wissenschaftler und Ärzte nicht. In bestimmten Medikamenten rettet es bereits seit 30 Jahren Menschen vor einer drohenden Fettembolien das Leben, z.B. nach einem Unfall oder bei unfallchirurgischen Operationen. PC wird in diesen Fällen in die Vene gespritzt. In Tablettenform findet es bei Fettstoffwechselstörungen zur Senkung eines hohen Cholesterinspiegels seinen Einsatz. Außerdem hat es eine leberschützende Wirkung. Dieses Mulitalent in Sachen „Fettverwertung“ wurde 1995 erstmals von der Hautärztin Patrícia Rittes aus Brasilien auch gegen Fettpolster direkt unter der Haut (subcutan) angewendet.

Behandlung auf eigene Gefahr!

Zugelassen ist diese Behandlungsform in Deutschland allerdings nicht. Auf dem Beipackzettel der Präparate steht dazu auch ausdrücklich ein Hinweis. Damit schützt sich der Hersteller vor eventuellen Schadensforderungen. Die so genannte Fett-Weg-Spritze wird daher nur im so genannten „Off-Label-Verfahren“ angeboten. „Off-Label“ bedeutet, dass ein erhöhter Beratungsbedarf durch den behandelnden Arzt gewährleistet sein muss. Ähnlich gehandhabt wird zum Beispiel das Anti-Faltenmittel Botox, das in Deutschland nach wie vor nicht für kosmetische Zwecke zugelassen ist, aber bei ausdrücklicher Zustimmung des Patienten angewandt werden darf.

Was für Risiken gibt es?

Bisher herrscht Unklarheit darüber, wie der Körper größere Fettabfälle entsorgt und ob es zu möglichen Nebenwirkungen oder Spätfolgen kommen kann. Denn im Unterschied zur Fettabsaugung (bei der das Fett aus dem Körper abgesaugt wird), bleibt bei der Fett-Weg-Spritze das zersetzte Fett zunächst im Körper und muss von diesem nach und nach abgebaut werden. Eine Überlastung des Lymphsystems bei dieser „Entschlackung“ soll nach Aussagen der Ärzte dadurch vermieden werden, indem pro Sitzung nur eine vorher genau bestimmte Menge des Wirkstoffes gespritzt wird. Allerdings liegen nur wenige, gut dokumentierte Ergebnisse und unabhängige klinische Studien über die Wirkung, mögliche Risiken und eventuelle Langzeitwirkungen der Fett-Weg-Spritze vor. Die bekannten Nebenwirkungen sind Schwellungen, Druckempfindungen, Rötungen im Bereich der Einstichstelle und Juckreiz, direkt nach der Behandlung, sowie Verhärtungen im Gewebe, die nach einigen Wochen nachlassen können.

Preiswert zur Traumfigur?

Wer nun glaubt, dass die Spritze günstiger ist als eine Fettabsaugung, der kann sich irren: Die Preise für die Behandlung mit der Fett-Weg-Spritze belaufen sich auf einige hundert bis -tausend Euro – je nach Anzahl der Behandlungen. Darum hat sich inzwischen ein neuer und nicht ungefährlicher Trend entwickelt: Die „Traumfigur aus der Spritze“ hat ihre Konsumenten gefunden: Präparate werden zum Teil auf dem freien Markt für einen Bruchteil des Preises angeboten und locken daher zur privaten Anwendung daheim. Aber vor solchen Selbstversuchen warnen sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Fett-Weg-Spritze: Phosphatidylcholin sollte keinesfalls in „Do-it-yourself“-Manier zum Einsatz kommen. Nur ein entsprechend ausgebildeter Mediziner kann die verschiedenen Gewebetypen unterscheiden und die zu verwendende Menge bestimmen. Ein Laie kann mit der Injektion körperliche Schäden verursachen.

Und noch etwas …

Für Menschen, die wirklich abspecken wollen, ist weder die Fett-Weg-Spritze, noch die Fettabsaugung geeignet. Denn gegen großflächige Fettpolster hilft nur eine Ernährungsumstellung und eine ordentliche Portion Sport.

Stand 2009

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